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Galerie: Erster Test BMW 4er Coupé

Erster Test: BMW 4er Coupé

So muss das sein

19.07.2013

Drei Generationen lang war das Coupé das Sahnehäubchen der 3er Baureihe – ein Volks-Beaulide für Stilbewusstere und Kinderlose. Jetzt hat BMW seinen Schönling herausfiletiert, aufgehübscht, dynamischer abgestimmt und als neue, eigenständige Baureihe positioniert. Die Strategie überzeugt nicht nur marketing-, sondern auch fahrtechnisch, wie wir bei einer ersten Hautnahbegegnung erleben konnten.

Überzeugend ist allein schon der optische Auftritt. Klar, für einen 4er sieht das Coupé noch verdammt nach 3er aus, doch ist dieser alles andere als eine schlechte Basis und gilt der 3er vielen als ein designtechnisch gelungenes Auto. Im Vergleich zur Limousine ist die zweitürige Version eben eleganter und kraftvollerer akzentuiert und egal aus welchem Winkel man also den 4er anvisiert, stimmt die Optik und schweift der Blick über ein erfreulich fein austariertes Blechkleid.

Mag sein, dass der Radstand etwas lang ist, der Karosserieüberhang hinten etwas mächtig ausfällt, doch bieten diese Aspekte andererseits handfeste praktische Vorteile und wird damit der dennoch zweifelsohne sehr stylische 4er sowohl Ansprüchen an Ästhetik als auch Alltag gerecht.

Fesche Fronten

Galerie: Erster Test BMW 4er CoupéUm sich mit mehr als nur dem eleganteren Coupé-Zuschnitt vom 3er abzuheben, hat BMW zudem noch einige Feinheiten variiert. So ist die Front skulpturierter und wurden einige Details feiner herausgearbeitet, was ebenfalls für einen dynamischeren Auftritt sorgt. Serienmäßig leuchten zudem alle 4er aus LED-Scheinwerfern, die gegen Aufpreis sogar ihr Fernlicht mit dieser Leuchttechnik weit in die dann taghelle Nacht schleudern können.

Und BMW bietet dem Kunden noch einerseits die Wahl und andererseits die Möglichkeiten zur Individualisierung. So werden grundsätzlich drei Frontversionen angeboten, die elegantere oder dynamischere Akzente setzen. Außerdem gibt es als Option noch das M-Sportpaket und das M-Performance-Paket. Letzteres lässt den 4er richtig scharf ausschauen und weckt schon ein wenig Vorfreude auf den M4. M4? So richtig bestätigen will man ihn bei BMW noch nicht, dementiert wird er aber auch nicht.

Gurt wird gebracht

Galerie: Erster Test BMW 4er CoupéIm Innenraum sind die Möglichkeiten weitgehend mit denen des 3er identisch. Das Interieur des 4er kann also Premium auf hohem Niveau bieten, gute Platzverhältnisse vorne und auf Wunsch auch ein herausragend leicht bedienbares und funktionsreiches Infotainment-Navi-System mit vielen hilfreichen Internet-Optionen. Praktisch: Direkt nach dem Einsteigen schiebt ein allerdings etwas fragil wirkender Mechanismus aus der B-Säule den Sicherheitsgurt griffgünstig in Richtung Fahrer.

Dank des langen Radstands können sich zudem Fondpassagiere über gute Beinfreiheit freuen, die Kopffreiheit ist jedoch eingeschränkt und kommen Häupter durchschnittlich großer Erwachsener bereits in Zwangskontakt mit dem Dachhimmel. Für Fondgäste vielleicht etwas umständlich ist zudem der Zustieg, denn ein Easy-Entry-Modus gibt es nicht.

Der Kofferraum ist mit 445 Litern gut dimensioniert und dank der zweigeteilt umlegbaren Rückbanklehne auch noch ausbaufähig und der 4er entsprechend für viele Alltagssituationen ausreichend gerüstet.

Fahrspaß satt

Galerie: Erster Test BMW 4er CoupéHier ist das neue Coupé also ganz im Sinne eines Gran Turismo ausgelegt und auch in Hinblick auf sein Fahrverhalten ein hervorragender Partner für lange Strecken. Doch der 4er will auch sportlichen Ansprüchen auf gehobenem Niveau gerecht werden und sorgt zumindest mit dem über 300 PS starken Reihensechszylinder in Kombination mit einer Achtgang-Automatik für einen begeisternden Auftritt. Kurvige Landstraßen-Tänzchen oder Rennstrecke – der im Vergleich zum normalen 3er tiefergelegte, mit tieferem Schwerpunkt gesegnete und bestens austarierte Hecktriebler wird jeden in den Bann ziehen, der gern auch mit erhöhter Risikobereitschaft auf Kampflinie geht.

Auf dem Weg in den turbulenten Grenzbereich gibt sich der steife und präzise 4er bestens beherrschbar und hat man stets eine kontrollierte Rückmeldung. Fisimatenten? Fehlanzeige. Sollte man allerdings bei Kurvenfahrt und deaktiviertem ESP etwas heftig aufs Gas stampfen, kann das Heck auskeilen. Freunde des reinen Hinterradantriebs sehen allerdings genau dieses Fahrverhalten als besonders begehrenswert an. Alternativ gibt es gleich zum Marktstart (5. Oktober 2013) noch den Allradantrieb XDrive für 2.500 Euro Aufpreis.

Luft für die M GmbH

Galerie: Erster Test BMW 4er CoupéSelbstredend könnte der 4er noch um ein paar Kilogramm leichter sein, könnte die Lenkung direkter ansprechen, die Straßenlage härter sein und der Sound noch martialischer ausfallen. Doch andererseits muss ja noch Luft nach oben für die M GmbH bleiben und ist eben auch der 4er ein Kompromiss, der vor allem komfortseitig gewissen Alltagsanforderungen gerecht werden muss und kann.

Doch der turbogeladene und direkteinspritzende Sechsender, sofern man ihn ordentlich fordert, vermittelt bereits einen Hauch von Motorsport und kann die Achtgang-Automatik dank knackiger und kurzweiliger Gangwechsel mit einem Doppelkupplungsgetriebe mithalten. Lediglich beim Rausballern aus Kurven wechselt man besser über die Lenkradwippen im manuellen Schaltmodus die Gänge, denn will man am Scheitelpunkt der Kurve maximalen Schub, fällt dieser im Automatikmodus dank der Leistungsaufbauverzögerung des Turboladers erst mit klitzekleiner Verzögerung über die Hinterräder her.

Schnell und effizient

Galerie: Erster Test BMW 4er CoupéDas ein im Idealfall in fünf Sekunden von null auf 100 km/h sprintender und auf 250 km/h gemaßregelter 1,6-Tonner mit Automatik sich mit sieben Litern Sprit bescheiden kann, ist umso verblüffender. Nach einer erlebnisorientierten Rennsreckengaudi hat sich dieser Wert laut Bordcomputer mehr als verdoppelt, doch bietet alternativ der Fahrelebnisschalter neben dem Sport- noch einen Eco-Modus, bei dem sich der windschnittige BMW (Cw 0.28) auch dank des neuen Segelmodus (Abkopplung von Motor und Antriebsstrang im Schiebebetrieb) einerseits spaßbefreit und dafür im Gegenzug erfreulich sparsam gibt. Bei Tempo 120 auf der Autobahn lagen wir bei aktiver Klimaanlage um nur wenige Zehntel über dem NEFZ-Wert.

Moderater Aufpreis

Es geht alternativ sogar noch deutlich sparsamer: Für den 4er gibt es ebenfalls den formidablen 20d (184 PS), der sich mit 4,6 Liter bescheidet und dennoch souveränen Vortrieb ermöglicht. Ebenfalls attraktiv: Der 245 PS leistende 428i, der nur unwesentlich langsamer als der 35i ist, aber mit 6,3 Litern Normverbrauch dennoch herausragend effizient sein kann. Immer noch ordentlich flott ist man mit der Basisversion unterwegs, denn der 420i mobilisiert üppige 184 PS, bescheidet sich im Gegenzug mit glatt sechs Litern.

35.750 Euro verlangt BMW für diesen Basis-4er und damit exakt 2.250 Euro mehr als für den 320i. Zwar bekommt man im Fall des 4er mehr Eleganz und Prestige, doch rein rational betrachtet lohnt sich dann doch der Viertürer, der mit seinem direkten Fondzustieg und der besseren Kopffreiheit hinten das attraktivere Rüstzeug für den Alltag bietet und eben weniger kostet.

 
Fazit

Mario Hommen

Beim neuen BMW 4er stehen Optik und Fahrspaß im Vordergrund und eben jene Aspekte meistert die vom 3er abgeleitete, nunmehr eigenständige Baureihe mit Grandezza. Wer ein Mitteklasse-Coupé will, wird in der Mittelklasse derzeit wohl kein schöneres und fahrtechnisch mehr Begeisterung auslösendes finden als den 4er. Und obwohl es sich um einen Ableger der Mittelklasse handelt, versprüht der 4er den Flair höherer Klassen, die den Aufpreis gegenüber dem 3er als durchaus gerechtfertigt erscheinen lassen.

Praktisch gesehen ist der 4er allerdings nichts weiter als ein 3er-Ableger, der weniger Alltagstauglichkeit bietet und dafür dann auch eigentlich etwas teuer ist. Wer allerdings Wert auf einen besonderen Geschmack legt und wer sich etwas von der Masse abheben will, der findet im 4er ein bemerkenswert begehrenswertes Objekt der Begierde.
 
 

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