Cabrio-Special 2011
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Galerie: Erster Test BMW 1er Cabrio

Erster Test: BMW 1er Cabrio

Der neue Einsair

31.01.2008

Das Frühjahr naht und BMW packt endlich das 1er Cabrio aus. Mit edlem Stoffdach, kurzen Überhängen und knackigem Design kommt das 4,36 Meter lange Automobil dem Cabrio-Ideal sehr nahe und lässt das Wasser im Mund zusammelaufen. Als 125i ist er zudem prädestiniert um Gänsehaut sprießen zu lassen.

Es gibt nur noch wenige Autos, die den Insassen ein wohliges Glücksgefühl beim Fahren bescheren. Diese Faszination ist den meisten Fahrzeugen abgegangen. Sie sind nur noch profane Fortbewegungsmittel, austauschbar, emotionslos und langweilig. Daher ist es umso schöner, wenn wieder einmal Autos gebaut werden, die begeistern können. Meistens gelingt das offenen Fahrzeugen, die eher aus emotionalen denn aus rationalen Gründen gekauft werden. Ein solches ist zweifelsohne das neue 1er Cabrio von BMW.

Sechszylinder und Cabrio

Galerie: Erster Test BMW 1er CabrioFangen wir diesen Erstkontakt einmal von einer anderen Seite an. Von hinten. Und zwar von ganz hinten. Dort befinden sich beim 125i zwei unscheinbare Abgasendrohre im üblichen BMW-Sechszylinder-Stil. Rund, verchromt und mit dezentem Durchmesser. Obwohl diese beiden kleinen Rohre so belanglos wirken entweicht ihnen einer der schönsten Sounds aller aktuellen Sechszylinder-Automobile.

Im Stand säuselt das Dreiliter-Triebwerk – der 125i hat in der Tat drei Liter Hubraum – so leise vor sich hin, das man meinen könnte, der Motor wäre dank Efficient Dynamics abgestellt – mehr dazu weiter unten. Ein kurzer Tritt auf das Gaspedal und Motordrehzahl sowie die Nadel im Anzeigeinstrument schnellen hoch. Gleichzeitig steigt der Adrenalinspiegel am Steuer und die Hände werden schon etwas schwitzig. Also Gang rein und los.

Schon dieser Sound

Untermalt wird der Beschleunigungsvorgang von einem wunderschönen Klang, den nur ein großvolumiger Sechszylinder bieten kann. Bei 2.000 Umdrehungen tief und sonor, ab 3.500 dann etwas heiser, um bei 6.000 Umdrehungen und darüber mit gänsehautbringendem Posaunen den drohenden Gangwechsel anzukündigen. Wer genau jetzt vom Gas geht und die Drehzahl wieder herabfallen lässt, wird mit einem betörenden Auspuffbrabbeln belohnt. Das ist so wunderschön, das man es wieder und wieder machen möchte. Wäre da nicht der Benzinkonsum, der bei solch sinnfreier Fahrweise in längst vergessen geglaubte Sphären steigt. 13,2 Liter zeigte der Bordcomputer direkt nach dieser Bolzerei an. Meine Mundwinkel zeigen aber direkt nach oben und mein Herz lacht dabei.

Eficient Dynamics

Galerie: Erster Test BMW 1er CabrioDass Efficient Dynamics nur sinnvoll ist, wenn man sich an Spar-Grundsätze hält, ist klar. BMW gibt für den 125i im Mittel 8,1 Liter an, vorzugsweise hochoktaniges Super Plus. Allerdings kann auch Normalbenzin respektive Super gefahren werden. Wir empfehlen Super. Dann geht zwar das ein oder ander PS-chen flöten, ob sich nun aber 218 PS, wie angegeben, im Motorraum tummeln oder ein paar weniger, ist belanglos. Dafür spart man sechs Eurocent pro Liter Sprit, der aus dem Zapfhahn läuft.

Nur 53 Liter Tankinhalt

An dem steht man übrigens „dank“ des kleinen 53 Liter fassenden Tankinhalts viel zu oft. Denn der Real-Verbrauch dürfte sich irgendwo bei zehn Litern einpendeln. Das liegt zum einen daran, dass der 125i ohne Direkteinspritzung auskommen muss und zum anderen, dass die vollen Efficent-Dynamics-Maßnahmen nur bei den Vierzylinder-Modellen greifen. Ein Start-Stop-System, das den Motor beim kurzen Anhalten abstellt und beim Einkuppeln wieder aktiviert, gibt es für Sechszylinder nicht. Sei’s drum. Wer sparen möchte, soll doch zum Vierzylinder oder gleich zum Diesel greifen.

Galerie: Erster Test BMW 1er CabrioDas maximale Drehmoment beträgt 270 Newtonmeter, die ab 2.500 Umdrehungen anstehen. Rein subjektiv kommt die Kraft aus dem Drehzahlkeller aber nicht rüber. Der 125i will höhere Regionen erklimmen. Erst bei 7.200 Umdrehungen dreht der Begrenzer den Saft ab. Und die werden so vibrationsfrei erreicht, dass man ein Loblied auf den Reihensechszylinder gleich mit anstimmen möchte.

Für Datenfetischisten: Für null bis Tempo 100 benötigt das rund 1.600 Kilogramm schwere Cabrio 6,8 Sekunden, Vmax erreicht der 1er bei 238 km/h. Alles mit Sechsgang-Handschaltung. Diese sollte im konkreten Fall allerdings der Sechsstufen-Automatik weichen. Die Handschaltung funktioniert zwar, macht aber einen zähen Eindruck, so als ob sie in Gummi gelagert wäre. Zudem ist das Einlegen des Rückwärtsgangs nicht ideal und zum Gleiten passt die Automatik eh besser.

Gekonnt abgestimmt

Galerie: Erster Test BMW 1er CabrioWaren die ersten 1er-Modelle zu hart, zeigt das Cabrio, das rund 120 Kilogramm Zusatzgewicht mit sich herumschleppt, wie ein perfekt abgestimmtes Fahrwerk auszusehen hat. Chapeau an Albert Maier und seine Jungs aus der Fahrwerksentwicklung. Es ist klar, dass hier keine Sänfte auf die Räder gestellt wurde. Das will auch niemand, der sich für das Automobil interessiert. Dennoch federt die komplett aus Aluminium gefertigte Vorderachse des 1ers Querrillen und Fahrbahnschäden souverän weg. Die Feder-Dämpfer-Kombination spricht auch auf schnell aufeinander folgende Anregungen geschmeidig an. Auf den ersten paar Millimetern ist sie komfortabel, um dann progressiv zu verhärten. Das, was viele Autohersteller sich wünschen, ist BMW gelungen.

Die gelungene Abstimmung spiegelt sich auch im sportlichen Fahrverhalten  wider. Eilt man durch die Kurven, wird klar, hier kann man’s fliegen lassen. Extrem lange bleibt der Hecktriebler stabil, um am Ende dann sanft über die Vorderräder zu schieben. Ein ausbrechendes Heck ist nicht zu erwarten. Selbst bei abrupter Gaswegnahme bleibt es hinten, wo es hingehört. Und das Stabilisierungsprogramm DSC hat Sendepause. Provozierte Drifts lassen sich nach dem deaktivieren des DSC dennoch bewerkstelligen. Hilfreich ist dabei die elektronische Differenzialsperre. Obwohl abgestellt, registriert das DSC die gleitende Querbeschleunigung und den Drehzahlunterschied der Hinterräder und bremst das durchdrehende Rad auf die Geschwindigkeit des haftenden runter. Dieser Eingriff hat keinerlei Stabilisierungswirkung, er begünstigt lediglich die Längsdynamik. Erhältlich ist das System im 1-2-5 und 1-3-5.

Ersatzrad? Fehlanzeige

Erfahren konnten wir all das mit der Standard-Bereifung für den 125i – 205/50 R17 inklusive Run-Flat-Technologie. Die Anti-Plattfuß-Technik soll helfen, bei Reifenschäden die nächste Werkstatt zu erreichen. Mir wäre ein Ersatzrad lieber. Guckt man an die gewohnte Stelle im Kofferraum, sitzt dort die Fahrzeugbatterie. Auch ein Grund, warum die Gewichtsverteilung mit 50:50 im Verhältnis der beiden Achsen optimal ausbalanciert werden konnte.

Perfekte Sportsitze

Der forschen Gangart kommen die aufpreispflichtigen Sportsitze zugute. Der Seitenhalt lässt sich der Körperfülle im Latissimus-Bereich elektrisch anpassen und unterstützt damit den Rücken grandios. Die Schenkelauflage ist manuell ausziehbar und somit auch für Langbeiner geeignet. Einfache Mittel, die einem 570 Euro wert sein sollten.

Galerie: Erster Test BMW 1er CabrioAnsonsten ist man umgeben vom üblichen 1er-Ambiente. Es ist wertig, logisch aufgebaut und das i-Drive, wenn man sich mal länger damit befasst hat, vereinfacht die Bedienung erheblich. Das Platzangebot ist vorne behaglich, hinten eng. Dennoch kann das 1er Cabrio als Viersitzer durchgehen. Zumindest, wenn Fahrer und Beifahrer keine unsinnige Liegeposition einnehmen.

Lange Gegenstände wie Snowboards oder sonstiges Sperrgut können für 260 Euro Aufpreis durch die Durchlade der Rücksitze gesteckt werden. 305 Liter passen in das knackige Heck, bei geöffnetem Verdeck sind es 260 Liter, immerhin 50 Liter mehr als im größeren 3er Cabrio. Nicht ideal: Die wenigen und zu klein geratenen Ablagen im Innenraum.

Spezielles Leder

Galerie: Erster Test BMW 1er CabrioWer es nicht nur schön sondern auch praktisch mag, kauft sich eine luxuriöse und pflegeleichte Lederausstattung. Im Falle des 125i kostet sie 1.880 Euro extra. Dann ist gleich noch die unverzichtbare Sitzheizung für vorne obligatorisch. Highlight des Leders ist dessen Materialbeschaffenheit, Sun Reflective genannt. Sie reduziert die Oberflächentemperatur des Leders spürbar.

Abgeschnittenes Coupé

Designtechnisch ist das Cabrio ein oben abgeschnittenes 1er Coupé. Bis auf das Stoffdach gleicht es dem geschlossenen Zweitürer mit steil stehender Frontscheibe und begünstigt echtes Open-Air-Feeling. Seitenfenster runter, Windschott in den Müll (oder erst gar nicht bestellt, kostet nämlich 320 Euro) und los geht’s. Nun bläst es herrlich ums Gesicht. Wer’s nicht mag, soll doch bitte das Coupé fahren.

Galerie: Erster Test BMW 1er CabrioDas viellagige Automatik-Stoffverdeck ist für 100 Euro Aufpreis mit Silberfäden durchwoben, es wirkt dann noch eleganter und soll Sonnenstrahlen besser reflektieren. Diese Technik ändert jedoch nichts daran, dass einem auch bei geschlossenem Verdeck jederzeit bewusst ist, in einem Stoffdachfahrzeug unterwegs zu sein. Zwar halten sich die Geräusche bis 140 km/h sehr zurück, dennoch und speziell bei hohen Geschwindigkeiten merkt man den Vorteil eines Stahl-Klappdachs. Aber: Das Stoffdach sieht edler aus und gehört zu einem schönen Cabrio dazu – da es die Linie nicht verhunzt. Hinzu kommt, dass sich die Mütze bis 40 km/h bedienen lässt und man nach dem Startvorgang den 1er sogar bis auf 50 km/h beschleunigen kann. Also ist im Stadtgewusel auch während der Fahrt ein Striptease möglich.

Die Antenne musste sein

Weniger reizend sind einige Details an der Karosserie. Fangen wir bei den knubbeligen Waschdüsen der Scheinwerferreinigung (Option) an. Wie kleine Minigeschwüre sitzen sie auf dem Stoßfänger. Abhilfe schafft das M-Sportpaket. Dort fahren bei Bedarf im sportlich geformten Stoßfänger integrierte Wasch-Hubdüsen aus. Das Paket für den 125i kostet 2.100 Euro. Nichts ändern kann man an der exponierten Lage der Radio-Stabantenne auf dem hinteren linken Kotflügel. Genauso wie die Haifischflossen-Antenne auf dem Heckdeckel, die allerdings nur bei DAB-Radioempfang (Digital Audio Broadcast) vorhanden ist.

BMW-Preise eben

Galerie: Erster Test BMW 1er CabrioWer sich für einen BMW interessiert, wird es wissen: Die Preise sind Premium. Mindestens 28.550 Euro sind für einen 118i fällig. Beim 125i werden es 36.200 Euro. Serienausstattung? In beiden Fällen nicht viel. Wer es üppig mag, wird den Preis schnell auf 40.000 Euro treiben. Ein 3er Cabrio gibt es übrigens erst ab 40.300 Grundpreis.

 
Fazit
 

Michael Blumenstein

Und dennoch: Das Einser Cabrio ist ein Volltreffer. Ein hochwertiges Stoffverdeck ist noch immer erste Wahl für ein schickes Cabriolet. Optisch kraftvoll, sehr eigenständig mit elegant knackigem Po wird das 1er ein Verkaufserfolg werden. Zum Leidwesen des 3er, dem er mit Sicherheit einige Kunden abwirbt. Platz gibt es nämlich auch im 1er (mit gutem Willen) für vier Erwachsene.

Perfekter Partner des 1er Cabrios ist der Dreiliter-Motor mit 218 PS. Er begeistert in erster Linie mit seinen famosen Klang, seiner Drehfreude und dem samtweichen Lauf. Wer Turbomotoren gewohnt ist, wird subjektiven vom Antritt aus niedrigen Drehzahlen enttäuscht sein. Ebenso vom Verbrauch, der gemessen an der Leistung zwar aller Ehren wert ist, laut BMW aber rund zwei Liter niedriger sein sollte.
 

Galerie: Erster Test BMW 1er Cabrio

 
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