Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Erster Test Cadillac ATS

Erster Test: Cadillac ATS

Kantensprung

25.10.2012

Mehrmals schon versuchte Cadillac in der Mittelklasse Fuß zu fassen, bislang jedoch erfolglos - jetzt setzt der neue ATS zum Sprung in dieses Segment an. Sein erklärtes Ziel ist es, den deutschen Premium-Herstellern das Leben schwer zu machen. Der 4,64 Meter lange Ami zielt direkt auf Audi A4, Mercedes C-Klasse und - als Hecktriebler - vor allem gegen den 3er BMW. Doch kann der Caddy mit typisch kantigem Blechkleid den Deutschen wirklich das Wasser reichen oder wird aus dem großen Sprung nur ein kleiner Hopser?  

Den Cadillac-Prospekt werden die meisten Käufer hierzulande aber wohl nur kurz durchblättern und ihn dann schnell wieder beiseitelegen. Gefragt sind in der Mittelklasse zum einen Kombis, zum anderen Dieselmotoren - und beides gibt es bei Cadillac nicht. Zumindest vorerst ist die auf General Motors neuer Alpha-Plattform aufbauende Limousine ausschließlich mit einem 276 PS starken Benziner erhältlich, der den 0-100-Sprint in rund sechs Sekunden absolviert.

Über einen möglichen Selbstzünder sagt man nur, dass im Laufe des Produktzyklus mit einem wettbewerbsfähigen Premium-Diesel zu rechnen sei; denkbar ist der Bi-Turbo aus dem Opel Insignia. Zu einer Kombiversion äußerst sich Cadillac dagegen gar nicht. Nicht unwahrscheinlich ist dagegen eine rund 400 PS starke ATS-V-Version.

Spaßbremse

Galerie: Erster Test Cadillac ATSWie beim angepeilten Referenzmodell aus München, dem BMW 328i, arbeitet auch unter der ATS-Haube ein turbogeladener Vierzylinder. Die Zwangsbeatmung beschert dem ebenfalls aus dem Opel Insignia bekannten Motor zwar ein kräftiges Drehmoment von 353 Newtonmeter über ein weites Drehzahlband (mindestens 90 Prozent liegen zwischen 1.500 und 5.800 Touren an), der harmonischen Kraftentfaltung aber macht zumindest die Sechsgang-Automatik oftmals einen Strich durch die Rechnung.

Sobald der Fahrer nach etwas mehr Leistung verlangt, zwingt der mitunter bei der Gangwahl nicht ganz treffsicher scheinende Automat den Direkteinspritzer zu hohen Drehzahlen und akustischen Entgleisungen, was ob des üppigen Moments häufig gar nicht nötig wäre. Dagegen hilft nur, händisch über die Schaltwippen einzugreifen und einen höheren Gang zu wählen - oder gleich mit dem Handschalter Vorlieb zu nehmen; zumindest bei den heckgetriebenen Versionen kann man alternativ ein knackiges Sechsgang-Getriebe wählen. Den Allrad-ATS gibt es dagegen ausschließlich mit der Spaßbremse.

Vorbildliche Fahrdynamik

Galerie: Erster Test Cadillac ATSWährend sich der Caddy im Getriebe-Kapitel der tadellosen Achtgang-Automatik eines Dreier BMWs geschlagenen geben muss, steht er dem Münchner in puncto Fahrdynamik nicht viel nach. Die Erwartungen an einen Hecktriebler erfüllt der schicke Ami vollends und auch die Kraftübertragung an alle vier Räder steht dem ATS gut zu Gesicht.  Zusammen mit der quasi paritätischen Gewichtsverteilung lässt sich der weniger als 1,6 Tonnen schwere Caddy (der Allrad-Antrieb bringt 77 Kilogramm extra auf die Waage) in Kurven kaum aus der Ruhe bringen und bereitet dem Stabilitätsprogramm keine Arbeit. Noch mehr Präzision bei hohem Tempo brächte lediglich eine etwas ruhigere Lenkung. Trotz seiner sportlichen Auslegung bietet der ATS auch mit 18-Zoll-Rädern ausreichend Komfort, nur ganz feine Anregungen missfallen dem Fahrwerk, das diese mit leicht nervösem Zittern quittiert.

Der Verbrauch liegt mit Allrad und Automatik übrigens bei 8,4 Litern, das ist etwas mehr als die 2WD-Automatikversion, schluckt aber sogar etwas weniger als der Handschalter konsumiert. Bei unserer ersten Testfahrt erzielten wir allerdings einen Durchschnittswert von 13,6 Litern. Zum Vergleich: Ein etwas schwächerer 328i, der dem Caddy bei den Fahrleistungen aber in nichts nachsteht, nimmt sich im genormten europäischen Test nur 6,4 Liter und kommt auch in der Praxis nur selten in den zweistelligen Bereich.  

Lederähnliche Oberflächen

Während der ATS äußerlich ganz der bekannten Cadillac-Linie folgt und mit zahlreichen scharfen Kanten, hochkant stehenden Scheinwerfern und einem gepfeilten Spoiler auf dem Heckdeckel ein markanter Blickfang im Reigen rundgelutschter Mittelklässler ist, gibt er sich im Innenraum mit eher schlichtem Design unauffällig. Die Mittelkonsole mit großem Touchscreen und wenigen Tasten wirkt aufgeräumt, auch die Rundinstrumente und die Knöpfe am Lenkrad sind übersichtlich.

Galerie: Erster Test Cadillac ATSDie Bedienung ist allerdings nicht ganz optimal und die Sensor-Tasten für Klimaanlage und Lautstärke reagieren nicht sofort auf jede Berührung. Das Navigations- und Entertainmentsystem CUE wartet dafür mit einem Näherungssensor, der wichtige Funktionen erst einblendet, wenn sich die Bedienerhand nähert, und verschiedenen Gesten zur Steuerung, etwa zum Zoomen der Landkarte, auf.

Je nach Ausstattung nehmen die Passagiere auf Sitzen mit Lederimitaten oder echten Tierhäuten Platz, auch das Armaturenbrett ist mit etwas lederähnlichem bezogen und die Mittelkonsole glänzt in Klavierlack-Optik. Das sieht sehr edel aus, erweist sich aber beim genauen Befühlen als nicht so hochwertig, wie der erste Anschein vermuten lässt; trotzdem schafft es eine heimelige Atmosphäre.

Kuschelig

Galerie: Erster Test Cadillac ATSDen Kuschelfaktor unterstreicht auch das geringe Platzangebot. Sowohl vorne als auch hinten ist der ATS recht eng geschnitten. Zwar finden auch langbeinige Fahrer eine gute Sitzposition, zur Seite ist aber nur wenig Platz und selbst kleingewachsenere Passagiere kommen im Fond mit dem Kopf der Decke nahe. Mit 381 Litern hat auch der verschachtelte Kofferraum nicht  gerade Gardemaß; immerhin lässt sich Rückbank geteilt umklappen.     

Wie es sich heutzutage ziemt, bietet Cadillac für den ATS eine Reihe von Fahrerassistenzsystemen an. Droht ein Auffahrunfall, blinkt die rote Leuchte des Kollisionswarners im mehrfarbigen Bordcomputer auf oder der Wagen bremst gleich selbsttätig ab; driftet der Fahrer dagegen von seiner Spur ab, mahnt ihn der ATS durch Vibrieren des Sitzes zur Konzentration. Neben den klassischen Parksensoren und einer Rückfahrkamera gibt es außerdem noch einen Ausparkassistenten, der den Bereich bis zu 30 Meter rund um das Heck überwacht, und warnt, wenn beim Rückwärtsfahren der Querverkehr oder Fußgänger im Weg sein könnten. Weniger Sicherheits- denn Komfortextras sind das farbige Head-up-Display, das alle relevanten Daten in die Windschutzscheibe projiziert, in seiner Gestaltung aber nicht an das quasi perfekte BMW-System heran kommt, und der Abstandstempomat.

Preislich auf BMW-Niveau

Galerie: Erster Test Cadillac ATSDie günstigste, unter anderem mit Tempomat, Audiosystem, 17-Zoll-Alurädern, abblendenden Spiegeln und Parksensoren hinten aber nicht schlecht bestückte Einstiegsversion Elegance gibt es ausschließlich mit Heckantrieb für 37.500 Euro, der Automatikaufschlag beträgt 2.080 Euro. Wer Allradantrieb möchte, muss mindestens 43.200 Euro investieren.

Extras gibt es bei Cadillac fast nur über die Ausstattungslinie, einzig zwei Fahrerassistenzpakete (820 oder 3.540 Euro), das Navigationssystem (ab 1.785 Euro) und ein Schiebedach (1.130 Euro) können gesondert dazu bestellt werden. Der Grundpreis klettert über insgesamt vier Ausstattungsstufen auf 50.970 Euro für den Premium-4WD-ATS mit Automatik. Ein BMW 328i ist ab 37.400 Euro zu haben, zahlreiche Sonderausstattungsoptionen treiben auch hier den Preis problemlos auf 50.000 Euro.  

 
Fazit

Michael Gebhardt

Fürchten brauchen sich die deutschen Premiumhersteller sicher nicht vor dem ATS. Dass der Ami ihnen den Rang abläuft, ist schon allein deswegen unwahrscheinlich, weil es ihn derzeit weder mit Diesel noch als Kombi gibt. Außerdem weist der Cadillac im Vergleich die eine oder andere Schwäche auf, wie etwa die bisweilen unharmonisch arbeitende Automatik, das mäßige Platzangebot oder die in ihrer Bedienbarkeit nicht optimalen Sensortasten.

Wer sich damit - und mit den nicht ganz handschmeichelnden Materialien im Innenraum - arrangieren kann, bekommt mit dem ATS eine sportliche Mittelklasse-Limousine, die vorbildliche Fahrdynamik und trotzdem ein ausgewogenes Komfortniveau bietet. Und wer darüber hinaus Wert darauf legt, aus der Masse herauszustechen, findet im ATS sicherlich den außergewöhnlichsten Vertreter dieses Segments. Sein kantiges Design sichert ihm Aufmerksamkeit und macht den ein oder anderen Makel vergessen. Nur: Die hohe Spritrechnung bezahlt auch die schmucke Optik nicht und man muss erst einmal einen der nur sechs Cadillac-Händler in Deutschland ausfindig machen.   
 
 

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.