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Galerie: Erster Test Citroën C4 Aircross

Erster Test: Citroën C4 Aircross

Altes Auto, neues Blech

19.04.2012

SUVs sind die Stärke der Franzosen nicht, und so holt sich Citroën auch für sein zweites Cross-Modell asiatische Schützenhilfe. Wie sein großer Bruder C-Crosser basiert auch der neue C4 Aircross auf einem Mitsubishi-Modell. Schade nur, dass der Japaner mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen ist.

Für den C-Crosser beziehungsweise dessen Peugeot-Schwestermodel 4007 griff der PSA-Konzern auf den Mitsubishi Outlander zurück. Allerdings starteten die Franzosen damit ihre SUV-Karriere eigentlich eine Nummer zu groß. Gefragter sind Kompakt-SUVs und ein solches legen sie nun nach: Citroën ab 2. Juni 2012 den C4 Aircross, Peugeot kurz darauf den 4008. Die aufsteigende Nomenklatur bei Peugeot deutet übrigens stark darauf hin, dass die Tage der großen Brüder bald gezählt sein könnten und auch Citroën schürt mit der Aussage, dass der C-Crosser die jüngsten Modellpflegemaßnahmen des Mitsubishi Outlanders nicht erfahren würde, das Gerücht um ein baldiges Ende.

Mit Panoramadach wird es eng

Galerie: Erster Test Citroën C4 AircrossBasis für den C4 Aircross ist der Mitsubishi ASX, der wiederum auf der Outlander-Plattform aufbaut. Mit 4,34 Meter ist der Neue gut einen halben Meter kürzer als der C-Crosser und gehört somit, wie Skoda Yeti, VW Tiguan oder Ford Kuga zum Kompaktsegment; das ist allerdings auch die einzige Gemeinsamkeit mit dem namensstiftenden C4. Die Raumökonomie ist dank 2,67 Meter Radstand ordentlich; störend ist die besonders hohe Sitzposition vorne und auf der Rückbank wird es oben eng, wenn man das 1,2 Quadratmeter große, leider nicht zu öffnende, Panoramadach geordert hat.  

Für eine Mitsubishi-Konstruktion ungewöhnlich ist das, wenn auch nur geringfügig, in der Länge verstellbare Lenkrad. Ebenfalls einstellbar ist die Lehnenneigung der asymmetrisch geteilten Rückbank, hinter der sich 417 Liter Stauraum verbergen. Das ist ausreichend und das Gepäckabteil lässt sich einfach beladen, ein modernes Laderaummanagement mit Schienen, Haken und Ösen sucht man aber vergebens, einzig ein Netz sichert das Gepäck.

In die Jahre gekommen

Galerie: Erster Test Citroën C4 AircrossGenerell fühlt man sich im C4 Aircross ein paar Jährchen zurückversetzt: kein Wunder, ist der ASX nun schon seit zwei Jahren auf dem Markt und hatten die Franzosen, zumindest im Innenraum, kaum Freiheiten bei der Gestaltung ihres Kooperations-SUV. So beschränken sich die Maßnahmen auf ein neues Lenkrad, schwarz-hochglänzendes Dekor und Chromapplikationen. Die altbackenen Instrumente, das komplexe Navigations- und Entertainmentsystem, die nur mäßig effektiv arbeitende Klimaanlage sowie die etwas angestaubt wirkende Plastiklandschaft kommen von Mitsubishi. Grobe Schnitzer in der Verarbeitung sind allerdings nicht auszumachen.

Äußerlich hatte Citroën-Designer Carlo Bonzanigo dagegen mehr Freiheiten. Er hat dem C4 Aircross ein modernes, schmuckes Blechkleid zurechtgeschneidert, dass die Verwandtschaft zum ASX gekonnt zu kaschieren vermag und fast schon ein wenig extravagant wirkt. Nur Dach und Türen mussten die Franzosen von der japanischen Karosserie übernehmen.

Ein Franzosen-Motor

Von den drei in Deutschland angebotenen Motoren stammen ebenfalls zwei von Mitsubishi: der 117 PS starke 1,6-Liter-Benziner sowie der große Diesel mit 150 PS. Der Vorzug ist allerdings eindeutig dem von Citroën beigesteuerten Triebwerk zu geben, dem bekannten 1,6 Liter großen Vierzylinder mit 115 PS namens HDi 115. Der hat zwar etwas weniger Leistung als sein großer Bruder, glänzt aber dank des schon bei 1.750 Touren anliegenden Drehmoments von 270 Newtonmeter mit deutlich besserem Durchzug.

Während man beim schwächeren Diesel allenfalls von einer Anfahrschwäche reden mag, weist der größere, mit 200 Newtonmeter Drehmoment ausstaffierte, ein ausgereiftes Turboloch auf und zeigt unterhalb von 2.000 Umdrehungen nur wenig Regung; verstärkt wird dies durch sein weiter gespreiztes Sechsgang-Getriebe. Zudem läuft der stärkere Selbstzünder unter Last deutlich rauer als sein kleinerer, feinerer Bruder, der schon bei knapp über 1.000 Touren vibrationsfrei arbeitet und kurz darauf mit der harmonischen Leistungsentfaltung einsetzt.

Gleich schnell, unterschiedlich sparsam

Galerie: Erster Test Citroën C4 AircrossBei den Sprintwerten gibt es übrigens keinen Unterschied, der Schwächere braucht mit 10,8 Sekunden für die Null-Einhundert-Disziplin, genauso lange wie der der 150-PS-Diesel; dafür ist er deutlich sparsamer. Den Verbrauch gibt Citroën mit mindestens 4,6 Litern an, der stärkere braucht 5,4 und der Benziner, als einziger mit nur fünf Gängen ausgerüstet, 5,9 Liter je 100 Kilometer; eine Stopp-Start-Automatik ist bei allen an Bord.

Alle drei Motorvarianten kommen standardmäßig als reine Fronttriebler, bei den Dieseln ist aber der mittleren von drei Ausstattungslinien der Allradantrieb, anders als eine Automatik, die es gar nicht gibt, für 2.000 Euro zubuchbar. Damit wird auch der runde Blindschalter auf dem Mitteltunnel durch einen Drehregler ersetzt, der dem Fahrer drei Modi mit teils irreführenden Namen zur Auswahl bietet.

Lock-Modus sperrt nicht

Im 2WD-Betrieb werden nur die Vorderräder angetrieben, auf 4WD gehen zwischen zwei und 30 Prozent an die Hinterachse. Der Lock-Modus hingegen sperrt nicht, wie man meinen könnte, das Kraftverhältnis, sondern erlaubt dem System lediglich, bis zu 70 Prozent nach hinten zu schicken; im Idealfall sind es aber auch in diesem Modus nur zwei Prozent der Kraft.

Wie bereits erwähnt, ist der Mitsubishi ASX kein neues Auto und das macht sich auch beim Fahrwerk des C4 Aircross bemerkbar. Zwar kommt die nicht übertrieben harte Abstimmung, die dem Federungskomfort mehr Priorität beimisst, als einer möglichst geringen Wankneigung, der Fahrzeuggattung per se entgegen, doch fehlt dem Franzosen der direkte Kontakt zur Straße. Auch das leichtgängige Volant dürfte dem Fahrer mehr Rückmeldung und damit in Kurven mehr Lenkpräzision geben.  

Keine günstige Kooperation

Galerie: Erster Test Citroën C4 AircrossWer meint, die Kooperationslösung mit Mitsubishi ermögliche Citroën den C4 Aircross besonders günstig anzubieten, der täuscht. Mit mindestens 23.690 Euro kostet der Benziner fast 5.000 Euro mehr als der Japaner. Der empfehlenswerte Diesel kommt als Fronttriebler auf einen Grundpreis von 25.990 Euro. An Bord sind dann eine Klimaanlage, ein CD-Radio, elektrisch einstellbare Außenspiegel und elektrische Fensterheber. Die einzigen Optionen sind dann Metallic-Lack und ein Notrad anstelle des Reifenreparaturkits.

Wer das Panoramadach, eine Einparkhilfe, Lederposter, Sitzheizung, das Navigationssystem oder – beim Diesel – den Allradantrieb ordern will, muss mindestens zur Ausstattungslinie Tendance greifen (HDi 115 ab 27.790 Euro). Der Serienumfang wird dann um einen Tempomat, Licht- und Regensensor, 16-Zoll-Aluminiumräder, LED-Tagfahrlicht, Klimaautomatik, USB- und Aux-Anschluss und eine Bluetooth-Schnittstelle erweitert.  

 
Fazit

Michael Gebhardt

Mit dem C4 Aircross besetzt Citroën, wenn auch etwas spät, das richtige Segment: Die Zulassungszahlen bei den Kompakt-SUVs gehen nach oben und dieser Trend dürfte auch noch eine Weile anhalten. Das schicke, extravagante Blechkleid des Franzosen bringt zudem frischen Wind in das Segment und auf die Straße.

Leider ist die Basis für den C4 Aircross nicht mehr ganz so frisch; die angestaubte Plastiklandschaft im Innenraum will nicht so recht zur Karosserie passen und auch das wenig direkte Fahrwerk ist im Vergleich zu neueren Vertretern dieser Fahrzeuggattung eine Generation hinterher.

Kompensieren könnte Citroën dieses Manko mit einem Preisvorteil, den sucht man allerdings vergebens. Der Franzose ist sogar ein deutliches Stück teurer als der Mitsubishi. Auf die Verkaufszahlen dürfte das allerdings nur wenig Einfluss haben: Für das Jahr 2012 bekommt Deutschland gerade mal 2.500 Fahrzeuge geliefert, im kommenden Jahr 5.000; die dürfte Citroën locker unters Volk bringen.    
 
 

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