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Mit einer gewaltigen Rückrufaktion wegen Problemen mit dem Gaspedal macht Toyota derzeit negative Schlagzeilen. Weltweit müssen fast acht Millionen Fahrzeuge zurück in die Werkstatt, in Europa sind 1,8 Millionen Autos aus acht Baureihen von der Aktion betroffen.
Eine der größten Rückrufaktionen der Automobilgeschichte entwickelt sich für Toyota zunehmend zum Desaster. Wegen der Gefahr eines klemmenden Gaspedals ruft der Hersteller in den USA rund fünf Millionen Autos zurück; in Europa sind es 1,8 Millionen. Allein die Materialkosten für die Reparaturen werden bereits auf 150 Millionen Euro geschätzt, Arbeitszeit nicht einberechnet. Neben diesem finanziellen Schaden hat Toyota jedoch auch ein Image-Problem, ist es doch schon der zweite Gaspedal-Rückruf in Folge.
Folgenschwerer Unfall
Im August 2008 kommen im kalifornischen San Diego bei einem Autounfall vier Menschen ums Leben, weil sich das Gaspedal ihres Toyota Lexus ES nicht mehr lösen ließ, der Wagen weiter beschleunigte und schließlich mit 190 km/h von der Straße abkam. Als Ursache identifizierte man schnell die Fußmatte, die sich angeblich von ihrer Halterung gelöst und unter das Gaspedal geschoben hatte. Vier Wochen nach dem Unfall beorderte Toyota 3,8 Millionen Autos in die Werkstatt, um dies zu überprüfen.
Doch häuften sich weitere Berichte über klemmende Gaspedale und Toyota geht inzwischen selbst von einem Verschleiß im Pedalmechanismus aus. Wie oft der Schaden bisher tatsächlich aufgetreten ist, ist unklar. Der Zulieferer des Pedals spricht von zwölf Fällen, eine amerikanische Verbraucherorganisation will bereits über 2.000 Fälle gezählt haben.
Mit dem Rückruf von mehreren Millionen Fahrzeugen und dem Einbau einer Distanzscheibe, die die Reibung am Gaspedal reduzieren und damit ein Klemmen verhindern soll, schien die Pannenserie zunächst beendet zu sein. Doch häufen sich mittlerweile wiederum die Beschwerden von Toyota-Fahrern, die auch nach der Wartungsarbeit festgestellt haben wollen, das ihr Wagen von alleine weiter beschleunigte. Über 60 derartige Meldungen liegen den US-Behörden laut Medienberichten amerikanischer und deutscher Nachrichtenmagazine angeblich schon vor, täglich sollen es mehr werden.
Zudem musste sich Toyota-Chef Akido Toyoda kürzlich vor dem US-Kongress die harsche Kritik gefallen lassen, sein Unternehmen hätte Beschwerden ignoriert und kleingeredet. Die Entschuldigung des Toyota-Vorstandes wurde vom US-Kongress nur bedingt angenommen. "Es sei eine Sache, Entschuldigung zu sagen, aber eine andere, Probleme zu verschleppen," griff Kongress-Abgeordneter Elijah Cummings Toyoda an. An Brisanz gewinnt das Thema, da zufällig eine drei Jahre alte Präsentation an die Öffentlichkeit gelangte, in der sich Toyota rühmt, damals durch gute Lobbyarbeit einen massiven Rückruf verhindert zu haben. Toyota dementiert diese Papiere allerdings.
Rückrufe auch in Europa
Toyota hat daher in den USA die Produktion der betroffenen Baureihen gestoppt, bis die neuen Pedale geliefert werden; in Europa hat man die Fertigung bereits umgestellt. Gleichzeitig startet der japanische eine neue Rückrufaktion, bei der über vier Millionen Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, wo die entsprechenden Bauteile ausgetauscht werden. Insgesamt sind von den beiden Gaspedal-Rückrufen zusammen mittlerweile acht Millionen Autos betroffen, das entspricht Toyotas Weltjahresproduktion.
In Europa sind folgende Baureihen betroffen:
Außerdem haben sich mittlerweile Peugeot und Citroën dazu entschlossen, die mit dem Aygo baugleichen C1 und 107 ebenfalls zur Kontrolle in die Werkstätten zu bitten. Die Kunden sind zunehmend verunsichert.
Kein Grund zur Panik
Trotzdem besteht kein Grund zur Panik. In Europa ist bislang kein einziger Unfall bekannt, der auf ein defektes Gaspedal zurückzuführen sei, die Rückruf-Aktion ist eine vorbeugende Sicherheitsmaßnahme. Und: Das Problem ist nicht Toyota-spezifisch. Durch Verschleißerscheinungen kann sich das Gaspedal bei jedem Auto verklemmen und auch verrutschende Fußmatten können generell ein Sicherheitsrisiko darstellen. Deswegen sollten Autofahrer auch nicht zwei Fußmatten übereinander legen und den festen Sitz regelmäßig überprüfen.
- Ruhe bewahren
- Bremsen
- Auskuppeln oder Automatik auf N
Sollte bei Ihrem Wagen das Gaspedal tatsächlich klemmen, gilt vor allem eins: Ruhe bewahren und Bremsen. Bei Fahrzeugen mit Schaltgetriebe sollte sofort die Kupplung getreten und der Gang herausgenommen werden. Automatik-Fahrer sollten den Wählhebel von D auf N stellen.
Offizielle Entschuldigung
Mittlerweile hat sich Toyota-Präsident Akio Toyoda bei den Kunden des Unternehmens offiziell entschuldigt. Ob damit allerdings größerer Schaden abgewendet werden kann, ist fraglich. Vor allem in den USA muss Toyota mit herben Verlusten rechnen, die für den Januar 2010 prognostizierten Verkaufszahlen liegen mit 126.000 Autos nur noch bei der Hälfte des Dezember-Wertes. Und auch die Toyota-Aktie befindet sich im Sinkflug und hat seit Beginn der Rückrufe zehn Prozent an Wert verloren.
Und die Pannenserie scheint nicht abzureisen: Am 09. Februar 2010 startete Toyota die nächste Rückrufaktion, allerdings nicht wegen Problemen mit dem Gaspedal. Beim Prius ist ein Update der ABS-Software nötig. In Deutschland sind run 4.000 Fahrzeuge betroffen, europaweit müssen 52.000 Prius, die zwschen dem 07.04.2009 und dem 27.01.2010 gefertig wurden, in die Werkstatt. (mg)
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