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Galerie: Erster Test Citroën DS5

Erster Test: Citroën DS5

Wer schön sein will...

28.10.2011

Citroën meint es ernst mit seiner Luxus-Sparte. Nach DS3, DS3 Racing und DS4 kommt im Februar 2012 ein weiterer Nobel-Ableger auf den Markt. Anders als bei Nummer 3 und 4 steht der DS5 aber nicht in direktem Zusammenhang mit dem C5. Und anders als üblich, nimmt Citroën manchen Nachteil in Kauf – zum Wohle der Schönheit.

Anders als es der Name vermuten lässt, basiert der DS5 nicht auf Citroëns Mittelklasse-Modell C5, sondern auf der Plattform 2, die für den C4, DS4 und C4 Picasso genutzt wird und auch beim Schwester-Konzern Peugeot unter anderem bei 308 und 3008 zum Einsatz kommt. Für den DS5 allerdings hat man die Variante mit langem Radstand gewählt (2,73 Meter) und außerdem die Spur im Vergleich zum C4 verbreitert.

Optisch hat der DS5 ohnehin wenig mit dem C5 gemeinsam – wie auch mit jedem anderen Auto. Citroën scheint nach vielen Jahren langweiliger Fahrzeuge wieder Mut zur Avantgarde zu fassen und schneiderte dem DS5 ein recht extravagantes Blechkleid zurecht, dass allerdings die Einordnung in eine Fahrzeug-Kategorie schwer macht.

Irgendwie und doch nicht

Galerie: Erster Test Citroën DS5Fließheck-Limousine, höher gelegtes Coupé, Designer-Kombi, Pseudo-Van? Alles passt irgendwie und doch nicht. Aber egal, wie man den DS5 ruft: Eine erfreulich auffällige Erscheinung im automobilen Alltagsgrau ist er auf jeden Fall. Und ob man die zahlreichen Bügelfalten im Blech und den üppigen Chromzierrat auch in ein paar Jahren noch schick findet, sei für den Moment vergessen.

Edel geht es auch im Inneren des mit nur 4,53 Metern gar nicht mal so langen Franzosen zu, und trotz der kompakten Abmessungen bietet auch der Fond guten Komfort. Die schweren Sessel sind auf Wunsch mit dem Leder bayerischer Stiere bezogen und laden zum Wohlfühlen ein, das neue Instrumentenbrett hinterlässt einen schicken wie praktischen Eindruck und die Mittelkonsole wirkt aufgeräumt; nicht zuletzt, weil jetzt auch Citroën einen Dreh-Drück-Knubbel zur Bedienung des Navigations- und Unterhaltungssystems hat.

Edel-Cockpit mit Billig-Uhr

Galerie: Erster Test Citroën DS5Der schicken Optik gerecht wird auch die Verarbeitung, alles passt, nichts scheppert. Und die verwendeten Materialien können dem Nobel-Anspruch Rechnung tragen, wenngleich das riesige Armaturenbrett mit Leder bezogen sicher noch edler wäre als mit der gummiartigen Soft-Touch-Oberfläche. Ein Kritikpunkt aber ist die Uhr: Da verbauen die Franzosen schon eine große, hübsche Analog-Uhr, und dann ist sie zum einen so schräg platziert, dass man sie kaum lesen kann und zum anderen mit einer einfachen Plastikscheibe abgedeckt. Das sieht billig aus und spiegelt dazu noch. Dabei gäbe gerade so ein Detail dem DS5 den letzten Schliff.

Dafür wartet der DS5 mit anderen, praktischen wie überraschenden Lösungen auf. Statt eines durchgängigen Panoramadachs bietet Citroën drei einzelne Scheiben für das Dach an, je eine über Fahrer und Beifahrer und eine große im Fond. Dazwischen ist – wie im Flugzeug - eine Kommandozentrale mit zahlreichen Schaltern, unter anderem für die Sonnenrollos, angebracht. Dazu gibt es zwei Über-Kopf-Staufächer, in denen zwar nicht die Sauerstoffmasken, aber immerhin ein wenig Kleinzeug Patz findet.

Ladekante für die Optik

Galerie: Erster Test Citroën DS5Für weiteren Kram stehen allerdings nur wenige Ablagen parat, vor allem – außer in den Türen – keine offenen Fächer, wo man schnell mal das Telefon oder den Geldbeutel verstauen kann. Einzig unter der Mittelarmlehne, wo auch der USB-Anschluss versteckt ist – gibt es ein wenig Stauraum. Und im Fond bleiben nur die Cupholder der Armlehne – vorausgesetzt der Mittelsitz ist nicht belegt.

Mit 460 Litern ist immerhin der Kofferraum ausreichend groß, wenngleich eine hohe Ladekante das bepacken etwas erschwert. Das ist den Ingenieuren durchaus bewusst, erfreulich selbstbewusst erklärt man aber, dass es so nun mal schicker aussähe. Und um der Optik Willen haben sie noch weitere Kunstgriffe angewandt, etwa die kleinen, schwarzen Plastikstreifen an den hinteren Radkästen. Die dienen nicht etwa der Aerodynamik, sondern verbreitern faktisch unsichtbar die Karosserie – so dürfen die Räder weiter nach außen rutschen und bescheren dem DS5 einen breiteren, satteren Stand.

Zahlreiche Tricks

Galerie: Erster Test Citroën DS5Wenn wir schon beim Thema Tricks sind: Wer denkt, das etwas eigenartige Head-Up-Display, dass mit der ausklappende Scheibe ein wenig nach Nachrüstlösung aussieht, würde aus Kostengründen verbaut, der irrt. Im Gegenteil: Diese wenig elegante Lösung ist sogar teurer als die direkte Projektion in die Scheibe, nicht zuletzt weil es einen extra Motor zum Ein- und Ausklappen braucht. Da die Windschutzscheibe beim DS5 – wie auch beim Peugeot 3008 etwa – dermaßen schräg steht und gewölbt ist, blieb nur dieser Weg; die Projektion auf die Fensterscheibe wäre zu verzerrt und schlecht zu lesen.

Weit weniger kreativ waren die Techniker bei der Gestaltung der Motorenpalette, alle Aggregate sind bekannt. Da nützt es auch nicht, dass Citroën nicht müde wird, den im DS5 angebotenen 200 PS Diesel-Hybrid zu erwähnen: Den gibt es in gleicher Ausführung bereits bei Peugeot. Und ob der erhoffte Verkaufsanteil von 15 Prozent für den Hybrid Wirklichkeit wird, bleibt fraglich. Auch wenn er auf dem Papier mit einem vorbildlichen Verbrauchswert von 3,8 Litern glänzt, sind mindestens 44.240 Euro doch eine ordentliche Hürde.

Empfehlung: Top-Diesel

Galerie: Erster Test Citroën DS5Zumal die konventionellen Selbstzünder, für die sich wohl rund zwei Drittel der Käufer entscheiden werden, mit 4,4 beziehungsweise rund fünf Litern Diesel auf 100 Kilometer auch keine Säufer sind. Basismotor ist der 112 PS starke eHDi 110 (29.350 Euro) mit Stopp-Start-Automatik, der allerdings – wie auch der Hybrid – auf Gedeih und Verderb an das automatisierte Schaltgetriebe ESG6 gekoppelt ist.

Deutlich angenehmer, nicht nur weil stärker, ist das zweite Triebwerk, der laufruhige HDi 165 (31.090 Euro), der übrigens auch die Basis für den Hybridantrieb bildet und wahlweise mit Sechs-Gang-Schaltung oder einem wohlgemerkt gut einen Liter Sprit fressenden Automatik-Getriebe (1.500 Euro) vorfährt. Neben den 163 PS sorgen 340 Newtonmeter für reichlich Durchzug und Fahrspaß – und das 5.000 Euro günstiger als der Hybrid. Wichtiger Punkt: Alleine darf der Diesel 1,5 Tonnen an den Haken nehmen, mit dem zusätzlichen E-Antrieb aber nur 800 Kilogramm.

Schluckfreudige Automatik

Galerie: Erster Test Citroën DS5Neben den Selbstzündern hat Citroën noch zwei Benziner im Angebot; den mit BMW gemeinsam entwickelten 1,6-Liter-Vier-Zylinder-Turbo in zwei Leistungsstufen. Der schwächere kommt auf 156 PS (29.700 Euro) und fährt immer mit einer Sechs-Gang-Automatik vom Band, der stärkere mit 200 PS (33.680 Euro) hingegen ist ausschließlich als Handschalter verfügbar. Das verschafft ihm einen gehörigen Verbrauchsvorteil: Mit 6,7 Litern ist der Potentere gut einen halben Liter sparsamer als sein kleiner Bruder.

Da der DS5 wie erwähnt nicht auf dem C5 aufbaut, bleibt ihm auch das dort eingesetzte hydropneumatische Fahrwerk verwehrt, das für ein sanftes, fast schon schwebendes Fahrgefühl sorgt. Im DS5 weht ein deutlich strafferer Wind. Dass befähigt den Citroën zwar zur flotten Gangart, doch leidet der Komfort etwas unter den im Inneren gut spürbaren Querfugen und Unebenheiten im Asphalt; die Zeit der schwammigen Franzosen-Kutschen scheint endgültig vorbei zu sein.

Licht aus

Galerie: Erster Test Citroën DS5Auf ein adaptives Fahrwerk hat Citroën verzichtet. Braucht es auch nicht, dafür ist die Abstimmung bei aller Härte gut genug und für alle Lebenslagen beziehungsweise Fahrsituationen passend. Eine andere Spielerei ist dagegen – zwar nicht neu – aber recht praktisch: die Black-Panel-Funktion. Damit lässt sich nachts per Tastendruck die Beleuchtung der Anzeigen ausschalten, damit man nicht geblendet wird; nur der Tacho bleibt immer illuminiert, Sicherheits- und Warnhinweise, wie etwas Kraftstoffreserve, werden bei Bedarf eingeschaltet.

Ansonsten sind die mittlerweile klassenüblichen Helferlein an Bord: ein Spurhalteassistent, eine elektrische Parkbremse, schlüsselloser Zugang, Schaltpunktanzeige, Fernlichtassistent, Kurven- und Abbiegelicht sowie eine Rückfahrkamera. Letztere ist auch nötig, denn der DS5 ist alles andere als übersichtlich; leider auch in Fahrtrichtung. Die zweigeteilte A-Säule reicht soweit nach vorne, dass sie in Kurven oft den Blick auf die Straße versperrt.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Citroën DS5   Citroën DS5
Motor / Ausstattung   e-Hdi 110 / Chic   Hdi 165 / SoChic
Motor        
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   1.560 / R4-Turbo   1.968 / R4-Turbo
Leistung (kW (PS) / U/min)   82 (112) / 3.600   120 (163) / 3.750
Drehmoment (Nm / U/min)   270 / 1.750   340 / 2.000
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   ESG6   6-Gang-Schaltgetriebe
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.530 / 1.871 / 1.505   4.530 / 1.871 / 1.505
Radstand (mm)   2.727   2.727
Wendekreis (m)   k. A.   k. A.
Leergewicht  (kg)   1745   1745
Kofferraum (Liter)   460   460
Serienbereifung   215/60 R16   235/45 R18
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   4,4   4,9
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   114 / Euro5   129 / Euro5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k. A.   k. A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   k. A.   k. A.
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   191   215
Preise        
ab (Euro)   29.350,00   33.790,00
Ausgewählte Extras (Euro)   Denon-Hifi-System (500), Bluetooth-Freisprecheinrichtung (290), Parkpaket (Parksensoren, elektrisch anklappbare Außenspiegel 690)   Denon-Hifi-System (500), Parksensoren (390), Bi-Xenon-Scheinwerfer (1.190)
 
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Fazit

Endlich beweist Citroën wieder Mut zur Extravaganz. Alle DS-Modelle sind eine erfreuliche Abwechslung zur sonst inzwischen eher einheitlich-langweiligen Citroën-Optik und der DS5 toppt dies durch seine avantgardistisches Blechkleid – und durch einen, weitestgehend, edlen Innenraum.

Da nimmt man gern in Kauf, dass die schicke Linienführung so manchen Nachteil, wie die hohe Ladekante oder die schlechte Übersicht, mit sich bringt. Wer schön sein will, muss eben leiden.  

 
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