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Galerie: Erster Test Corvette C6

Erster Test: Corvette C6

Hardcore-Vette

21.02.2008

Die Corvette ist das amerikanischste aller US-Sportfahrzeuge. Mittlerweile geht sie in ihren 55. Frühling und hat noch immer nichts an Faszination verloren. Ganz im Gegenteil: Mit dem neuesten Modell Anno 2008 kann man neben all dem Flair, das sie verströmt, auch verdammt schnell Auto fahren.

Gründe die für den Kauf einer Corvette sprechen, gibt es viele: 65.290 Euro Einstiegspreis und 437 PS sowie ein noch immer etwas „dreckiges“ Image sind nur einige Kaufanreize. Ihren Ruf verdankt die Amerikanerin vor allem der Klientel, die bislang auffallend oft aus unseriösen Autohändlern, Boxpromotern und Zuhältern bestand. Doch die Zeiten ändern sich. Wer einen verhältnismäßig „günstigen“ Sportwagen mit viel Leistung und noch viel mehr Hubraum möchte, kommt fast nicht an der Vette vorbei. Für 2008 erhielt sie einige Modifizierungen.

Kaum Neues

Galerie: Erster Test Corvette C6Die „neue“ Corvette bietet an der Außenhaut keine wirklichen Neuigkeiten. Neu getaltete Felgen in „competition gray“ sind die einzigen Kennzeichen, die allerdings 690 Euro extra kosten. Schade eigentlich! Man hätte ihr wenigstens moderne LED-Rückleuchten spendieren können.

Immerhin erwarten einen im Innenraum einige Neuerungen. Beispiel Armaturenbrett: Dieses ist auf Wunsch komplett mit Leder verkleidet, das tierische Material lässt das Interieur-Ambiente deutlich wertiger und langlebiger wirken. Auch sonst wich das meist triste Plastik vergangener Modelle passablen Kunststoffen. Hier und da wünscht man sich noch etwas Feinschliff. Perfektion erwartet ja niemand.

Galerie: Erster Test Corvette C6An den Abmessungen hat sich nichts verändert. Bei einer Körpergröße von 1,93 Metern herrscht Enge im Innenraum. Vor allem nach oben ist die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Grund dafür ist die recht hohe Sitzposition auf den teilelektrischen Ledersesseln. Ungewöhnlich für einen echten Sportler sind auch die nicht ausreichend steil arretierbaren Sitzlehnen und der bescheidene Seitenhalt der zu weichen Sitzanlage. Immerhin lassen sich die Lordosenstütze und die Sitzwangen elektrisch an die Bedürfnisse des Fahrers anpassen. Das Volant lässt sich in Weite und Höhe justieren, dennoch ist der Verstellbereich zu gering ausgefallen.

Galerie: Erster Test Corvette C6Nettes Gimmick: Das von innen blau getönte Plexiglas-Targa-Dach. Es kostet im Vergleich zum nicht durchsichtigen Pendant 970 Euro extra, ist aber jeden Cent wert. Wir verbannen es dennoch subito an den Spezial-Platz im Kofferraum und haben unendlich Kopffreiheit. Apropos Kofferraum: Heftige 634 Liter passen unter die Heckscheibe. Das ist Rekord im Sportwagen-Segment.

Neu mit 6,2 Liter

Nachdem eine akzeptable Sitzposition gefunden wurde, startet der „small-block“, wie der um knapp 200 Kubikzentimeter gewachsene 6,2 Liter-V8 genannt wird, via Knopfdruck. Blitzschnell erwacht der Aluminium-Zweiventiler zum Leben.

Galerie: Erster Test Corvette C6Auf der Strecke von Marseille nach Le Castellet, zur ehemaligen Formel-1-Rennstrecke Paul Ricard, brabbelt der V8 in Fahrstufe „D“ des neuen Sechsgang-Automatikgetriebes sonor vor sich hin. Die fast 440 PS Leistung werden jetzt nicht einmal ansatzweise abgerufen. In Frankreich darf man auf Landstraßen nur 90 km/h fahren. Die könnte man in der Corvette nach vier Sekunden aus dem Stand erreichen. Nach nur 4,6 Sekunden soll (Schalter 4,4) Tempo 100 erreicht sein, wenn man jeden der sechs Gänge bis in den Begrenzer bei moderaten 6.500 Umdrehungen jagt. 306 km/h gibt Corvette als Maximalgeschwindigkeit an. Das Drehmoment schwoll auf 585 Newtonmeter an, 39 mehr, als im Alten. Wir lassen es erst einmal geruhsam angehen und so pendelt sich der Benzinverbrauch laut Anzeige irgendwo bei knapp zwölf Litern ein.

Offenbahrung in Paul Ricard

Nach rund achtzig Kilometern Landstraße und mehrmaligem Aufsetzen der tief angebrachten Frontschürze auf französischen Sträßchen sind wir in Paul Ricard angekommen und es heißt umsteigen. Für die Rennstrecke stehen nur noch Sechsgang-Handschalter bereit. Das Schaltgetriebe wurde im Vergleich zur letzten Ausgabe stark überarbeitet. Die Schaltwege verkürzt, die Präzision erhöht, der Kraftaufwand verringert. Das alles fühlt sich beim Fahren recht gut an. Die Gänge rasten ordentlich ein, die Wege sind akzeptabel kurz.

Blattfedern hinten

Galerie: Erster Test Corvette C6Ähnliches gibt es vom Fahrwerk zu vermelden, das an der Hinterachse old-school-mäßig noch mit Blattfedern arbeitet. Im Fahrbetrieb kann es dennoch vollstens überzeugen. Es ist verbindlich straff, aber nicht ungebührlich hart. Optional gibt es eine elektronische Dämpferregelung (2.510 Euro) mit zwei Modi. Bei schnell durcheilten Kurven bleibt die Corvette sehr lange neutral. Kurzes Gaslupfen animiert sie zum sanften Eindrehen. Das ist gut beherrschbar und macht unheimlichen Spaß. Ein beherzter Druck aufs Gaspedal leitet bei nahezu jedem Kurvenradius herrschaftliche Drifts ein. Und das trotz 285/35 R19 Macho-Bereifung hinten.

Die große Reifen-Aufstandsfläche kommt auf der Rennstrecke doppelt zur Geltung. Zum einen ist die Traktion hervorragend, zum anderen sind die erreichbaren Querbeschleunigungswerte famos. Wer ein richtig cooler Hund ist, kann während der Kurvenfahrt im Head-Up-Display den exakten Querbeschleunigungswert in „g“ ablesen. Neben der Momentangeschwindigkeit wird nämlich auch dieser Wert in die Windschutzscheibe projiziert.

Galerie: Erster Test Corvette C6Die gelochten Bremsscheiben der 1.450 Kilogramm leichten Corvette werden, in dieser Fahrzeugklasse ungewöhnlich, von einer Faustsattelanlage gegriffen. Sie packen jederzeit äußerst kräftig zu, die Standfestigkeit wurde von unserer einigermaßen sportlichen Fahrweise niemals ausgereizt. Lediglich die Dosierung könnte exakter ausfallen.

Überarbeitete Lenkung

Die überarbeitete Lenkung mit steiferer Lenkspindel und verändertem Übersetzungsverhältnis hilft, die Ideallinie zu sezieren. Okay, ganz so feinfühlig wie die Lenkung eines 911ers ist sie nicht. Aber, remember the price darling! Für nicht einmal 70.000 Euro kommt hier ein reinrassiger Sportwagen mit gigantischen Leistungsreserven angeschossen. Und mir wird ganz schnell klar: Diese Corvette kann viel mehr als der, der gerade auf dem Fahrerplatz sitzt. Auf der Rennstrecke liefen übrigens 22,5 Liter Super in die acht Brennräume. Ein Audi RS6 genehmigte sich bei gleicher Fahrweise auf identischer Strecke 39,8 Liter.

Sportwagen-Schnäppchen

Galerie: Erster Test Corvette C6Die Corvette ist für Sportwagenverhältnisse ein Schnäppchen. Demnächst soll noch ein Sondermodell für unter 60.000 Euro an den Start gehen. Sinnvolle Optionen beim Serienmodell  sind Metallic-Lack, blaues Sonnendach, dunkle Alufelgen und eventuell die Sechsstufen-Automatik. Sparen kann man sich dagegen das Navigationssystem. Die meisten portablen Geräte erledigen alles besser und kosten nur gut ein Zehntel dessen.

Fazit

Seit nunmehr 55 Jahren begeistert die Corvette nicht nur zwielichtige Gestalten. Das 2008er-Modell kann alles besser als die Vorgänger. Sie ist dank Leistungs- und Drehmomentplus sowie neuen Details an Lenkung, Fahrwerk und Schaltung zu einem grandiosen Sportwagen mutiert. Sie macht an, ist sexy und der Sound elektrisierend. Richtig heiß ist der Preis. Die Verarbeitung ist mittlerweile okay und das Image durchaus anständig.

Galerie: Erster Test Corvette C6

 
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