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Galerie: Erster Test Fiat 500 Abarth

Erster Test: Fiat 500 Abarth

Abarthig flink

31.07.2008

Der Fiat 500 in seiner Starkversion heißt nicht mehr Fiat sondern Abarth. Genauer 500 Abarth. Im Fiat-Konzern wird damit nach dem Grande Punto das zweite Modell mit dem traditionsreichen Namen Abarth veredelt. Feister Skorpion inklusive.

Carlo Abarth hieß eigentlich mal Karl und kam aus Wien. Vor ziemlich genau 100 Jahren wurde Karl in der vielleicht schönsten Stadt Europas geboren und wanderte dennoch Ende der 1930er Jahre nach Turin aus. Grund waren die Nazis, die nach Wien einmarschierten. In Italien gründete er unter seinem Namen die Automobilmanufaktur Abarth.

Skorpion sticht wieder

Galerie: Erster Test Fiat 500 AbarthUnzählige Siege im Motorsport und Rekorde bei Hochgeschwindigkeitsfahrten machten Abarth unsterblich. 1971 übernahm der Fiat-Konzern das ins Straucheln geratene Unternehmen und ließ die Blume welken. Bis 2007, als im September der Scheintote zum Leben erweckt wurde und mit ihm das Markenzeichen, der Skorpion. Der Grande Punto Abarth ist das erste Abarth-Modell der Neuzeit.

Jetzt ist die zweite Version erhältlich. Der Liebling der Frauen, der 500, wird als 500 Abarth zum Liebling der Männer. Sein Äußeres ist maskuliner, verströmt aber dennoch ungemein viel Charme. Vorne trägt der kleine eine schwülstige Lippe mit breiten Backen, Seitenschweller lassen Sportflair aufkommen und hinten ragen zwei armdicke Endrohre aus dem Heck des Dreimetersechzig-Flitzers. Ein imposanter Dachspoiler soll den Kleinen am Boden kleben lassen. Dazu tragen auch die 195/45-R16-Serienreifen bei. Für 300 Euro gibt es 17-Zöller, die nicht nur besser aussehen, sondern den Abarth auch gut auf Kurs halten. Die Reifenaufstandsfläche wächst um die Breite des kleinen Fingers.

Gelungene Fahrwerksabstimmung

Galerie: Erster Test Fiat 500 AbarthDas Fahrwerk erfüllt im 500 Abarth sodann auch gehobene Ansprüche. Im Vergleich zum Sportfahrwerk des Fiat 500 ist es gekonnter abgestimmt. Selbst mit 17-Zoll-Pneus können längere Etappen ohne Rückenschäden absolviert werden. Die leichte Untersteuertendenz wird bei zackigen Lenkmanövern in ein leicht werdendes Heck umgemünzt. Flinke Räubereien auf unebenen Sträßchen verleiten ihn zum Tänzeln. Manchmal sogar so stark, dass das nicht deaktivierbare ESP den Zwerg schon einbremst, bevor es überhaupt etwas zum Einfangen gibt.

Richtig nervig ist die Warnblinkanlage, die bei Verzögerungen von mindestens 7,5 m/s2 hektisch zu werkeln beginnt und andere Verkehrsteilnehmer verunsichert respektive über die Fähigkeiten des Abarth-Piloten schmunzeln lässt. Die Bremsanlage selbst ist den Anforderungen des rund 1,1 Tonnen schweren Kleinwagens gewachsen. 284-Millimeter-Scheiben verrichten vorne ihren Dienst.

Kraftzwerg

Galerie: Erster Test Fiat 500 Abarth135 PS erregen heutzutage kein Aufsehen mehr. Ein 500er ist damit „ausreichend“ motorisiert. Sehr homogen gibt das 1,4-Liter-Turbo-Motörchen seine Kraft ab. Es sind keinerlei Leistungseinbrüche zu spüren – bei Turbomotoren sonst nicht unüblich. Wer die Sporttaste am Armaturenbrett drückt, weckt neben einer direkteren Lenkung auch die Heinzelmännchen im Motorsteuergerät auf.

Diese sorgen für eine spontanere Gasannahme und für 206 Newtonmeter anstelle der 180 im Normalmodus. Erstaunlicherweise verkraftet die Vorderachse das entspannt. Ihr zu Hilfe eilt TTC. Torque Transfer Control nennt sich das System, dass das kurveninnere Rad etwas einbremst und das kurvenäußere Rad kräftig weiter drehen lässt. Dadurch soll sich das „in die Kurve gieren“ verstärken und den 500er flink ums Eck fegen lassen.

Laut Abarth können gewiefte Beschleuniger den Zwerg in unter acht Sekunden auf 100 km/h treiben. Erst bei 205 Sachen ist Sense. Insgesamt soll sich der turbobefeuerte 500er mit 6,5 Litern begnügen. Wer es krachen lässt, kommt nur schwerlich unter zehn weg.

Galerie: Erster Test Fiat 500 AbarthWem die Leistung dennoch nicht reicht, kann ab Oktober zum esseesse-Kit greifen. Esseesse bedeutet nichts anderes als Supersport. Die Abkürzung „SS“ zu nennen geht aufgrund der Vergangenheit schlecht. Neben einem Plus von 25 PS und 25 Newtonmeter Drehmoment gibt es gelochte Bremsscheiben und angepasste Beläge sowie neue Fahrwerksfedern. Der Preis für das Tuning-Kit steht noch nicht fest.

Fünf Gänge reichen

Im 500 Abarth muss man sich im Gegensatz zum 100 PS starken Fiat 500 mit fünf statt sechs Gängen begnügen. Die im Konzern zur Verfügung stehenden sechsstufigen Getriebe, die das Drehmoment übertragen könnten, beanspruchen zu viel Platz. Macht fast nichts, denn die fünf Gänge sind perfekt abgestimmt und passen – bis auf die zu langen Schaltwege.

Sportsitz und Schaltblitz

Galerie: Erster Test Fiat 500 AbarthAuffälligste Merkmale des Innenraums sind die belederten (1.100 Euro) Sportsitze mit guter Seitenführung und das Zusatzinstrument mit Ladedruckanzeige und „Schaltblitz“. Trotz der neuen Möbel finden zumondest größere Piloten keine ideale Sitzposition. Verbessern würde die Situation ein axial ausziehbares Lenkrad. Neben der eingeschränkten Kopffreiheit sitzen Langewachsene in etwa so, wie Affen auf dem viel zitierten Schleifstein. Dafür ist aber die Verarbeitung okay.

Humaner Preis

18.100 Euro kostet der Abarth 500 und das ist gerechtfertigt. Wo sonst bekommt man 135-Turbo-PS, einen traditionsreichen Namen und Sportflair zu solch knackigem Preis. Zumal nur noch 350 Euro für den unverschämt schicken Grigio-Compovolo-Lack (grau) und die erwähnten 300 Euro für die 17-Zöller fällig werden.

Galerie: Erster Test Fiat 500 AbarthEin Problem für den Absatz könnte das sehr spärliche Händlernetz sein. Derzeit gibt es in Norddeutschland beispielsweise nur in Hamburg und Berlin Vertragspartner. Abarths sind nämlich nicht bei jeder Fiat-Werkstatt erhältlich. Rund 70.000 Euro muss ein Fiat-Händler investieren, um mit dem Skorpion geadelt zu werden. Neben dem Knowhow gibt es dann auch die Ausstattung inklusive eigenem Showroom. Ob das der richtige Weg zum Erfolg ist, bleibt abzuwarten.

Fazit

Der 500 Abarth ist ein Knaller. Er macht unheimlich viel Spaß und ist vor allem bezahlbar. Er ist der 500 für Männer und für harte Frauen. Der Motor hat Druck, die Karre geht wie blöd. Dass im Alltag die versprochenen 6,5 Liter erreicht werden, darf bei den adrenalingesteuerten Käufern eher bezweifelt werden.

Das Fahrwerk ist fein einjustiert und gibt eine gute Rückmeldung über den aktuellen Fahrzustand. Störend sind die schlechte Sitzposition, das frühe Eingreifen des ESP und das hektische Warnblinklicht bei starker Verzögerung. Ein gelungenes Paket, das Abarth nach Jahren der Abstinenz wieder in die richtige Spur lenkt.

Galerie: Erster Test Fiat 500 Abarth

 
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