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Galerie: Bericht 50 Jahre Kombis von Saab und Volvo

Bericht: 50 Jahre Kombis von Saab und Volvo

Nordische Kombi-Nation

20.08.2010

Die Absatzzahlen noch nicht im beständigen Aufwind und die Zukunft unter den neuen Unternehmensherren aus Holland und China weiter ungewiss: Die nordischen Traditionsmarken Saab und Volvo zählen vorerst weiter zu den Sorgenkinder der Automobilenthusiasten. Allerdings senden Kombimodelle wie der neue Volvo V60 und der künftige Saab 9-5 SportCombi deutliche Signale für die Besinnung auf alte Erfolgsstrategien. Ganz so wie vor einem halben Jahrhundert, als die ersten modernen Schwedenkombis Saab 95 und Volvo Amazon aus bis dahin nüchternen Transportern fünftürige Familienfahrzeuge formten.

Fortan sorgten kantige, komfortable Kästen wie die unzerstörbaren Volvo 145 und 245, schnelle Turbos in schicken Saab Combi Coupés und extravagante Sportkombis wie der Volvo 1800 ES für immer mehr Lust am Laster und eroberten neue Märkte für die nordischen Marken. Bis schließlich jedes zweite schwedische Auto ein Kombis war und sich diese Auto-Spezies zu einem Synonym für skandinavisches Design entwickelte.

Angefangen hatte alles mit einem Lagerbestand an 1.500 Fahrgestellen, die sich im Frühjahr 1952 bei Volvo angesammelt hatten. Assar Gabrielsson, einer der Unternehmensgründer, forderte deshalb: „Wir müssen die irgendwie loswerden. Wir müssen einfach unseren eigenen Transporter bauen“. Unter der Bezeichnung Duett (PV445) rollte Volvos erster Kombi bereits am 4. Juli 1953 vom Band. Ein Kombi, der auf der legendären Buckellimousine PV 444 basierte - und optisch noch deutliche Ähnlichkeit mit einem Kleintransporter hatte.

Erster Saab-Kombi

Der erste Schritt in Richtung fünftürige Limousine erfolgte dann vor 50 Jahren. Saab führte zum Modelljahr 1960 den leicht exaltiert gezeichneten Familienkombi der Modellreihe 95 ein und kämpfte schon bald mit langen Lieferzeiten für den kompakten Drei-Zylinder-Zweitakter. Über 110.000 Fahrzeuge dieses weltweit ersten kleinen Siebensitzers mit versenkbarer dritter Sitzreihe wurden verkauft. Designinspiration für den 95 bezog der legendäre Saab-Zeichner Sixten Sason von den bis 1957 produzierten, extravaganten Chevrolet Nomad Station Wagon. Der dreitürige Saab 95 definierte fortan die neue Klasse der erschwinglichen schwedischen „herrgardsvagn“ (Gutsherren-Wagen).

Derweil versuchte Volvo, die Eleganz der Amazon-Limousine mit dem Nutzwert eines Lasters zu kombinieren. Nach zweijähriger Entwicklungszeit war es soweit: Auf dem Automobilsalon Stockholm debütierte 1962 der Amazon Kombi unter dem Namen Volvo P220. Bis zur B-Säule war der Fünftürer mit der Mittelklasse-Limousine identisch, dann folgten dezent integrierte Dachverstärkungen und eine vergleichsweise riesige Ladefläche – dies aber bei fast unveränderten äußeren Abmessungen und limousinenähnlicher Silhouette. Damals war dies eine wegweisende Kombination, erinnerten die zeitgenössischen fünftürigen Wettbewerber aus Großbritannien, Frankreich und Italien optisch doch mehr an Lastentransport als an Lebenslust.

Schrägheck- und Sportkombis

Bereits wenige Jahre später herrschte in Schweden Kombi total. Mit Einführung des Modells 145 hatte Volvo ab 1967 drei Heckklappen-Baureihen vergleichbarer Größe parallel im Programm, dazu lief die Entwicklung von spektakulären Shooting-Brake-Prototypen als Vorläufer des Sportkombis 1800 ES auf Hochtouren.

Saab setzte derweil auf die Weiterentwicklung des Zweitakt-Modells 95, das ab 1966 optional von einem aus dem Ford Taunus 15 M adaptierten 1,5-Liter-V4-Motor angetrieben wurde. Zugleich setzten die Techniker aus Trollhättan auf das 1968 eingeführte Flaggschiff 99, das bald danach zu einer Fließheckversion mit Kombicharakter weiterentwickelt wurde. Weltpremiere feierte das Saab 99 Combi Coupé allerdings erst auf der IAA 1973. Im Unterschied zu den auch in Nordamerika populären Hatchbacks bot der schicke Schrägheck-Saab erstmals eine Ladekante auf Stoßstangenhöhe, ganz so wie klassische Kombis.

Siegeszug in den USA

Mit praktischen Heckklappen statt umständlich aufschwenkender amerikanischer Tailgates und skandinavisch-sportivem Schick eroberten die schwedischen Familientransporter spätestens ab 1970 auch die USA, den damals größten Kombimarkt der Welt. Kultstatus erhielten Saab und Volvo dank hoher Zuverlässigkeit sowie der zahlreichen Sicherheits- und Umweltinnovationen wie einem bereits 1967 eingeführten On-Board-Emissionskontrollsystem. Beste Voraussetzungen, um mit kleinen Vier-Zylindern gegen die riesigen V8-Motoren in den amerikanischen Fullsize-Cruisers und Estates zu bestehen. Einen Sechs-Zylinder gab es im Volvo-Kombi erst 1975, passend zum Ende der ersten Ölkrise.

Das neue Familienflaggschiff Volvo 265 mit 2,7-Liter-V6 basierte auf dem Vier-Zylinder-Typ 240, der gerade zum Normfahrzeug der US-Behörden für Sicherheitsforschung avanciert war. Aber sogar in den USA, dem für Volvo mittlerweile wichtigsten Markt, konnte der luxuriöse Sechs-Zylinder nur Achtungserfolge verbuchen: Hier wie fast überall gaben 95 Prozent der Volvo-Käufer dem bis 1993 gebauten, pragmatischen 240 den Vorzug.

Kantige Stark-Volvos

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Auch beim 1985 eingeführten Volvo 740/760 und den 1990 präsentierten Weiterentwicklungen 940/960 spielten die Sechs-Zylinder nur eine unbedeutende Nebenrolle. Dafür verstand sich Volvo mittlerweile selbst als Synonym für Kombi und konzipierte deshalb bereits bei der Entwicklung der 700er-Reihe zunächst den Kombi und erst anschließend die Limousine. Fortan war der fünftürige Familientransporter bei Volvo genauso komfortabel wie die Limousine; maximale Nutzlast und größtmöglicher Stauraum gingen jetzt nicht mehr auf Kosten der Fahreigenschaften.

Mit dem 1993 vorgestellten 850 Kombi schrieb Volvo dann sogar Motorsportgeschichte: Als erster Kombi überhaupt startete der bis zu 300 PS starke Wettbewerbs-850 bei Rundstreckenrennen und belegte bei der British Touring Car Championship vordere Plätze. In den Zulassungsstatistiken fuhren derweil die zivilen 850 Kombis als erste große Volvo mit Frontantrieb und quer eingebautem Fünf-Zylinder Erfolge ein - nachdem das Unternehmen 1990 erstmals tief in die roten Zahlen gerutscht war. Kein Volvo hatte eine längere und kostspieligere Entwicklungsgeschichte als der 850, dessen Konzeption bereits Ende der siebziger Jahre begonnen hatte - nachdem Gespräche der Göteborger über eine Fusion mit Saab gescheitert waren. Trollhättan setzte in jenen Jahren ganz auf starke Turbomotoren als Imageträger und lancierte 1978 den Saab 900 als Weiterentwicklung des 99 Combi-Coupé.

1953: Am 4. Juli geht der Volvo PV 445 Duett als erster schwedischer Großserien-Kombi in Serie

1959: Im Mai wird der erste Prototyp des Saab 95 vorgestellt, noch mit an der B-Säule angeschlagenen und nach vorne öffnenden Türen. Der Serienanlauf des ersten Saab-Kombis, jetzt mit konventionell befestigten Türen, erfolgt im Dezember 1959. Der erste Saab 95 ist ein Teile- und Komponenten-Mix aus dem Saab 93 und dem erst Ende 1960 offiziell eingeführten Saab 96

1962: Weltpremiere für den Volvo P220 Amazon Kombi auf dem Stockholmer Automobilsalon

1966: Der Saab 95 ist optional mit einem aus dem Ford Taunus 15 M adaptierten 1,5-Liter-V4-Motor lieferbar, der den Zweitakter schnell aus dem Rennen wirft

1967: Premiere für den Volvo 145, der Kombiversion der neuen Baureihe 140

1971: Im August wird der Volvo 1800 ES mit rahmenloser gläserner Heckklappe vorgestellt, ein Shooting Break auf Basis des Sportcoupés 1800. Vorausgegangen waren die zwei Prototypen „Jagdwagen“ (gebaut von Coggiola in Italien) und „Rakete“. Die nicht realisierte „Rakete“ hätte teure neue Presswerkzeuge benötigt und wäre nach Volvo-Ansicht für den Publikumsgeschmack zu polarisierend gewesen

1973: Auf der Frankfurter IAA feiert das Saab 99 Combi Coupé Weltpremiere. Serienproduktion ab 1974. Die dreitürige Karosserie soll den Nutzwert eines Kombis mit den eleganten Linien eines Coupés kombinieren

1975: Nach Übernahme der van Doorne´s Personenautofabriek DAF BV durch Volvo geht der 66 Kombi unter Volvo-Logo an den Start. Als erster Volvo-Sechs-Zylinder-Kombi wird der 265 vorgestellt

1976: Das Saab 99 Combi Coupé ist auch mit fünf Türen bestellbar

1978: Premiere für den Saab 900, der auf dem 99 Combi-Coupé basiert, aber über eine neue Front, längeren Radstand und größere Gesamtlänge verfügt. Lieferbar als Drei- und als Fünftürer, Spitzenmotorisierung ist ein 145 PS leistender Turbo

1985: Der Volvo 480 geht in der Tradition des 1800 ES in Serie. Neue Volvo-Kombi-Spitzenmodelle sind der 740 und 760

1991: Der Volvo 240 ist in den USA das Fahrzeug mit den wenigsten Unfällen mit Todesfolge

1993: In Norwegen wird der Saab 900 vom Norges Automobil-Forbund (NAF) zum „vernünftigsten Auto des Jahres“ gewählt, als Spitzenmotorisierung dient dabei ein 175 PS leistender Turbo. Der neu eingeführte Volvo 850 gewinnt in Italien den Titel „Schönster Kombi der Welt“

1994: Bei der British Touring Car Championship geht der 300 PS starke Volvo 850 BTCC an den Start. Fahrer sind Rickard Rydell und Jan Lammers.  

1995: Weltpremiere für den Volvo V40 auf der Bologna Motorshow

1996: Der Volvo V40 gewinnt in Italien den Titel „Schönster Kombi der Welt“. Im November geht der Volvo V70 in Serie. Aus dem Volvo 960 wird nach einem Facelift der Volvo V90. Erster Volvo-Personenwagen mit Allradantrieb ist der 850 AWD

1997: Mit dem V70 XC präsentiert Volvo den ersten Kombi zwischen SUV und Personenwagen

1998: Der Saab 9-5 Sport-Kombi geht in Großserie und erreicht in der Volumenaufteilung des Saab-Spitzenmodells auf Anhieb fast 50 Prozent gegenüber der Limousine. Ab 2001 macht der Sport-Kombi etwa drei Viertel der Verkäufe der Baureihe 9-5 aus

2001: Mit 2.828 Zulassungen für den Saab 9-5 Sport-Kombi erreicht Saab Deutschland in diesem Jahr sein bestes Kombiverkaufsergebnis überhaupt

2003: Auf der IAA in Frankfurt feiert das Saab 9-3 Sport-Kombi-Konzept Weltpremiere. Der Volvo V50 feiert sein Debüt

2005: Die Serienversion des Saab 9-3 Sport-Kombi feiert Weltpremiere

2007: Markteinführung für die aktuelle Generation des Volvo V70

2010: Auf dem Pariser Salon feiert der Volvo V60 Weltpremiere

Saab 95 (1964): ab 8.990 Mark

Saab 95 V4 (1969): ab 10.045,50 Mark

Saab 99 GL S Combi Coupé (1979): ab 21.040 Mark

Saab 9-5 Sport-Kombi (2004): ab 31.000 Euro

Volvo 122 S Kombi (1967): ab 12.350 Mark

Volvo 145 S (1969): ab 13.950 Mark

Volvo 1800 ES (1971): ab 25.150 Mark

Volvo 66 Kombi (1978): ab 10.695 Mark

Volvo 245 DL (1978): ab 21.750 Mark

Volvo 265 DL (1978): ab 27.900 Mark

Volvo 740 Turbo (1987): ab 46.670 Mark

Volvo 760 GLE (1987): ab 52.410 Mark

Volvo V40 (1997): ab 37.500 Mark

Volvo V90 (1997): ab 57.000 Mark

Saab 95 (1960-1978): 110.000 Einheiten

Saab 99 insgesamt (1967-1978): 588.643 Einheiten

Saab 900 insgesamt (1978-1994): 908.810 Einheiten

Volvo PV 445 Duett (1953-1960): 41.790 Einheiten

Volvo P210 Duett (1960-1969): 55.508 Einheiten

Volvo P220 Amazon (1962-1969): 73.197 Einheiten

Volvo 66 Kombi (1975-1978): 28.500 Einheiten

Volvo 145 (1967-1974): 268.327 Einheiten

Volvo 245/240 Kombi (1974-1993):  959.151 Einheiten

Volvo 265/260 Kombi (1975-1985):  35.061 Einheiten

Volvo 740 Kombi (1985-1992): 358.952 Einheiten

Volvo 760 Kombi (1985-1990): 37.445 Einheiten

Volvo 940 Kombi (1990-1998): 231.677 Einheiten

Volvo 960 Kombi (1990-1996): 41.619 Einheiten

Volvo V90 (1996-1998): 9.067 Einheiten

Volvo 480 (1985-1995): 76.375 Einheiten

Volvo 850 (1993-1997): 326.703 Einheiten

Der SUV-Trend

Ein neuer Kombi ging bei Saab erst 20 Jahre später mit dem 9-5 in Großserie und erreichte in der Volumenaufteilung der Baureihe zur Jahrtausendwende fast 75 Prozent Anteil gegenüber der Limousine. Dies aber zu einem Zeitpunkt, als Analysten über den wichtigsten Markt der Schweden konstatierten: „In Amerika ist der klassische Kombi mausetot“. Nach den Vans galten nun große SUVs in den USA als trendige Familien- und Freizeitfahrzeuge. Saab war bereits 1990 eine Partnerschaft mit GM eingegangen, war gerade komplett übernommen worden und längst in die Produktstrategie des amerikanischen Mutterkonzerns integriert. Mit GM-Derivaten wie dem 9-7X wurde Saab eher hilflos auf die neue SUV-Mode angesetzt.

Volvo wiederum war erst seit 1999 Bestandteil des amerikanischen Ford-Imperiums. Anders als Saab hatte sich Volvo allerdings auf den SUV-Trend vorbereitet: Die Crossover-Kombimodelle Cross Country und XC70 von 1997 waren die Vorhut für die ersten echten schwedischen SUV-Modelle XC90 und XC60, mit denen Volvo die passende Antwort auf den neuen automobilen Trend fand. Nur in Europa erlebte der Kombi auch im 21. Jahrhundert eine Traumkarriere, schicke Lifestyle-Fünftürer verkaufen sich hier oft besser als die entsprechenden Limousinen. Entsprechend groß sind die Erwartungen, die Volvo und Saab mit ihren künftigen, speziell für die alte Welt entwickelten Kombis der Baureihen V60 und 9-5 verbinden. (sp-x)

 
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