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Galerie: Bericht Porsche bleibt Porsche

Bericht: Porsche bleibt Porsche

Porsche im Tal der IT-Nerds

15.12.2017

Lässig sitzt der großgewachsene End-Vierziger auf dem etwas zu kleinen Stuhl im Churchill Club, einem der renommiertesten Foren im Silicon Valley, wenn es um die Themen Zukunft und Digitalisierung geht – und darum geht es im Tal der IT-Nerds eigentlich immer. Zusammen mit dem Chef der jungen Spezialeinheit Porsche Digital, Thilo Koslowski, erzählt der Vorstandsvorsitzende hier, in einer typisch-amerikanisch schmucklosen Aula, wohin die Reise für den Autobauer gehen soll. Und er betont ein ums andere Mal: Ein Porsche wird immer ein Porsche bleiben.

Damit erteilt Blume, der das weiße Hemd nur locker in die ausgeschwaschene, graue Jeans gesteckt hat, allen, die von 911er-Robo-Taxis träumen eine Abfuhr. Ein Porsche ohne Lenkrad? Undenkbar! Zumindest unter Blume wird es das nicht geben, und man merkt, dass der smarte BWLer die Vorstellung, er könnte irgendwann zum Passagier im Fahrersitz werden, verdammt uncool findet. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass der Firmenboss mit den schwarzen Sneakern keinen Reiz am selbstfahrenden Auto fände: „Dort, wo es Sinn hat, kann zukünftig natürlich auch ein Elfer, Panamera oder Cayenne das Steuer übernehmen.“

Parklückensucher

Galerie: Bericht Porsche bleibt PorscheSinn hat es für Blume zum Beispiel im Stau, wenn der Fahrer die Zeit besser für einen Facetime-Chat oder zum Lesen nutzen kann, statt stoisch die Rücklichter des Vordermanns zu beobachten. Oder beim Einparken: Man steigt einfach vor dem Restaurant aus, und der Carrera sucht sich selber eine Parklücke in der Nähe – und kommt nach dem Dinner wieder vorgefahren. Bis das so weit ist, dürfte es allerdings noch ein wenig dauern. Deutlich eher dagegen sieht Blume seine Autos autonom über die Rennstrecke heizen: Ab 2019 kann man sich mit Hilfe der Mark-Webber-App von seinem eigenen Wagen über den Rundkurs kutschieren lassen. In Bestzeit, selbstverständlich.

Galerie: Bericht Porsche bleibt PorscheStarten dürfte die nach dem rennfahrenden Markenbotschafter benannte App zusammen mit Porsches erstem Elektro-Auto, dem Mission E. Ob man das Racing-Programm haben will, oder nicht, muss man dann auch nicht gleich bei der Bestellung entscheiden: Diese und weitere Apps sollen jederzeit over-the-air heruntergeladen werden können. Vorausgesetzt, man ist bereit einen durchaus vierstelligen Euro-Betrag dafür einzuwerfen – was die hohe Preise gewöhnte Porsche-Klientel sicherlich sein wird.

E-Autos allein reichen nicht

Galerie: Bericht Porsche bleibt PorscheDer viertürige Mission E selbst dürfte im Vergleich mit anderen Porsche-Boliden fast schon ein Schnäppchen sein: Rund 90.000 Euro, ist momentan immer wieder zu hören, soll der mit Hightech vollgestopfte Stromer kosten. Als erstes Auto kommt der Zuffenhausener mit 800-Volt-Bordnetz, nach nur 15 Minuten soll wieder genug Strom für weitere 400 Kilometer Reichweite im Akku sein und den Sprint auf Tempo 100 erledigt der Mission E in unter dreieinhalb Sekunden. Und wie es sich für einen echten Porsche gehört, läuft der Stromer natürlich deutlich über 250 km/h; von der Querdynamik ganz zu schweigen.

Galerie: Bericht Porsche bleibt PorscheOb sich die Kundschaft auf den Mission E einlässt? Warum nicht: Schon heute erzielt Porsche mit der Plug-in-Version beim Panamera gute Absatzzahlen und der eingangs erwähnte Turbo S E-Hybrid lockt mit 680 PS mit dem Reiz des Top-Models. In Europa entscheiden sich inzwischen fast 60 Prozent der Kundschaft für einen Elektro-Panamera und lassen sich bei jedem Ampelstart aufs Neue von der enormen Schubkraft des E-Motors in die straffen Sitze pressen. Warum also nicht auch ein reiner Stromer – wenn die Performance stimmt, und das hat Blume nun mehr als einmal versprochen wird sie, steht einem neuen Kassenschlager nichts mehr im Weg.

Galerie: Bericht Porsche bleibt PorscheE-Autos allein aber reichen den Zuffenhausenern nicht mehr: In den fünf Büros, die Porsche Digital in einem typischen Valley-Coworking-Space, mit Motivations-Postkarten an der Tür und Kicker-Tisch im Eingangsbereich, angemietet hat, bemalen derzeit zwölf Mitarbeiter die Wände und Glasscheiben mit Zukunftsvisionen und erarbeiten ein ganzes Ökosystem rund um die Marke. Ihre Idee: Auch außerhalb des Autos soll die Kunden der Porsche Lifestyle wie ein Heiligenschein umgeben und ihnen auf Schritt und Tritt folgen.

Auf einem guten Weg zur Serienreife

Wie dieser Halo konkret aussehen soll, daran wird aktuell noch getüftelt. Geht es nach Koslowskis Team, werden Porsche-Fahrer zukünftig zum Beispiel in einem Hotel oder Restaurant – das natürlich über einen markeneigenen, digitalen Assistenten reserviert werden kann – sofort als solche erkannt und mit besonders gutem Service bedacht. Auch Tipps zur Wochenendgestaltung, zu Kulturevents oder Shopping-Vorschläge hält der Assistent mit der Porsche-Brille bereit.

Galerie: Bericht Porsche bleibt PorscheWährend das alles noch recht wenig greifbar ist, sind manche Projekte der kalifornischen Elitetruppe schon auf einem guten Weg zur serienreife. Zum einen arbeitet Porsche beispielsweise an einer Roadtrip-App, die ausgewählte Routen in allen erdenklichen Regionen vorschlägt, die passenden Hotels bucht und einen Tisch in einem feinen Restaurant entlang des Weges reserviert – und auf Wunsch auch gleich die Bezahlung übernimmt. Zum anderen arbeiten die Forscher zusammen mit GoInStore an einer Technik, die die Porsche-Experience schon vermittelt, bevor der Kunde überhaupt ein Auto gekauft hat.

Ein Tastendruck am Laptop oder Smartphone reicht, schon kann sich jeder live mit einem Verkäufer im Autohaus verbinden, der einen – bewaffnet mit einer Videokamera – durch sein Wunschauto führt und einem alles über den Wagen erzählt, was man wissen will. Vor allem in Regionen mit eher wenigen Händlern können sich Interessenten so vorab schon genau mit ihrem Traumauto beschäftigen. Kein Wunder also, dass Porsche die Technik als erstes in Kanada ausrollt. Das riesige Land hat gerade mal 19 Händler! Ob und wann die Technik auch zu uns kommt, ist derzeit noch offen. „Anders als bisher, wo wir ein Auto mehr oder weniger gleich für die ganze Welt bauen, können und müssen sich die digitalen Angebote stark von Markt zu Markt unterscheiden,“ betont Blume, der schon nächstes Jahr auch in Asien ein Digital-Labor eröffnen will.

 
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