Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Bericht 25 Jahre Lamborghini Diablo

Bericht: 25 Jahre Lamborghini Diablo

Eine teuflische Geschichte

26.08.2015

Diablo! Typisch Lamborghini stand dieser Name zunächst einmal für einen teuflischen Tritt ins Kreuz bei jedem Tempobefehl. Der Sprint auf 100 km/h gelang dem 492 PS starken V12 in exakt 4,09 Sekunden und die Vmax wurde mit 325,2 km/h angegeben. Jede Stelle hinter dem Komma zählte vor 25 Jahren, schließlich holte der dramatisch designte Diablo so den begehrten Titel „Schnellster Seriensportwagen der Welt“ zurück nach Sant'Agata Bolognese. Was zugleich eine Demütigung der meist rot lackierten Rivalen aus Maranello bedeutete.

Galerie: Bericht 25 Jahre Lamborghini DiabloDamit nicht genug. Mit dem Kapital des neuen Lamborghini-Eigentümers Chrysler sollte der Countach-Nachfolger Diablo die Maßstäbe im Highend-Bereich der Supersportwagen grundsätzlich verschieben. Dort, wo zuletzt der Ferrari F40 mit 324 km/h die Tempospitze markiert hatte, die Käufer des 315 km/h schnellen Porsche 959 vergeblich auf einen Nachfolger hofften und sich stattdessen Jaguar XJ 220 und Bugatti EB110 scharf machten, um 1992 die 340-km/h-Marke zu knacken. Gar nicht zu reden vom noch schnelleren McLaren F1. Es war eine Ära des Geschwindigkeitsrauschs, in der sich Lamborghini mit dem Diablo als fast perfekter Symbiose aus überlegener Technik und vollendeten Formen ins 21. Jahrhundert katapultierte – und sich so plötzlich unter dem Dach der Audi AG wiederfand.

So weit, so schnell

Galerie: Bericht 25 Jahre Lamborghini DiabloAm Anfang der Diablo-Story stand aber im Jahr 1985 zunächst einmal die Suche nach neuen Geldgebern für das Werk in Sant'Agata und die Entwicklung eines radikalen Racers, der nicht weniger rebellisch war als die zu ersetzende automobile Rakete namens Countach. Immerhin verdankte die Marke im Zeichen des Stiers dem Countach ihren Wiederaufstieg aus den tiefen Tälern der finanziellen Katastrophen nach dem schon 1973 erfolgten Ausstieg des Unternehmensgründers Ferruccio Lamborghini. Was dem keilförmigen Countach gelungen war, sollte das neue Geschoss nun ebenfalls schaffen. Für Countach-Designer Marcello Gandini eine Herausforderung, die er nur zu gerne annahm. Tatsächlich gerieten seine ersten Entwürfe für den Diablo sogar so radikal, dass Chrysler als neuer Lamborghini-Eigentümer zur Mäßigung aufrief und Gandini von einer Glättung der Formensprache überzeugte. Euphorisierende Begeisterung beiderseits des Atlantiks entfachte dafür die Topspeed von 337 km/h, mit der bereits die Prototypen in Nardo ihre Runden drehten. Das Entwicklungsprojekt 132 schien das Potenzial für Weltrekorde zu bieten, vor allem die für Nordamerika – dem weltgrößten Luxusmarkt - so imageträchtige 200-mph-Schallmauer konnte geknackt werden. Wollten doch amerikanische Supercar-Käufer stets die Schnellsten sein – allerdings weniger in der Realität als im Wunschdenken.

1985: Entwicklungsbeginn für das Projekt P132, aus dem der Diablo entstehen sollte. Das Ziel war die Konzeption eines Nachfolgers für den Countach, das das schnellste Serienfahrzeug der Welt sein sollte. Ein seriennaher Diablo-Prototyp erreichte auf der Teststrecke in Nardo 337 km/h. Chefdesigner ist Marcello Gandini

1987: Am 24. April übernimmt der Chrysler Konzern Lamborghini

1988: Zum 25jährigen Unternehmensjubiläum stellt Lamborghini den Countach25 vor, der als Antwort auf Porsche 959 und Ferrari Testarossa gesehen wird. Der Jubiläums-Lamborghini wird zum meistproduzierten Countach-Typ aller Zeiten. Ein guter Ersatz für den Diablo, der eigentlich anlässlich des Silberjubiläums hatte vorgestellt werden sollen

1990: Am 4. Juli fährt der letzte Countach aus den Werkshallen. Bereits im Januar feierte der Nachfolger Diablo in Monte Carlo Weltpremiere. Die Kundenauslieferungen beginnen im Oktober

1991: Präsentation des Diablo VT (Viscous Traction) mit Allradantrieb

1992: Auf dem Genfer Salon präsentiert die Marke einen Diablo Roadster in Prototypenform, lackiert in mutigem Metallic-Acid-Yellow. Nach kurzzeitigem Höhenflug brechen die Verkäufe des Diablo dramatisch ein. Insgesamt kann Lamborghini in diesem Jahr nur 166 Einheiten absetzen, was auch eine Folge der weltweiten Rezession ist

1993: Ferruccio Lamborghini stirbt am 20. Februar. Im September lanciert Lamborghini den Diablo 30 SE (Special Edition) in lila Lackierung, mit größerem Frontspoiler und großem, verstellbarem Heckflügel mit einer Vmax von 333 km/h, um so den 30. Geburtstag der Marke zu feiern. Die Sonderserie wird bis 1995 gebaut, die Auflage ist allerdings auf 150 Einheiten limitiert. Lamborghini verkauft nur 172 Automobile im ganzen Jahr

1994: Chrysler veräußert Lamborghini an die Investment Gruppe Mycom Setdco aus Malaysia und V’Power Corporation aus Indonesien

1995: Debüt des Ferrari F50 mit 520 PS auf dem Genfer Salon. Lamborghini antwortet mit der Entwicklung des Diablo Jota und 580 PS Leistung. Auf dem Automobilsalon von Bologna zeigt Lamborghini die Serienversion des Diablo Roadster mit abnehmbarem Hardtop als erstes offenes Lamborghini Modell überhaupt für die Serienfertigung. Der Diablo Roadster wird als schnellstes offenes Auto der Welt mit Straßenzulassung beworben

1996: Im Januar Auslieferungsbeginn des Diablo Roadster in Europa, im Juni auch in den USA. Mit Zagato-Karosserie wird das Concept Car Raptor gezeigt; als technische Basis dient der Diablo. Auf dem Genfer Salon debütierte der Diablo SV (Sport Veloce) mit 500 PS Leistung. Am 15. Juni Beginn der Philippe Charrioll Supersport Trophy. Für den Premierenlauf dieser Motorsportserie hatte Lamborghini 27 Diablo SV-R vorbereitet. Die Rennen liefen im Vorfeld von Le Mans, in Brands Hatch, Spa, Vallelunga und auf dem Nürburging. In den USA sollte im Folgejahr eine eigene Serie mit 20 Diablo Roadster R starten

1997: Lamborghini schreibt schwarze Zahlen, aber die Asien-Krise erfasst das Eigentümer-Konsortium

1998: Der Diablo Competition GT 2 leistet 640 PS. Audi erwirbt am 27. Juli Lamborghini. Einstellung des Diablo mit Hinterradantrieb

1999: Auf der Frankfurter IAA wird der Diablo GT mit 6,0-Liter-V12 und 575 PS Leistung vorgestellt als schnellster Seriensportwagen der Welt (338 km/h) und als erster Lamborghini unter der Audi-Ägide. Zum Jahrtausendwechsel Diablo Roadster Millennium als auf 30 Einheiten limitiertes Sondermodell. Ansonsten Straffung des Modellprogramms auf Diablo GT mit Hinterradantrieb und Diablo mit Allradantrieb

2000: Optische Modellpflege, statt Klappscheinwerfer jetzt feststehende Scheinwerfer. Nur noch ein Typ als Diablo 6.0 mit auf 550 PS reduzierter Leistung

2001: Zum Ende der Produktion gab es das Sondermodell Diablo VT 6.0 SE in einer Auflage von 44 Einheiten. Im Oktober Marktstart des Murciélago.

2003: Einführung des Gallardo nach Weltpremiere auf dem Genfer Salon

2008: Mit 2.430 Fahrzeugen erreicht die Lamborghini-Produktion in diesem Jahr ein Allzeit-Hoch

Insgesamt: 2.899 Lamborghini Diablo, davon

Lamborghini Diablo: 873 Einheiten

Lamborghini Diablo VT: 529 Einheiten

Lamborghini Diablo SE: 157 Einheiten

Lamborghini Diablo VT Roadster: 468 Einheiten

Lamborghini Diablo SV: 346 Einheiten

Lamborghini Diablo SVR: 34 Einheiten

Lamborghini Diablo GT: 83 Einheiten

Lamborghini Diablo GTR: 32 Einheiten

Lamborghini Diablo 6.0: 337 Einheiten

Lamborghini Diablo 6.0 SE: 44 Einheiten

Lamborghini Diablo (ab 1990) mit 5,7-Liter-(362 kW/492 PS)-V12-Motor, Vmax 325,2 km/h, 0-100 km/h in 4,09 s

Lamborghini Diablo 30 SE (ab 1993) mit 5,7-Liter-(386 kW/525 PS)-V12-Motor, Vmax 333 km/h, 0-100 km/h in 4,0 s

Lamborghini Diablo Roadster (1996) mit 5,7-Liter-(390 kW/530 PS)-V12-Motor, Vmax 335 km/h, 0-100 km/h in 4,0 s

Lamborghini Diablo VT (1997) mit 5,7-Liter-(390 kW/530 PS)-V12-Motor, Vmax 335 km/h, 0-100 km/h in 3,95 s

Lamborghini Diablo Roadster (1997) mit 5,7-Liter-(390 kW/530 PS)-V12-Motor, Vmax 335 km/h, 0-100 km/h in 3,95 s

Lamborghini Diablo SV (1997) mit 5,7-Liter-(390 kW/530 PS)-V12-Motor, Vmax 320 km/h, 0-100 km/h in 3,85 s

Lamborghini Diablo GT (ab 1999) mit 6,0-Liter-(423 kW/575 PS)-V12-Motor, Vmax 338 km/h, 0-100 km/h in unter 4,0 s

Lamborghini Diablo 6.0 (ab 1999) mit 6,0-Liter-(405 kW/550 PS)-V12-Motor, Vmax 330 km/h, 0-100 km/h in 3,95 s

In der Praxis waren es stattdessen meist Motorjournalisten, die den Diablo feierten – als einen der ersten Plus-300-km/h-Renner, der auch bei Fahrbahnunebenheiten, leichten Windböen und sanft geschwungenen Autobahnkurven auf Kurs blieb. Der Diablo war kein Papiertiger wie die vielen Powercars, die nur im Prospekt Rekorde aufstellten. Vielmehr war dieser nach einem besonders wilden Kampfstier benannte Lamborghini ein furioser Stratosphären-Jäger, der auch verfolgende Ferrari nicht fürchtete. Und der standfest blieb, wenn manch anderer Tempobolzer durch thermische oder sonstige Defekte längst liegengeblieben war. Sogar in Langstreckentests der Fachmedien gab es nur Lobeshymnen zu lesen. Qualitäten, die Ende der 1990er Jahre auch die Audi-Ingenieure und Ferdinand Piech begeisterten, als es eigentlich nur darum ging, ob das Audi-A8-Triebwerk einen sogenannten Baby-Lamborghini befeuern sollte.

Schnellstes Serienauto

Galerie: Bericht 25 Jahre Lamborghini DiabloIm Januar 1990 stand aber erst einmal die glamouröse Premierenparty für den Diablo auf der Agenda. Und wo hätte diese fettere Schlagzeilen gemacht und mehr kaufkräftige Millionäre angezogen als im Sporting Club von Monaco mit musikalischer Unterstützung durch Startenor José Carreras? Gastgeber der Gala war der charismatische Chrysler-Chef Lee Iacocca, der zuerst den Detroiter-Giganten aus der Asche zu neuem Glanz geführt hatte und ein solches Kunststück nun bei Lamborghini wiederholen wollte. Das verwöhnte Premierenpublikum in Monaco war begeistert von Show und Fahrzeug und tatsächlich trafen mehr Vorbestellungen für den Diablo ein als von den Auguren erwartet. Immerhin war der Diablo ein 393.000 Mark teures Auto, was 30 Prozent Preisaufschlag gegenüber dem Countach entsprach.

An diesen Vorgänger erinnerte der Diablo optisch durch das spektakuläre Designmerkmal der „Tore zum Himmel“. In dieser Form einzigartige, weit aufschwingende Scherentüren, die einen extraordinären Einstieg ins Cockpit des Fighters gewährten. Oberhalb der Hinterachse saß der neu konstruierte 492 PS starke 5,7-Liter-V12 und vor der Achse zwei Ölkühler, die nicht weniger als 13 Liter Schmierstoff für das Kraftwerk zu temperieren hatten. Trotz einer Karosserie aus Leichtmetall und Karbonfiber und eines ebenfalls auf Leichtbau getrimmten Stahlgitterrahmenshatte der 1,6 Tonnen schwere Diablo an Gewicht gegenüber dem Countach deutlich zugelegt. Vor allem als optionale Allradversion VT, dafür glänzte der Diablo durch perfekter ausbalancierte Fahrtalente und überraschend viel Komfort. Nicht zu vergessen der imaginäre Lorbeerkranz des schnellsten Serienautos.

Entwicklung unter vielen Händen

Galerie: Bericht 25 Jahre Lamborghini DiabloDieser spielte schon 1992 kaum noch eine Rolle. Nicht weil die neuen Konkurrenten nach ihm griffen, sondern weil Lamborghini schon wieder in eine wirtschaftliche Krise schlitterte. Eine globale Rezession bremste den Luxusmarkt ein und Lamborghini verkaufte 1992/93 nur noch jeweils rund 170 Autos. Daran änderte auch ein Novitätenfeuerwerk nichts. Dazu gehörte 1992 ein heißer Sonnenwind in Form einer Diablo Roadster-Studie (der Verkauf der Serienversion des schnellsten Cabrios der Welt startete drei Jahre später), der 333 km/h rennende Diablo SE zum 30. Jubiläum von Lamborghini als Sportwagenbauer oder 1995 der Diablo Jota mit 580 PS als Antwort auf den Ferrari F50. Als Sant'Agata für 1996 auch noch eine erfolgreiche Kunden-Sportserie mit Diablo SV-R für Läufe in Le Mans oder auf dem Nürburgring vorbereitete und die dunkelroten Bilanzfarben ins Schwarze changierten – da hatte Chrysler die Marke mit dem Kampfstier bereits verkauft.

Galerie: Bericht 25 Jahre Lamborghini DiabloNeuer Eigner war ein Konsortium aus Malaysia und Indonesien, Geschäftsleute, die durchaus geschickt agierten. Hätte es nicht 1997 die Asienkrise gegeben. Entsprechend schnell trennten sich die asiatischen Lamborghini-Eigentümer von der Kultmarke, als sich 1998 Audi an einer Übernahme interessiert zeigte. Die anspruchsvolle Kundschaft war begeistert. Zumal ein 6,0-Liter-V12 den betagten Diablo 338 km/h schnell machte – 18 km/h mehr als der 550 Maranello als damals flottester Ferrari bieten konnte. Nach immerhin wieder 213 Diablo im Jahr 1998 konnte Lamborghini im Jahr 2000 schon wieder rund 300 der Racer ausliefern. Tatsächlich sagen viele Fachleute und Fans der letzten bis 2001 gebauten Serie sogar nach, die Beste gewesen zu sein. So viel Entwicklungsarbeit hatte Audi noch investiert, obwohl schon im Oktober 2001 der Murciélago als Nachfolger mit scharfen Hufen scharrte. (as/sp-x)

 
4
34

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.