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Galerie: Erster Test BMW 7er

Erster Test: BMW 7er

Der neue Maßstab

22.09.2008

Nach seiner offiziellen Enthüllung im Juli in München und einer Erprobungsfahrt mit noch getarnten Prototypen durften wir nun die Serienversion des neuen BMW 7er zu ersten offiziellen Ausfahrt bitten. Kann das Flaggschiff aus München, das ab Herbst 2008 an die Kunden ausgeliefert wird, die hohen Erwartungen erfüllen?

Ausgerechnet in der Stadt, wo VW in der Gläsernen Manufaktur den Phaeton fertigt, präsentiert BMW den neuen 7er der Presse. Als Provokation der Kollegen in Wolfsburg dürfe dies natürlich keinesfalls Verstanden werden. Und außerdem, so fügte man später leise hinzu, kam München auf Grund Mangelnder Hotelzimmer zur Oktoberfestzeit einfach nicht in Frage.

Ob nun im bayrischen Oberland oder im Erzgebirge, der 7er muss zeigen, was in ihm steckt. Und schon vor Fahrtantritt präsentiert er sich von seiner besten Seite. Die immerhin 5,21 Meter messende Langversion strahlt frisch poliert mit der herbstlichen Morgensonne um die Wette. Ganz in der Nähe der Semperoper wurde die bayrische Armada positioniert und lenkt viele Touristen von den Sehenswürdigkeiten der sächsischen Hauptstadt ab.

Lang und Breit

Galerie: Erster Test BMW 7erDesigner Chris Bangle hat tief in die Trickkiste der optischen Täuschungen gegriffen, um das ohnehin wuchtige Flaggschiff durch geschickt positionierte Lichtkanten und Linien noch länger und noch breiter wirken zu lassen. Und trotz des Größenzuwachs wirkt der Siebener dynamischer als sein Vorgänger. Typische BMW-Merkmale, wie die kurzen Überhänge, der lange Radstand und eine kaum enden wollende Motorhaube haben die Kreativen gekonnt beim Neuen umgesetzt.

Fast waagerecht verläuft die Schulterlinie und das nach hinten versetzte Greenhouse, also die Passagierkanzel, wirkt leicht und lichtdurchlässig. Wer dem 7er in die Augen schaut, blickt in klassische Doppel-Rundscheinwerfer. Dazwischen thront die bekannte BMW-Niere, aber in einer noch nie dagewesenen Dimension. Den auffälligsten Wandel vollzog das Heck, die Zeit des rucksackähnlichen Kofferraumdeckels ist vorbei. Großflächige, rote Rückleuchten mit einem kecken Schwung nach außen dominieren das dicke Ende, Chromleisten machen den Hintern noch etwas breiter.

Besser als daheim

Galerie: Erster Test BMW 7erGeräuschlos zieht ein Servomotor die Türen ins Schloss, die die Insassen gut gegen den Straßenlärm abschirmen. Das neu gestaltete Interieur lädt ein zum Wohlfühlen und Entspannen. Vor allem im Fond bietet die 14 Zentimeter längere Langversion behagliche Wohnzimmeratmosphäre. Zwei elektrisch einstellbare Einzelsitze mit Massage- und Kühlfunktion, zwei große Bildschirme und ein Entertainmentsystem mit DVD-Spieler und Internetzugang komplettieren den Komfort.

Galerie: Erster Test BMW 7erEin sogenanntes Blackpanel-Display, auf dem alle Informationen digital dargestellt werden, ersetzt die herkömmliche Instrumententafel. Nur die Zeiger sind noch tatsächlich vorhanden. Immerhin: Die klassischen Rundinstrumente haben den Sprung in die Zukunft geschafft – zumindest als Grafik und nicht mehr als echte Uhren. Ihre Ähnlichkeit aber verblüfft. Gleichzeitig kann das Display viele weitere Informationen darstellen, wie Navigationshinweise oder ankommende Telefonanrufe. Für 1.340 Euro gibt es außerdem ein Head-Up-Display, das die wichtigsten Informationen in die Windschutzscheibe einblendet.

Großleinwand

Noch mehr Platz für Infos bietet der neue 10,2 Zoll große Bildschirm über der Mittelkonsole. Hier sitzt die Kommandozentrale, die nach wie vor über den iDrive-Knubbel gesteuert wird. Der wurde aber um sinnvolle Direktwahltasten ergänzt und so die Benutzung deutlich vereinfacht. Wie in anderen BMW-Modellen gibt es jetzt auch im 7er acht frei programmierbare Favoriten-Tasten für den Schnellzugriff auf Radiosender oder Navigationsziele. Alle Klimafunktionen lassen sich wieder über Tasten und Drehregler in der Mittelkonsole abrufen.

Galerie: Erster Test BMW 7erMan könnte noch stundenlang auf Details eingehen, wie die zum Türgriff umfunktionierten Holz-Dekorleisten oder die jetzt viel griffgünstiger in der Tür positionierte, elektrische Sitzverstellung. Lobenswerte Kleinigkeiten finden sich viele, Kritikpunkte nur wenige: Inmitten der edlen, perfekt verarbeiteten Materialien wirkt der Handschuhfachgriff aus dünnem Hartplastik Fehl am Platz. Und das Lenkrad – sowohl die Serienversion als auch das optionale Sportvolant – könnten etwas dicker und griffiger ausfallen.

Dieselstarker Benziner

Galerie: Erster Test BMW 7erDer BMW 750Li markiert die Spitze der 7er-Baureihe. Unter der gewölbten Motorhaube steckt aber kein Fünfliterliter-Aggregat, wie man vermuten könnte, sondern ein „nur“ 4,4 Liter großer Achtzylinder. Das mit zwei Turboladern und Benzindirekteinspritzung aufgerüstete Triebwerk entwickelt ein Drehmoment, dass jeden Diesel vor Neid erblassen lässt. Zwischen 1.750 und 4.500 Umdrehungen liegen 600 Newtonmeter an der Kurbelwelle an.  Zum Vergleich: Der 245 PS starke Selbstzünder im 730d entwickelt zwischen 1.750 und 3.000 Touren 540 Newtonmeter.

Technische Daten
 
Marke und Modell   BMW 750Li   BMW 730d
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe in mm   5.212 / 1.902 / 1.478   5.072 / 1.902 / 1.479
Radstand in mm   3.210   3.070
Wendekreis in m   12,7   12,2
Leergewicht in kg   1.980   1.865
Kofferraum in l   500   500
Bereifung Testwagen   245/50 R 18   245/55 R 17
Motor        
Hubraum in ccm   4.395   2.993
Leistung in PS   407   245
Drehmoment in Nm   600 zwischen 1.750 und 4.500 U/min   540 zwischen 1.750 und 3.000 U/min
Verbrauch        
Kombiniert laut Werk l/100km   11,4   7,2
CO2-Emissionen in g/km   266   192
AS24-Verbrauchsrunde in l/100km   k. A.   k. A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h in s   5,3   7,2
AS24-Sprint 0-100km/h in s   k. A.   k. A.
AS24-Stop 100-0km/h in m   k. A.   k. A.
Höchstgeschwindigkeit in km/h   250   245
Preise        
in € ab   94.000   69.500
AS24-Extra-Empfehlung   Integral-Aktivlenkung (1.750 Euro)   Integral-Aktivlenkung (1.750 Euro)
 
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Angesichts dieser Leistungscharakteristik erteilt der aus dem X6 bekannte, 407 PS starke 750Li allen Turboloch-Kritikern selbstbewusst eine Abfuhr. Spontan spricht der Motor auf Gasbefehle an. Am ehesten hemmt ihn noch die Sechsstufen-Automatik. Die braucht hin und wieder einen Moment, um die richtige Übersetzung zu finden. Schaltet man aber in den Sportmodus, gehört auch dieses Problem der Vergangenheit an. Sonst gebietet dem Aggregat nur die elektronische Begrenzung auf 250 km/h Einhalt. Mühelos erreicht er seine Höchstgeschwindigkeit, hat auch bei hohem Tempo noch genügend Überholreserven und würde gern schneller, wenn man ihn ließe.

Alles lenkt

Galerie: Erster Test BMW 7erZum Wohl der Fondpassagiere ist die Langversion serienmäßig mit einer Luftfederung an der Hinterachse ausgestattet. Unser Testwagen war zusätzlich mit der Integral-Aktivlenkung ausgestattet (1.750 Euro), von der auch vor allem die Passagiere auf der Rückbank profitieren. Dabei lenken die Hinterräder bis zu drei Grad mit, und reduzieren so zum Beispiel beim Spurwechsel spürbar die Gierrate, also das Drehen um die Hochachse. Beim Rangieren hingegen lenken die hinteren Räder entgegen den Vorderen. Der Wendekreis schrumpft dadurch um 70 Zentimeter auf knapp zwölf Meter.

Alle Modelle bekommen ab Werk ein dreifach elektronisch justierbares Fahrwerk. Neben der gut austarierten Normalstellung kann der Fahrer zwischen Komfort und Sport wählen, die entsprechend weicher beziehungsweise straffer abgestimmt sind. Zusätzlich zur Abstimmung der Dämpfer und der Ansprechschwelle des Stabilitätsprogramms DSC nimmt das System auch Einfluss auf die Schaltdynamik der Automatik sowie die Kennlinien von Gaspedal und Lenkradunterstützung.

Viel Komfort, wenig Verbrauch

Galerie: Erster Test BMW 7erButterweich gleitet der 7er im Komfortmodus durch die Lande, auf Gas- und Lenkbefehle reagiert er dann etwas weniger direkt. Anders im Sportbetrieb, der sich trotz zwei Tonnen Leergewicht auch für eine flottere Gangart empfiehlt. Im zusätzlichen „Sport +“-Modus spricht das ESP noch einen Tick später an und erlaubt dem 7er ein leichtes Tänzeln des Hecks. Für 2.360 Euro Aufpreis bietet BMW außerdem die Wankstabilisierung Dynamic Drive an, die etwaiger Seitenneigung nahezu den Garaus macht.

Dank „Efficient Dynamics“ konnten die Techniker den Verbrauch des Dickschiffs leicht Senken. Im Normzyklus soll sich der 750 Li mit 11,4 Liter zufrieden geben, der 326 PS starke Reihensechszylinder im 740i bleibt sogar ganz knapp unter der magischen Marke von zehn Litern – zumindest auf dem Papier. Und die 7,2 Liter Durchschnittsverbrauch des 730d sind auf jeden Fall vorbildlich. Allerdings haben die Ingenieure ihr Energiespar-Programm nicht vollständig ausgereizt: Eine Start-Stopp-Automatik etwa findet sich im neuen 7er nicht.

Viele Assistenten

Die Liste der – natürlich aufpreispflichtigen – Fahrerassistenzsysteme ist dagegen lang und auf dem neuesten Stand der Technik. Ob aktive Geschwindigkeitsregelung, Rückfahrkamera, Überwachung des Toten Winkels, eine Kamera, die den Querverkehr beobachtet oder ein Warnsystem beim Verlassen der Spur ohne zu Blinken - der Kunde kann alles ordern. Erwähnenswert ist dabei vor allem die neue Generation des Nachtsichtsystems Night Vision.

Galerie: Erster Test BMW 7erÜber eine Wärmebildkamera erfasst das System die nächtliche Umgebung und gibt das Bild auf dem Infodisplay wieder. Erkennt Night Vision Personen oder Tiere auf oder neben der Fahrbahn wird der Fahrer zusätzlich im Head-Up-Display gewarnt. Eine weitere Kamera hinter dem Rückspiegel erfasst außerdem - im Vorbeifahren - die Verkehrszeichen und informiert den Fahrer stets über die erlaubte Höchstgeschwindigkeit.

Teure Extras

eVote

 

Ordert man alle Assistenten inklusive der zusätzlich nötigen Features wie etwas das Navigationssystem „Professional“ – von dem die Verkehrsschild-Erkennung Daten über Stadtgebiete bezieht – landet man bei knapp unter 10.000 Euro, nur für diese Extras. Und damit ist die Liste der Sonderausstattungen noch lange nicht erschöpft: Für 5.980 Euro gibt es exklusives Nappaleder, die äußerst bequemen Komfortsitze kosten für Fahrer und Beifahrer 2.130 Euro und im Fond 3.170 Euro und die passende Klimaanlage für die Hinterbänkler schlägt mit 1.590 Euro zu Buche.

Der Einstieg in die neue 7er-Baureihe beginnt benzinerseitig bei 75.500 Euro für den 740i, der 750i kostet glatte 90.000 Euro. Für die Langversion werden zusätzlich 4.000 Euro fällig. Dagegen ist der sparsame Diesel im 730d mit 69.500 Euro fast ein Schnäppchen. Standards wie Regensensor, Nebelleuchten und schicke Holzdekorleisten sind freilich Standard, auch ein AUX-Eingang gehört zur Serie. Der USB-Anschluss allerdings muss mit 300 Euro bei allen Motorisierungen extra bezahlt werden.

Fazit

Galerie: Erster Test BMW 7erGutes besser machen war die Devise beim neuen 7er, zu deren Einhaltung man den BMW-Ingenieuren nur gratulieren kann. Die Techniker lernten aus den Fehlern der alten Generation und haben beim Bedienkonzept deutlich nachgebessert. Auch das Design ist weniger polarisierend als beim Vorgänger und dürfte das Ziel, mehr Einheiten denn je zu Verkaufen, erleichtern. In Sachen Komfort und Qualität ist der 7er vorbildlich. Technische Glanzlichter wie die Verkehrszeichenüberwachung und das Nachtsichtsystem mit Personenerkennung sind momentan einzigartig.

Mit den drei zu Beginn verfügbaren Motoren bietet BMW ein ausgewogenes, äußerst potentes Portfolio. Die beiden Benziner erreichen dank Turboaufladung und Benzineinspritzung Top-Leistungswerte bei akzeptablem Verbrauch und der Diesel präsentiert sich mit knapp über sieben Litern als echter Sparmeister bei gleichzeitig hohem Fahrkomfort.

Kurzum: Der 7er BMW wird zum neuen Maßstab in der automobilen Oberklasse. Er sieht noch besser als der Audi A8 und bietet noch mehr Komfort als die Mercedes S-Klasse.

Galerie: Erster Test BMW 7er

 
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