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Galerie: Erster Test Bentley Bentayga

Erster Test: Bentley Bentayga

Der teure Dreckspatz

25.08.2016

Es gibt Menschen, die freuen sich schon darüber, wenn ihr Auto einfach nur fährt. Nach dem Motto: Besser schlecht gefahren als gut gelaufen. Und es gibt diejenigen, bei denen einfach alles stimmen muss – der Komfort, die Fahrleistung und vor allem das Emblem auf der Motorhaube. Zu letzteren gehören auch die, die sich für den Bentley Bentayga entscheiden. Ein anderer Faktor spielt hier dafür wenn überhaupt eine Nebenrolle: der Preis. Für das derzeit exklusivste und schnellste SUV müssen nämlich mindestens 208.488 Euro auf den Tisch gelegt werden. Aber wird der Bentayga den hohen Ansprüchen der Luxus-Kundschaft gerecht?

Galerie: Erster Test Bentley BentaygaBentley war immer als Hersteller hochklassiger Luxus-Limousinen bekannt, später folgten die schnittigen Zweisitzer. Aber auch die Engländer wissen nur zu gut, dass das zurzeit stärkste Seg-ment die großen SUV sind. Und damit die wohlhabende Kundschaft nicht zur Konkurrenz überläuft, hat nun auch Bentley einen Hochbeiner im Programm – den Bentayga. Damit hat sich die noble VW-Tochter einen strategischen Vorteil verschafft, denn die Kollegen von der Insel – Rolls-Royce – brauchen noch ein paar Jahre, bis ihr SUV fertig ist.  

Aussen klobig, innen edel

Galerie: Erster Test Bentley BentaygaSchon die Limousinen von Bentley sind nicht gerade zierlich, doch das äußere Erscheinungsbild des Bentayga ist mehr als voluminös – und wird den ein oder anderen im Rückspiegel eine gehörige Portion Ehrfurcht einflößen. Massig sind auch die schweren Türen dieser Trutzburg, die wir zaghaft öffnen, um uns sogleich in die bequemen Sessel zu lümmeln – ja, in denen lässt es sich aushalten: Hoch auf dem Thron, alles überblickend. Damit die Türen nicht laut zugeknallt werden müssen, reicht es sie heranzuziehen, den Rest übernimmt selbstredend die Servoschließung.

Galerie: Erster Test Bentley BentaygaUnser Blick schweift über das großzügige Cockpit: Edelste Materialien, Leder, Holz, und kühles Metall, verschmelzen zu einem harmonischen Bild aus Luxus und Sportlichkeit. Details wie die Orgelregisterzug-ähnlichen Lüftungsregler oder die pfundschweren, aus den vollen gefrästen Aschenbecher sind schon fast legendär, ganz modern ist dagegen das Mini-Tablet im Fond, mit dem unter anderem die Klimaanlage geregelt werden kann. Ja, die Engländer verstehen ihr Handwerk – und für die wählerische Kundschaft muss schließlich auch jedes Detail stimmen. Deswegen wird im Werk in Crewe auch das meiste noch von Hand erledigt.

608 Pferde geben Gas

Galerie: Erster Test Bentley BentaygaWir starten den Motor und 608 Pferde erwachen im Sechs-Liter-Zwölfzylinder zum Leben. Leicht auf das Gaspedal gedrückt, schon sprintet der Bentayga leichtfüßig los; als ob nichts einfacher wäre, als zweieinhalb Tonnen in Bewegung zu setzen. Kein Wunder, denn 900 Newtonmeter Drehmoment packen beeindruckend zwischen 1.350 und 4.500 Umdrehungen zu. In nur 4,1 Sekunden ist das Dickschiff auf Landstraßentempo gebracht und gibt einem dabei stets das Gefühl, dass er noch mehr Power in Reserve hat, die nur darauf wartet, losgelassen zu werden. Die Kraft verebbt auch erst bei 301 km/h – das sollte man allerdings nur ausprobieren, wenn mehr als reichlich Platz zum Bremsen vorhanden ist, denn die Stopper haben schon ordentlich zu kämpfen, diesen Klotz wieder zum Stehen zu bringen.

  • Technische Daten – Bentley Bentayga

Länge: 5,14 Meter, Breite: 2,00 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,24 Meter), Höhe: 1,74 Meter, Radstand: 3,00 Meter, Kofferraumvolumen: 431 Liter

6,0-Liter -Benziner, 447 kW/608 PS, maximales Drehmoment: 900 Nm bei 1.350-4.500 U/min, 0-100 km/h: 4,1 s, Vmax: 301 km/h, Durchschnittsverbrauch: 13,1 Liter, CO2-Ausstoß: 296 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: k.A.,

Preis: ab 208.488 Euro

Wer überholen möchte, braucht nur sanft aufs rechte Pedal drücken und kann damit auf der linken Spur schnell voran kommen – die Kick-Down-Funktion der Achtgang-Wandlerautomatik braucht man im Bentley-SUV nur sehr selten. Doch selbst wer das Gaspedal nur streichelt, kann der Tanknadel beim Wandern zusehen. Den Durchschnittsverbrauch von 13,6 Liter kann man nie realisieren; zwei, drei Liter mehr muss man sogar bei gemütlicher Fahrt aufschlagen. Aber wer sich den Bentayga leisten kann, wird sich wohl kaum am hohen Spritverbrauch stören. Außer vielleicht an den vielen Ausfahrten zur Tankstelle.

Für alle Fälle

Galerie: Erster Test Bentley BentaygaSelbstredend ist der Bentley höchst komfortabel gefedert und schluckt alle Bodenunebenheiten einfach so weg. Eine gute Figur macht er aber auch abseits des glatten Asphalts: Ob auf Schotter-pisten, im Schlamm oder durch kleinere Bäche, der Bentayga macht vor nichts Halt. Und wer will, kann den edlen Designer-Anzug auch mal so richtig schmutzig machen. Natürlich werden die meisten Kunden davor zurückschrecken, die riesigen Räder mit der wilden Natur in Berührung kommen zu lassen und die zahlreichen Offroad-Fahrmodi werden nur selten zum Einsatz kommen. Doch ist es ja schön zu wissen, dass man für alle Fälle gerüstet ist.

Galerie: Erster Test Bentley BentaygaAber gibt es auch etwas, was der Bentley nicht kann? Ja! Zum einen geht er nicht gerne auf Park-platzsuche, was in Anbetracht der Länge von 5,14 Meter verständlich ist. Und auch Kurven mag er nicht sonderlich. Denn so schnippisch er die Physik bei der Längsbeschleunigung auszutricksen scheint, so schlagfertig kontert sie bei jeder Biegung mit der Fliehkraft, die den Koloss unnachlässig nach außen drängt. Zum Glück lässt sich die Federung per Tastendruck etwas straffen, dann können Biegungen auch mal einen Tick flotter durcheilt werden. Aber die meisten Käufer werden damit ja ohnehin nur zwischen Golfplatz und Kindergarten unterwegs sein.

 
Fazit

Jan Menno Schmidt

Über den Sinn oder Unsinn von SUV lässt sich vortrefflich streiten, und erst recht, wenn das Dickschiff von Bentley kommt. Nein, brauchen wird so einen Luxus-Liner sicher niemand – außer Bentley. Denn wer schon die Limousine und einen Sportwagen des britischen Herstellers in der Garage stehen hat, will sicher auch einen Hochbeiner haben – doch den musste er bislang bei Land Rover kaufen. Jetzt aber können die Briten das Geschäft selber machen. Und mit dem Bentayga macht man auf dem Parkplatz vor dem Clubhouse eine noch bessere Figur als mit dem Range Rover.
 
 

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