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Galerie: Bericht 30 Jahre Alfa Romeo 333

Bericht: 30 Jahre Alfa Romeo 333

Magie der Millionen

21.06.2013

Er sollte den sensationellen Verkaufserfolg seines Vorgängers Alfasud übertreffen und als Produktionsmillionär zugleich dessen Qualitätsprobleme vergessen lassen. Dazu wurde der gerade einmal vier Meter lange Fünftürer mit einem Namen ausgestattet, der bei Motorsportenthusiasten glänzende Augen bewirkte. Zählte der legendäre Alfa Romeo Tipo 33 doch zu den glorreichsten Gewinnern der Sportwagen-Weltmeisterschaft.

In Daytona oder bei der Targa Florio hatten die Acht- und Zwölf-Zylinder-Bestien ihren süchtig machenden Sound in die Gedächtnisse der Fans eingebrannt. Davon war die 1983 vorgestellte Vierzylinder-Limousine zwar Lichtjahre entfernt, aber der neue Alfa 33 konnte zumindest mit drehfreudigen und kräftig klingenden Boxer-Motoren vorfahren, die in ihrem Segment eine Alleinstellung besaßen und die Herzen aller Alfisti höherschlagen ließen.

Ein Kind seiner Zeit

Galerie: Bericht 30 Jahre Alfa Romeo 333Dies übrigens bereits im Alfasud, der rasch rarer wurde als viele Ferrari jener Jahre, dahingerafft vom vielleicht schnellsten Rosttod aller Zeiten. Ein Problem, das der bis dahin meistverkaufte Alfa Romeo glücklicherweise nicht an seinen Nachfolger Alfa 33 vererbte. Dieser distanzierte sich optisch radikal vom Alfasud. Mit kantigen Linien war er ein Kind seiner Zeit, unverwechselbar machte den im hauseigenen Centro Stile unter Ermanno Cressoni gezeichneten Alfa 33 das Stummelheck, bei den Leistungsträgern gekrönt vom mächtigen Heckspoiler.

Ergänzt wurde die Limousine 1984 durch den Giardinetta, einen kleinen Lifestyle-Laster aus dem Haus Pininfarina. Knapp eine Million Liebhaber fand der Alfa 33 in zwölf Jahren und löste damit für die Mailänder Marke die begehrte Eintrittskarte in den Club der millionenstarken Massenhersteller.

Balsam für die Seele

Das war Balsam für Alfa Romeos geschundene Seele, die bis Mitte der 1980er Jahre schwer unter Kosten und Kummer gelitten hatte, zuerst verursacht durch den Alfasud und direkt im Anschluss durch den Arna, einer missglückten Kleinwagen-Kooperation mit Nissan. Der Alfa 33 dagegen wurde von Publikum und Presse sofort begeistert aufgenommen.

Seine heiser röhrenden Boxermotoren ermöglichten sportliche Fahrleistungen und überraschten damit, dass sie bei höheren Touren – erst bei 7.000 Umdrehungen griff der Begrenzer ein – ruhig wirkten. Während die Vorderachse des Alfa 33 anfangs vor allem von 5 PS leistenden 1,3-Liter- und 84 PS starken 1,5-Liter-Benzinern angetrieben wurde, ergänzte ab 1986 ein außergewöhnlicher Dreizylinder-1,8-Liter-Turbodiesel mit 73 PS das Programm.

Durch die Schallmauer

Galerie: Bericht 30 Jahre Alfa Romeo 333Allerdings passte der reichlich raue Lauf des genügsamen Selbstzünders nicht zum sportiven Wesen des Alfas und so wurde der Diesel nur auf dem Heimatmarkt angeboten, ab 1990 sogar als Intercooler. Auf anderen Märkten punktete die in Pomigliano d'Arco gefertigte Einsteigerbaureihe dafür mit einem neuen, bis zu 132 PS freisetzenden 1,7-Liter-Boxer-Benziner.

Damit durchbrach der Alfa 33 die damals noch prestigeträchtige 200-km/h-Schallmauer und zog gleich mit Konkurrenten wie VW Golf GTI und Opel Kadett GSI, und konnte sogar größere und weit kostspieligere Limousinen wie Audi 80 16V oder BMW 318 iS in Schach halten.

Wegbereiter der Edellaster

Voraus fuhr der Alfa „Trenta Tre“ den süddeutschen Rivalen ab 1984 mit einem schicken Kombi, der Eleganz und Exklusivität in die Kompaktklasse brachte. In einer Zeit als sich Opel Kadett Caravan und Ford Escort Turnier noch mit einem kastenförmigen Transporter-Heck kennzeichneten und BMW bei den Kombis noch gänzlich passen musste, präsentierten die Italiener den Alfa 33 Giardinetta als Wegbereiter künftiger Edellaster.

Seine sportiven Linien – ab 1988 firmiert der kleine Kombi auch als Sport Wagon – erinnerten manche Journalisten sogar an Shooting Brakes. Immerhin fasste das Gepäckabteil von Giardinetta beziehungsweise Sport Wagon 430 bis 1.350 Liter und damit deutlich mehr als beim konventionellen Fünftürer. Der Aufpreis für die feinen Pininfarina-Transporter hielt sich mit 10 bis 15 Prozent im Rahmen und so erlebten die rassigen Kombis  einen Nachfrageansturm, der die Produktionskapazitäten zeitweise deutlich überstieg. Über 122.000 Einheiten konnte Alfa Romeo von dieser Karosserieversion des Typs 33 absetzen, für manchen Wettbewerber ein Signal, ebenfalls einen schicken Kombi zu lancieren.

4x4 und Van-Studie

Galerie: Bericht 30 Jahre Alfa Romeo 333Auch für das technische Topmodell war Pininfarina zuständig, wurden doch die Alfa 33 4x4 mit permanentem Allradantrieb ab November 1984 im Werk des Karossiers montiert. Die höchsten Ausstattungslinien kennzeichnete dagegen nach Alfa-Tradition ein Kleeblatt, entweder als grünes Quadrifoglio Verde oder als goldenes Quadrifoglio Oro.

Exklusivster Alfa 33 blieb der Z33 Free Time beziehungsweise Tempo Libero, den die Carrozzeria Zagato als Concept auf dem Genfer Salon 1984 zeigte. Mit einer Frontgestaltung im Stil der größeren Giulietta, aber der Plattform und Ausstattung des Alfa 33 Quadrifoglio Oro zeigte Zagato einen Prototypen künftiger Compact Vans und Hochdachlimousinen. Zu einer Serienfertigung kam es allerdings nicht, denn die Zeit schien den Italienern noch nicht reif für Vans. Tatsächlich hatte es der im gleichen Jahr vorgestellte Renault Espace als erster europäischer Serienvan anfangs alles andere als leicht.

1983: Einführung des Alfa 33 (Baureihe 905) als fünftüriges Kompaktklassemodell und als Nachfolger des Alfasud,

1984: Zagato zeigt die Studie einer Großraumlimousine, den Z33 Free Time, der allerdings nicht in Serie geht. Vom Alfa 33 laufen bereits 83.494 Einheiten vom Band, vom Vorgänger Alfasud noch 1.531 Wagen. Der zweite, preiswertere Alfasud-Nachfolger Alfa Romeo Arna aus der Kooperation mit Nissan wird in 22.650 Einheiten gefertigt. Ab November ergänzt der Alfa 33 4x4 die Palette, die Produktion erfolgt bei Pininfarina. Neu im Programm ist auch der Kombi Giardinetta

1985: Die letzten 20 Alfasud laufen vom Band, der Arna scheitert am Markt, nur 10.564 Wagen werden gefertigt und auch der Alfa-33-Absatz geht vorübergehend zurück auf 60.515 Einheiten

1986: Zur Absatzbelebung lanciert Alfa Romeo einen facegelifteten Alfa 33 mit neuer 1,7-Liter-Boxermaschine. Für den Heimatmarkt präsentiert Alfa Romeo auch eine Version mit 1,8-Liter-Turbodiesel

1988: Der Giardinetta wird in Sport Wagon umbenannt

1989: Im Herbst großes Facelift für Modelljahr 1990. Der Alfa 33 läuft nun unter der Baureihennummer 907. Designmodfikationen im Stil des größeren Alfa 164. Permanent4 ersetzt die 4x4-Version. Jetzt auch mit 16-Ventil-Motoren, Servolenkung und ABS

1994: Produktionsauslauf. Nachfolger werden die Typen 145 und 146

Alfa 33 1.3 (1983): ab 16.640 Mark

Alfa 33 1.5 (1983): ab 17.540 Mark

Alfa 33 1.5 Quadrifoglio (1983): ab 18.650 Mark

Alfa 33 1.3 (1986): ab 17.290 Mark

Alfa 33 1.5 (1986): ab 18.990 Mark

Alfa 33 1.5 Quadrifoglio Verde (1986): ab 21.380 Mark

Alfa 33 1.5 Giardinetta (1986): ab 21.990 Mark

Alfa 33 1.5 Giardinetta 4x4 (1986): ab 24.790 Mark

Alfa 33 1.3 (1988): ab 18.300 Mark

Alfa 33 1.7 IE (1988): ab 22.000 Mark

Alfa 33 1.7 IE Quadrifoglio Verde (1988): ab 22.500 Mark

Alfa 33 Sport Wagon 1.7 IE Quadrifoglio Verde (1988): ab 24.200 Mark

Alfa 33 Sport Wagon 1.7 IE 4x4 (1988): ab 26.700 Mark

Alfa 33 1.7 IE (1991): ab 24.000 Mark

Alfa 33 16V (1991): ab 27.200 Mark

Alfa 33 16V Quadrifoglio (1991): ab 28.600 Mark

Alfa 33 Sport Wagon 1.7 IE (1991): ab 26.200 Mark

Alfa 33 1.4 IE (1992): ab 21.500 Mark

Alfa 33 1.7 IE (1992): ab 24.800 Mark

Alfa 33 16V (1992): ab 28.000 Mark

Alfa 33 16V Quadrifoglio (1992): ab 29.500 Mark

Alfa 33 Sport Wagon 1.7 IE (1992): ab 27.000 Mark

Alfa 33 Sport Wagon 1.7 IE Quadrifoglio Permanent4 (1992): ab 33.600 Mark

Alfa 33 gesamt: 989.324,

davon 866.958 Alfa 33 Limousinen,

122.366 Alfa 33 Giardinetta/Sport Wagon

zum Vergleich: 912.723 Alfasud (ohne Sprint)

Seltene Liebhaberstücke

„Die Linie einer anderen Klasse”, lautete zur selben Zeit Alfa Romeos Einführungskampagne für die Alfa 33 Limousine. Tatsächlich gelang es den Italienern, den Fünftürer mit den Formen eines angedeuteten Stufenhecks zu versehen, ein gewöhnungsbedürftiges Design, das aber letztlich Kunden aus beiden Lagern überzeugte. Zu exzentrisch gab sich dagegen für manche Journalisten die Gestaltung des Armaturenbretts. Das Hartplastik wirke billig und passe nicht zu den edlen Holzlenkrädern der höchsten Ausstattungen und die Instrumente seien zu verspielt verteilt, lautere die Kritik.

Den Käuferansturm konnten solche Kleinigkeiten aber nicht eindämmen und nach dem ersten Facelift verstummten alle Kritiker. Heute wirkt das Cockpit früher Alfa 33 dagegen besonders faszinierend, weil zeitgeistig. Allerdings ist Alfas Erfolgsnummer inzwischen selten geworden, der “Trenta Tre“ teilt hier das Schicksal fast aller Volumenmodelle der 80er Jahre. Gut gepflegte Exemplare erzielen deshalb bereits Liebhaberpreise , die über den Notierungen des 1994 eingeführten Nachfolgers vom Typ 145 liegen.  

 
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