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Galerie: Bericht Mercedes-Benz B-Klasse F-Cell

Bericht: Mercedes-Benz B-Klasse F-Cell

Geliebt, gehasst und jetzt gemacht

18.02.2011

Die B-Klasse macht nun das, was vor 13 Jahren bei Mercedes bereits hätte Wirklichkeit sein können: Fahren mit Strom. Die Energie kommt jedoch nicht aus der Steckdose, wie kürzlich bei der A-Klasse E-Cell gezeigt, sondern aus einer Brennstoffzelle, die die Energie direkt an Bord generiert. Wir fuhren den summenden Altherrenwagen von Madrid nach Lissabon, gut 650 Kilometer, mit Stopps, mit Wasserstoff-Betankungen, mit Volllast, mit Sparfuß und vor allem: mit viel Normalität.

Wir schreiben das Jahr 1998. Mercedes stellt mit der A-Klasse das erste Serienauto der Firmengeschichte mit Frontantrieb vor. Noch keine Katastrophe, diese folgte aber bei einem der ersten Journalisten-Tests. Die A-Klasse kippte bei einem Fahrversuch, der fortan als Elchtest in aller Munde war, um. Der Schrecken saß tief, die Welt war empört. Mercedes rüstete ab sofort alle A-Klassen mit ESP aus und wurde damit Wegbereiter des Schleuderschutzes in kleineren Fahrzeugen. So gesehen hatte das A-Klasse-Debakel auch sein Gutes

Doppelter Boden für die E-Technik

Galerie: Bericht Mercedes-Benz B-Klasse F-CellWarum aber die A-Klasse kippte, hatte einen besonderen Grund. Das Auto war hoch, die Reifen schmal und unter den Insassen gab es Platz - das Sandwich-Konzept war neuartig. Das Argument, warum dieser doppelte Boden vorhanden war, wurde hauptsächlich damit begründet, dass der Verbrennungsmotor der A-Klasse bei einem Frontalcrash unter die Insassen in den Zwischenraum rutschen konnte und so das Verletzungsrisiko minimierte.

Schön und gut. Doch dafür wurde der Raum nicht wirklich eingeplant. Eher war er angedacht, dort den gesamten Elektroantriebsstrang, Akkus und beispielsweise auch die Brennstoffzellentechnik unterzubringen. NECAR 1 hieß das erste größer propagierte Wasserstoff-Erprobungsfahrzeug auf Basis der A-Klasse, das in den Medien die Runde machte und trotzdem nie in Serie ging. Die emissionsfrei fahrende A-Klasse war zu früh dran, sollte nicht auf den Markt kommen, wurde unterdrückt? Spekulationen, ähnlich denen, die sich um den von Chevrolet bereits Mitte der 1990er Jahren auf den Markt gebrachten EV1 ranken.

Die Zeit ist Reif. Wirklich?

Jetzt verkündet Mercedes, sei die Zeit reif für den Elektroantrieb, der seine Kraft aus der Brennstoffzelle bezieht und schickt den modernsten, der Öffentlichkeit zumutbaren Brennstoffzellenflitzer auf die ganz große Reise.

Galerie: Bericht Mercedes-Benz B-Klasse F-CellPünktlich zum 125jährigen Firmenjubiläum startet eine 125tägige Reise rund um die Welt. Protagonist: Die Mercedes-Benz B-Klasse F-Cell. Auf der Erdumrundungstour will Mercedes verdeutlichen, wie weit man mit der von vielen bislang geschmähten Technologie gekommen ist und im Alltag kommen kann.

Die Tour führt von Stuttgart über Paris, Madrid nach Lissabon. Dort werden die Fahrzeuge in einen Jumbo geladen, um von Miami weiter Richtung Phoenix, San Francisco und Vancouver zu surren. Von Kanada aus geht es wieder per Flugzeug nach Sydney und von dort auf südlichem Kurs rüber nach Perth wo abermals eine Flugstrecke ansteht. Shanghai ist das erklärte Startziel des Asien-Abschnitts. Weiter über Peking führt die F-Cell-Tour südlich der Wüste Gobi nach Alamaty und Astana, um über Moskau und Sankt Petersburg nach Helsinki, Stockholm und Oslo zu rollen. Von dort geht es weiter nach Hamburg und dann zurück nach Stuttgart. Etwa 30.000 Kilometer legt jedes der Fahrzeuge – drei B-Klasse F-Cell (Ersatzfahrzeuge sind auch dabei) und die 16 Begleitfahrzeugen – zurück.

Keine Tankstellen in Sicht

Galerie: Bericht Mercedes-Benz B-Klasse F-CellBei einer derzeit vorhandenen Wasserstofftankstellennetzdichte von 200 Zapfpistolen weltweit, ist es naheliegend, dass der besondere Kraftstoff mobil mitgeführt werden muss. Dafür wurde eigens ein Mercedes Sprinter umgerüstet, um zirka alle 300 Kilometer 3,7 Kilogramm (ein Kilogramm kostet am Markt rund neun Euro) Kraftstoff für jede B-Klasse bereitstellen zu können. Der Tankvorgang ist jedoch nicht unproblematisch, darf die Befüllung ausschließlich an von den örtlichen Sicherheitsbehörden genehmigten Stellen durchgeführt werden. Denn so richtig trauen viele dem Brennstoffzellen-Braten nicht.

Kein Wunder, kennt sich doch vor allem Daimler mit dieser Technik glänzend aus und lässt bereits seit Jahren in einigen Metropolen Omnibusse mit dieser Art Kraftstoff, der in einem kleinen Reaktor an Bord in elektrischen Strom umgewandelt werden kann und dann praktisch jeden E-Motor antreiben könnte, fahren. Der Wasserstoff wird übrigens mit 700 bar in die Tanks der B-Klasse im Sandwich-Boden eingeblasen. Rund drei Minuten dauert ein Tankvorgang – zumindest an einer echten H2O-Zapfsäule.

Aufgrund der auf der Tour komplizierten Betankung, die bis zu einer Stunde dauern kann, sind die Etappen akribisch geplant, Abweichungen sind nur nach Absprache und penibler Neuberechnung möglich.

Keine Probleme

Probleme gibt es laut Prof. Dr. Kohler, Leiter E-Mobility bei Mercedes-Benz, der die ersten 300 Kilometer von Madrid an unser Gast in der B-Klasse war, nicht. Das mag man dem vielbeschäftigten Mann glauben, denn auch auf unserer gesamten Distanz bis nach Lissabon fährt sich ein mit Wasserstoff betriebener Mercedes so, wie man es von einem Mercedes eben erwartet. Lediglich beim Anfahren und bei Konstantfahrt sind ganz dezente, aber nicht störende, fiepende Betriebsgeräusche zu hören, die aber in der kommenden Entwicklungsstufe beseitigt sein sollen, wie Kohler uns mitteilte.

Noch 2011 sollen einige ausgewählte Kunden eine B-Klasse F-Cell erhalten und damit die Testkilometer von derzeit schon weit mehr als zwei Millionen erhöhen und von Alltagserfahrungen berichten. Aufmerksame Verkehrsteilnehmer werden die B-Klasse F-Cell bestenfalls im vorbeisummen wahrnehmen.

Nachfolger ohne Sandwich-Konzept

Galerie: Bericht Mercedes-Benz B-Klasse F-CellEnde 2011 kommt der Nachfolger der B-Klasse, dann ohne Sandwich-Boden in dem aktuell noch die gesamte Brennstoffzellen-Technik untergebracht wurde. Dass es trotzdem passt, erreichen die Ingenieure mittels Verkleinerung der gesamten Technik. Gleichzeitig wird die Reichweite, die derzeit bei extrem sensiblem „Gasfuß“ bei 400 Kilometer liegt, deutlich vergrößert. Denn die Effizienz ist noch lange nicht am Ende, wie man den Worten des Projektleiters Arwed Niestroj entnehmen kann. Auf unserem Streckenabschnitt, der fast zu 100 Prozent aus eintöniger Autobahnfahrt bestand, genehmigte sich die B-Klasse bei moderaten 110 km/h etwa 1,10 Kilogramm Wasserstoff auf 100 Kilometer. Wer schneller fährt, vernichtet bei Elektrofahrzeugen überproportional viel Energie.

So kam es auch gleich auf der ersten Etappe von Stuttgart Richtung Straßburg zum Supergau. Journalisten aus den USA und aus China konnten der unlimitierten deutschen Autobahn nicht widerstehen und fuhren den 3,7 Kilogramm großen Tank frühzeitig leer. 136 PS Systemleistung, eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h und eine durchaus ansehnliche Beschleunigung (11,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h) waren zu viel Verlockung für die an Tempolimits gewöhnten Kollegen.

Stadt und Land. Autobahn? Wenn’s sein muss

Galerie: Bericht Mercedes-Benz B-Klasse F-CellIm Stadtbetrieb fühlt sich die B-Klasse F-Cell, wie alle Elektroautos, am wohlsten. Denn hier kann bei adäquater Fahrweise viel Energie rekuperiert werden, die dann in eine Lithium-Ionen-Pufferbatterie gespeichert wird.

Projektleiter Niestroj schaffte nach eigenen Angaben einen Durchschnittsverbrauch von 0,8 Kilogramm auf 100 Kilometer. Ideal sei eine Geschwindigkeit von rund 70 Km/h im Segelmodus. Um den Modus ablesen zu können, reicht ein Blick aufs Kombiinstrument. Anstelle eines Drehzahlmessers, der bei einer Eingang-Automatik eher unsinnig ist, gibt es einen Tachoeinsatz, der anzeigt, wie viel Kilowatt gerade abverlangt werden. 0 ist das Optimum, drunter geht nur bei Bergabfahrt oder beim Ausrollen, dann nämlich rekuperiert das System Energie, drüber geht immer und wird ab etwa 80 Kilowatt Leistung auch in Rot markiert.

Gut zu fahren, schlecht zu kaufen

Die Technik ist Marktreif, keine Frage. Die B-Klasse F-Cell dürfte die 30.000 Kilometer quer über den Erdball problemlos verdauen. Das Problem wird auf absehbare Zeit die Versorgung mit Wasserstoff sein. Nicht, dass es an der recht kostengünstigen, weil Großteils aus Industrieabfällen gewonnenen Energie hapert. Nein, eher die Tankstellen werden in den kommenden zehn Jahren noch immer so rar sein, dass sich ein Alltagsbetrieb eines Brennstoffzellen-Fahrzeugs nicht realisieren lassen wird. Zwar gibt es bereits diverse Absichtserklärungen, Abkommen und Kooperationen, doch so richtig will die Sache nicht anlaufen.

Ein Grund für den zögerlichen Anlauf könnten die nur für wenige reizvollen Aussichten beim Erlös sein. Mineralölkonzerne würden beispielsweise in die Röhre gucken. Kaum vorstellbar, dass dieser krasse Wandel innerhalb einer Generation vollzogen werden kann. Zu viele geniale Ideen wurden schon klein gehalten. Wir sind gespannt und drücken die Daumen, dass die Brennstoffzelle den Siegeszug antritt. Wenn schon nicht aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten, wäre es der Umwelt und der Gesundheit der Menschen zuträglich – doch ist das gewollt?

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