Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Bericht Neue Sicherheits-Systeme bei Mercedes

Bericht: Neue Sicherheits-Systeme bei Mercedes

Science-Fiction im Automobilbau

16.06.2009

Wer den zugegeben nur bedingt sehenswerten Science-Fiction-Film Demolition-Man  gesehen hat, wird sich vielleicht noch über das verunfallte, mit Schaum geschützte Auto amüsieren, aus dem Sylvester Stallone unbeschadet ausstieg. Ganz so abwegig ist diese Idee nicht, wie die neusten Sicherheits-Systeme von Mercedes Benz beweisen.

Mercedes ist bekannt dafür, neue Sicherheitssysteme als erste in ihre Autos zu bauen. So führten sie Ende der 1950er Jahre die Sicherheits-Fahrgastzelle ein, 1978 folgte das Anti-Blockier-System und nur zwei Jahre später wurde der erste Fahrer-Airbag in ein Serienfahrzeug installiert. Jetzt zeigen die Stuttgarter, was in naher und etwas fernerer Zukunft geboten werden kann, und das erinnert wirklich an Science-Fiction.

Aufblasbare Metallträger

Galerie: Bericht Neue Sicherheits-Systeme bei MercedesSo zeigt Mercedes im Forschungsfahrzeug ESF 2009 (Basis S-Klasse) unter anderem aufblasbare Metallstreben in den Türen, die sich bei einem Seiten-Crash innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde zu stabilen Rohren aufpumpen. Dieses neuartige System ersetzt die herkömmlichen Seitenaufprall-Verstrebungen in den Türen. Vorteil: Die Türen können schmaler gebaut werden (mehr Platz im Innenraum) bei gleichzeitig erhöhter Festigkeit und damit gesteigerter Sicherheit. Zudem sinkt das Gewicht um rund 500 Gramm pro Tür. Ein Problem sind derzeit allerdings noch die Kosten für die speziellen Gasgeneratoren, die in keinem Verhältnis zur Gewicht-Einsparung und der erhöhten Sicherheit stehen.

Beidseitiger Seiten-Airbag

Galerie: Bericht Neue Sicherheits-Systeme bei MercedesEbenfalls die Folgen einer Seitenkollision sollen spezielle Seitenairbags lindern. Diese sind im Versuchsfahrzeug nicht nur, wie bislang üblich, an und in den Türen angebracht sondern zusätzlich in der Fahrzeugmitte. Grund: Bei Seitencrashs oder Überschlägen kann es unter Umständen passieren, dass die Köpfe der Insassen zusammenstoßen und dadurch Verletzungen entstehen. Beim ESF 2009 schnellen im Ernstfall spezielle Luftsäcke zwischen Fahrer- und Beifahrer heraus und verhindern das Zusammenstoßen. Auf den Rücksitzen kann auf Knopfdruck ein mittig platziertes Stütz- und Schutzpolster herausgefahren werden. Einerseits kann es als Komfort-Element zum Schlafen dienen, andererseits schießt es bei Bedarf zwischen den Sitzen heraus und trennt beide Bereiche voneinander.

Brems-Sack

Galerie: Bericht Neue Sicherheits-Systeme bei MercedesEbenfalls ums Aufblasen geht es beim Braking Bag. Dabei handelt es sich um einen zwischen Vorderachs-Träger und Unterbodenverkleidung angebrachten Luftsack. Dieser wird bei einer unvermeidbaren Kollision von der Pre-Safe-Sensorik ausgelöst und bremst durch die Reibung auf dem Asphalt das Fahrzeug zusätzlich zur automatisch eingeleiteten Vollbremsung ab. Gleichzeitig hebt er das Fahrzeug um etwa acht Zentimeter an und gleicht damit die dynamische Achslastverteilung beim Bremsen aus (Nickbewegung). Das wiederum bewirkt, dass sich die Fahrzeugfront in Normalhöhe befindet, was für ein ideales Crashverhalten sorgen soll.

Verzögert ein Auto bei einer Vollbremsung mit ungefähr 10 m/s2, kann der Bremssack die Verzögerung kurzzeitig sogar verdoppeln und den Bremsweg so deutlich verkürzen. Derzeit ist bei guten Bremsanlagen die maximale Verzögerung hauptsächlich durch die Reifen und dessen Breite begrenzt. Laut Mercedes soll der Bremssack schon bei Verzögerungen ab 50 km/h die gleiche Schutzwirkung für die Insassen haben, wie eine um 18 Zentimeter verlängerte Knautschzone.

Autos kommunizieren untereinander

Galerie: Bericht Neue Sicherheits-Systeme bei MercedesEin Traum vieler Unfall-Analysten ist es, Crashs grundsätzlich zu vermeiden. Diesem Ziel könnte die Interaktive-Auto-Kommunikation einen Schritt näher bringen.

Hierbei können die oft schon in Fahrzeugen installierten Sensoren, Fahrassistenz-Systeme, Kameras, Navigationssysteme und Steuergeräte mit einbezogen werden. Hinzu kommen die so genannten Car-to-X-Stationen, die an neuralgischen Punkten im Straßenverkehr installiert werden sollen und den fließenden Verkehr mit Daten füttern können. Zusätzlich sollen Informationen aus dem Radio und dem Internet genutzt werden. So gewappnet können die Fahrzeuge sämtliche Daten über Verkehrsdichte, Geschwindigkeit und Gefahrenpunkte austauschen und auf die gegebene Situation reagieren.

Das System könnte nach Aussage von Mercedes vor allem auch eine Harmonisierung des Verkehrsflusses bewirken, da es beispielsweise in staugefährdeten Bereichen schon früh dazu aufruft, das Tempo zu drosseln und damit bereits wieder zum Auflösen des Staus beitragen. Rund 500 Meter Reichweite für die Funksysteme sollten nach Expertenmeinung ausreichen, da die Daten von Fahrzeug zu Fahrzeug ja weitertransportiert werden können. Laut Mercedes soll ein flächendeckendes Netzwerk möglich sein, sobald rund zehn Prozent der Fahrzeuge mit solch einem System ausgestattet sind.

Pre-Safe-Erweiterungen

Galerie: Bericht Neue Sicherheits-Systeme bei MercedesPre-Safe ist bereits seit 2002 bei Mercedes im Einsatz. Bislang werden bei einem drohenden Unfall beispielsweise geöffnete Fenster geschlossen, die Gurte vorgespannt und die elektrischen Sitze in eine aufrechte Position gefahren. Das System könnte demnächst um den Zusatz „Pulse“ erweitert werden. Dabei werden Fahrer oder Beifahrer (je nachdem von welcher Seite der Einschlag erfolgt) bei einem drohenden Seitencrash um rund fünf Zentimeter zur Fahrzeugmitte hin verschoben. Die kurz vor dem Unfall eingeleitete Richtungsbewegung bewirkt, dass der Körper durch den Crash weniger stark beschleunigt wird und sich mehr Platz zwischen Fahrzeugtür und Torso befindet. Basis für das System ist der bereits erhältliche fahrdynamische Multikontursitz, der mittels Luftkammern die Insassen bei Kurvenfahrt besser abstützt.

Ebenfalls eine Pre-Safe-Erweiterung ist das 360-Grad-System. Mittels Sensoren wird hier das direkte Fahrzeugumfeld überwacht. Im Heckbereich hat dieses magische Auge sogar eine Reichweite von etwa 60 Metern. Registriert nun das System, dass eine Heckkollision unvermeidbar ist, werden rund 600 Millisekunden vor dem Aufprall die Bremsen voll aktiviert. Das soll vor allem vermeiden, dass das Fahrzeug durch den Heckaufprall unkontrolliert nach vorne katapultiert wird und eventuell weitere Fahrzeuge in den Unfall involviert werden. Es ist nämlich – entgegen der landläufigen Meinung – besser, bei einem drohenden Heckaufprall voll auf der Bremse zu stehen, als die Stopper zu lösen.

Leuchtende Beispiele

Galerie: Bericht Neue Sicherheits-Systeme bei MercedesLED-Tagfahrlicht haben mittlerweile viele Automobilhersteller im Programm. LED Abblendlicht dagegen nur wenige, LED-Komplettscheinwerfer nur Audi. Mercedes zeigt nun am Erprobungsfahrzeug einen neuen, mit 100 LED bestückten Scheinwerfer, der gezielt potenzielle Gefahrenstellen (Tiere, Menschen oder ähnliches) anstrahlen kann. Kameras tasten den dunklen Bereich ab und geben bei Bedarf über ein Steuergerät den Befehl an einige LED exakt das gescannte Feld hell zu erleuchten, damit der Fahrer auf die Situation hingewiesen wird.

Ein anderes Sicherheitsmerkmal sollen Reflexstreifen an den Seiten des ESF 2009 sein. So sind die Reifenflanken der S-Klasse mit schmalen Reflexelementen versehen, die bei auftreffendem Licht zurückstrahlen. Ähnliche Leuchtfolien sind im Bereich der Türdichtungen angebracht. Der Clou: Bei Tageslicht sieht man von den verborgenen Sicherheitsstreifen nichts, nachts können sie ein Auto auffällig und zudem unverkennbar machen. Die Reflexbänder sollen vor allem im Kreuzungsbereich und bei parkenden Autos die Aufmerksamkeit des ankommenden Verkehrs erhöhen.

Einiges wird kommen

Neben den genannten Sicherheits-Techniken könnten nach Vorstellungen von Mercedes noch einige andere Sicherheits-Systeme den Weg ins Auto finden und die Zukunft für alle sicherer machen. Dass es letztendlich so weit kommt, wie in Demolition-Man gezeigt, darf bezweifelt werden. Das Schaumsystem aus dem Action-Streifen mutet im Vergleich zu dem, was Mercedes zeigt, fast schon archaisch an.

 
3
77

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.