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Galerie: Erster Test Citroën Grand C4 Picasso

Erster Test: Citroën Grand C4 Picasso

Französisches Familienglück

02.10.2013

Familienautos müssen vor allem eins sein, nämlich geräumig, und Platz schafft man am besten mit einer sehr simplen Form: der eines Kastens. Schräge Linien schränken nur unnötig ein. Dass aber auch ein Kasten nicht als langweiliger Klotz daherkommen muss, sondern auch ein futuristisches Raumschiff sein kann, hat Citroën unlängst mit dem neuen C4 Picasso bewiesen. Jetzt gibt es den Familien-Franzosen auch als siebensitzige Grand-Version.

Die Geschichte ist im Grunde schnell erzählt: Citroën hat den C4 Picasso um 16 Zentimeter verlängert und zwei weitere Sitze in den Kofferraum gepackt, die – manuell und ein bisschen fummelig, trotzdem aber sehr simpel – aufgeklappt werden können und bei Bedarf wieder bündig im Fahrzeugboden verschwinden. Fertig ist der Grand C4 Picasso.

Optische Einbußen

Galerie: Erster Test Citroën Grand C4 PicassoDas ging allerdings nicht ohne optische Einbußen, die der wie sein Vorgänger 4,59 Meter lange Groß-Picasso gegenüber dem Fünfsitzer hinnehmen musste.  Zwar spendierten ihm die Techniker auch einen etwas längeren Radstand (2,84 Meter), der neben dem zumindest in der zweiten Reihe großzügigen Platzangebot einen nicht allzu üppigen hinteren Überhang zur Folge hat; das es auch anders geht, beweist der Fiat 500 L Living, dessen Abteil für Passagiere fünf und sechs wie ein Rucksack angehängt wirkt. Doch haben die Citroën-Designer bei der Stretch-Version auf die schräg abfallende Dachlinie verzichtet und stattdessen ein weitgehend konventionelles, steiles Heck gewählt, das etwas weniger Avantgarde versprüht. Positiver Nebeneffekt: Die Fond-Passagiere haben mehr Kopffreiheit als im Kurzen.

Geblieben ist dem Picasso die futuristische Front mit breitem Kühlergrill, schmalen LED-Tagfahrlichtern und Leuchten-Quadern darunter, die schon den Fünfsitzer zum Hingucker im Straßenverkehr macht; ein deutliches Statement gegen den Einheitsbrei von Touran, Sharan und Co. und damit auch ein Stück Widerstand gegen das Wolfsburger Gleichschaltungsbestreben. Auch der durchdachte Innenraum, mit zahlreichen Fächern und Ablagen, die Stauraum für dies und das bieten, hat den Sprung in die Groß-Version geschafft.

Neuer Diesel mit Turboloch

Galerie: Erster Test Citroën Grand C4 PicassoZusammen mit dem Grand C4 Picasso bringt Citroën seinen ersten die Euro-6-Abgasnorm erfüllenden Diesel auf den Markt, genannt Blue-HDI. Das 150 PS starke Aggregat wartet mit 370 Newtonmetern auf, die allerdings recht spät, erst bei 2.000 Umdrehungen, anliegen und damit ein spürbares Turboloch in der Beschleunigung hinterlassen. Diese Durchzugsschwäche gilt es mit geschickten Schaltvorgängen auszugleichen, die das manuelle Sechsgang-Getriebe mit seiner etwas hakeligen Art hin und wieder aber verzögert. Besser macht’s die gegen Aufpreis erhältliche Wandlerautomatik von Aisin, die allerdings mit ihren ebenfalls nur sechs Gängen nicht auf dem neuesten Stand der Technik ist.

Ist die Ladehemmung erst einmal überwunden, geht es flott voran und der Grand C4 Picasso wird bis zu 210 km/h schnell. Zumindest mit zwei Personen besetzt ist das Beschleunigungsmanöver recht kurzweilig. Für den Standardsprint veranschlagt das Datenblatt 11,1 Sekunden, beziehungsweise zwei Zehntel mehr, wenn die Automatik die Kraftverwaltung übernimmt. Sind alle sieben Sitze besetzt oder statt Personen in der dritten Reihe bis zu 700 Liter Gepäck an Bord, dürfte sich das saubere Triebwerk naturgemäß etwas schwerer tun.

Immer sauber

Galerie: Erster Test Citroën Grand C4 PicassoDann wird auch der versprochene Verbrauch von 4,2 respektive 4,5 Litern je 100 Kilometer in höhere Sphären steigen; ziemlich sauber bleibt der Diesel aber immer, werden seine Abgase doch in einem SCR-Katalysator mit Harnstoff-Einspritzung nachbehandelt, und dabei die Stickoxide deutlich reduziert. Und bei Stillstand schaltet der BlueHDI, wie alle verfügbaren Diesel-Varianten, die Verbrennung gänzlich ab.

Neben dem neuen Zwei-Liter-Selbstzünder hat Citroën die aus dem Fünfsitzer bekannten Aggregate im Angebot. Dieselseitig ergänzt ein 1,6-Liter-Vierzylinder mit 92 oder 116 PS die Motorenpalette; erstgenannter ist immer, der zweite optional, mit einem automatisierten Schaltgetriebe zu haben, welches verbrauchsoptimiert die Gänge wechselt. Nimmt man die etwas unharmonischen Schaltvorgänge in Kauf, wird man mit einem Konsum von 3,8 beziehungsweise vier Litern belohnt; nach EU-Vorgabe gemessen.

Drei Diesel, zwei Benziner

Soll es ein Benziner sein, hat  man die Wahl zwischen zwei ebenfalls 1,6 Liter großen Triebwerken. Entweder als Sauger mit 120 PS oder als direkteinspritzender Turbo, der es auf 156 PS bringt und mit manuellem Sechsgang-Getriebe sechs Liter verbraucht. Der schwächere Motor gönnt sich mit seiner Fünfgang-Schaltung sogar 0,3 Liter mehr und liegt mit über zwölf Sekunden Sprintzeit nur knapp vor dem kleinsten Diesel.

Egal welcher Motor für Vortrieb sorgt, bringt der Grand C4 Picasso seine Insassen ziemlich kommod ans Ziel. Der gute Federungskomfort und die ausgesprochene Fernreise-Tauglichkeit, die allerdings übertriebener Querdynamik im Wege steht, geht nicht zuletzt auf das Konto des üppigen Radstands und auch die weichen Sitze laden zum Verweilen ein. Auf die kaum spürbare, optionale Massagefunktion für die Vordersitze kann man allerdings genauso getrost verzichten, wie auf die ausklappbare Fußstütze am Beifahrersitz. Deutlich praktischer sind, gerade für die kleinen Mitreisenden, die DVD-Bildschirme in den Kopfstützen. Und über einen zweiten Rückspiegel haben Mutti und Vati den Nachwuchs auch immer gut im Blick.

Panorama-Sicht

Galerie: Erster Test Citroën Grand C4 PicassoSind die Sprösslinge etwas größer und dürfen in der ersten Reihe reisen, kann man sie sicher mit der Panorama-Windschutzscheibe begeistern, die fast bis an die Häupter der Vornesitzenden reicht. Scheint einem dann die Sonne doch zu sehr aufs Hirn, lässt sich ein Teil des Dachhimmels zur Verdunkelung nach vorne schieben. Doch auch die hinteren Reihen dürfen sich über ein Panoramadach freuen.

Ebenfalls zur Ablenkung des Beifahrers – und manchmal auch des Fahrers - kann der mittig auf dem Armaturenbrett thronende 12-Zoll-Bildschirm dienen, der Auskunft über Geschwindigkeit und weitere Fahrdaten gibt, aber mit eigenen Hintergrund-Bildern und verschiedenen Themen relativ individuell angepasst werden kann; zumindest in der High-End-Ausbaustufe, die Basis muss mit einem Schwarz-Weiß-Bildschirm Vorlieb nehmen.

Zwei Bildschirme

Galerie: Erster Test Citroën Grand C4 PicassoUnter der breiten Anzeige gibt es einen zweiten Bildschirm, den man nicht nur aus dem kleinen C4 Picasso, sondern auch aus dem Peugeot 308 kennt, und über den zum Beispiel die Klimaanlage gesteuert wird. Hier gilt die gleiche Kritik wie beim Peugeot: Ein paar Drehregler für Temperatur und Lüftung wären manchmal praktischer als ein Touchscreen. In diesen Bildschirm integriert ist auch, wenn bestellt, das Navigationssystem, dessen Kartenanzeige sich auch in das obere Display spiegeln lässt – aber nur, wenn sie unten auch aktiv ist. Eine etwas überflüssige Möglichkeit, denn zwei übereinander sitzende Landkarten mit exakt der gleichen Anzeige, braucht eigentlich keiner. Technisch sei dies aber nicht anders möglich, heißt es von Citroën.

Was dagegen durchaus möglich ist, ist 3.400 Euro extra zu verlangen, für ein bisschen mehr Radstand und Blech. Damit steigt der Preis auf 22.390 Euro für die relativ uncharmante Basis-Version mit 120-PS-Benziner. Trotz des happigen Aufschlags gegenüber dem Fünfsitzer ist der neue Grand C4 Picasso aber 600 Euro günstiger als sein Vorgänger. Das gesparte Geld kann man in der Basis allerdings gleich wieder in die dritte Sitzreihe investieren, die ist nämlich nicht serienmäßig an Bord, sondern steht mit 700 Euro auf der Rechnung. Für den sparsamsten 92-PS-Diesel nimmt Citroën 24.490 Euro, der neue Euro-6-Diesel ist ab 27.740 Euro zu haben.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Familienvans müssen nicht hässlich sein, das gilt spätestens seit dem C4 Picasso als bewiesen. Auch wenn die Designer bei der Grand-Version Kompromisse eingehen mussten und das Heck nicht mehr ganz so gelungen wirkt wie beim Kurzen, ist doch auch der Siebensitzer ein Hingucker und eine erfreuliche Abwechslung. Auch das Interieur hebt sich mit der futuristischen Zwei-Bildschirm-Lösung von der Masse ab, und ist mit zahlreichen Ablagen und Kinderbespaßungs-Techniken trotzdem absolut familientauglich.

Motorenseitig wartet der Grand Picasso mit einem Novum auf, Citroëns erstem Euro-6-Diesel. Der weist zwar leider ein kleines Turboloch auf, wirkt nach der Überwindung dessen aber durchaus fidel und hat – zumindest mit dem leeren Picasso – keine Probleme. Und dank SCR-Katalysator kommen hinten auch kaum Stickoxide raus.
 
 

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