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Galerie: Bericht 40 Jahre Ford Escort II

Bericht: 40 Jahre Ford Escort II

Begehrtes Volksmobil

18.11.2014

Im Rückblick steht sie völlig zu Unrecht im Schatten ihres berühmt-berüchtigten Vorgängers, des ersten Escort mit Hundeknochen-Kühlergrill und keckem Hüftschwung. Mit solchen Designschrullen räumte die Escort-Neuauflage vor 40 Jahren gründlich auf. Großzügig verglast sowie glattflächig gezeichnet, wollte die zweite Generation der damals kleinsten Ford-Baureihe ein unauffälliger Begleiter für den automobilen Alltag sein. Ein wenig Verführung durfte allerdings schon im Spiel sein, so gab es Ghia-Versionen mit luxuriösen Lifestyle-Accessoires wie Vinyldach und chromdekorierten Rädern und spektakulär-scharfe RS-Sportler für Rallye, Racing und die linke Autobahnspur. Nur der Kombi-Turnier zeigte sich im alten Karosseriekleid, diesem Dreitürer musste eine neue Frontgestaltung genügen, um den Generationenwechsel anzuzeigen. Unter dem Blech blieb es ohnehin bei allen Escort bei der konservativ-konventionellen Technik des Vorgängers – obwohl die europäische Kompaktklasse bis auf den Opel Kadett fast komplett auf Vorderradantrieb umgestellt worden war. Für den künftigen Kleinwagen Fiesta hatte Ford dagegen eine komplett neue Frontantriebsarchitektur konzipiert, was die Amerikaner aber vorerst nur darin bestärkte, beim Escort alles beim Alten zu belassen.

Schließlich sollte der für 1976 vorgesehene Fiesta das teuerste Auto der Welt sein, was die Entwicklungskosten betraf. Und da galt es für ein Weltauto wie den Escort zu sparen, zumal auf den ozeanischen und asiatischen Märkten die dort fast ausschließlich konkurrierenden Japaner ebenfalls noch mit Hinterradantrieb vorfuhren. Gewagt wirkten dagegen generelle Prognosen führender Ford-Manager über neue Fahrzeugtypen für den europäischen Markt. Trotz des gerade gezeigten VW Golf meinte man bei Ford, dass neue Modelle fast aller Marken künftig nur mehr oder wenig tiefgreifende Änderungen bereits vorhandener Autos seien. Eine Politik, die - mit Ausnahme des Fiesta - für Ford tatsächlich immerhin nahezu ein ganzes Jahrzehnt Gültigkeit hatte, wie besonders Capri, Escort und Taunus zeigten. Nicht aber bei der versammelten Konkurrenz, die auch in den Jahren zwischen den zwei ersten Ölkrisen Generationenwechsel überwiegend mit der Präsentation von Neukonstruktionen kombinierte. Finanziell jedenfalls fuhr Ford offenbar bestens mit seiner Strategie kosmetischer Facelifts. Wurden doch die mit akkurater Sparsamkeit erneuerten Modelle in vielen Ländern vom Publikum so gut angenommen, dass sie in den Bestsellercharts meist weit vorne fuhren. Dies galt sogar für den Escort II, der in Deutschland in erster Generation eher enttäuscht hatte und nun trotz fortschrittlicherer Konkurrenz durch den Käfer-Nachfolger Golf deutlich mehr Stückzahlen machte. Bereits 1975, dem ersten vollen Verkaufsjahr, votierten 100.000 deutsche Kompaktklasse-Käufer für den Escort-Neuaufguss, während der sieben Jahre gebaute Vorgänger in Deutschland insgesamt nur 300.000 Kunden durchs Leben eskortierte.

Noch eindrucksvoller waren die Zahlen für Großbritannien, wo der kleinste Ford traditionell die Rolle eines für alle erschwinglichen und dennoch überaus begehrenswerten Volksautos ausfüllte. Was zuerst in den 1920er Jahren Herbert Austin mit seinem billigen Fließbandauto Austin Seven gelungen war, setzten ab Ende der 1930er Jahre die kompakten Ford im Vereinigten Königreich fort. Unter dem Namen Ford Popular als automobile Basismotorisierung und in anderen Escort-Linien als ultimatives Traumauto für weniger gut verdienende Angestellte und Arbeiter. Eine Aufgabe, die der Escort II souverän ausfüllte.

Ein kleiner Ford als Traumauto? Was hierzulande damals kaum denkbar war, sah im Land der streikgeschüttelten und von Qualitätsproblemen geplagten Massenhersteller British Leyland und Chrysler UK anders aus. Nicht wenige Briten warteten geradezu sehnsüchtig auf Brenda, wie der erneuerte Escort in seiner Entwicklungsphase genannt wurde. Während sich deutsche Käufer 1975/76 massiv über kleine Kinderkrankheiten der in Saarlouis gefertigten zweiten Escort-Generation beschwerten, sahen die Engländer über solche Anlaufprobleme großzügig hinweg. Ford war im Inselreich ein Inbegriff von Zuverlässigkeit – zumindest in Relation gegenüber Autos wie Austin Allegro, Morris Marina oder Hillman Avenger. Und so waren die Modelle Ford Cortina und Escort 1975/76 einmal mehr nationale Bestseller.

Galerie: Bericht 40 Jahre Ford Escort IINicht ganz so souverän fiel der Vorsprung des erneuerten Ford Escort auf Märkten des ehemaligen britischen Empires aus. Besonders in Australien und Neuseeland geriet der Ford unter Druck durch japanische Importe mit gleichermaßen konventioneller, aber noch zuverlässigerer und preiswerterer Technik. Weshalb Ford Ende 1980 die dritte Escort-Generation dort gar nicht erst einführte, sondern durch Kooperationsmodelle mit Mazda ersetzte. Eine Sonderstellung nahm nur Südafrika ein. „Born to perfom“ lautete hier die Marketing-Zauberformel, die den anfangs biederen Escort zum sportlichen Kultauto transformierte. Was in Europa den Topversionen RS 1800 (nicht für Ford Köln) und RS 2000 vorbehalten war, gelang in Südafrika bereits durch einen Escort 1600 Sport. Ford South Africa implantierte in bis dahin schwer verkäufliche 54 PS leistende Escort 1300 Zweitürer potentere 1,6-Liter-Aggregate mit 84 PS, schärfte das Fahrwerk nach – fertig war der bezahlbare, leichtgewichtige Straßenrenner, der vom Image eines Titanen in der Rallye-Weltmeisterschaft profitierte. Dort erkämpfte sich der Ford Escort RS mit englischem Cosworth-Motor zahllose Siege bis 1979 nicht nur der Marken- sondern unter Björn Waldegard und auch der Fahrertitel errungen wurde. In Europa wurden die Straßensportler Escort RS 1800 und RS 2000 auf dem Genfer Salon 1975 präsentiert, nach dem der zuvor auf der Brüsseler Messe gezeigte Escort 1600 Sport das Publikum weniger begeisterte. Offenbar war er trotz kräftiger 84 PS (die Basis bot nur 44 PS) optisch zu dezent gehalten.

1967: Der in Großbritannien entwickelte Escort wird im Dezember als Nachfolgemodell des Anglia vorgestellt

1968: Europa-Premiere für die erste Generation des Escort im Januar auf dem Salon in Brüssel. Der Verkaufsstart in Deutschland folgt im September

1973: Die zweite Escort-Generation wird unter dem Code-Namen Brenda erprobt. Entwickelt wurde dieses Modell von Ford Deutschland

1974: Erste Pressepräsentation und Produktionsstart der zweiten Escort-Generation im November. Gefertigt wird der Escort II in den Werken Halewood (Großbritannien), Saarlouis (Deutschland), Cork (Irland), Homebush (Australien), Wiri (Neuseeland), Amsterdam (Niederlande) und Israel. In Israel zählt der Escort II zu den Marktführern

1975: Publikums-Weltpremiere des Ford Escort im Januar auf dem Brüsseler Salon. Auf dem Genfer Salon debütieren im März Escort RS 1800 und RS 2000. Speziell für Großbritannien komplettiert der sportliche Escort Mexico das Programm. In Großbritannien belegt der Escort nach dem Ford Cortina Platz zwei in der Zulassungsstatistik

1976: Homologationsserie von 400 Einheiten des Escort RS 2000 Spezial für Gruppe-1b-Motorsporteinsätze

1977: Im Juni setzt Ford Zeichen mit einem der ersten behindertengerechten Großserienautos. So wird der Escort Popular 1300 u.a. mit Automatik, modifizierten Sitzschienen für den Fahrer und „Priority Service Card“ für Wartungsarbeiten ausgestattet, das ganze zu rabattierten Preisen. Ab August gibt es die „Series X“ mit RS-Bodykits aus dem Rallyesport für den Escort RS 2000. Die blaue Ford-Pflaume löst als Markenlogo den Schriftzug im Kühlergrill ab. In der zweiten Jahreshälfte erscheinen außerdem die Sondermodelle „Team“ und „Weekend“. Sieg für den Escort bei der 25. Safari Rallye

1978: Im Juni feiert Ford 75 Jahre Ford Motor Company in Dearborn u.a. mit einem Sondermodell des Escort 1600 L. Facelift für den Escort. Alle Escort-Modelle erhalten Rechteckscheinwerfer – bis auf den Escort Sport und den RS 2000. In England entfällt die traditionsreiche Sport-Version Mexico, dafür wird der RS 2000 in zahlreicheren Ausstattungsvarianten eingeführt. Ford England wird von heftigen Streiks erschüttert, die den Escort auf Platz 10 in der Zulassungsstatistik zurückwerfen und die Präsentation des facegelifteten Escort auf der Birmingham Motorshow verhindern. Statt der neuen Modelle muss Ford Fahrzeuge aus dem Museum zeigen

1979: Sondermodelle Escort Linnet und Harrier (anlässlich des achten Sieges bei der britischen RAC-Rallye). Ford gewinnt mit dem Escort die Marken- und Fahrerwertung in der Rallye-Weltmeisterschaft

1980: Ab Mai Sondermodell Escort Goldcrest. Nach insgesamt 953.697 Einheiten (Vorgänger 1.082.442 Einheiten) endet im September die Fertigung des Escort Mk II in Großbritannien. Weltweit wurden 1.607.000 Einheiten der zweiten Escort-Generation gebaut

1981: Letzter WRC-Sieg überhaupt für den Escort RS bei der 1000-Seen-Rallye unter Ari Vatanen und David Richards

2005: Ein ehemaliger Escortdes verstorbenen Papstes Johannes Paul II. wird zum Rekordpreis von 690.000 US-Dollar versteigert an einen amerikanischen Enthusiasten versteigert.

Ford Escort 2türig 1.1: ab 8.595 Mark (1975)

Ford Escort 2türig 1.3: ab 8.595 Mark (1975)

Ford Escort 4türig 1.1: ab 9.080 Mark (1975)

Ford Escort 4türig 1.3: ab 9.080 Mark (1975)

Ford Escort L 2türig 1.1: ab 9.185 Mark (1975)

Ford Escort L 2türig 1.3: ab 9.185 Mark (1975)

Ford Escort L 4türig 1.1: ab 9.670 Mark (1975)

Ford Escort L 4türig 1.3: ab 9.670 Mark (1975)

Ford Escort GL 2türig 1.3: ab 9.875 Mark (1975)

Ford Escort GL 4türig 1.3: ab 10.360 Mark (1975)

Ford Escort Ghia 2türig 1.3: ab 11.445 Mark (1975)

Ford Escort Ghia 4türig 1.3: ab 11.930 Mark (1975)

Ford Escort Sport 2türig 1.6: ab 10.265 Mark (1975)

Ford Escort Sport 4türig 1.6: ab 10.750 Mark (1975)

Ford Escort Turnier 1.1: ab 9.290 Mark (1975)

Ford Escort Turnier 1.3: ab 9.290 Mark (1975)

Ford Escort Turnier L 1.3: ab 9.980 Mark (1975)

Ford Escort Turnier GL 1.3: ab 10.570 Mark (1975)

Ford Escort 2türig 1.3: ab 9.240 Mark (1977)

Ford Escort 4türig 1.3: ab 9.760 Mark (1977)

Ford Escort L 2türig 1.3: ab 9.865 Mark (1977)

Ford Escort L 4türig 1.3: ab 10.385 Mark (1977)

Ford Escort GL 2türig 1.3: ab 10.865 Mark (1977)

Ford Escort GL 4türig 1.3: ab 11.385 Mark (1977)

Ford Escort Sport 2türig 1.6: ab 11.280 Mark (1977)

Ford Escort Sport 4türig 1.6: ab 11.800 Mark (1977)

Ford Escort RS 2000 2türig 2.0: ab 14.400 Mark (1977)

Escort II mit 1,1-Liter-(32 kW/44 PS)-Benziner bzw. 1,1-Liter-(35 kW/48 PS)-Benziner bzw. 1,1-Liter-(34 kW/46 PS)-Benziner (ab März 1979) bzw. 1,3-Liter-(40 kW/54 PS)-Benziner bzw. 1,3-Liter-(42 kW/57 PS)-Benziner bzw. 1,3-Liter-(44 kW/60 PS)-Benziner (ab März 1979) bzw. 1,3-Liter-(52 kW/70 PS)-Benziner bzw. 1,3-Liter-(54 kW/73 PS)-Benziner (ab März 1979) bzw.1,6-Liter-(62 kW/84 PS)-Benziner bzw. 1,6-Liter-(63 kW/85 PS)-Benziner bzw. 2,0-Liter-(81 kW/110 PS)-Benziner

Dagegen wurde der RS 2000 ein schillernder Star durch eine spektakuläre Polyurethan-Frontpartie, die den 3,98 Meter kurzen Escort um 17 Zentimeter länger machte und den Luftwiderstandsbeiwert zugleich um 16 Prozent reduzierte. 81 kW/110 PS ließen diesen Ford vehementer beschleunigen als Opel Kadett GT/E und den etwas später folgenden Golf GTI. 8,9 Sekunden für den Sprint von Null auf Tempo 100, das wirkte damals wie im Zeitraffer, ließ auch Porsche 924 oder dem doppelt so starken V8-Boliden Mercedes 450 SL keine Chance, Anschluss zu finden.

Ganz im Gegensatz dazu galt der Standard-Escort 1300 GL (kein Mehrpreis gegenüber der 1,1-Liter-Version) von Anfang an als träge im Umfeld von Konkurrenten wie VW Golf, Opel Kadett 1200  S, Fiat 128 oder Alfasud. Dafür inkludierte er etwas, was nicht einmal der Klassenprimus Golf bot – eine doppelt so lange Garantiezeit. Für Ford Deutschland war dies eine Investition, die sich auszahlte. Trotz der Anlaufprobleme früher Exemplare fuhr der kompakte Konservative kräftige Gewinne in die Kasse. Bis Brenda im Sommer 1980 durch Erika abgelöst wurde, die dritte Escort-Generation. Nur einmal noch bestimmte ein biederer blauer Escort des Baujahres 1975 die weltweiten Schlagzeilen: Im Sommer 2005 wurde das ehemalige Fahrzeugdes verstorbenen Papstes Johannes Paul II. zum Rekordpreis von 690.000 US-Dollar versteigert. (sp-x)

 
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