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Galerie: Erster Test Cadillac CTS

Erster Test: Cadillac CTS

Das Gesicht in der Menge

31.10.2007

Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse fährt ja jeder. Für echte Individualisten gibt es aber Alternativen. Diese kommen meist aus Schweden, England und Japan. Und ab Dezember sogar aus den USA. Der komplett neue Cadillac CTS bringt nicht nur mit seinem markanten Design Schwung in die obere Mittelklasse.

Die Modellreihe CTS der amerikanischen Nobel- und Traditionsmarke Cadillac gibt es bereits seit 2002. Jetzt, fünf Jahre nach Markteinführung, bringen die Detroiter eine komplett neue Generation nach Europa. Sein Äußeres polarisiert. Entweder, oder! Ein vielleicht gibt es nicht. Für den ersten Fahreindruck stand der neue, 311 PS starke 3,6-Liter-V6 mit moderner Benzindirekteinspritzung und Vollausstattung zur Verfügung.

Design einmal wörtlich genommen

Heutzutage hat angeblich jedes Auto ein außergewöhnliches Design – zumindest wenn es nach den Pressemappen und Marketing-Strategen geht. Da werden Styling-Wortkreationen geboren, die alles oder nichts bedeuten können. Ohne die Fantasie des Betrachters lassen sich viele dieser Begriffe nicht einordnen. Auf den neuen Cadillac CTS passt die Klassifizierung eines Design-Objektes in jedem Fall. Er ist ein Charakterkopf in der Menge mit extrem hohem Wiedererkennungswert. Wenn man denn einmal weiß, um welches Automobil es sich überhaupt handelt, denn Cadillac ist auf deutschen Straßen bislang sehr spärlich vertreten. Das soll sich aber nun ändern.

Galerie: Erster Test Cadillac CTSDie Voraussetzungen dafür sind bestens. Die Formen des CTS sind auf 4,86 Metern Außenlänge kantig und eben nicht lieblich geschwungen, wie heutzutage viel zu oft praktiziert. Der CTS ist dynamisch aggressiv aber auch edel und vor allem sehr ungewöhnlich. Eine angenehme Abwechslung, die auf übliche Blickfänge wie ausgestellte Radhäuser oder Plaketten-Kühlergrill keinen Wert legt. Er ist anders und das ist toll. Und mutig.

Einen hohen Wiedererkennungswert garantiert auch die CTS-Nachtanmutung: LED-Technik in Frontscheinwerfer und Heckleuchten geben eine unverkennbar exklusive Note. Die aus echtem Stahl gefertigten, verchromten Luftauslässe an den vorderen Kotflügeln und die stets 18 Zoll großen Aluminiumräder unterstreichen die sportliche Exklusivität.

Reinsetzen und Wohlfühlen

Aufgrund seiner stattlichen Außenabmessungen, die ziemlich exakt auf E-Klasse Niveau liegen (Radstand beim CTS 2,88 Meter, drei Zentimeter mehr als E-Klasse) gibt es beim Einsteigen jedoch eine herbe Enttäuschung. Eng ist es. Und zwar vorne wie hinten. Sitzriesen werden im Fond mit der Kopffreiheit hadern, vorne stört der breite Mitteltunnel. Und der Rundum-Blick kann bestenfalls als befriedigend durchgehen.  

Galerie: Erster Test Cadillac CTSDie angenehm straffen Ledersitze bieten standesgemäßen Langestreckenkomfort. Die Lordosenstütze drückt auf Wunsch angenehm in die Lenden, die vorderen Sitzflächen kompensieren ihre Kürze mit einer vielfach elektrischen Einstellung. Am ebenfalls elektrisch einstellbaren Lenkrad findet somit fast jeder eine vernünftige Fahrposition. Im 1.990 Euro teuren „convinience package“ ist unter anderem die sehr effiziente Sitzbelüftung enthalten. Der Seitenhalt in flotten Kurven dürfte allerdings im wörtlichen Sinne umfassender sein.

Auch im sportlich arrangierten Interieur mit Carbon- und Aluminiumimitaten finden sich die scharfen Linien der Karosserie wieder. Am auffälligsten ist der vertikale Knick, der die Mittelkonsole in zwei Hälften „trennt“. Trotz der Vielzahl an griffgünstig platzierten Knöpfen findet man sich nach kurzer Eingewöhnung gut zurecht.

Galerie: Erster Test Cadillac CTSSehr nette Features besitzt das 2.990 Euro teure Entertainment-System mit Europa-Navigation und Bose 5.1 Surround Sound. So hat man ungewöhnlich viele Möglichkeiten, sich während der Fahrt mit allerlei Musik und hochwertigem Klang verwöhnen zu lassen. Das Navigationssystem bezieht seine Straßendaten von einer insgesamt 40 Gigabyte großen Festplatte. Dort lassen sich auch sämtliche, ungeschützte Musik-Formate abspeichern. Auf Knopfdruck nimmt das System sogar auf. Ist beispielsweise im Radio gerade ein interessanter Beitrag, kann dieser jederzeit mitgeschnitten werden. Außerdem vorhanden: Ein USB-, iPod- und genereller MP3- Adapter, ein DVD-Spieler und ein analog TV-Tuner. Die Bedienung erfolgt sowohl mit fest belegten Drucktasten und üblichem Dreh-Drückknopf in der Mittelkonsole als auch via Touchscreen. Bei Nichtgebrauch fährt der acht Zoll Monitor auf Wunsch in eine Ruheposition. Schön gemacht.

Abstimmungssache

Den gefahrenen CTS 3.6 gibt es ausschließlich in der edelsten Ausstattungslinie Sport Luxury. Gekoppelt ist diese Version mit einem grundsätzlich und gerade für amerikanische Verhältnisse ordentlichem Fahrwerk. Kurven durcheilt der rund 1.800 Kilogramm schwere CTS mit einer Grundstraffheit, die sehr angenehm ist. Kleine Unebenheiten in der Fahrbahn werden zwar nur ansatzweise absorbiert größere Bodenwellen meistert der CTS dagegen deutlich souveräner.

Galerie: Erster Test Cadillac CTSIn engen Kurven schiebt der Hecktriebler leicht und sicher beherrschbar über die Vorderachse, das Hinterteil ist nur mit roher Gewalt zum Sidestep zu verleiten und dann wird es sanft von dem StabiliTrak genannten Anti-Schleuder-Programm eingefangen. Für 2.600 Euro Aufpreis gibt es den 3,6 Liter auch mit einem schnell ansprechenden Haldex-Allradantrieb und Active Torque Transfer (variable Drehmomentverteilung). Aber schon mit dem Hinterradantrieb gibt es selbst auf feuchter Fahrbahn selten Traktionsprobleme, die 235er Reifen verbeißen sich ordentlich mit dem Untergrund. Löblich, dass Cadillac nicht auf einen ultraflachen Sportquerschnitt setzt. Die Pneus der Dimension 235/50 R18 bieten noch eine gute Eigendämpfung und tragen somit zum insgesamt soliden und definierten Gesamtfahreindruck bei.

Die Lenkung arbeitet unamerikanisch präzise, wenn auch nicht so exakt wie die Systeme der deutschen Platzhirsche. Die Bremsen sprechen spontan an und lassen sich prima dosieren. Selbst an der Hinterachse besitzt der CTS innenbelüftete und groß dimensionierte Scheiben. Man merkt, dass dieser Wagen nicht nur für geschwindigkeitsbegrenzte Straßen erdacht und gemacht wurde.

Moderne Direkteinspritzung

Großvolumige Motoren sind zwar eine Domäne der Amerikaner, im Falle des CTS wird aber tiefgestapelt. Der V6-Basismotor holt aus 2,8 Liter Hubraum 211 PS. Die zur Markteinführung vorhandene zweite Motorisierung und derzeitiges Topaggregat, ist der von uns bewegte 3,6 Liter V6 mit moderner Direkteinspritzung. Die Vollaluminium-Maschine leistet 311 PS und spricht sehr spontan auf Gasbefehle an.

Galerie: Erster Test Cadillac CTSIn nur 6,3 Sekunden soll der Standardsprint erledigt sein. Diese Angabe fühlt sich nach den ersten Metern Fahrt plausibel an, der CTS stürmt gleichmäßig und sehr vibrationsarm von unten raus los. Begleitet wird der Vorwärtsdrang in den oberen Drehzahlregionen allerdings von einem recht krawalligem, unschön metallischem Klang.

Der große V6 bietet 374 Newtonmeter. Diese liegen jedoch erst bei Höhenödem fördernden 5.200 Umdrehungen an. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum die Sechsgang-Automatik etwas hektisch in den verschiedenen Stufen unterwegs ist. Hinzu kommt, dass die Gangwechsel bei voller Beschleunigung etwas sanfter von statten gehen dürften.

Galerie: Erster Test Cadillac CTSLaut Cadillac soll der Verbrauch bei 11,1 Liter Superbenzin liegen. Auf der Testrunde im spätsommerlich warmen Lissabon wies der Bordcomputer den CTS bei gemischter Fahrweise als echten Genießer aus. Zwischen zwölf und 16 Liter standen auf der Anzeige. Ein 2,9 Liter Dieselmotor mit 250 PS ist erst 2009 in Sicht. Etwas ungeschickt, denn bei diesen Verbrauchswerten stört zudem der kleine 68 Liter fassende Benzintank.

Umfangreiche Sicherheits- und Serienausstattung

Bi-Xenon-Kurvenlicht, sechs Airbags, schnell ansprechende und langlebige LED-Lichttechnik für Standlicht, Heck-Blinker, Rück- und Bremslicht, ABS, ASR und StabiliTrak sind stets an Bord. Ebenso die aktive Motorhaube. Diese hebt sich bei einer Kollision mit einem Fußgänger um einige Zentimeter an. Dadurch soll ein harter Aufschlag des Passanten auf die Motorhaube und den Motorblock verhindert werden.

Galerie: Erster Test Cadillac CTSDer 3.6 Sport Luxury - Einstandpreis mit Automatik liegt bei 46.490 Euro – ist ein rundum Glücklichmacher. Feines Leder, elektrische Sitze, 18 Zoll Alufelgen, „kleines“ Bose-Soundsystem (ohne Surround-Sound) und und und sind Standard. Als Extra sollte das Entertainment-Navissystem für 2.990 Euro und vielleicht noch das convinience-package mit Sitzbelüftung und schlüssellosem Zugangs- und Motorstartsystem für 1.990 Euro geordert werden. Macht zusammen etwa 50.000 Euro.

Fazit

Viel Geld? Ja und nein. Bei Audi oder Mercedes gibt es dafür nur einen A4 oder eine C-Klasse mit vergleichbarem Motor und ähnlich kompletter Ausstattung. Beide sind jedoch perfektionierter Mainstream ohne wahre Emotion und zudem außen eine Nummer kleiner. Aber eben nur außen.

Ein Bestseller wird der CTS sicher nicht, dafür ist er nicht geleckt genug. Er leistet sich, abgesehen vom Platzangebot, keine echten Schwächen. Der Cadillac soll eine Nische besetzen und eine Klientel befriedigen, die bislang nur eine kleine Auswahl hatte. Ein Volvo S80 ist schick und der Jaguar S-Type schön. Der Cadillac CTS ist extrovertiert charmant und nicht nur auf den ersten Blick ziemlich anders. Das ist ganz besonders schön schick.  

 
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