Umwelt-Special
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Galerie: Bericht eMobility Berlin

Bericht: eMobility Berlin

So fühlt sich Zukunft an

18.12.2009

Flink flitze ich mit dem Smart das Berliner Lützowufer entlang, als mich plötzlich jemand von der Seite anhupt. Ein Mini-Fahrer. Was will der denn, denk ich mir noch, als ich merke, dass da neben mir nicht irgendein, sondern ein Elektro-Mini fährt. Und dessen Fahrer freut sich wahnsinnig, mich in meinem Elektro-Smart zu sehen. Herzlich Willkommen, Zukunft.

Während beim Klimagipfel in Kopenhagen auch am letzten Tag noch eifrig diskutiert wird, scheint in Berlin die automobilie Zukunft bereits zum greifen nah. Seit Frühjahr 2009 rollen 50 Elektro-Minis durch die Hauptstadt, gestern gaben Daimler und RWE den Startschuss für ihr bereits im September 2008 angekündigtes Projekt eMobility Berlin. Dabei sollen 100 strombetriebene Smarts die elektrifizierung des Berliner Verkehrs vorantreiben.  

Henne-Ei-Problem gelöst

Vor etwas über einem Jahr, betont RWE-Vorstand Jürgen Großmann  vor einem Großaufgebot internationaler Journalisten im Hotel Esplanade, standen wir noch vor dem Henne-Ei-Problem. Solange es keine Elektro-Autos gibt, gibt‘s keine Strom-Tankstellen, und solange es keine Strom-Tankstellen gibt, kauft keiner ein Elektro-Auto.

Dagegen ging RWE in den vergangenen zwölf Monaten an und hat, ungeachtet der noch nicht verfügbaren E-Fahrzeuge, in Ladestationnen investiert. 170 öffentliche Ladepunkte gibt es bereits, 70 davon in Berlin und im Jahr 2010 soll deutschlandweit die 500er-Marke erreicht werden. Auch die Einigung von Energieversorgern und Autoherstellern auf einen gemeinsamen Anschluss, den blauschwarzen Stecker der Firma Mennekes, darf als großer Fortschritt des zu Ende gehenden Jahres gelten.

Neue E-Smart-Generation

Galerie: Bericht eMobility BerlinBei Daimler war man in der Zwischenzeit ebenfalls nicht untätig und hat die zweite Generation des Elektro-Smarts in den vergangenen Monaten zur Reife getrieben; seit November wird er in einer Kleinserie von zunächst 1.000 Stück im Werk in Hambach produziert. 100 E-Smarts werden bald durch die Hauptstadt rollen, weitere eMobility-Projekte sollen 2010 in Rom, Mailand, Pisa und Zürich folgen. Und in Hamburg werden bald 50 elektrobetriebene Smarts die dort startende Brenstoffzellenflotte von Mercedes unterstützen.

Der größte Fortschritt der aktuellen Fahrzeuge gegenüber den E-Smarts der ersten Generation, die seit 2007 in einem Pilotversuch in London unterwegs sind, sind die neuen Lithium-Ionen-Akkus. In nur dreieinhalb Stunden soll sich der Akku zu 80 Prozent aufladen lassen, sein Strom reicht, um einen 30kW-Motor anzutreiben und die Gesamtreichweite liegt bei rund 135 Kilometern.

Serienreif jetzt, marktreif bald

Galerie: Bericht eMobility BerlinDass die Reichweite batteriebetriebener Fahrzeuge trotz aller Fortschritte auch in Zukunft begrenzt bleiben wird, gibt Daimler-Chef Dieter Zetsche unumwunden zu. Das Akku-Auto sei und werde ein reines Stadt-Auto bleiben. Und da reichen über 100 Kilometer Aktionsradius auf jeden Fall aus. BMW etwa hat bei seinem E-Mini-Projekt herausgefunden, dass der durchschnittliche Fahrer nicht einmal zwanzig Kilometer damit am Tag unterwegs ist.

Technisch bestätigt Zetsche dem Smart die volle Serienreife. Dass er noch nicht marktreif sei, läge vor allem am saftigen Preis der Batterie. Doch mit steigenden Produktionszahlen sollen die Kosten sinken und natürlich sei einmal Volltanken deutlich günstiger als ein Cappucino, so der Daimler-Chef. „Sicher auch hier, im Hotel Esplanade“, fügt er lächelnd hinzu.

Drei Lademöglichkeiten

Galerie: Bericht eMobility BerlinWürde man den Elektro-Smart käuflich erwerben wollen, müsste man knapp 50.000 Euro auf den Tisch legen. Macht man aber nicht, sondern man least den kleinen Stromer für stolze 700 Euro im Monat. Mit dabei ist die sogenannte Wallbox von RWE, die als eine von drei Lademöglichkeiten in der heimischen Garage installiert werden kann. Alternativ kann der E-Smart an jeder beliebigen Haushalsteckdose oder eben an einer öffentlichen Ladestation aufgetankt werden.

Wallbox und Ladestation bringen mehrere Vorteile mit: Der Kunde kann den Ladevorgang jederzeit per Internet oder Mobiltelefon kontrollieren, der Smart kann auf Wunsch vorklimatisiert werden und, in Zukunft, kann das Laden so gesteuert werden, dass jeweils der günstigste Stromtarif gewählt wird. Übrigens: Egal von welchem Stromanbieter eine öffentliche Ladestation betrieben wird, an der ein Smart-Fahrer sein Fahrzeug lädt, er erhält immer nur eine Rechnung von RWE und muss sich nicht vorher identifizieren. Das alles über nimmt das Auto.

Strom inklusive

Galerie: Bericht eMobility BerlinAllerdings spielt die Abrechnung momentan noch keine Rolle, denn in den monatlich 700 Euro Leasingrate ist auch der Strom für eineinhalb Jahre inkludiert. Zukünftig könnten die Strom-Autos dann aber etwa nachts geladen werden, wenn der Strom zum einen günstiger und der Energieverbrauch insgesamt niedriger ist und viel produzierte Energie ungenutzt verloren geht. So könnten Elektro-Fahrzeuge auch zu riesigen Energiespeichern werden.

Apropos Energie: Auch wenn der E-Smart emissionsfrei unterwegs ist, so fährt jedes Elektro-Auto freilich nur dann tatsächlich ohne Schadstoffausstoß, wenn auch der Strom sauber erzeugt wurde. Dazu braucht es Strom aus regenrativen Energiequellen, wie Wasser, Strom und Wind. Und das garantiert RWE für das Laden der Fahrzeuge an Ladestationen und der Wallbox. Dass heißt, für die so entnommene Menge an Energie wird ausschließlich Ökostrom in das Versorgungsnetzt eingespeist.  

20 Prozent Ökostrom

Galerie: Bericht eMobility BerlinMomentan, so Jürgen Großmann, liegt der Ökostrom-Anteil bei RWE bei lediglich fünf Prozent. Bis 2020 soll die Quote auf 20 Prozent gesteigert werden. Einen Teil dazu trägt sicher die Versorgung der Deutschen Bahn und des Flughafen Frankfurts mit Ökostrom bei. Den größeren Teil aber werden die Elektroautos erledigen, von denen laut Plänen der Bundesregierung bis 2020 eine Million lautlos über die deutschen Straßen rollen sollen.

Damit dieser Plan aufgeht, wiederholt Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle das Versprechen der Bundesregierung, mit einer umfangreichen Förderung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten im Bereich Verkehr, Energie und IT die Entwicklung marktreifer Produkte voranzutreiben. In Deutschland, so Brüderle, wurde vor über einhundert Jahren das Automobil erfunden, hier müsse es nun auch zum zweiten Mal erfunden werden. Dass das gelingt, sind sich Zetsche, Großmann und Brüderle einig. Die Chancen jedenfalls waren niemals besser.  

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