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Galerie: Erster Test Chevrolet Cruze Station Wagon

Erster Test: Chevrolet Cruze Station Wagon

Rundweg besser

16.07.2012

Die Cruze-Familie hat ein neues Mitglied: Nach Limousine und Steilheck wächst die derzeit erfolgreichste Chevrolet-Baureihe um eine schicke Kombiversion. Neben viel Platz bietet der SW genannte Stauraumspezialist noch zwei neue Turbomotoren, die sich durch gehobene Dynamik und Effizienz auszeichnen. Darüber hinaus startet in der frisch gelifteten Baureihe die neue Infotainment-Generation MyLink, die in cleverer Weise die Funktionen von Smartphones einbindet. Der Cruze ist attraktiver denn je.

Dafür sorgt unter anderem auch eine dezente optische Aufwertung. Während neue chromeingefasste Luftöffnungen in der Frontschürze dem durchaus gefälligen Gesicht eine maskulinere Note verleihen, sorgen ein neuer Kühlergrill, neue Scheinwerfer sowie neue Leichtmetallräder und Lacke für Frische – übrigens bei allen drei Cruze-Varianten.

Der fast 4,70 Meter lange Station Wagon ist dabei der Stattlichste der Cruze-Familie und auch der Ansehnlichste. Der Kombi versprüht mit seiner nach hinten leicht abfallenden Dachlinie, der Dachreling und dem angeschrägten Heck trotz seiner Nutzwert-Auslegung eine ansprechende dynamische Note.

Reichlich Platz für Gepäck

Galerie: Erster Test Chevrolet Cruze Station WagonKombikunden geht es aber meist mehr um innere Werte und auch die sind respektabel: Immerhin können auf der Rückbank entspannt auch größere Erwachsene mitreisen oder lässt sich alternativ dank der zweigeteilt umlegbaren Lehne der immerhin 500 Liter fassende Kofferraum auf fast 1.500 Liter erweitern. Das schick ausgekleidete Gepäckabteil ist damit so schluckfreudig wie das des Golf Variant, eine umlegbare Beifahrerlehne kann man allerdings nicht bestellen.

Zusätzliche Staufächer unterm Kofferraumboden, an den Seiten und in einem etwas fummelig herausnehmbaren Fach zwischen Rückbanklehne und Rollokasten runden den positiven Eindruck ab. Besondere Arretierungs-Hilfen bietet der Station Wagon allerdings keine. Pfiffige Lösungen wie das FlexOrganizer-Paket oder eine Fernentriegelung der Rückbanklehne wie beim Opel Astra Sports Tourer sucht man hier vergeblich.

Smarte Multimedia-Lösung

Weiter vorne im schick und modern gestalteten Cockpit findet sich hingegen eine Innovation, die bei der Konzernschwester Opel noch nicht im Einsatz ist: Das MyLink getaufte Multimedia-System mit großem Touchscreen, bei dem viele Funktionen aus dem anschließbaren Smartphone kommen. So verfügt MyLink selbst nicht über die technischen Voraussetzungen für die Navigations-Funktion, kann aber die Karte eines GPS-fähigen Telefons darstellen, welches dann die eigentlich Navigation übernimmt.

Galerie: Erster Test Chevrolet Cruze Station WagonIst ein solches Smartphone an das MyLink-System via Bluetooth oder USB angebunden, kann man außerdem gespeicherte Audio-, Video- und Bilddateien abspielen beziehungsweise darstellen. Sogar das Internet kommt so per Smartphone in den Cruze, über die MyLink-Oberfläche lässt sich sogar ein Webradio einbinden. Und eine Freisprecheinrichtung gibt es außerdem.

Verwunderlich ist allerdings die Aufpreispolitik: MyLink kann der Kunde nur für die Topausstattung LTZ ordern, bei der bereits ein Multimedia-Navigations-Alleskönner an Bord ist. Für 100 Euro Aufpreis kann man diesen durch das MyLink-System ersetzen, obwohl das Standard-Navi hinsichtlich der Hardware die eigentlich teurere Lösung sein dürfte und man bei MyLink grundsätzlich von der Funktionalität eines Smartphones abhängig ist. Insofern unser Tipp: Wenn schon die Top-Ausstattung, dann besser mit dem klassischen Navi, auch wenn die Smartphone-Connectivität verlockend ist.

Neuer Downsizing-Benziner

Galerie: Erster Test Chevrolet Cruze Station WagonMehr überzeugen konnten uns die beiden neuen Downsizing-Turbomotoren, die bereits seit einiger Zeit in Opel-Modellen wie dem Astra zum Einsatz kommen. Hier gibt es einerseits den 1,4-Liter-Benziner mit 140 PS sowie einen 1,7-Liter-Diesel mit 130 PS. Der Downsizing-Benziner ist in jedem Fall der geschmeidigere und zudem kräftigere Antrieb, der gekoppelt an ein manuelles Sechs-Gang-Getriebe den 1,4 Tonnen schweren Fronttriebler in 9,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 schiebt und bis zu 201 km/h schnell macht.

Dabei hängt der Motor gut am Gas und sorgt mit seinen 200 Newtonmeter Drehmoment für satten Durchzug. Statt der 5,7 Liter Normverbrauch zeigte am Ende unserer Testfahrt der Bordcomputer noch angemessene 7,4 Liter an. Im Vergleich zum weiterhin verfügbaren 1,8-Liter-Benziner mit 141 PS ist diese neue Alternative ein deutlicher Fortschritt, denn der kleine Turbomotor sorgt bei spürbar besserem Durchzug für weniger Verbrauch und verrichtet zudem seine Arbeit geräuschärmer. Die rund 1.500 Euro Aufpreis im Vergleich zum 1.8er sollte man von daher verschmerzen können.

Kleiner, strammer Diesel

Zum weiterhin verfügbaren 2,0-Liter-Diesel mit 163 PS ist der neue 1,7er mit 130 PS sogar preislich eine Alternative. Da die beiden Diesel jeweils an bestimmte Ausstattungen gekoppelt sind, ist der Einstiegspreis für den neuen kleinen Selbstzünder um 2.000 Euro niedriger, wobei ausstattungsbereinigt der Preisvorteil auf einige hundert Euro zusammenschrumpft. Mit 10,4 Sekunden für den Standardsprint und 203 km/h Höchstgeschwindigkeit ist der Cruze SW 1.7 TD nur etwas langsamer als der mit dem Zwei-Liter-Aggregat.

Beim Verbrauch lassen sich zudem ein paar Zehntel Liter mit dem neuen Diesel einsparen. Aus den 4,5 Litern wurden in der Praxis gut zwei Liter mehr. Etwas nachteilig ist beim 1.7er das ausgeprägtere Turboloch, denn die maximal 300 Newtonmeter liegen erst bei 2.000 Touren an. Danach hängt er angenehm stramm am Gas und beschleunigt ziemlich souverän bis zur Höchstgeschwindigkeit.

Der Cruze Station Wagon ist übrigens nicht nur längsdynamisch auf Zack, auch in Kurven macht er eine gute Figur. Zwar handelt es sich nicht um einen Sambatänzer a la BMW 3er und ist der Chevy nicht so komfortabel unterwegs wie eine Mercedes C-Klasse. Doch unterm Strich schlägt sich der Kombi in allen Disziplinen absolut zufriedenstellend und ist das solide Setup ein guter Kompromiss für den anspruchslosen Alltagseinsatz.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Chevrolet Cruze SW LT+   Chevrolet Cruze SW LT+
Version / Ausstattung   1.4L Turbo   1.7 Turbodiesel
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   1.364 / R4-Turbobenziner   1.686 / R4-Turbdodiesel
Leistung (kW / PS)   103 / 140   96 / 130
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   200 / 1.850 - 4.900   300 / 2.000 - 2.500
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   manuelle Sechs-Gang-Schaltung   manuelle Sechs-Gang-Schaltung
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.675 / 1.797 / 1.521   4.675 / 1.797 / 1.521
Radstand (mm)   2.685   2.685
Wendekreis (m)   10,9   10,9
Leergewicht (kg)   1.405   1.475
Kofferraum (Liter)   500 - 1.478   500 - 1.478
Bereifung Testwagen   205/60 R 16   205/60 R 16
Verbrauch        
Krafstoffart   Benzin   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   5,7 (mit Start-Stopp)   4,5 (mit Start-Stopp)
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   134 / Euro 5   119 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   9,5   10,4
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   200   200
Preise        
ab (Euro)   21.945 Euro   23.090 Euro
Empfohlene Extras   Wer mehr Extras will, muss die nächsthöhere Ausstattung LTZ wählen, die 1.300 Euro Aufpreis kostet.   Wer mehr Extras will, muss die nächsthöhere Ausstattung LTZ wählen, die 1.300 Euro Aufpreis kostet.
 
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Weiterhin ein Preishammer

Galerie: Erster Test Chevrolet Cruze Station WagonSeine größte Stärke ist allerdings der Preis: Zwar bewegt sich der Cruze SW in Kombination mit den neuen Turbomotoren mit 22.000 beziehungsweise 23.000 Euro preislich in gehobenen Sphären. Aber Chevrolet bleibt seiner Kampfpreis-Philosophie weiterhin treu und bietet den Kombi in der ordentlichen Basisausstattung LS mit dem 124 PS starken 1,6er-Benziner ab 16.000 Euro an.

Da liegen selbst die traditionell günstigen Koreaner Kia und Hyundai mit ihren Mitbewebern i30 SW und Ceed SW einige hundert Euro darüber und sind zudem noch mit deutlich schwächeren Basisantrieben ausgestattet. Geizig ist Chevrolet allerdings bei der Garantieleistung, die auf drei Jahre beschränkt ist, während besagte Koreaner fünf beziehungsweise sieben Jahre gewähren.

 
Fazit

Mario Hommen

Viel Auto für wenig Geld war bislang die Devise für den Chevrolet Cruze. Ein Erfolgsrezept, wie sich in den vergangenen drei Jahren gezeigt hat. Diesen Erfolg sollte der Station Wagon noch ausbauen können, denn er bietet noch mehr Auto für weiterhin wenig Geld.

Das grundsolide Konzept des Chevrolet Cruze wird beim Kombi in überzeugender Weise fortgeführt. Der SW bietet alles, was ein moderner Kombi bieten sollte. Einige Feinheiten haben wir allerdings vermisst: So gibt es kein spezielles Gepäckarretierungs-System, keine umlegbare Beifahrerlehne und auch keine Fernentriegelung für die Rückbanklehne. Wer sich solche Extras wünscht, sollte zum technisch eng verwandten Opel Astra Sports Tourer greifen.

Richtig gut gefallen haben uns beim Cruze SW die beiden neuen Downsizing-Turbomotoren, wobei der 1,4er-Benziner die bessere Wahl ist: Er kostet weniger, bietet bessere Fahrleistungen, läuft geschmeidiger und verbraucht nur etwa einen Liter mehr Sprit auf 100 Kilometer als der 1,7er-Diesel.

Eine eigentlich tolle Lösung ist das neue Multimedia-System MyLink. Doch ist die Aufpreispolitik von Chevrolet unverständlich, denn das System ist ausschließlich für die Top-Ausstattung LTZ verfügbar und dann nur für 100 Euro Aufpreis im Tausch gegen das wertvollere Standard-Multimedia-Navisystem. Würde Chevrolet MyLink als günstige Option für alle Ausstattungsvarianten anbieten, wäre dies ein weiteres Verkaufsargument für Cruze.
 
 

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