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Galerie: Erster Test Audi S1

Erster Test: Audi S1

Baby quattro

14.03.2014

2012 legte Audi für den A1 eine limitierte Sportserie namens quattro auf. Die 333 Exemplare bekommen nun Konkurrenz vom Serienbruder S1. Mit weniger Leistung und mehr Topspeed ist er ein gelungener, kleiner Kracher geworden.

Enttäuschung macht sich breit in Nordschweden. Der wärmste März seit Jahrzehnten macht dem Eisdrift auf dem See wegen zu viel Schmelzwasser einen Strich durch die Rechnung, ein kleiner Handlingparcours mit Asphalt muss als Ersatz reichen. Doch Glückes Geschick: Dank Winterreifen, nasser Stellen und Dreck auf der Fahrbahn ist die Traktion nicht optimal, ich kann dem kleinen Quertreiber ein paar quattro-Geheimnisse entlocken, die auf der Straße und ohne Grenzbereich nicht erfahrbar oder sehr teuer würden.

Sportsgeist

Der Audi S1 ist der kleinste quattro im Angebot und stellt sich trotzdem selbstbewusst in die Rallye-Tradition des Unternehmens. Jedenfalls tut das Technikchef Hackenberg bei der Präsentation des kleinen Krachers, wenn er auf die Namensgleichheit mit dem auf dem Ur-quattro basierenden Rallye-S1 hinweist. Zwar liegen Welten und drei Jahrzehnte zwischen den Autos, doch bekam der kleine S1 tatsächlich überraschend viel Sporttalent in die Wiege gelegt.

Konzept

Galerie: Erster Test Audi S1Das beginnt schon mit der Leistung von 231 PS gepaart mit dem kurzen Radstand. Auch die Kombination von Turbomotor und Handschaltgetriebe zeigt, dass man bei der Konzeption ein Spaßfahrzeug im Kopf hatte. Der auf dem Papier als eher langweilig einzuordnende Hang-on-Allradantrieb - Audi bezeichnet ihn konsequent als „permanent” - ist natürlich zuerst der Leistung geschuldet, die in einem Fronttriebler sonst nur unter Einsatz eines Sperrdifferenzials effizient auf die Straße zu bringen wäre. Aber „Sport” übersetzt man bei Audi mit „quattro” und dieses Wort ist das seit den Rallyetagen laut Hackenberg nichts weniger als der Markenkern von Audi.

Allradsystem

Überraschenderweise ist der über eine Lamellenkupplung an der Hinterachse realisierte Allrad in der Lage, den S1 nicht zu einer strikt neutralen Spaßbremse zu degradieren, sondern die Agilität des kompakten Formats auch in sportliche Kurvenfahrt umzusetzen. Das gelingt durch eine individuell auf den S1 zugeschnittene Programmierung der Lamellenkupplungssteuerungssoftware. Versetzt man das ESP in den Sportmodus oder schaltet es ganz ab, gelangt früher und mehr Drehmoment an die Hinterachse als es für eine neutrale Kurvenfahrt nötig wäre. Mit dem Effekt, dass auch ein Leistungsübersteuern sehr einfach einzuleiten ist.

Agilitätsparameter

Galerie: Erster Test Audi S1In der Zwischenstufe der Stabilitätskontrolle sind darüber hinaus schöne Gierwinkel machbar, auf entsprechend rutschigem Untergrund gelingt einem ein leichtes Anstellen des Fahrzeugs am Kurveneingang spielerisch. Eine derart quer eingeleitete Kurve ist dann sogar in einem flotten und nicht zu krassen Driftwinkel durchfahrbar. Dabei wird das realisierbare Kurventempo noch spürbar von einer radselektiven Momentenverteilung an Vorder- und Hinterachse unterstützt: Weist eines der Räder einen zu hohen Wheelspin auf, wird es abgebremst, wodurch über das offene Differenzial mehr Drehmoment an das traktionsstärkere Rad gelangt. Unterm Strich wird so auch bei gepflegter Querfahrt die maximale Traktion umgesetzt und damit Tempo gemacht.

Zurückhaltung

Doch der S1 kann auch souverän. Das Fahrwerk ist nicht zu knochig geraten und der Abrollkomfort der serienmäßigen 17-Zoll-(Winter-)Bereifung geht voll in Ordnung. Die Fahrdynamikregelung mit den Stellungen Sport, Automatik und Economy ist serienmäßig an Bord und schärft Gasannahme und Auspuffklappen auf Knopfdruck nach. Und im Eco-Modus findet sich noch eine Funktion, die man überhaupt nicht erwartet: Kickdown. In einem Handschalter. Das muss erklärt werden: Der Kickdown-Punkt am Ende des Gaspedalwegs ermöglicht (zum Beispiel beim Überholen im hohen Gang) das maximale Drehmoment, ohne jedoch die Auspuffklappen zu öffnen. Im Ergebnis zieht der S1 bei Tempo 80 und 2.000 Touren sehr souverän und nicht zu laut am Überholten vorbei. Ein cleveres Detail.

Vergleich

Galerie: Erster Test Audi S1Der Motor ist zwar mit 231 PS nominell schwächer als der es A1 quattro mit 256 PS, doch beim Drehmoment bietet er gegenüber den 350 Newtonmetern der Kleinserie nochmals 20 Zähler mehr auf und die liegen im Drehzahl-schonenden Bereich von 1.600 bis 3.000 Touren an. Das oben genannte Überholmanöver (80 - 120 km/h) im sechsten Gang absolviert der S1 damit in wenig mehr als sechs Sekunden.

Auch nicht ganz unwichtig - wenn auch bei einem Sportwagen womöglich nachrangig - ist der Spritkonsum, der laut Audi bei 7 Litern liegen soll, was 162 Gramm CO2-Emissionen pro Kilometer entspricht.

 
Fazit
 

Thomas Weiss

Für den kommenden Mini John Cooper Works heißt die neue Messlatte Audi S1, der sportliche Kleinwagen aus Ingolstadt macht nämlich sehr vieles sehr richtig: Leistung ist reichlich vorhanden, ihre längs- und querdynamische Umsetzung ist dank individuell abgestimmtem Allradantrieb überzeugend. Bei Bedarf ist er laut und auch wenn er leise unterwegs ist, bietet der S1 den vollen Bumms auf Abruf. Seine Handlichkeit ist aus dem Stand der Benchmark seiner Klasse, wobei er überhaupt der einzige seiner Art unter den wenigen (und teuren) Kleinwagen ist.

Ab Sommer 2014 ist die kleine Knallbüchse in passend knalligen Farben zu haben. Der Preis wird bei knapp 30.000 Euro liegen. Der ebenfalls angebotene viertürige S1 Sportback kostet knapp 1.000 Euro mehr.
 
 

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