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Galerie: Erster Test Cadillac BLS

Erster Test: Cadillac BLS

Das neue Amerika

06.03.2006

Die traditionsreiche US-Marke Cadillac hat sich vor wenigen Jahren neu erfunden. Das Amischlitten-Image wurde 2003 mit der technisch-elegant designten Oberklasselimousine CTS ad acta gelegt. Ein Jahr später folgten ein sportliches Klappdachcabrio und ein martialisches SUV, weitere zwölf Monate später eine Business-Limousine. Nun debütiert am 8. April die Mittelklasselimousine BLS, ein Wagen ausschließlich für den europäischen Markt. Wir sind ihn bereits gefahren.

Noch spielt Cadillac keine Rolle in Europa. Vergangenes Jahr wurden gerade einmal 2.145 Fahrzeuge über alle Modellreihen verkauft. Andererseits sind das so viele wie nie zuvor, Tendenz weiter steigend. Die tragende Rolle soll dabei der BLS spielen.

Galerie: Erster Test Cadillac BLSPositioniert ist er eindeutig als Premiumprodukt. Cadillac-Chef Jim Taylor scheut sich nicht, die Konkurrenten namentlich zu nennen: BMW 3er-Reihe, Audi A4 und Mercedes C-Klasse. Doch mit erwarteten 500 verkauften Fahrzeugen (in Deutschland) bis Ende des Jahres hätte er vor allem den Lexus IS und den Jaguar X-Type nennen müssen, die sich ebenfalls als exotische Alternativen zu den Platzhirschen sehen und auf potente Kunden mit dem Hang zum Außergewöhnlichen setzen. Er tat es nicht, denn mit Lexus und Jaguar wäre wiederum der Saab 9-3 ins Spiel gekommen - das schwedische Konkurrenzprodukt aus dem eigenen Konzern.

Technologietransfer

Galerie: Erster Test Cadillac BLSPikante Sache, da sich der BLS und der Saab 9-3 technisch recht ähnlich sind. Die Hinterachse etwa wurde nahezu komplett vom Schwedenbruder übernommen. Auch das Lenkrad könnte man, abgesehen vom Logo, hier aus- und da wieder einbauen. Und beide Fahrzeuge basieren auf der Opel-Vectra-Plattform.

Opel unterm Blech des Cadillac? Im Grunde schon, warum auch nicht. Konzerninterner Austausch ist heute üblich, so sind etwa im Jaguar X-Type Komponenten vom Ford Mondeo zu finden, im Chrysler 300C Teile von der Mercedes E-Klasse. Eine offenkundige Verwechslungsgefahr zwischen Vectra, 9-3 und BLS besteht ohnehin nicht. Die inzwischen bei allen Modellreihen angekommene und damit typische Designlinie kennzeichnet den BLS eindeutig als Cadillac: Kantig, technisch, kühl - mit dominantem Grill und großen, senkrecht stehenden Rückleuchten.

Galerie: Erster Test Cadillac BLSAuch das Interieur spiegelt das neue Auto-Amerika wieder. Sachlich und aufgeräumt, bieten Armaturentafel und Instrumente hohe Funktionalität. Kein Firlefanz, kein Klimbim lenken von der Hauptsache ab, dem Fahren. Zudem verwöhnt der Innenraum mit hochwertigen Materialien. Vor allem die Softtouch-Kunststoffoberflächen kommen gut. Auch bei den Zierelementen aus Holz und Aluminium wurde nicht gespart.

Vorne Wow, hinten mau

Von hoher Güte sind die üppig dimensionierten und bequem gepolsterten Frontsitze. Hinten geht es dagegen eng zu in der 4,68 Meter langen Limousine. Sitzen vorne Langgewachsene, bleibt für die Fondpassagiere nicht mehr viel Kniefreiheit übrig. Auch die Oberschenkelauflage der Rückbank ist etwas kurz geraten. Das Kofferraumvolumen beträgt durchschnittliche 425 Liter. Wer mehr transportieren muss, kann die Rückbank (geteilt) umklappen.

Galerie: Erster Test Cadillac BLSMotorenseitig stehen vier Turbo-Aggregate zur Auswahl, die ebenfalls aus dem Konzernregal bezogen werden: ein 1,9-Liter-Common-Rail-Diesel mit 150 PS und serienmäßigem Partikelfilter, ein 2,0-Liter-Benziner in den Leistungsstufen 175 PS und 210 PS und der neue 2,8-Liter-V6 mit 255 PS.

Der Top-Motor überzeugt auf breiter Front. Der V6 bietet seidenweichen Lauf, ist enorm drehfreudig und dank Turbo bereits in den unteren Drehzahlbereichen äußerst druckvoll. Seine 365 Newtonmeter stehen von 1.800 bis 4.500 Touren zur Verfügung. Die Overboostfunktion beschert unter Last noch einmal zehn Sekunden lang zusätzliche 15 Nm. Ergebnis: Der Wagen zieht unwiderstehlich ab. In Kurven allerdings sollte man vorsichtig mit dem Gaspedal sein, schließlich werden ausschließlich die Vorderräder angetrieben. Passieren kann nichts, doch ist es grundsätzlich unschön, wenn die Elektronik einschreitet und die Power drosselt.

Nur ein Fahrprogramm

Die Sechsgangautomatik arbeitet sanft, aber etwas nervös. Grund: Es gibt keine Programme wie „Sport“ oder „Komfort“, also musste man einen Kompromiss finden. Hier wurde zugunsten der Sportlichkeit entschieden, passend zum erstaunlich straff abgestimmten Fahrwerk. Nur schwer in diese Logik passt dagegen die gemütliche, nicht sonderlich direkte Lenkung.

Galerie: Erster Test Cadillac BLSPreislich startet Cadillac ebenfalls „premium“ in die Mittelklasse. Die gut ausgestatteten BLS-Modelle kosten ausstattungsbereinigt gerade einmal gut zehn Prozent weniger als die deutschen Konkurrenten. Los geht es mit 27.590 Euro für den Benziner mit 175 PS in der Basisausstattungslinie (inkl. u.a. elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Lederlenkrad, Bordcomputer, Audiosystem mit sieben Lautsprechern, Aluminiumräder); der Diesel ist ab 28.450 Euro zu haben. Für den 210-PS-Benziner muss man mindestens 32.390 Euro in die Hand nehmen, für den Sechszylinder 35.590 Euro. Zum Vergleich: Saab verlangt für den 9-3 mit eben jenem Motor 36.450 Euro, Audi für den A4 3.2 FSI (255 PS) 36.900 Euro, BMW für den 330i (258 PS) 36.600 Euro.

 
Fazit
 

Bernhard Santer

Schickes Ding, der neue Cadillac BLS. Unter der kühlen, eleganten Karosserie findet sich viel bewährte Technik aus dem GM-Konzern, allen voran ein feiner wie kräftiger Sechszylinder im Topmodell. Geringe Windgeräusche, angenehme Materialien und eine gute Serienausstattung vermitteln Luxus-Feeling. Das straffe, Sportlichkeit suggerierende Fahrwerk passt dagegen nicht besonders zum Caddy. Hier wurde zu viel für den gewünschten Imagewandel getan.

Eingefleischte Kunden süddeutscher Hersteller wird der BLS kaum zum Wechsel bewegen. Der Neue aus Amerika kann zwar alles gut, aber nichts wirklich besser als Audi, BMW oder Mercedes. Bemerkenswert günstig ist der Cadillac auch nicht. Konsequente Individualisten dürfte der BLS dagegen sehr wohl ansprechen, auch den einen oder anderen Opel-„Aufsteiger“ vor dem Wechsel zu einer Marke eines anderen Konzerns abhalten.
 

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