Cabrio-Special 2011
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Galerie: Erster Test Chrysler Sebring Stahldach-Cabrio

Erster Test: Chrysler Sebring Stahldach-Cabrio

Bitte nicht noch eins

09.04.2008

Offensichtlich kommt kein Automobilhersteller drum herum, um die Stahldach-Manie der europäischen Cabriolet-Käufer. Doch Chrysler macht es ganz geschickt und bietet das neue Sebring Cabriolet nicht nur als derzeit angesagte Stahldach-Version an. Nein, das Stoffdach-Pendant gibt es gar günstiger.

Die Meisten haben einen dicken Hintern. Nein, nicht die Amerikaner, sondern die Stahldach-Cabrios. Kaum ein Derivat, das mit eleganten Proportionen entzücken kann. So stimmt auch das neue Sebring-Cabrio fröhlich in die Reigen der Dickärsche ein. Dabei fängt es von vorne so gut an.

Vorne hui, hinten…

Ausdrucksstarke Scheinwerfer, ein massiger Kühlergrill und feine Finnen auf der Motorhaube verleihen der Front maskuline Konturen und verströmen Moderne. In der Seitenansicht ziehen sich zwei scharfe Sicken sowie eine für Parkrempler hilfreiche Stoßleiste von vorne nach hinten durch. Am geschlossenen Karmann-Stahldach (die Stoffvariante wird auch in Osnabrück bei Karmann gefertigt) stören empfindliche Naturen lediglich die dicken, schwarzen Gummidichtungen. Am Stoffdach-Pendant stört dagegen nichts. Bis hierher zumindest.

Galerie: Erster Test Chrysler Sebring Stahldach-CabrioGanz hinten kann aber weder Stoff noch Stahl überzeugen. Beide Versionen eint ein und derselbe platte Kofferraumdeckel mit deplatzierter Antenne. Langweilig dreinschauende Rücklichter und ein häßliches Endrohr komplettieren das Ensemble. Die Klappe öffnet sich auf Knopfdruck elektrohydraulisch nach hinten und verschlingt das dreiteilige Stahldach (oder das mehrlagige Stoffdach) im Kofferraum. Warum Stahldach? Damit’s drinnen sicher, warm und ruhig ist. Das sollen die Vorteile sein, die den Mehrpreis von rund 2.600 Euro im Vergleich zu Stoffvariante rechtfertigen.

So richtig ruhig ist es aber auch im Stahldach-Modell nicht. An der C-Säule pfeift der Wind vernehmlich. Der zweite Wehrmutstropfen, den sich fast alle offenen Stahldach-Versionen teilen: Der Rahmen der Windschutzscheibe ist weit zurück versetzt. Cabrio-Feeling ade? Nicht ganz: Im Sebring – egal ob Stahl oder Stoff – flirtet der Wind mit dem Haupthaar und streichelt dieses bei Landstraßentempo versöhnlich.

V6-Benziner…

Galerie: Erster Test Chrysler Sebring Stahldach-CabrioNicht nur für Landstraßentempo eignet sich unser potent bestücktes Testexemplar. Ausschließlich mit Stahldach kombinierbar, leistet das 2,7-Liter-Sechszylinder-Aggregat 186 PS. Trotz V-Formation – das ist beim Sechsender nur die drittbeste Lösung (Boxer und Reihensechser sind ideal) – ist der Vierventiler laufruhig und sehr vibrationsarm. Wer sich im unteren Drittel des Drehzahlbereichs aufhält, wird den Motor nicht wahrnehmen. Sonor schnurrt er vor sich hin und verströmt Gelassenheit. Wer so unterwegs ist, kann auch problemlos mit gut neun Liter Benzin dahinrollen. Im Drittelmix sollen es 10,5 Liter sein.

Ist Eile gefragt, schaltet die Sechsgang-Automatik schnell zwei oder drei Stufen runter und beschleunigt den fast 1,9-Tonnen-Fünfmeter-Schlitten flott voran. Daraufhin erhebt der Motor seine Stimme zusehends und wird röchelnd laut, zudem sind Schaltrucke spürbar. Nicht unbedingt schön, aber auch nicht störend und wer Sebring fährt, geht es eh gelassen an. Das sollte auch auf die jährliche Kilometerlaufleistung zutreffen. Der V6 muss nämlich alle 12.000 Kilometer zum Ölwechsel. Ein Anachronismus aus längst vergessenen Zeiten.

… oder TDI an Bord

Galerie: Erster Test Chrysler Sebring Stahldach-CabrioKaum besser kann das der von Volkswagen beigesteuerte TDI, der als erster Diesel in einem Chrysler Cabriolet seinen Dienst verrichten darf. Hier wird der Ölwechsel alle 15.000 Kilometer fällig. Variabel sind diese Zahlen sowieso nicht.

Dafür prollt der Pumpe-Düse-Diesel mit 310 Newtonmeter Drehmoment ab 1.750 Umdrehungen und einem Minimalverbrauch von 5,6 Litern Dieselkraftstoff. Außerdem schiebt der lediglich mit Sechsgang-Handschalter und 140 PS gesegnete CRD (so die Dieselbezeichnung bei Chrysler) das Cabrio erstaunlich souverän an. Wer möchte, schafft 195 km/h – exakt den Wert, den der PS-stärkere Benziner auch erreicht. Beim Diesel ist das aber nur mit Stoffmütze machbar. Wer den Stahlhelm wählt, wird mit einer Mindergeschwindigkeit von zehn km/h bestraft. Warum? Das konnte bei Chrysler Deutschland niemand beantworten.

Samtweiches Fahrwerk

Galerie: Erster Test Chrysler Sebring Stahldach-CabrioRichtig schnell fahren möchte mit dem Sebring Cabrio ohnehin niemand. Schnelle Richtungswechsel oder kurvige Landsträßchen mag der Sebring nämlich nicht. Zu weich! Zu weich? Nein, genau richtig! Trotz 18-Zoll-Bereifung mit der seltenen Dimension 215/55 R18 erfreut er die Insassen mit meisterlichem Fahrkomfort. Kleine Unebenheiten sind kein Problem. Große Hubbel: Kein Thema. Alles wird rausgefiltert und den Insassen bleibt Vieles erspart. Das samtweiche Fahrwerk ist prädestiniert für entspanntes Autofahren.

Seinen Teil zum gemütlichen Gesamtcharakter trägt auch die recht verwindungsfreudige Karosserie bei. Ein latentes Zittern ist stets vorhanden und lässt Erinnerungen an alte amerikanische Straßenkreuzer aufkommen. Worüber man sich bei jedem Audi Cabrio tierisch ärgern würde, stört einen im Sebring nur peripher.

Wenig Platz für 5-Meter

Galerie: Erster Test Chrysler Sebring Stahldach-CabrioErfreulich müsste auch das Platzangebot ausfallen. Laut Chrysler „erscheint das Sebring Cabrio mit dem klassenbesten Platzangebot in Innenraum und Kofferraum…“. Logisch, kein anderer Hersteller hat in diesem Preissegment ein fast fünf Meter langes Cabriolet im Portfolio.

Und dennoch ist innen weniger Platz als die Außenlänge suggeriert. Vorne gut, hinten mäßig lautet das Urteil. Im Fond des Viersitzers gibt es subjektiv nicht viel mehr Raum als im BMW 1er Cabrio. Und das ist rund 60 Zentimeter kürzer. In den Kofferraum passt bei geschlossenem Verdeck das Urlaubsgepäck für zwei Personen. In geöffnetem Zustand schmilzt dagegen der Platz wie das Eis in der Sonne. 371 Liter sollen nach dem wenig aussagekräftigen SAE-Wert maximal reinpassen. Eine VDA-Angabe gibt es nicht. Diese könnte aber knapp mehr als 400 Liter lauten.

Kühles Ambiente

Galerie: Erster Test Chrysler Sebring Stahldach-CabrioMit wenig Schaltern, Aluminium-Look und klaren Linien erinnert das Sebring-Cockpit eher an die Konkurrenz aus Schweden, als an einen Ami – Cadillac verfolgt derzeit eine ähnliche Strategie. In der Topversion Sebring Cabrio Limited wird man beim Einsteigen von hellem Leder in grau oder beige begrüßt. Die Basis Touring trägt die besonders pflegeleichte Stoffverkleidung „Yes Essentials“. Eine passende Sitzposition gibt es hier wie dort auf breiten, wenig ausgeformten aber dennoch gemütlichen Sesseln.

Sieht man sich jedoch genauer an und fasst alles an, wird schnell klar, dass der Rotstift das Sagen hatte. Ganz mies: Die lose, vom Dachhimmel zum automatisch abblendenden Spiegel führende, Leitungshülle. Hier vermisst man in dieser Preisklasse eine Kunststoff-Abdeckung oder eine andere elegante Lösung. außerdem stören die labbrigen Sonnenblenden direkt vor der Stirn. Insgesamt verströmen die Materialien wenig Charme. Sie sehen eher robust und pflegeleicht aus – für ein Cabrio ein nicht unwichtiger Aspekt.

Die Ausstattung

Galerie: Erster Test Chrysler Sebring Stahldach-CabrioTypisch amerikanisch protzt das Sebring Cabriolet mit einer umfangreichen Serienausstattung. Im Limited sind eine Reifendruck-Anzeige, ein bassgewaltiges Soundsystem, ein elektrisch verstellbarer Fahrersitz, eine Klimaautomatik, die Ledersitze mit Heizfunktion, ein Tempomat, schicke 18-Zoll-Alufelgen und einiges mehr enthalten. Sicherheit versprechen vier Airbags, ESP und andere Helferlein. Einen aktiven Überrollschutz gibt es dagegen nicht. Eine Einparkhilfe ist nur als Zubehör erhältlich und Xenonlicht überhaupt nicht.

30.000 Euro markieren den Einstieg in die offene Sebring-Welt mit 140 PS Diesel und Stoffdach. Für 38.610 Euro gibt es den V6 mit Stahldach und sehr guter Ausstattung. Wer 1.670 Euro mehr investiert, erhält das Festplatten-Navigationssystem, das neben den Europadaten noch neun Gigabyte Musik abspeichern kann.

Einen geldwerten Vorteil erhält man sowieso. Sechs Jahre sorglos Garantie nennt Chrysler seine bis 100.000 Kilometer gültige Garantieverlängerung, die alle teuren Bauteile im Auto abdeckt. Ein Argument, das zieht.

Fazit

Galerie: Erster Test Chrysler Sebring Stahldach-CabrioDa hat man schon mal die Wahl zwischen Stahl und Stoff und kann dennoch nicht wählen. Den empfehlenswerten V6-Motor gibt es ausschließlich mit Stahldach. Wir finden aber, dass gerade die Stoffkapuze trotz mördergroßem Hintern einfach sexier aussieht.

Wer also Stoff möchte, muss zum sparsamen Diesel greifen. Der 140-PS-TDI ist aber für dieses Cabriolet keine echte Empfehlung. Zu laut, kein Sound, keine Automatik. American-Feeling, das was man von diesem Chrysler verlangt, stellt sich niemals ein. Dafür passt das Fahrwerk hervorragend zum Anspruch, den Menschen an das Sebring Cabrio stellen werden. Es ist weich und superkomfortabel.

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