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Galerie: Bericht Suzuki Swift Generationentreffen

Bericht: Suzuki Swift Generationentreffen

Endlich erwachsen!

06.05.2013

Der 30. Geburtstag steht für eine Altersschwelle, die außergewöhnlich ist und gefeiert werden will, ist er doch das endgültige Ende der Jugend. Bestimmen bei Menschen eher gemischte Gefühle von Bauchansatz bis Bausparvertrag dieses Jubiläum, steht der Stichtag bei Autos für den Transfer vom Youngtimer zum begehrten historischen Fahrzeug mit möglichem H-Kennzeichen. So gerade geschehen beim Kult-Kleinwagen von Suzuki, der 1983 in Japan als Cultus vorgestellt wurde und in Europa als Swift Karriere machte. Und das mittlerweile in vier Generationen mit heißen GTI und schnellen Swift Sport, erfolgreichen Rallye-Versionen und schicken Cabriolets, vor allem aber als praktische und preiswerte City-Flitzer, manchmal sogar mit einem Hauch Luxus.

Nur nicht auffallen lautete die Designvorgabe für den 1984 in Deutschland eingeführten Dreitürer, der allein durch klassisches Japan-Weiß heller strahlte als japanische Kirschblüten. Allerdings verblüfft er eben auch mit damals in der kleinen Klasse noch außergewöhnlichen Ausstattungsdetails.

Darunter eine komfortbetonte Dreigangautomatik, flauschige Velourspolster, feine Teppiche und nützliche Details wie geteilt umgelegte Rücksitzlehnen, zahlreiche Ablagen vorn und hinten, zwei Außenspiegel oder Startautomatik. Was für moderne Minis wie den Swift des Modelljahres 2013 selbstverständlich ist, kostete in den 1980er Jahren Aufpreis oder war oft genug überhaupt nicht verfügbar wie etwa die Servolenkung oder ABS.

Mehr als das Nötigste

Galerie: Bericht Suzuki Swift GenerationentreffenGrundsätzlich waren billige Autos im Popzeitalter des Punk – in Deutschland feierten „Die Toten Hosen“ und „Die Ärzte“ erste Erfolge -  nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Dem Volkswagen Polo Fox musste ein flatteriges Spanntuch als Gepäckraumabdeckung genügen, während etwa die Preislisten von Opel Corsa und Ford Fiesta für Selbstverständlichkeiten wie Tageskilometerzähler, Zeituhr oder Drehzahlmesser Mehrkosten auswiesen.

Nicht so beim Swift, der zunächst unter der kryptischen Bezeichnung SA 310 vorgestellt wurde, aber von Anfang an alles Essentielle an Bord hatte. Was vielleicht daran liegt, dass die Japaner seit jeher große Kleinwagenfans sind. Die Platznot in Nippons Megacities förderte nicht nur die Entwicklung von winzigen Kei-Cars, sondern auch die Kreation kleiner Alleskönner wie des gerade einmal 3,58 Meter messenden Swift. Als Auto für die junge vierköpfige Familie war er bereits ähnlich gut ausgestattet wie sonst nur Konkurrenten deutlich größerer Klassen. Ein geniales Konzept, gelang dem Swift doch so eine Karriere als erstes japanisches Weltauto im Miniformat. Sogar den größenverliebten Amerikanern wusste der Kleine zu gefallen und dies sogar mit Chevrolet-Markenzeichen.

Leichtgewicht mit Dreigang-Automatik

Galerie: Bericht Suzuki Swift GenerationentreffenDazu beigetragen hat die überraschend sanft schaltende Dreigang-Automatik, die Suzuki in Deutschland mit einem sparsamen 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner kombinierte. Auch hier waren die japanischen Marken Trendsetter, denn den Mut zum Downsizing-Dreizylinder hatten alle deutschen Hersteller mit dem Verschwinden der Zweitakter bei DKW und Wartburg vorläufig verloren. Dabei sind die Norm-Verbrauchswerte des Swift noch heute sensationell, zumindest in der Version mit Fünfgangschaltung: 4,0 Liter konnte kein Konkurrent mit Benzinmotor unterbieten, sogar der aktuelle Swift muss hier passen.

Gleiches gilt für das Leergewicht von nur 680 Kilogramm (aktueller Swift: ab 945 Kilogramm), dem der Oldie auch sein ausreichendes Temperament verdankt. So beschleunigt der nur 50 PS leistende Benziner den Automaten in 15,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Spätestens bei diesem Tempo lässt sich der Fortschritt akustisch wahrnehmen. Was die Dämmung von Fahr- und Windgeräuschen betrifft, liegen Welten zwischen früher und heute.

Sofakomfort statt Seitenhalt

Galerie: Bericht Suzuki Swift GenerationentreffenLässt sich der Pilot des betagten Flitzers zu forscher Gangart animieren – immerhin kündet die sportive Fahrwerksabstimmung des Basis-Swift von der Verwandtschaft zum heißblütigen GTI – muss er sich in Kurven am Lenkrad festhalten. Sitze mit Seitenhalt waren vor 30 Jahren für die Suzuki-Entwickler offenbar ein Fremdwort. Stattdessen war Sofakomfort mit Aussicht auch für die Fondpassagiere angesagt, denn statt Sicht raubender und zugleich passive Sicherheit gebender Kopfstützen beschied sich der Kleine mit mickrigen Nackenstützen.

Vorausschauendes Fahren musste andere, heute unverzichtbare Sicherheitsfeatures wie Airbags, ABS oder ESP ersetzen. Dafür war die Rundumsicht dank großzügiger Verglasung früher fast perfekt, Parkassistenten überflüssig. Das Gefühl der Geborgenheit eines modernen Swift mit massiven A-, B- und C-Säulen und hoher Gürtellinie kann der Stammvater der Baureihe jedoch nicht vermitteln.

Kleiner Spaßmacher

Galerie: Bericht Suzuki Swift GenerationentreffenErstaunlich ist jedoch das schon recht großzügige Platzangebot des Seniors. Hinten stoßen sich Erwachsene nicht so leicht den Kopf am Dach wie bei manchen Wettbewerbern jener Jahre, auch bohren die Fondpassagiere den Vornsitzenden ihre Knie nicht so kräftig in den Rücken wie damals bei Winzlingen noch verbreitet.

An Langstreckenkomfort wie ihn moderne Kleinwagen bieten, war in den 1980er bei den fahrenden Einkaufstaschen allerdings noch nicht zu denken.

Mit seinem straffen Fahrwerk und der direkten Lenkung fährt der Swift der frühen Jahre auch heute noch in der Liga der kleinen Spaßmacher vorn mit als cooles Kind der Achtziger und als Winzling, der gefühlt genauso um Ecken wieseln kann wie sein Urenkel. Wer jetzt jedoch denkt, dafür ist dem Senior der Applaus des Publikums gewiss, wird überrascht sein. Nicht der kantige Jubilar, sondern der aktuelle Swift bekommt beim gemeinsamen Fototermin vom Publikum ungeteilten Beifall, denn nur er scheint charismatisch und charmant gezeichnet. Formaler Fortschritt kann so schön sein. (sp-x)

 
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