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Galerie: Bericht Brilliance-Importeur und China Automobile insolvent

Bericht: Brilliance-Importeur und China Automobile insolvent

Chinesische Pleitewelle

10.11.2009

Mario Hommen

Ob Notebook-Produktion, Satelliten-Transport oder bei der Austragung Olympischer Spiele: Chinas Fortschritt und wirtschaftlicher Erfolg in der Welt scheint grenzenlos. Auch im Autobau kündigte sich in den letzten Jahren eine von den Medien vielbeachtete Weltmarktoffensive an. Zumindest in Deutschland ist diese vorläufig gestoppt. Nach China Automobile im Juli 2009 hat soeben auch der Brilliance-Importeur HSO Europe Insolvenz angemeldet.

Bereits im Juli 2009 hat der in München beheimatete Importeur China Automobile die Segel gestrichen. China Automobile war in Deutschland vor allem wegen Plagiatsvorwürfen bekannt geworden. So wies zum Beispiel das SUV-Modell CEO frappierende Ähnlichkeiten mit dem BMW X5 der ersten Generation auf. Per Gerichtsbeschluss konnte BMW erwirken, dass der CEO in Deutschland vom Markt genommen werden musste. Karl Schlössl, Chef von China Automobile, hat kurz nach diesem Urteil die Insolvenz beantragt.

Das gleiche Pleite-Schicksal ereilte nun Anfang November die in Bremerhaven beheimatete Firma HSO Motors Europe. HSO war Importeur für die chinesische Automarke Brilliance, die bisher die Limousinen BS4 und BS6 in Deutschland vertrieben hat.

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Viel Lärm um nichts

Rückblickend wirkt dieser vorläufige Zusammenbruch der chinesischen Marktoffensive in Deutschland überraschend kläglich. So lösten zwischen 2005 und 2008 verschiedene chinesische Hersteller mit besonders günstigen Fahrzeugen und teilweise aufwendigen Messeauftritten für ein enormes Medienecho. Zwar vermochten die meisten Fahrzeuge auf ihren Messepremieren qualitativ noch nicht so recht überzeugen. Dennoch waren sich viele Fachleute sicher, dass sich chinesische Autohersteller in nur wenigen Jahren als feste Größe in Europa und Deutschland etablieren werden.

Doch der Fall Brilliance wurde zu einer Chronologie des Scheiterns. Wenige Wochen nach einem selbstbewussten Auftritt auf dem Genfer Autosalon im März 2007 folgte der lang angekündigte Marktstart des BS6 in Deutschland. Die optisch gefällige, knapp 20.000 Euro teure Mittelklasse-Limousine fuhr allerdings bei Autotestern nur verhaltenes Lob ein. Wenige Wochen danach offenbarte ein Crashtest des ADAC enorme Sicherheitsmängel des Chinesen. Der Wagen floppte am Markt.

Pleite statt Modelloffensive

Galerie: Bericht Brilliance-Importeur und China Automobile insolventDanach wurden der Import des BS6 vorläufig ausgesetzt und Nachbesserungen versprochen. Der Importeur HSO Motors Europe bereitete sich auf einen zweiten Anlauf vor. Zunächst kam 2008 mit dem BS4 eine kleinere Version des BS6, die wiederum nur mäßig gute Kritiken einfuhr und ebenfalls bei einem ADAC-Crashtest durchfiel. Zudem waren für 2009 neben dem überarbeiteten BS6 noch der BS4 Kombi und das Kompaktmodell BS2 geplant. Dazu ist es allerdings nicht mehr gekommen, die ehrgeizigen Pläne nunmehr gestoppt, der Importeur HSO Deutschland insolvent.

Die Gründe für das Scheitern sind klar: Vor allem die Negativ-Schlagzeilen beim Crash-Verhalten und die Empfehlungen der Autotester haben dem Namen Brilliance geschadet. Auch die Marktbedingungen in der Wirtschaftkrise schadeten der Marke Brilliance. Dem Wettbewerbsvorteil besonders günstiger Preise setzten die Konkurrenten in 2009 eine enorme Rabattierung entgegen. Hinter den Kulissen gab es zudem einen riesigen Hickhack um eine EU-Typenzulassung, die dem BS4 verweigert wurde.

Warten auf Landwind und Great Wall

Angesichts der Pleiten der beiden Importeure China Automobile und HSO dürften wohl andere chinesische Hersteller ihre Markteintrittsambitionen in Deutschland überdenken. Ob die beiden Hersteller Landwind und Great Wall ihre jeweils für 2010 angekündigten Einstieg in Deutschland tatsächlich so zeitnah in die Tat umsetzen, scheint mehr als fraglich. Auf der IAA 2009 war in jedem Fall nichts mehr von der chinesischen Aufbruchstimmung der Vorjahre zu spüren.

Galerie: Bericht Brilliance-Importeur und China Automobile insolventDoch letztlich wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis sich chinesische Autobauer nachhaltiger in Europa etablieren. So hat der Hersteller Great Wall Mitte Oktober 2009 ein Kooperationsvertrag mit der bulgarischen Regierung zum Aufbau einer Autofabrik in Bulgarien unterschrieben. Demnach sollen 2011 die ersten Fahrzeuge vom Band rollen und in EU-Ländern vertrieben werden. Doch bis sich die Strategen von Great Wall auch auf den harten deutschen Automarkt wagen, dürften noch einige Jahre vergehen.

Darüber hinaus geistern durch die Wirtschaftspresse immer wieder Gerüchte von Einkaufstouren chinesischer Autobauer bei europäischen Automarken. Demnach stehen Saab und Volvo auf den Einkaufslisten von Geely und BAIC besonders weit oben. Bisher sind diesbezüglich allerdings noch keine konkreten Entscheidungen gefallen, die chinesischen Autobauern einen solchen indirekten Eintritt für alle europäischen Märkte eröffnen.

 

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