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Galerie: Erster Test Audi RS6 Avant

Erster Test: Audi RS6 Avant

Tarnkappenbomber

10.04.2013

Es gibt Kleinwagen, die optisch zu Rennsemmeln aufgemotzt werden, und doch mit ihren nur einhundert PS den meisten hinterherfahren. Und es gibt die richtig starken, die ganz unscheinbar daherkommen. Einen dieser Tarnkappenbomber hat Audi jetzt neu aufgelegt.   

Nur zwei Jahre mussten die RS-Fans dieses Mal warten, bis der Audi A6 Avant auch in seiner sportlichsten Ausführung erhältlich ist. Beim Vorgänger dauerte es noch doppelt so lang. Mit den kürzeren Taktungen will die verantwortlich zeichnende Quattro GmbH den Bedürfnissen der Kunden begegnen.

Dass die Nachfrage nach dem schnellen Laster allerdings derart groß ist, mag man kaum glauben. Schließlich müssen fast 108.000 Euro auf den Tisch gelegt werden - um dann ein Auto zu bekommen, das Lieschen Müller kaum vom einem langweiligen Diesel-A6-Dienstwagen unterscheiden kann.

Dezente Sportabzeichen

Galerie: Erster Test Audi RS6 AvantAuch wenn Audis Marketingfachleute stolz auf die Sportabzeichen an der Karosserie hinweisen, und Versierte den RS6 freilich sofort an den großen Lufteinlässen und ausgestellten Radhäusern, dem aufpreispflichtigen, martialischen Quattro-Schriftzug im schwarzen Waben-Kühlergrill, den typischen matten Alu-Spiegelkappen oder den beiden oberarmdicken ovalen Endrohren erkennen; wer sich nicht sonderlich für Autos interessiert, sieht nicht, welche Summe in diesem Kombi steckt.

Und auch nicht, welch potentes Triebwerk unter der Haube schlummert. Das ist zwar um 20 PS, zwei Zylinder und einen Liter Hubraum kleiner als bisher, nach wie vor aber ein wahres Kraftwerk. Der aus dem Konzern bekannte Vierliter-Biturbo-V8 wurde für den RS6 auf 560 PS hochgezüchtet; deutlich mehr als er in Audi S6 (420 PS), S8 (520 PS) oder Bentley Contintenal (507 PS) leistet. Außerdem, darauf legt Audi wert, hat er zwar etwas weniger Leistung als der Zehnzylinder im Vorgänger, aber 50 Newtonmeter mehr Drehmoment - macht in Summe 700 Newtonmeter.

Brachial

Galerie: Erster Test Audi RS6 AvantMan muss kein diplomierter Physiker sein, um zu erahnen, dass das mächtigen Vortrieb garantiert. Trotz Downsizing ist der Zwei-Tonnen-Kombi mit Achtgangautomatik deutlich schneller als sein übrigens gut 100 Kilogramm mehr wiegender Vorgänger - nämlich um satte 0,7 Sekunden. Das ist für sich schon eine beeindruckende Zahl, noch beeindruckender aber ist es, dass jetzt eine Drei vor dem Komma steht. In nur 3,9 Sekunden schnellt der Kombi auf Tempo 100 und lässt damit so manchen Sportwagen vor Neid erblassen.

Für die Passagiere sind 0,7 Sekunden natürlich kaum wahrnehmbar, und ob man wirklich spürt, dass man noch etwas vehementer in die - wie der Kühlergrill - wabenförmig bestickten Ledersessel gedrückt wird, sei auch dahin gestellt. Am Stammtisch aber macht sich diese Zahl auf jeden Fall gut und dürfte sie für so manchen Freak Grund genug sein, das Portemonnaie zu zücken.  

Topspeed gegen Aufpreis

Galerie: Erster Test Audi RS6 AvantSchneller als ein normal motorisierter A6 Avant darf der RS6 übrigens erstmal gar nicht fahren, denn auch er wird bei 250 km/h abgeregelt. Das Zauberwort für mehr Tempo heißt Aufpreis. Wer das Dynamikpaket (4.900 Euro) ordert darf 30 km/h schneller sausen, und wer sich zusätzlich für die Plus-Option entscheidet, kann mit bis zu 305 Sachen den anderen davoneilen. Dafür werden aber stolze 12.900 Euro fällig; und selbst bei einem RS6 Avant macht das fast zwölf Prozent des Grundpreises aus. Und wie immer ist das nicht die einzige Sonderausstattung, die sich hinzubuchen lässt.

Mit der höheren Vmax gehen beim Dynamik-Plus-Paket übrigens die Voll-LED-Scheinwerfer, Karbonbremsen und ein noch etwas strafferes Fahrwerk einher. Standardmäßig rollt der mit mindestens 20-Zoll-Rädern ausgestattete RS6 als erster seiner Art mit Luftfedern vom Band und liegt gut zwei Zentimeter näher an der Straße als die normalen Kombis. Auf Wunsch gibt es Stahlfedern mit adaptiven Dämpfern; die Dynamic Ride Control reduziert die Nick- und Wankbewegungen.

Durchtrainiert

Galerie: Erster Test Audi RS6 AvantSo neigt sich der Allrad-Kombi auch in schnellen Kurven kaum zur Seite und geht bei Vollbremsungen mit den äußerst brachial zupackendenden Stoppern nicht sonderlich in die Knie. Wirklich handlich wird ein derart schwerer und großer Wagen selbst mit Sportdifferenzial an der Hinterachse zwar nie werden, doch im Vergleich zum Vorgänger hat der leichter gewordene Avant deutlich an Agilität zugelegt und lässt sich spürbar präziser ums Eck dirigieren. Einzig die Lenkung dürfte sogar etwas weniger direkt sein; vor allem auf engen Landstraßen fällt auf, dass der Audi jeder noch so kleinen Volantbewegung auf Schritt und Tritt folgt. Das mag zwar ausgesprochen sportlich sein, doch stünde selbst einem Power-Kombi hier mehr Gelassenheit gut zu Gesicht.

Wer‘s nicht ganz so hart mag, kann übrigens auch den Komfortmodus auswählen und sich an einer etwas bandscheibenschonenderen Abstimmung erfreuen; dass der Audi sportliche Ambitionen hegt, merkt man ihm selbst dann noch an. Außerdem ist dieser Anspruch nicht zu überhören. Zwar ist der RS6 in der gemütlichen Gangart etwas leiser, doch schnattert der V8 lauthals los, wenn der Fahrer das Gaspedal etwas stärker tritt. Alle Register zieht der RS im ruppigen Dynamikmodus, in dem sich das Bollern des Motors mit dem Knurren des Auspuffs zu einem lautstarken Duett vereint.

Viel Stauraum, viel Verbrauch

Galerie: Erster Test Audi RS6 AvantVielleicht ist der RS6 ja so laut, damit man das Rauschen in den Benzinleitungen nicht so sehr wahrnimmt. Zwar haben die Downsizingmaßnahmen und eine Zylinderabschaltung, die bei Nichtgebrauch vier Brennkammern lahm legt, geholfen, den Normverbrauch auf unter zehn Liter (9,8) zu drücken, doch erscheinen die 14 Liter des Vorgängers deutlich ehrlicher. Sie spiegeln in etwa das wieder, was der aktuelle RS6 in der Praxis verbraucht - bei gezügelter Fahrweise. Wer die beiden Turbolader herausfordert, kommt problemlos in noch höhere Sphären.  

Apropos andere Sphären: In einem Punkt stiehlt der Audi RS6 Avant den meisten Sportwagen die Show. Wie bitte wollen Sie schließlich in einen Porsche 911, Mercedes-Benz SLS oder Audi R8 das gesamte Ulaubsgepäck für die Familie inklusive selbiger bringen. Gar nicht. Der knapp fünf Meter lange Avant hingegen schluckt auch als RS, wie seine Brüder, bis 565 Liter; durch Umklappen der Rückbanklehne wächst der Stauraum auf 1.680 Liter. Nur das T-Modell des Mercedes-Benz E 63 AMG kann darüber noch müde lächeln: dort passen fast 2.000 Liter rein.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Mit einem RS6-Kunden über Sinn und Unsinn eines 560-PS-Kombis zu diskutieren, kommt einer Unterredung über das Vegetariertum mit dem ortsansässigen Fleischer gleich. Niemand kauft den Audi, weil er so sinnvoll ist, oder weil er - im Vergleich zum Vorgänger - um soviel sparsamer geworden ist.

Wer zum RS6 Avant greift, will das Beste aus zwei Welten: Jede Menge Platz für Passagiere und Gepäck und ausgesprochene Sportlichkeit. Während sich der Audi in der Praxiswertung bravourös schlägt, muss er in Sachen Dynamik freilich hinter reinrassigen Sportwagen zurückstecken. Allein zwei Tonnen Leergewicht sprechen hier eine klare Sprache.

In Anbetracht dieser Ausmaße und vor allem im Vergleich zum Vorgänger ist der in Neckarsulm gebaute Schnelllaster aber ein bestens trainierter Sportler, der wohl bei Bedarf mehr Dynamik böte, als die meisten Fahrer verkraften würden. Und das alles verpackt in einer ziemlich unauffälligen Familien-Karosse. Zum Glück. Oder leider...   
 
 

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