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Galerie: Bericht Daimlers Zukunft

Bericht: Daimlers Zukunft

Steckdose statt Zapfpistole

23.07.2009

Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts rollten die ersten batteriebetriebenen Fahrzeuge über die Straßen, doch mussten die sich bald den Verbrennungsmotoren geschlagen geben. Über einhundert Jahre später haben sich die Voraussetzungen drastisch geändert und die Chancen für eine flächendeckende Verbreitung von Elektrofahrzeugen sind besser denn je. Vielleicht nicht gleich morgen, aber bestimmt schon übermorgen.

Gut zwei Monate vor der IAA 2009 im September in Frankfurt stellt Daimler jetzt seinen Fahrplan in die Zukunft vor. Und der führt eindeutig in Richtung Elektromobilität, wie Dr. Thomas Weber, Entwicklungsvorstand bei Daimler, höchstpersönlich erläutert.

Schließlich sei der Klimawandel nunmal Fakt, woher er auch immer rühren mag, und die Ölreserven wahrscheinlich endlich; ab 2020 gehe man von einem Rückgang der Fördermenge aus. Außerdem: Neben dem enormen technischen Fortschritt im Bereich der Elektrik - inklusive der Lithium-Ionen-Batterie - gilt der E-Antrieb mittlerweile schlichtweg als „in“. Laut einer Studie von Continental sind 46 Prozent der Autofahrer offen für den Erwerb eines Elektrofahrzeugs.

Drei Schwerpunkte

Galerie: Bericht Daimlers ZukunftTrotz aller Aufbruchstimmung, die derzeit in Stuttgart verbreitet wird, ist man sich bei Daimler freilich bewusst, dass der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf Elektrofahrzeuge nicht von heute auf morgen geschieht und hat deshalb drei Schwerpunkte definiert: So sollen auf der einen Seite Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren weiter optimiert werden und damit der Spritkonsum gesenkt werden. Auf der anderen Seite will man Effizienzsteigerungen durch weitere Hybridisierung herbeiführen. Und die dritte Säule sind eben jene Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge, mit denen das lokal emissionsfreie Fahren möglich ist.

Gewiss hat Daimler viele Asse im Ärmel, wie etwas die B-Klasse mit Brennstoffzelle, eine rein elektrisch fahrende A-Klasse oder das Conceptcar BlueZero, das mit Strom bis zu 600 Kilometer zurück legen kann. Doch sind diese Trümpfe noch lang nicht spielreif, und die Karten, die bereits auf dem Tisch liegen sind dagegen relativ unspektakulär.

Blaue Technik

Galerie: Bericht Daimlers ZukunftIn Sachen Optimierung der Verbrennungsmotoren setzt Daimler auf die so genannten BlueEfficiency-Maßnahmen, die in fast allen Modellen erhältlich sind. Kleinere Hubräume, Turboaufladung und Direkteinspritzung sollen die Ottomotoren so sparsam wie Selbstzünder machen und die BlueTec-Technologie, also die Abgasreinigung mit Harnstoff, soll Diesel so sauber wie Benziner werden lassen.

Insgesamt 58 „blaue“  Modelle will Daimler Ende 2009 auf dem Markt haben, 18 weitere sollen 2010 folgen. Neu - zumindest hierzulande - sind die sauberen SUVs GL-, M- und R-Klasse, die nach ihrem Verkaufsstart in den USA vor einigen Montan jetzt auch in Deutschland als 350 BlueTec erhältlich sind . Zusammen mit dem E 350 BlueTec bringt Mercedes 2009 damit vier Euro-6-Diesel auf den Markt. Insgesamt haben die Schwaben jetzt 115 Modelle im Programm, die mindestens die Euro5-Norm erfüllen und 37 Fahrzeuge, die weniger als sechs Liter konsumieren.

Vier-Zylinder für die S-Klasse

Galerie: Bericht Daimlers ZukunftAußerdem ist es beschlossene Sache, demnächst nicht nur die A-Klasse mit einem Drei-Zylinder-Motor zu bestücken, als nächstes wird er in der C-Klasse Einzug halten. Dr. Weber spricht darüber hinaus sogar  von der Möglichkeit, eine S-Klasse mit Daimlers neuem, derzeit weltweit drehmomentstärkstem Vier-Zylinder-Diesel, antreiben zu können. Damit dürfte der Weg für einen etwa 220 PS starken S 300 CDI geebnet sein.

Auf der anderen Seite treibt Mercedes die Hybridisierung voran. Nach dem Start der S-Klasse mit Mild-Hybrid bringen die Stuttgarter im Herbst den ML 450 Hybrid in den USA auf den Markt. Der kann, anders als der S 400 Hybrid kurze Strecken auch rein elektrisch fahren und soll mit der Kombination aus Sechs-Zylinder und E-Motor die Fahrleistungen eines V8-Triebwerks mit dem Verbrauch eines Vier-Zylinders realisieren.

Stromgewinnung

Galerie: Bericht Daimlers ZukunftIn Sachen Hybrid-Technik arbeitet man bei Daimler auch weiter am Einsatz von Range Extendern, also kleinen, effizienten Verbrennungsmotoren, die in einem Hybridfahrzeug lediglich der Stromgewinnung dienen sowie an Plug-In-Lösungen, also der Möglichkeit, die Akkus an der Steckdose aufzuladen. Apropos Akku: Mit der „Deutschen Accumotive“ hat Daimler ein eigenes Unternehmen gegründet, dass ab 2012 Lithium-Ionen-Batterien herstellen soll.

Bis 2012 dürfte auch die Entwicklung der strombetriebenen Fahrzeuge weiter voran getrieben worden sein - denn bis auf ein paar fahrbare, aber noch lang nicht serienreife, Versuchsfahrzeuge und Studien sieht das Angebot derzeit noch sehr dünn aus. Prinzipiell forscht man bei Daimler in zwei Richtungen: Reine Batteriefahrzeuge und Elektrofahrzeuge, die den Strom mit Hilfe von Wasserstoff und einer Brennstoffzelle beziehen.

Smart mit E-Antrieb

Galerie: Bericht Daimlers ZukunftRein elektrisch fährt der Smart ed schon seit einiger Zeit in einer auf 100 Testfahrzeuge beschränkten Kleinserie durch London, bald wird er auch in Berlin erprobt werden. Zudem verspricht Mercedes für nächstes Jahr eine Kleinserie von batteriebetriebenen A-Klassen. Allerdings kämpfen alle derzeit noch mit einem Problem. Die mangelnde Infrastruktur, sprich Steckdosen, und die langen Ladezeiten. Nach rund 80 Kilometern ist Schluss und es dauert mehrere Stunden, die Akkus aufzufüllen.

Den nötigen Strom selbst produzieren können Brennstoffzellen-Fahrzeuge, und zwar aus Wasserstoff. Doch auch hier bleibt die Infrastruktur das größte Problem, es gibt nur eine Hand voll Tankstellen. Ein flächendeckendes Netz würde rund 1,7 Milliarden Euro kosten, für den doppelten Betrag könnte man alle 30 Kilometer eine Wasserstoff-Tankstelle installieren. Bevor das nicht geschieht, sind längere Reisen mit Brennstoffzellen-Fahrzeugen nicht möglich.

Erste Ausfahrt mit Brennstoffzelle

Galerie: Bericht Daimlers ZukunftDie Technik selbst macht schon einen soliden Eindruck, wie wir uns bei einer ersten Ausfahrt mit der B-Klasse F-Cell überzeugen durften. Mit 136 PS und 320 Newtonmetern legt der Benz ordentliche Fahrwerte an den Tag. Angefahren wird nur mit Batteriestrom, dann schaltet sich die Brennstoffzelle zu. Alles was der Fahrer davon mitbekommt, ist ein kleines „Klack“. Zwei zusätzliche Instrumente informieren über den Einsatz der Brennstoffzelle und wie viel Leistung vom E-Motor abgefragt wird beziehungsweise ob im Schubbetrieb und beim Bremsen die Batterie geladen wird.     

Aus dem Wagen selbst, kommt hinten reines Wasser raus. Doch natürlich muss auch der Wasserstoff irgendwo hergestellt werden, was nicht ohne Energieaufwand machbar ist. Rechnet man dies in den Verbrauch mit ein, ergibt sich trotzdem ein vorbildlicher Konsum, der in etwa 2,9 Liter Diesel je 100 Kilometer entspricht.

Blaue Null

Galerie: Bericht Daimlers ZukunftNoch dieses Jahr will Mercedes eine Kleinserie der B-Klasse F-Cell zu Versuchszwecken produzieren. Etwas länger dürfte es dauern, bis der BlueZero in Serie geht. Das Concept-Car, mit dem wir ebenfalls eine Runde drehen durften, gibt nicht nur einen Ausblick auf die neue B-Klasse, die voraussichtlich 2012 auf den Markt kommt, sondern präsentiert gleich drei modulare Antriebskonzepte.

Als E-Cell ist der BlueZero rein elektrisch unterwegs und soll etwa 200 Kilometer weit kommen. Die F-Cell-Variante verfügt zusätzlich über eine Brennstoffzelle mit der gleichen Technik wie in der B-Klasse F-Cell. So sollen Entfernungen bis zu 400 Kilometer kein Problem darstellen. Als dritte Option gibt es den E-Cell Plus mit Elektromotor, der dank eines Range Extenders, einem Drei-Zylinder-Turobbenziner mit  68 PS, sogar 600 Kilometer zurücklegen kann. Denn der Verbrennungsmotor dient lediglich der Stromerzeugung und speist die Akkus.

Fazit

Für Daimler steht fest: In Zukunft fahren wir elektrisch. Gleichzeitig machen die Stuttgarter aber auch klar, dass dies nicht morgen schon der Fall sein wird. Noch in den nächsten Jahren wird der Verbrennungsmotor unschlagbar sein, weswegen man im Schwabenland fieberhaft an weiteren Effizienzsteigerungen der Diesel- und Benzintriebwerke arbeitet.

Gleichzeitig standen aber die Chancen für einen Siegeszug der Elektro-Fahrzeuge nie besser. Und die Entwicklung macht Fortschritte, von denen wir uns in der B-Klasse F-Cell und dem Concept Blue Zero selbst überzeugen konnten.

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