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Galerie: Erster Test BMW 1er

Erster Test: BMW 1er

Die neue Nummer Eins

15.07.2011

BMWs Kleinster kommt am 17. September 2011 ganz groß raus. Die völlig überarbeitete zweite Generation wird weiterhin das dynamischste Fahrverhalten in der Kompakt-Klasse bieten und darüber hinaus hat BMW dem Golf-Gegner seine bisherigen Schwachpunkte erfolgreich ausgetrieben. Viele neue Optionen und Technik-Schmankerl tragen ebenfalls zu seiner gewachsenen Attraktivität bei. Sieht man einmal vom gepfefferten Preis ab, ist der neue 1er das neue Maß der Dinge in seinem Segment.

Optisch bietet der neue 1er hohen Wiedererkennungswert. Dem etwas eigenwilligen Auftritt mit langem Vorderwagen und Steilheck ist BMW treu geblieben, wurde zudem die Seitenscheiben-Grafik mit dem markanten Hofmeister-Knick in der C-Säule unverändert übernommen. Doch ansonsten wurde die Blechhaut rundum erneuert. In alle Richtungen ist die Karosserie dabei leicht gewachsen und wirkt der 1er dank vieler Design-Kniffe noch erwachsener und selbstbewusster. Vor allem aus der Heckperspektive hinterlässt der Münchener mit seinen an den VW Polo erinnernden Rückleuchten einen deutlich stämmigeren und zugleich noch eleganteren Eindruck.

Auffällig anders präsentiert sich die neue Front, die von einem volumigeren Kühlergrill und größeren Scheinwerfern geprägt wird. Dank einer oberen Blende in den Frontleuchten schaut der 1er zudem konzentrierter und sorgen die auffällig hell leuchtenden LED-Corona-Ringe für gehobenes Überholprestige. Allerdings bekommt man die schicken Hightech-Leuchten nur zusammen mit dem 940 Euro teuren Xenon-Licht-Paket.

Zwei optionale Ausstattungslinien

Galerie: Erster Test BMW 1erFür optisch besondere Akzente sorgen die beiden neuen Ausstattungslinien Sports Line und Urban Line. Für jeweils 1.900 Euro setzen diese entweder sportliche oder einfach nur auffällig andere Akzente. Während der Anblick der Sports-Line-Variante durchaus mundet, mutet die Urban Line mit auffällig weißem Zierrat und den optional ebenfalls weißen Felgen doch etwas kurios an. So wirklich überzeugen mochte uns dieser Stil nicht, aber vielleicht brauchen wir auch nur etwas Zeit, bis wir weiß lackierte Deko-Elementen als den letzten Schrei empfinden.

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Ein rundum gelungenes Meisterstück ist in jedem Fall der Innenraum des 1er. Auffällig ist das Schichten-Design, das vor allem im Bereich der Mittelkonsole eine dreidimensional wirkende Mehrlagigkeit vermittelt. Zudem ist der aufgeräumte, funktionale Arbeitsplatz geschickt dem Fahrer zugewandt, fühlt sich dieser im Zentrum des Geschehens, dort aber keineswegs eingeengt. Die Architektur ist zudem sehr funktional, lässt sich alles wunderbar leicht bedienen, die Materialien sind darüber hinaus sehr hochwertig, ebenso wie die Verarbeitung.

Mehr Platz, mehr Variabilität

Neben der Karosserie wuchs auch der Radstand um einige Zentimeter, was wiederum für ein besseres Platzangebot im Innenraum sorgt. Nicht nur vorne sitzt man im neuen 1er etwas luftiger als beim Vorgänger, auch im Fond hat man ein paar Zentimeter mehr Kniefreiheit und kann man hier selbst als Erwachsener gut sitzen. Allerdings nur zu zweit. Der mittlere Sitz eignet sich angesichts des wuchtigen Kardantunnels nur für Kleinkinder.

Galerie: Erster Test BMW 1erDeutlich gewachsen ist auch der Kofferraum, der mit 360 Liter sogar den eigentlich so vorbildlichen VW Golf um zehn Liter überflügelt. Die Rückbanklehne im 1er lässt sich mit wenigen Handgriffen entweder im Verhältnis 60 zu 40 oder gegen Aufpreis (260 Euro) im Verhältnis 40-20-40 umklappen. Dann entsteht ein sehr sauber ausgekleideter, bis zu 1,2 Kubikmeter großer Stauraum.

Multimedia satt

Galerie: Erster Test BMW 1erDie beiden Rückbank-Varianten sind nur ein Beispiel für die vielen Optionen, die es für den neuen 1er gibt. Neben eher praktischen Extras sind auch viele Möglichkeiten zur optischen Individualisierung geboten, sowie eine lange Liste attraktiver Komfortdetails. Allein für das Innenraumdesign sind rund 6.500 Kombinationen denkbar, kann man sich den Innenraum bei entsprechender Budget-Aufstockung sogar richtig edel und luxuriös einrichten. Einen besonders guten Eindruck hat dabei das feststehende, extrabreite und flache iDrive-Display im 8,8-Zoll-Format gemacht. Die zweigeteilte Anzeige ermöglicht parallel eine großzügige Darstellung der Navigationskarte samt diverser Bordcomputer- und Audio-Informationen.

Allerdings gibt es den großen Bildschirm nur in Kombination mit dem gut 2.400 Euro teuren Navisystem Professional, das sich noch für 350 Euro um die Handyvorbereitung mit Anbindung von Bluetooth- und USB-Geräten samt BMW Assist erweitern lässt. Bestellt man beides, kann man die neue, erstmalig bei einem BMW angebotene Real-Time Traffic Information RTTI nutzen, die Echtzeit-Informationen in die Routenführung mit einbezieht. Besonders clever ist hierbei der große Kartenüberblick, der anzeigt, welche Straßen in der näheren Umgebung derzeit frei sind, oder wo es sich staut. Wer dann noch zusätzlich BMW Online abonniert, kann außerdem im 1er im Internet surfen. Das zugegeben etwas teure Gesamtpaket ist eine beeindruckend vielseitige Highend-Multimedia-Lösung.

Mehr PS, weniger Durst

Galerie: Erster Test BMW 1erDoch kommen wir zum eigentlichen Zweck des 1ers: das Fahren. Auch hier kann der kleine BMW in besonderer Weise beeindrucken. Antriebsseitig standen uns die beiden vorläufigen Spitzenaggregate 118i und 120d zur Verfügung, die sich durch gehobene Leistung bei vergleichsweise niedrigen Verbrauch auszeichnen. Handelte es sich beim 118i bisher um einen Zwei-Liter-Saugbenziner, der 143 PS mobilisierte, kommt nun der aus dem Mini bekannte 1,6-Liter-Vierzylinder mit Twin-Scroll-Aufladung in einer 170 PS starken Variante zum Einsatz. Trotz der deutlichen Mehrleistung von 27 PS soll der 118i mit 5,9 Liter Normverbrauch sogar um 0,2 Liter sparsamer als bisher sein.

Neben ausgezeichneter Laufruhe zeichnet sich der Motor durch seine Spritzigkeit aus, kommt der 1,4-Tonner fast ohne Turboloch sehr flott aus den Startblöcken. Ohne Traktionsprobleme schieben die Hinterräder den Wagen in Kombination mit einer leichtgängigen manuellen Sechs-Gang-Schaltung von 0 auf 100 km/h in kurzweiligen 7,4 Sekunden auf Tempo 100, maximal sollen 225 km/h möglich sein. Um die Höchstgeschwindigkeit zu erreichen, braucht es allerdings etwas Anlauf. Heizen auf der Autobahn sorgt allerdings für einen deutlichen Expresszuschlag beim Verbrauch. Zumindest kamen wir laut Bordcomputer auf unserer Testfahrt auf gut neun Liter, was um 50 Prozent über der Herstellerangabe liegt.

Acht Gänge

Galerie: Erster Test BMW 1erNoch mehr beeindrucken konnte uns die Kombination des nunmehr 184 PS starken 120d mit der neuen Acht-Gang-Automatik von ZF. Akustisch mit nicht ganz so feinen Manieren, jedoch nie übertrieben aufdringlich, gefällt der Selbstzünder mit einem formidablen Punch von immerhin 380 Newtonmetern. Während der Sprint 7,3 Sekunden dauert, liegt die Top-Speed bei 228 km/h. Phantastisch ist dabei der enorme Durchzug im höheren Geschwindigkeitsbereich, der vor allem eilige Autobahn-Piloten glücklich macht. Zugleich gibt es den hohen Komfort einer sanft und dennoch angenehm schnell schaltenden Automatik, die es sogar mit einem Doppelkupplungsgetriebe aufnehmen kann. Damit hat BMW nicht nur den Widerspruch zwischen hohem Komfort und optimaler Längsdynamik aufgehoben, auch hinsichtlich der Effizienz ist vorbildliches Niveau angesagt, denn der Normverbrauch soll bei 4,5 Litern liegen.

Um möglichst nahe an diesen Wert zu kommen, hat BMW alle 1er nicht nur mit einer Start-Stopp-Automatik, sondern gleich noch mit dem sogenannten Fahrerlebnis-Schalter ausgestattet, der als Sparhilfe den sogenannten Eco-Pro-Modus bietet. Hat man diesen Modus über einen Knopf in der Mittelkonsole aktiviert, arbeiten Klimaanlage oder auch die Sitzheizung besonders sparsam, zudem wird der Beschleunigungsbefehl per Gaspedal verhaltener umgesetzt. Eine Gangwahlanzeige und eine Gaspedal-Nutzungsempfehlung sollen dem Fahrer außerdem Orientierung für eine sparsamere Fahrweise bieten. Schließlich zeigt der Bordcomputer die durch eine effizientere Fahrweise erreichte Bonusreichweite an.

Technische Daten
 
Marke und Modell   BMW 118i   BMW 120d
Version / Ausstattung   Handschalter, Fünftürer   Automatik, Fünftürer
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   1.598 / R4-Turbobenziner   1.995 / R4-Turbodiesel
Leistung (kW / PS)   125 / 170   135 / 184
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   250 / 1.500 - 4.500   380 / 1.750 - 2.750
Antriebsart   Heckantrieb   Heckantrieb
Getriebeart   manuelle Sechs-Gang-Schaltung   Acht-Gang-Automatik
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.324 / 1.765 / 1.421   4.324 / 1.765 / 1.421
Radstand (mm)   2.690   2.690
Wendekreis (m)   10,9   10,9
Leergewicht (kg)   1.370   1.440
Kofferraum (Liter)   360 - 1.200   360 - 1.200
Bereifung Testwagen   225/40 R 18/ 245/35 R18   225/45 R 17
Verbrauch        
Krafstoffart   Benzin   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   5,9   4,5
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   137 / Euro 5   119 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   7,4   7,3
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   225   228
Preise        
ab (Euro)   26.750,00   31.600,00
Empfohlene Extras   M Sportfahrwerk (340 Euro)   Xenon-Licht (940 Euro)
 
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Kurvenlust und adaptives Fahrwerk

Doch neben der Freude am Sparen bietet der 1er besonders viel Freude am Fahren. Die Grundzutaten hierfür sind im Vergleich zur ersten 1er-Generation unverändert geblieben. Heckantrieb, eine paritätische Gewichtsverteilung auf den Achsen, eine steife Karosserie und die von Antriebsflüssen freie und herrlich präzise Lenkung – kein Kompakter kann querdynamisch dem 1er das Wasser reichen und trieb uns bereits ein erstes kurzes Ausweichmanöver zu Beginn unserer Testfahrt kleine Tränen der Freude in die Augen.

Galerie: Erster Test BMW 1erDoch BMW gönnte uns gleich noch ein verschärftes Fahrdynamik-Erlebnis auf dem ADAC-Testgelände in Linthe, bei dem wir vor allem auch das 1.100 Euro teure adaptive Fahrwerk, bei dem man über den erwähnten Fahrerlebnis-Schalter die Dämpfersteuerung regelt, erleben durften. Als unbedingt empfehlenswertes Extra haben wir diese Fahrwerksoption allerdings nicht erfahren. Denn grundsätzlich hat BMW das Standardfahrwerk des  neuen 1er spürbar komfortabler als bei dem eindeutig zu straffen Vorgänger abgestimmt. Bereits der 118i in Kombination mit dem M-Sportfahrwerk bot uns einen ausreichend guten Kompromiss aus Komfort und optimaler Straßenlage. Allein mit der Wahl der Räder kann hier der Kunde den für sich optimalen Kompromiss finden. Wer sich allerdings nicht festlegen will und tatsächlich mal etwas härter oder mal etwas sanfter über den Asphalt gleiten möchte, kann sich guten Gewissens auch für das adaptive Fahrwerk entscheiden.

Der Wechsel vom Comfort- in den Sport+-Modus hat darüber hinaus noch einen weiteren besonderen Reiz, allerdings weniger auf Grund der härteren Dämpfung als vielmehr ob des toleranteren DSCs. Wer gerne auch mal mit leichtem Heckdrift ums Eck zirkeln mag, kommt hier voll auf seine Kosten, und das bei weiterhin aktivem DSC.

Basis kostet knapp 24.000 Euro

Galerie: Erster Test BMW 1erDoch genug der Lobhudelei, uns sind auch einige wenige Kritikpunkte am neuen 1er aufgefallen. Da wäre der Diesel, der ruhig noch etwas besser abgekapselt werden könnte. Auch die Windgeräusche werden zumindest bei höherem Tempo etwas aufdringlich. Und schließlich schränkt die immer noch viel zu breite C-Säule die Sicht nach hinten etwas zu sehr ein. Doch das wäre es eigentlich schon. Letztlich kann man nur noch die Preispolitik von BMW tadeln, denn rund 24.000 Euro für das 136 PS starke Basismodell 116i ist schon eine heftige Ansage, vor allem auch angesichts der recht mageren Serienausstattung.

Will man den besonders attraktiven 120d mit Acht-Gang-Automat, werden bereits 31.600 Euro fällig, und wählt man dann ein paar Optionen aus dem Individualisierungsprogramm und noch ein paar Komfortextras, kommt man leicht auf 40.000 Euro. Für keinen anderen Kompakten werden derart stolze Preise abgerufen. Doch wer den neuen 1er bei einer Probefahrt erlebt, könnte schnell zu der Meinung gelangen, dass sich diese Mehrinvestition auch lohnen könnte.

 
Fazit

Mario Hommen

Richtig gut, richtig teuer: Wer bereit ist, für den neuen 1er etwas tiefer in die Tasche zu greifen, wird mit dem derzeit wohl besten Kompaktmodell am Markt belohnt. Audi könnte es schwer haben, den besonders fahraktiven Münchener mit der 2012 erscheinenden Neuauflage des A3 zu überflügeln.
 

Galerie: Erster Test BMW 1er

 

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