Umwelt-Special
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Galerie: Bericht Audi balanced mobility

Bericht: Audi balanced mobility

Audi setzt auf Wind

17.05.2011

Vier Windräder kaufen sich die Ingolstädter und wollen damit ihren eigenen Öko-Strom erzeugen. Der soll entweder direkt in Elektro-Autos fließen oder in Wasserstoff oder synthetisches Gas umgewandelt werden.     

Balanced mobility nennt Audi sein neuestes Projekt, auf dem Weg zur CO2-neutralen Mobilität – erstmals soll dabei nicht nur der Betrieb, also das eigentliche Fahren, berücksichtigt werden. Denn: Bevor zum Beispiel ein Audi A3 vom Band rollt, hat er bei seiner Herstellung bereits einen CO2-Ausstoß von rund sechseinhalb Tonnen zu verantworten.  

Reduzieren will Audi seinen gesamtem CO2-Ausstoß zukünftig unter anderem mit vier Windrädern, die sich der Hersteller, wohl im sich derzeit noch in der Planung befindlichen Windpark Riffgat in der Nordsee, kaufen will; zum Stückpreis von rund zehn Millionen Euro. Das wird freilich nicht den ganzen Betrieb grün waschen können. Doch ist es ein erster, für einen Autobauer innovativer Schritt und beruhigt es das schlechte Umweltgewissen doch ein wenig.

Strom für eine Kleinstadt

Audi Balanced MobilityAnfang 2013 sollen die vier 3,6-Megawatt-Windräder ihren Dienst aufnehmen und übers Jahr gerechnet rund 53 Gigawattstunden sauberen Strom erzeugen; das reicht in etwa für eine Kleinstadt. Den Strom will Audi zum einen für die Autoproduktion nutzen und auch direkt in seine kommenden Elektroautos speisen. Das Problem dabei: Die Ausbeute bei Windkraftanlagen schwankt, mal ist mehr Strom da als man braucht, mal zu wenig.

Nur lässt sich der Strom so schlecht speichern. Nutzt man etwa die in Deutschland vorhandenen Pumpspeicherwerke, so reicht die gespeicherte Energiemenge gerade mal aus, die Bundesrepublik eine halbe Stunde lang zu versorgen. Deutlich effizienter erscheint da der jetzt von Audi vorgestellte Weg, nämlich die Speicherung im Erdgasnetz – das hat in Deutschland eine Kapazität von circa 130 Terrawattstunden; etwa ein Fünftel des gesamten jährlichen Stromverbrauchs. Wie aber kommt der Strom in das Gasnetz?

Strom, Wasserstoff, Gas

Audi Balanced MobilityDas Verfahren ist nicht neu, bereits 1906 entdeckte Paul Sabatier den nach ihm benannten Prozess der Methanisierung, einem Verfahren, bei dem aus Wasserstoff und CO2 synthetisches, dem Erdgas gleichwertiges, Gas entsteht. Und der Wasserstoff? Der lässt sich wiederum recht simpel mit Hilfe der Elektrolyse gewinnen, für die es zum einen Wasser, zum anderen – richtig – Strom braucht. Der kommt von den Windkraftanlagen und damit schließt sich der Kreislauf.

Den Sabatier-Prozess will sich Audi nun zu Nutze machen und plant neben dem Erwerb der Windräder den Bau einer rund 20 Millionen Euro teuren Methanisierungsanlage im norddeutschen Werte. Die Standortwahl geschah nicht zufällig. Zum einen kommt der Strom von der Nordsee und kurze Wege bedeuten weniger Verluste. Zum anderen wird die Anlage neben einer Biogasanlage gebaut, die bei ihrer Produktion einen CO2-Überschuss hat, den Audi gleich zur Methanisierung nutzt und der so gar nicht erst in die Atmosphäre gelangt. Freilich könnte man aber auch „frei herumfliegendes“ CO2 dafür hernehmen.  

Guter Wirkungsgrad

Dieses Nebeneinander der beiden Energiegewinnungsanlagen erhöht den Wirkungsgrad, der sich mit rund 65 Prozent ohnehin sehen lassen kann. Und: Da die Methanisierung exotherm abläuft, also dabei Wärme freigesetzt wird, kann der Wirkungsgrad, wenn man diese Wärme weiter nutzt, noch gesteigert werden. Bis zu 85 Prozent sollen möglich sein.

Galerie: Bericht Audi balanced mobilityMit diesem Projekt tun sich also drei höchst zukunfsträchtige Möglichkeiten zur Nutzung des erzeugten Stroms auf. Entweder direkt, durch Einspeisung ins Stromnetz und damit für die Produktion oder den Betrieb von E-Autos. Darüber hinaus lässt sich der erzeugte Wasserstoff direkt nutzen, etwa in zukünftigen Brennstoffzellenfahrzeugen. Bis diese allerdings in Serie gehen werden, wird noch einiges an Wind über die Nordsee wehen.

Deswegen erscheint Möglichkeit Nummer drei als die derzeit am ehesten zu realisierende: Autos mit Gas zu betreiben. Jedes Fahrzeug, das heute schon mit Erdgas fahren kann, kann auch mit dem synthetisch hergestellten, von Audi eGas getauften Kraftstoff betankt werden.

Gas-Audis ab 2013

Audi Balanced MobilityLogische Konsequenz: Audi wird ab 2013 ein erstes Erdgas-Modell anbieten. Dann kommt der A3-Nachfolger wohl mit einem 110 PS starken 1,4-Liter-Turbo-Gas-Motor unter der Motorenbezeichnung TCNG auf den Markt; einen ersten Prototypen auf Basis des aktuellen A3 gibt es bereits. Und auch der A4 soll zukünftig mit Gas fahren.

Und: Auch wenn bei der Verbrennung des eGas rund 95 Gramm Kohlenstoffdioxid freigesetzt werden, fahren die Gas-Autos doch weitestgehend klimaneutral: Das CO2 wurde schließlich zuvor bei der Methanisierung aus der Atmosphäre entzogen beziehungsweise gar nicht erst freigesetzt. Und für die Produktion der geplanten rund tausend Tonnen eGas jährlich werden immer 2.800 Tonnen CO2 benötigt.  

Auf dem richtigen Weg

Ob Audi damit der Weisheit letzten Schluss für unserer zukünftige Mobilität gefunden hat, sei dahingestellt. Sicher ist, dass die Ingolstädter auf einem guten, womöglich dem richtigen Weg sind. Nicht nur, dass sie sauberen Strom erzeugen, nein, sie lösen durch die Umwandlung in eGas auch das Problem der Speicherung. Und: Ein Auto mit Gas zu betreiben ist deutlich einfacher als direkt mit Strom und ermöglicht eine höhere Reichweiten. Rund 400 Kilometer sind es im Fall des Audi A3 – und das quasi CO2-neutral. Ganz nebenbei liefert Audi damit künftig neben den Autos auch noch gleich den Treibstoff und verdient damit doppelt an der individuellen Mobilität.

 
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