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Galerie: Erster Test Alfa Brera

Erster Test: Alfa Brera

Ehrlich und begehrlich

31.01.2006

Raumkonzepte und fahrende Allzweckwaffen allerorten. Die schöne neue Autowelt wäre langweilig, gäbe es da nicht kleine, feine Marken wie Alfa Romeo, die sich ihrer Tradition treu bleiben und weiter bildhübsche wie ungeniert unpraktische Sportcoupés bauen. Wie den neuen Brera.

Bei dieser Flunder braucht es keine gespreizten Marketingsätze, keine Techniker, die einem detailliert ein innovatives Sitzsystem erklären müssen, keine an Rechtfertigung grenzende Positionierungs-Kampagnen. Ein Blick genügt und man versteht, was dieses Auto soll: Schön sein und Spaß machen.

Breit und bullig steht der Brera da, die Formensprache ist alles andere als zurückhaltend, eher im Befehlston gehalten: „Vorwärts!“, stachelt einen das von Giorgetto Giugiaro (Italdesign) und dem Centro Stile Alfa Romeo kreierte Coupé an. Selbst als Bund-Verweigerer befolgt man dies gern. Also die Hacken zusammen und rein ins Cockpit.

Qualitätsversprechen gehalten

Was einen da erwartet, hätte man bis vor kurzem nicht zu hoffen gewagt. Denn das klassisch sportlich gehaltene Interieur hält auch dem zweiten Blick stand: Hochwertige, weiche Kunststoffoberflächen, poliertes Aluminium, logisch angeordnete Schalter, sehr bequeme Sportsitze und ein optimal verstellbares Lenkrad (längs und Höhe) sorgen auf Anhieb - und anhaltend - für Wohlbefinden.

Galerie: Erster Test Alfa BreraIm Fond des 2+2-Sitzers ist bauartbedingt kein Platz. Die beiden Sitzkuhlen sehen zwar schick aus und taugen als zusätzliche Ablage für Jacken und Einkaufstaschen, mangels Bein- und Kopffreiheit aber keinesfalls zum Sitzen. Dafür lässt sich die Rückbank geteilt umklappen, womit das Kofferraumvolumen von 300 auf bis zu 610 Liter wächst. Das Beladen mit schwerem Gepäck hat ebenfalls so seine Tücken, denn als Kofferraumdeckel fungiert lediglich die Heckscheibe. Entsprechend hoch ist die Ladekante.

Apropos Glasdeckel: Anstelle eines herkömmlichen Blechdachs sind alle Bera-Varianten mit einer optisch bis zum hinteren Türende verlängerten Windschutzscheibe ausgestattet. Durchsicht erlaubt allerdings nur die die teurere Sky View-Ausstattungslinie; bei der Basisvariante ist das Deckenfenster von einem herkömmlichen Innenhimmel verhüllt. Allein deshalb lohnt der Aufpreis für die Sky View-Versionen, aber dazu später mehr.

Um die Ecke

Galerie: Erster Test Alfa BreraWie sich der Brera fährt? Je nachdem! Grundsätzlich bietet die verkürzte Alfa 159-Plattform guten Geradeauslauf und sehr gute Kurvenlage. Ohne spürbarer Seitenneigung fegt der Brera um Ecken, spricht präzise auf Lenkbewegungen an bleibt auch beim provozierten Lastwechsel die Ruhe selbst. Auch das Schalten macht Spaß, denn die Zeiten „rühriger“ Kulissen scheinen ein für allemal vorbei. Lediglich der Kupplungsweg ist nach wie vor sehr lang, vor allem beim Sechszylinder-Topmodell.

Der Sechszylinder: 3,2 Liter Hubraum, 260 PS, 322 Newtonmeter, Benzindirekteinspritzung, Allradantrieb - die nackten Fakten versprechen pure Dynamik. Und tatsächlich sprintet der 3.2 JTS los, als hätte es ein Schwarm Wespen auf seinen hübschen Hintern abgesehen. Mit allen Vieren krallt er sich in den Asphalt, trompetet heißer aus den vier chromblitzenden Endrohren. 6,8 Sekunden bis Tempo 100 sind ein guter, wenn auch nicht überragender Wert. In Verzückung versetzt einen das moderate Beschleunigen aus dem Drehzahlkeller, denn der extrem sonore Bass des V6 ist ein Meisterwerk modernen Sounddesigns.

Galerie: Erster Test Alfa BreraÜberraschend dünn wird der Vortrieb ab 200 km/h. Will man hier weiterbeschleunigen, heißt es zurückschalten in den 5. Gang, sonst braucht es ewig bis zur Endgeschwindigkeit von Tempo 240. Ein Grund ist das hohe Gewicht von leer immerhin 1.705 Kilogramm. Packt man dann noch einen Beifahrer und etwas Gepäck (Zuladung 345 Kilo) hinzu, bewegt man einen echten Zweitonner. Diese Pfunde machen sich auch beim Kurvenräubern bemerkbar, vor allem im direkten Vergleich zum Vierzylinder-Modell 2.2 JTS.

Leicht und flockig

Die Basismotorisierung ist 160 Kilogramm leichter, was deutlich agileres Handling zur Folge hat. Dass hier kein Allradantrieb vorhanden ist und die 185 PS über die Vorderachse herfallen, ist nicht weiter schlimm. Traktionsprobleme kennt er kaum, selbst bei voller Beschleunigung aus dem Stand (8,6 Sekunden bis 100 km/h). Spritzig, drehfreudig und spontan in der Gasannahme wird bereits dieser Motor den Sportwagen-Ambitionen gerecht.

Galerie: Erster Test Alfa BreraAls Spitzengeschwindigkeit für den Brera 2.2 JTS gibt Alfa 222 km/h an. Ganz ehrlich: Gefühlt hat er sie schneller erreicht als sein stärkerer Bruder. Weiterer Vorteil des Vierzylinders ist sein deutlich geringerer Verbrauch. Das einzige, was diesem Motor fehlt, ist ein kerniger Sound. Beinahe zu leise und gepflegt verrichtet er seine Arbeit.

Üppig ist die Serienausstattung. Bereits die Basisausstattungslinie („Brera“) bietet Annehmlichkeiten wie CD-Radio, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Nebelscheinwerfer oder Parksensoren. 32.200 Euro kostet so der 2.2 JTS, 39.800 Euro der 3.2 JTS. Trotzdem lohnt der Aufpreis für die Sky View-Linie, in der der Vierzylinder auf 33.800 Euro und der Sechszylinder auf 41.100 Euro kommt. Denn zum durchsichtigen Glasdach mit elektrischem Sonnenrollo kommen noch unter anderem die polierten Alu-Zierteile, ein Multifunktionslenkrad und Sitzbezüge in hochwertigem Alfatex hinzu.

Fazit

Mit dem neuen Brera hat Alfa ein ehrliches wie begehrliches Coupé auf die Räder gestellt. Praktisch ist der Wagen nicht, dafür bietet er jede Menge Fahrspaß und eine umwerfende Optik. Wer auf den verzückenden Bass des Sechszylinders verzichten kann, ist mit dem spritzigen, agilen und deutlich günstigerem Vierzylindermodell bestens beraten. Tipp: Basismotor mit Topausstattungslinie Sky View kombinieren und so sportlichen Luxus genießen.

Dieselfreunde müssen sich bis Juni gedulden. Dann ist der Brera auch mit dem aus dem Alfa 159 bekannten 2,4-Liter-Fünfzylinder-Turbodiesel mit 200 PS erhältlich. Preis: Voraussichtlich rund 36.000 Euro.

Galerie: Erster Test Alfa Brera

 
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