Schönes Wetter, offenes Dach - das Cabriofeeling in unserem Special.
Es ist viel Platz auf der Messe, etliche Flächen bleiben unbesetzt, in vielen Hallenbereichen breitet sich düstere Leere aus: Unbeleuchtete Freiflächen zeugen von einer schlechten Auslastung der NAIAS 2009 in Detroit.
Nachdem Porsche, Nissan, Infiniti und andere namhafte Hersteller ihre Teilnahme an der „North American International Auto Show“ abgesagt hatten, macht sich bei Messestart ein zwiespältiges Gefühl breit.
Leer und dunkel.
Chrysler (mit Jeep und Dodge) verzichtet auf Parkett und setzt auf billigeren Teppich. Dabei fehlt nicht nur das übliche Tamm-Tamm in Form von Lounges oder Emporen sondern gleich die Standgestaltung an sich.
Jaguar belegt die Fläche, die letztes Jahr Land Rover für den LRX beanspruchte. Land Rover selbst bleibt zu Hause, da die für den nordamerikanischen Markt wichtigen Neuheiten erst in New York (April 2009) präsentiert werden. Die übrige Fläche bleibt dieses Jahr leer - hier befindet sich heuer ein Lager und die Steuerungselektronik der umliegenden Stände.
VW hat dunkle Leere und ein par Alibi-Stände als Nachbarn, die meisten Hersteller verzichten auf attraktive Hostessen - wo doch gerade sie angesichts der wenigen Neuheiten überhaupt Interesse der Journalisten wecken könnten. Auch Mercedes, Audi und BMW bleiben beim Standkonzept des vergangenen Jahres, wobei die Stuttgarter auf die Kunsteisfläche verzichtet haben - und auf die E-Klasse, die am Vorabend ausschließlich der internationalen Journalistenschar gezeigt wurde.
Italienischer Glanz
So sind es (natürlich) die Italiener, die mit ihren stilvoll eleganten und attraktiven Models das Fotografenherz schneller schlagen lassen: Lamborghini und Maserati setzen die emotionalen Glanzpunkte. Doch auch VW lässt seinen neuen Roadster von mit dem Begriff Messemädels nur ungenügend bezeichneten Fotomodellen ins rechte Licht rücken. Audi parkt erstmals Models neben seinen Neuheiten und gestattet dieses Jahr sogar Fotos von Mädchen mit Autos - das ist ja auch schon was.
GM aber schießt in seiner "Pressekonferenz" den Vogel ab, indem schätzungsweise die Hälfte der außerordentlich zahlreichen Anwesenden von Mitarbeitern gestellt wird. Und die halten - der Präsidentschaftswahlkampf ist ja gerade ein paar Wochen her - Mottotafeln hoch und spenden frenetischen Beifall und Jubelschreie wann immer GM-Boss Rick Wagoner einen Modellnamen nennt. Wenn Presseveranstaltungen zur Mitarbeitermotivation genutzt werden müssen, weiß man was die Stunde geschlagen hat. Dass es dabei allerdings auch um Standortpolitik geht, beweist Jennifer Granholm, amtierende Gouverneurin des Bundesstaates Michigan, die der Parade der GM-Neuheiten vorangeht.
Standortpolitik
Die Modelle der GM-Marken (Cadillac, Saturn, Chevrolet, Buick, Saab und GMC) verteilen sich weitläufig auf dem größten Messestand der NAIAS. Daran gemessen geht es GM jedoch noch besser als Chrysler, da wenigstens Geld für eine Bühne und diverse Drehplattformen blieb. Ford hingegen scheint es von den ehemaligen "Big Three" am besten zu gehen, die Standfläche wirkt nicht ärmlicher als 2008 und auch die Tochtermarken Mazda und Volvo präsentieren sich im Stil des letzten Jahres.
Passend zur angespannten Stimmung findet vor der Cobo-Mall eine von der Gewerkschaft organisierten Demonstration statt, auf der „They say Wall-Street, we say Main-Street“ und „No jobs: No taxes“ skandiert wird. Nebenbei wird noch der Regionalkonflikt der Gewerkschaften zwischen Nord- und Süd angeheizt (Detroit steht als Produktionsstandort von GM, Ford und Chrysler, in den Südstaaten produzieren Mercedes, BMW und bald auch VW) sowie der Kauf amerikanischer Marken thematisiert und das Unterstützungspaket für die Banken kritisiert.
Sonne trotz Trübsinn
Der Rest der Stadt bietet mit ordentlichem Sonnenschein wenigstens besseres Wetter als üblich. Dennoch bleibt der seit den 50er Jahren andauernde Niedergang der Michigan-Metropole unübersehbar. Über 4.000 leer stehende Gebäude und auf Mieter oder Käufer wartende Büro- und Ladenflächen zeugen von einer sterbenden Stadt. Noch ist Downtown-Detroit keine Geisterstadt, doch auch nicht mehr weit davon entfernt. Eines der bisher verfallenden Gebäude wurde jedoch in den letzten Jahren renoviert und zu altem Glanz geführt: Das Book Cadillac Hotel, am Cadillac-Boulevard gelegen und während der Pressetage Heim für über 1.000 Journalisten. Wie es früher dort aussah finden Sie auf der eindrucksvollen Website Forgotten Detroit.
Falsche Modelle?
Wird der Niedergang der amerikanischen Autoindustrie kommentiert, lautet eine gängige Erklärung Ford, GM und Chrysler bauten die falschen Modelle. Zu wenig innovativ, keine neuen Antriebskonzepte, zu groß, zu schwer seien sie. Doch der amerikanische Autokäufer denkt anders: Er liebt seine Pick-Ups immer noch. So hat Ford kürzlich Sonderschichten für seinen F-150 (gerade wieder zum „Truck of the year“ gewählt) eingeführt, da die Nachfrage nach diesem beliebtesten aller US-Autos wieder steigt.
Ausgerechnet ein 2 Tonnen schwerer Truck steht also wieder hoch im Kurs der Käufer und das aus einem einfachen und nahe liegenden Grund: Der Spritpreis in den USA hat sich seit dem Sommer mehr als halbiert, ist von weit über vier Dollar auf $ 1,75 pro Gallone gesunken – umgerechnet etwa € 0,36 pro Liter Benzin. Warum sollte bei solchen Spritpreisen irgendjemand also auf ein billiges großes Auto verzichten und ein kleines Auto kaufen? Der Einstiegpreis für einen F-150 4WD (V8, 250 PS 13 bis 17 Miles/Gallon oder etwa 13 bis 17 l/100km) liegt schließlich bei gut 23.000 Dollar, der eines Prius (4-Zylinder Hybrid, 76 PS, 45 Miles/Gallon oder 5 l/100km) bei 22.000 Dollar.
Vor diesem Hintergrund sind die hochfliegenden Pläne für Elektroautos nicht die Lösung der Probleme der US-Autobauer. Denn ab 2010 werden diese kleinen PKW die Pick-Ups, SUV und Vans nicht ersetzen. Zunächst haben, vor allem GM und Chrysler, mit internen, strukturellen Problemen zu kämpfen: Die Produktionsprozesse sind nicht effizient genug, die Pensionskosten drücken auf die Profitabilität.
Zweitens jedoch wird der nahe liegende Schritt in der Modellpolitik nicht vollzogen: Kleinere und effizientere Motoren für die oben genannten beliebten Fahrzeugsegmente. Sofern sich die Konjunktur der USA wieder aufrappelt, hätten die Amerikaner dann wenigstens eine Möglichkeit die laufenden und durch den Benzinpreis getriebenen Kosten im Griff zu halten und dennoch mobil zu bleiben.
Für die Zukunft des Autos in den USA, dem größten PKW-Markt der Welt, ist die Konsequenz daher recht einfach: Soll im Sinne von Klimaschutz, Schonung der fossilen Treibstoffe oder geringerer Schadstoffemissionen weniger konventioneller Sprit im Individualverkehr verblasen werden – und das ist neben der Rettung der heimischen Autoindustrie ja das Ziel - muss der Treibstoff einfach wieder teurer werden.
Doch keine Bange, das wird passieren. Trotz Obama.
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16.05.2012
Bericht: Autokosten – Fakten und Spartipps - Spritkosten/Umrüstung: Autofahren wird auch dank stetig steigender ... http://t.co/8JoGMHif
16.05.2012
Erste Ausfahrt mit dem Diesel-Hybrid: Volvo V60 Plug-In. 50 Km rein elektrisch, 215 Diesel-PS, 70 Elektro-PS. #hybrid http://t.co/KnoIZtVi
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