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Galerie: Erster Test Dacia Sandero

Erster Test: Dacia Sandero

Recht und billig

25.06.2008

Sind wir mal ehrlich: Autos sind überfrachtet mit Luxus. Elektrische Sitzverstellung, Lenkradheizung, Digitalradio und Fernsehempfang. Wo sitzen wir denn eigentlich? In einem Auto? Oder in unserem zweiten Wohnzimmer? War man einst froh, überhaupt von A nach B zu kommen, wird sich heutzutage beschwert, wenn man bei 27 Grad Celsius ohne Klimaanlage fahren muss. Der Dacia Sandero macht damit Schluss. Ein Plädoyer für den Verzicht.

Der Mensch verzichtet nur ungern. Schöne Kleider, teures Essen und schicke Autos - die Werbeindustrie führt uns vor, was wir alles haben können. Und dann sollen wir uns aus freien Stücken einschränken? Wir sollen ein Auto kaufen, das in der Basisversion noch nicht mal eine Servolenkung hat?

Zum Preis einer Bremse

Galerie: Erster Test Dacia SanderoWarum denn nicht! Mit dem neuen Sandero bringt die rumänische Renault-Tochter Dacia genau das auf den Markt, was früher mal ein Auto war: vier Räder, vier Türen, ein vernünftiger Motor. Das reicht, der Rest ist teurer Luxus. In einer neuen Werbekampagne zeigt Dacia, was man bei anderen Herstellern für den Preis eines Sanderos bekommt: bei Porsche noch nicht einmal die Bremsanlage.

Das Dacia-Konzept, günstige Fahrzeuge für „Menschen mit einem rationalen Bezug zum Auto“ zu bauen, scheint aufzugehen. Im letzten Jahr konnten 17.000 Einheiten des Logan in Deutschland verkauft werden. Bereits jetzt liegen über 5.000 Bestellungen für den Sandero vor, der seit kurzem bei den Händlern steht.

Konzentration aufs Wesentliche

Galerie: Erster Test Dacia SanderoWer keine Extras ordert, bekommt den frisch gestalteten rumänischen Kleinwagen für 7.500 Euro. Die Basisausstattung ist mager, weder Servolenkung noch Zentralverriegelung sind an Bord. Die Spiegel werden per Hand eingestellt und das Lenkrad kennt keine Verstellmöglichkeit. Dennoch sitzen selbst größere Fahrer kommod. Das Gestühl ist straff gepolstert, Seitenhalt ist ihm aber fremd.

Mehr in Verzicht müssen sich die Fondpassagiere üben. Die Beinfreiheit ist nicht gerade üppig und auch nach oben wird es eng. Das ist nun mal so, bei einem knapp über vier Meter langen Auto. 320 Liter Kofferraumvolumen sind dagegen reichlich, die hohe Ladekante stört aber beim Beladen. Wer die Rückbank umklappt, kann 1.200 Liter einladen.

Galerie: Erster Test Dacia SanderoDas Cockpit erinnert weniger an Lafayette, dafür mehr an Lidl. Praktisch, funktional und übersichtlich. Kein Glanz und Gloria, sondern solides Hartplastik. Die Verarbeitung wirkt passabel, nichts quietscht oder knarzt. Und mit vielen Ablagen stellt der Sandero manch Premium-Modell in den Schatten.

Kein Durchzug

In der Basis übernimmt ein 1,4 Liter großer Vierzylinder-Benziner den Antrieb, der seine Aufgabe ordentlich erledigt. Die 75 PS reichen aus, um mit dem nur 1.111 Kilogramm schweren Sandero in 13 Sekunden auf Tempo 100  zu gelangen. Wie die meisten kleinen Ottomotoren, kennt auch dieses Triebwerk den Begriff „durchzugsstark“ nur aus Erzählungen. Kein Wunder, bei nur 112 Newtonmeter Drehmoment. Die liegen bei 3.000 Touren an, darunter tut sich wenig. Wer die fünf Gänge des etwas teigig wirkenden Getriebes flink wechselt und das Aggregat bei Drehzahlen hält, kommt zügig voran.

Galerie: Erster Test Dacia SanderoInvestiert man 1.000 Euro mehr, wird die höherwertigere Ambiance-Ausstattung geliefert. Servolenkung und Zentralverriegelung sind dann ebenso dabei wie höhenverstellbare Gurte vorne. Hinzu kommt die Option auf weitere Komfortextras wie etwa Aluräder für 600 Euro, ein Radio - wahlweise mit Kassetten- oder CD-Spieler - zum Preis von 260 beziehungsweise 460 Euro, die 1.200 Euro teure, manuelle Klimaanlage oder das Elektro-Paket inklusive Zentralverriegelung und elektrischer Fensterheber zu 300 Euro.

Für lange Strecken

Der größere der beiden angebotenen Motoren ist nur in der Top-Version Lauréate lieferbar und wird mit 10.000 Euro aufgerufen. Zwar wirkt der 1.6er etwas spritziger als die Einstiegsmotorisierung, ist aber mit 87 PS und 128 Newtonmeter nur wenig stärker. Er benötigt laut Hersteller 11,5 Sekunden für den Standardsprint und fährt mit 174 km/h etwas schneller als der 161 km/h flotte 1.4er.

Galerie: Erster Test Dacia SanderoWer häufig längere Strecken auf der Autobahn fährt, wird sich über die höhere Endgeschwindigkeit freuen. Im Stadtverkehr ist der Unterschied hingegen gering. Mit 7,2 gegenüber 7,0 Liter Benzin je 100 Kilometer hält sich allerdings auch sein Mehrverbrauch in Grenzen. Doch sind wir ehrlich: Diese ohnehin nicht geringen Werte wird keiner der Motoren in der Praxis erreichen. Dagegen spricht allein ihre Gier nach hohen Drehzahlen.

Serienmäßig kommen in der Lauréate-Linie Nebelscheinwerfer und das Elektropaket hinzu; alle anderen Extras müssen nach wie vor bezahlt werden. Die Liste der Optionen wird um elektrische Fensterheber hinten für 150 Euro und eine 50 Euro teure MP3-Funktion für das CD-Radio ergänzt. Packt man alles rein, stehen 12.500 Euro auf der Rechnung - 5.000 Euro mehr als die Basis. Aber Lauréate heißt übersetzt ja preisgekrönt.

ESP gibt es nicht

Ab dem Jahr 2009 bietet Dacia zusätzlich einen 1,5-Liter-Diesel in den Leistungsstufen 68 und 86 PS an. Ein Stabilitätsprogramm wird hingegen nicht angeboten. Selbst in der teuersten Version kann der Schleuderschutz geordert werden. In der Basis schützen lediglich ABS und zwei Frontairbags die Passagiere und Fahrzeug, in der Lauréate-Linie gibt es zusätzlich noch Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer.

Galerie: Erster Test Dacia SanderoDafür verfügt der Sandero über ein vernünftiges Fahrwerk, das trotz der weichen Abstimmung in Kurven ausreichend Stabilität bietet. Übertreibt es der Fahrer, weist ihn der Dacia durch gut kontrollierbares Untersteuern in die Schranken. Die komfortable Auslegung kommt nicht von ungefähr. Hauptabsatzmarkt für den Dacia ist Osteuropa, und da sind die Straßen häufig noch in marodem Zustand. Und dort stört sich wahrscheinlich auch niemand daran, dass die Lenkung nicht so exakt wie ein Schweizer Uhrwerk arbeitet.

Fazit

Verzichten Sie doch mal! Auf Massagesitze und Parksensoren, auf elektrisch schließende Kofferraumdeckel und schlüssellose Zugangssysteme. Klar, das sind nette Annehmlichkeiten, mit denen moderne Autos das Leben komfortabler machen. Aber nötig sind sie nicht. Mit dem Sandero kehrt man zurück in eine Zeit, in der Autos noch einfache Transportmittel waren. Der solide Rumäne bietet alles, was man braucht. Einzig wirklich wichtiges Extra ist die Servolenkung. Gerade im städtischen Einsatz sollte man sich diesen Luxus gönnen. Auf alles andere kann man verzichten.

Galerie: Erster Test Dacia Sandero

 
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