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Galerie: Bericht Volvo baut Sicherheitstechniken aus

Bericht: Volvo baut Sicherheitstechniken aus

Wer Visionen hat ...

18.07.2013

Viele verdrängen es, doch Autoverkehr ist immer auch tödlicher Alltag. Nach Aussage von Volvo sterben weltweit im Straßenverkehr nämlich 1,3 Millionen Menschen pro Jahr. Mit neuen Entwicklungen wollen die Schweden helfen, diesem mörderischen Treiben entgegen zu wirken. So kommt Ende 2014 die zweite Generation des XC90 mit neuen Helfern wie einer Elch-Erkennung. Von dieser und weiteren konkreten und vagen Ausblicken auf die Vision 2020, an deren Ende kein Fahrer eines neuen Volvo schwer verletzt oder getötet werden soll, konnten wir uns nahe Göteborg praktisch überzeugen.

Das Thema Sicherheit ist schon seit langer Zeit eines der Kernkompetenzen, mit denen der schwedische Autobauer sein Image schärft und sich von anderen Herstellern zumindest ein Stück weit absetzt. Für die Marken-Identität ist das sicherlich gut und es passt auch so hervorragend zur Vollkasko-Mentalität des schwedischen Sozialstaates. In Zukunft will Volvo dieses Profil weiter pflegen und ausweiten. Entsprechend stellt der deutsche Volvo-Entwicklungschef Peter Mertens auf der Präsentation kommender Sicherheitstechnik fast Mantra-artig seine Vision 2020 in den Mittelpunkt. Für Mertens sind Themen wie größere Displays im Innenraum, Motoren-Downsizing oder eine zunehmende Elektrifizierung des Antriebs wichtige Bestandteile künftiger Volvo-Modelle, doch Volvos Markenkern scheint vor allem vom Sicherheitsgedanken durchtränkt.

Die Statistik gibt Volvo recht

Galerie: Bericht Volvo baut Sicherheitstechniken ausBereits heute gehören Volvos zu den sichersten Fahrzeugen überhaupt. Zumindest waren laut einer offiziellen schwedischen Statistik die Insassen von Volvo-Pkw bereits in der Vergangenheit mit dem geringsten Verletzungsrisiko unterwegs. Mit jüngeren Innovationen wie einem radarbasierten Kollisions-Warn- und -Verhinderungs-System oder der Fußgänger-Erkennung samt Fußgänger-Airbag hat Volvo bei der Sicherheits-Rüstungsspirale mit erfreulicher Innovationskraft vorgelegt. Doch sehen die Schweden noch reichlich Potenzial, ihre Autos mit weiteren Neuheiten sicherheitstechnisch weiter aufzurüsten.

Die nächste große Modellneuheit wird die zweite Generation des XC90 sein, der auf der neuen, skalierbaren SPA-Architektur aufsetzen und Ende 2014 auf den Markt kommen wird. Viel verrät Volvo noch nicht über die Neuauflage des Flaggschiffs, welches künftig über Motoren mit maximal vier Zylindern verfügen wird. Lediglich bei der Sicherheit hat uns Volvo Einblicke in vier konkrete Innovationen gewährt: die Elch-Erkennung, die Fußgänger-Erkennung bei Dunkelheit, der Staufolge-Assistent und die Fahrbahnrand-Erkennung mit Lenk-Assistent.

Große Tiere im Visier

Während die drei letztgenannten Neuheiten bereits zum Marktstart verfügbar sein sollen, wird die Elch-Erkennung erst zu einem späteren Zeitpunkt kommen und vermutlich im Zuge eines Modelljahrwechsels eingeführt werden. Zum Einsatz kommt dann gleich noch eine neue Generation von Sensoren und Kameras, für die die erkennbaren Objekt-Muster von heute 20 auf dann 32 ausgeweitet werden sollen. Zu den neuen Objekten zählen größere Tiere, wie zum Beispiel der Elch. Mit diesem kommt es in Schweden jährlich zu immerhin gut 6.000 Unfällen, mit zum Teil dramatischen Folgen für die Pkw-Insassen, denn die über zwei Meter hohen Tiere können mit ihren 500 Kilogramm Gewicht bei höheren Geschwindigkeiten die A-Säulen locker eindrücken und damit weit in die Fahrgastzelle eindringen.

Künftig soll ein Volvo einen Elch als solchen erkennen und zumindest noch eine Notbremsung automatisch einleiten können. Bei Elchen ist es oft der Fall, dass diese recht spontan auf die Fahrbahn laufen und selbst ein besonders schnell reagierendes Erkennungssystem eine Kollision nicht mehr verhindern kann. Deshalb setzt Volvo darauf, den Fahrer vor am Fahrbahnrand stehenden Elchen einerseits zu warnen, beziehungsweise bei einer unvermeidbaren Kollision zumindest eine Notbremsung einzuleiten, um die Aufprallgeschwindigkeit zu reduzieren. Wird das Tempo unter 70 km/h gedrosselt, nimmt das Risiko schwerer Verletzungen für Insassen deutlich ab.

Identifiziere: Elch

Galerie: Bericht Volvo baut Sicherheitstechniken ausAuf einem abgesperrten Testgelände konnten wir in einem Entwicklungsfahrzeug das Zusammenspiel kommender Sensorik und Erkennungs-Software bei ihrer Arbeit beobachten. Am Fahrbahnrand wurde hierfür eine lebensgroße Elch-Statue positioniert und auf einem Computerbildschirm auf der Beifahrerseite konnte man auf dem Display beobachten, wie das Computerprogramm das Objekt-Muster „Elch“ lokalisierte und klassifizierte. Die Demonstration war damit zwar nicht sonderlich spektakulär, doch immerhin war ersichtlich, dass auch Elche ins Fahndungsraster der künftigen Volvo-Erkennungstechnik aufgenommen werden können.

In dieses Raster gehören bei entsprechend ausgestatteten Volvo-Modellen bereits heute Fußgänger, denen zuliebe automatisch eine Notbremsung eingeleitet und damit ein Unfall sogar verhindert werden kann. Allerdings kann das derzeit verwendete System von Volvo nur Fußgänger bei ausreichend Tageslicht erfassen. Mit dem neuen XC90 soll auch eine Erkennung bei Nacht möglich werden. Auch hier gibt es eine praktische Demonstration, für die wir vom Testgelände in einen nahegelegenen ehemaligen und ziemlich finsteren Militärbunker fahren, in dem die Puppe eines Kindes auf unseren mit der Zukunftstechnik ausgerüsteten XC70 wartet. Mit etwa 20 km/h rollen wir mit zudem abgedunkelten Scheinwerfern auf diese Puppe zu, als kurz vorm drohenden Zusammenstoß ein optisches und akustisches Warnsignal zum Bremsen mahnt. Beim ersten Mal muss ich in diesem Moment spontan noch selbst in die Eisen steigen. Erst beim zweiten Versuch vertraue ich der Technik, die dann tatsächlich den Testwagen ganz von selbst rechtzeitig zum Stehen bringt. Die Demonstration nährt die Hoffnung, dass diese Neuerung Unfälle mit Fußgängern effektiv verhindern oder mildern wird, denn vor allem in Dunkelheit kommt es zu vielen Auto-Fußgänger-Kollisionen.

Schön in der Spur bleiben

Galerie: Bericht Volvo baut Sicherheitstechniken ausAls weiteren Unfallverhinderer wird der kommende XC90 auch eine Fahrbahnrand- und Barrieren-Erkennung bekommen. Hier handelt es sich im Kern um den hinlänglich bekannten Spurhalteassistenten, doch geht das System weiter: Statt nur Fahrbahnmarkierungen erkennt dieser Helfer auch seitliche Abgrenzungen in Baustellen oder große Felsbrocken am Fahrbahnrand. Sollte das Fahrzeug sich derartigen Hindernissen in gefährlicher Weise nähern, wird der Insasse gewarnt und das Fahrzeug durch automatische Bremseingriffe und Lenkkorrekturen vor einem Zusammenstoß bewahrt. Auch hier zeigt die Praxisdemonstration eines noch nicht endgültig kalibrierten Systems in einem Erprobungs-Volvo die Effektivität: Beim Versuch, bei rund 70 km/h in eine etwa 50 Zentimeter hohe Fahrbahnbegrenzung aus Metall zu fahren, bringen uns Brems- und Lenkeingriffe wieder in die Spur. Super. Und keine Angst: Wer unbedingt will, kann das System auch übersteuern und auf Wunsch gerne auch in die Wand fahren.

Ebenfalls das Fahrzeug automatisch in der Spur halten kann der Staufolge-Assistent. Hier gibt es bereits Hersteller wie Audi oder Mercedes, die in ähnlicher Form es einigen Modellen ermöglichen, quasi autonom in einem Stau dem vorderen Fahrzeug hinterher zu fahren und dabei nicht nur den Abstand zu halten, sondern außerdem noch vorausfahrenden Fahrzeugen in Kurven zu folgen. Gas geben, Bremsen, Lenken? Alles automatisch. Praktisch: Wer sich im Stau nebenbei noch mit anderen Dingen als dem Fahren beschäftigten will, wird hier einen Sicherheits- und Komfortgewinn haben. Mindestens eine Hand muss beim Staufolgeassistenten von Volvo zwar am Lenkrad bleiben, doch muss der Fahrer nicht permanent und peinlich genau auf die Aktionen des Vordermanns achten. Eigentlich ist das schon autonomes Fahren, allerdings weiterhin mit dem Kompromiss, dass der Fahrer die Kontrolle der Technik nie ganz überlässt.

Mit eingebautem Valet-Parking

Galerie: Bericht Volvo baut Sicherheitstechniken ausDoch auch beim wahrhaft autonomen Fahren arbeiten die Schweden an künftigen Lösungen, die uns außerdem noch demonstriert wurden. Bei der vorgeführten Übung handelte es sich um autonomes Parken, welches in einigen Jahren bei entsprechender Infrastruktur auch Wirklichkeit werden könnte. Allerdings ist man hier noch ein ganzes Stück von der recht zeitnahen Realität des kommenden XC90 entfernt. Die Idee: Es gibt bestimmte Aussteige-Zonen, an denen der Fahrer seinem Volvo entsteigt, zum Beispiel an einem Flughafen, und der Wagen dann per Smart-Phone-Befehl angewiesen wird, sich von dort aus seinen Parkplatz selber zu suchen.

Ein mit einem überdimensionierten Rechenzentrum im Kofferraum präparierter V40 meisterte diese Aufgabe auf einem Modell-Parkplatz souverän. Hindernisse wie Fußgänger oder andere Fahrzeuge werden erkannt und hat sich der Wagen ganz gemütlich und zielsicher seine Lücke gesucht. Derweil kann der Fahrer die für die Parkplatzsuche gesparten Minuten beim Shopping im Flughafengebäude investieren. Der Weg geht auch umgekehrt: Will man wieder wegfahren, kann man dem Wagen den Befehl schicken, zur Einsteige-Zone zu kommen. Technisch ist alles schon machbar, es fehlen allerdings noch rechtliche Grundlagen und serienreife Technik in bezahlbarer und kompakter Form. Doch bei Volvo gibt man sich zuversichtlich, dass echtes autonomes Fahren keine reine Vision bleiben wird.

Lass uns reden

Galerie: Bericht Volvo baut Sicherheitstechniken ausEin weiteres sehr wahrscheinliches Technik-Szenario bietet die Car-2-Car- beziehungsweise die Car-to-X-Kommunikation. Hier gibt es die Möglichkeit, die Fahrzeuge einerseits über eine spezielle WLAN-Frequenz direkt miteinander kommunizieren zu lassen und darüber hinaus auch über Internet-Datenbanken Informationen von und zum Auto zu transportieren. Hier hat uns Volvo ebenfalls auf dem Testgelände nahe Göteborg entsprechend praktische Beispiele demonstriert: Etwa die Kommunikation mit Ampeln, die Fahrzeugen die optimale Geschwindigkeit fürs Grüne-Welle-Fahren vorgeben. Oder die vorauseilende Information eines Polizeifahrzeugs auf Alarmfahrt, welches so frühzeitiger per WLAN seinen Überholwunsch ankündigen kann. Der Fahrer bekommt dann die Information ins Kombiinstrument, nach Möglichkeit rechts ranzufahren.

Auch für die Sicherheit kann die Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern hilfreich sein. Zum Beispiel kann gekoppelt über das ESP die Warnung über eine rutschige Fahrbahn an nachfolgende Autos weitergegeben werden. Einerseits direkt übers WLAN-Netz und andererseits auch über eine Online-Datenbank, wodurch auch Verkehrsteilnehmer gewarnt werden können, die vielleicht erst eine Viertelstunde später die rutschige Stelle passieren würden. Die datenbankbasierte Kommunikation übers Internet gibt es in abgewandelter Form bereits mit den neuen Echtzeit-Navigationssystemen, wie sie beispielsweise von BMW angeboten werden.

Bis zur Massenverbreitung vergeht noch viel Zeit

Bei der direkten WLAN-Kommunikation wird man hingegen noch ein Weilchen warten müssen. In der Autoindustrie wird derzeit konzernübergreifend an allgemeinen Standards gearbeitet und werden schon seit einiger Zeit entsprechende Anwendungen von einigen Herstellern entwickelt. Doch bis zur Serienreife dauert es noch und dann Bedarf es hier noch einer gewissen Einbaurate in Neufahrzeugen, damit sich ein allgemeiner Nutzen überhaupt einstellen kann. Hier gibt es noch viele unbekannte Größen. Vor 2020 wird Car-2-Car-Kommunikation ganz sicher nicht im größeren Stil praktisch nutzbar sein.

 
Fazit

Mario Hommen

Volvo setzt weiter konsequent auf eine Verbesserung der Sicherheitsausstattung seiner Fahrzeuge. Schon Ende 2014 wird der neue XC90 weitere Maßstäbe setzen und damit mehr Unfälle verhindern oder deren Folgen zumindest mindern können. Insofern darf man guter Dinge sein, dass die Vision 2020 auch Wirklichkeit wird und sich Fahrer von neuen Volvos sicherer als bisher fühlen können.

Spannend bleibt noch die Frage, welche Rolle in dieser Vision die Car-2-Car-Kommunikation und das autonome Fahren spielen werden. Technisch ist alles machbar, doch bis rechtliche Voraussetzungen und die Infrastruktur geschaffen sind und dann noch die Einbauraten ein kritisches Maß überschreiten, werden noch viele Jahre vergehen.
 
 

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