Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Erster Test Fiat Bravo

Erster Test: Fiat Bravo

Bravo, Fiat?

23.03.2007

Fiat nennt seinen neuen Kompaktwagen wieder so, wie er bereits früher einmal hieß: Bravo. Den glücklosen Vorgänger Stilo wollen die Italiener offenbar möglichst schnell vergessen machen. Unter dem schicken Blech des neuen Bravo steckt größtenteils die Technik des alten Stilo. Das ist aber nicht schlecht.

So relativiert sich auch die Rekordmeldung, Fiat habe den neuen Bravo in nur 18 Monaten entwickelt. Die Plattform wurde weitestgehend übernommen, wirklich neu sind nur die Karosserie und der Innenraum.

Beim Design hat sich das Centro Stile unter Leitung von Frank Stephenson dafür einmal mehr selbst übertroffen. Zweifelsohne gehört der Bravo mit seinem Maserati-Gesicht, der geschwungenen Dachlinie und dem wohlproportionierten Heck zu den schönsten Golf-Konkurrenten.

Und die Größe zählt doch

Galerie: Erster Test Fiat BravoMit einer Gesamtlänge von 4,34 Metern und einer Breite von fast 1,80 Metern ist der Fiat fast zu groß für die Kompakt-Klasse. Entsprechend üppig fällt das Platzangebot aus. Vorne wie hinten geht es luftig und entspannt zu. Auffällig sind die gute Beinfreiheit im Fond und die rückenfreundlichen, straff gepolsterten Vordersitze.

Dank des längs und in der Höhe verstellbaren Lenkrades ist schnell die optimale Sitzposition gefunden. Störend sind dagegen die enge Pedalerie und die rutschige, in den Teppichboden integrierte  Schmutzschutzmatte. Die Sicht nach hinten ist schlecht, die breiten C-Säulen machen die Einparkhilfe zur wichtigsten Sonderausstattung.  

Lade-Primus

Klassenbester ist der Bravo beim Kofferraum. Regulär passen 400 Liter ins Heckabteil, bei beidseitig umgeklappter Rückbank fast 1.200 Liter bis zur Fensterkante. Unschön: Die Ladekante ragt vergleichsweise hoch empor, ein Wasserkasten beispielsweise muss bandscheibenquälend aus dem Kreuz heraus gehoben werden.

Galerie: Erster Test Fiat BravoDie Interieur-Gestaltung verbindet klassische wie moderne Elemente. Das bogenförmig gespannte Armaturenbrett, die leicht zum Fahrer gewandte Mittelkonsole und die formschönen Rundinstrumente verbreiten sportliches Flair. Bei den Kunststoffoberflächen wählten die Designer neuartige, größtenteils angenehm anzufassende Materialien. Einige Stellen aber - etwa die Türgriffe oder die Mitteltunnelverkleidung - ist das schwarz glänzende ABS-Plastik zu billig geraten.

Stilo-Erbe

Galerie: Erster Test Fiat BravoDer technische Unterbau stammt vom Stilo, der Radstand etwa stimmt bis auf den Millimeter überein. Das gibt zu denken, schließlich war der schaukelige Vorgänger nicht eben ein Garant für Fahrspaß. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis der umfassenden Neuabstimmung des Fahrwerks. Ausgesprochen komfortabel und vor allem leise, aber keineswegs unterdämpft hinterlässt der Standard-Bravo einen angenehmen Fahreindruck. Auch bei der strafferen Abstimmung der Sport-Ausstattungslinie wurde ein guter Kompromiss erzielt.

Die elektromechanische Servolenkung dagegen fühlt sich nach wie vor sehr synthetisch an. Der leichgängige City-Modus eignet sich nur als Einparkhilfe. Besserung verspricht die für Sommer angekündigte Sport-Taste, mit der sich unter anderem die Lenkung straffer stellen lässt.

Fünf Motorisierungen

Zum Marktstart am 21. April stehen drei Motorisierungen parat, der aus dem Grande Punto bekannte, etwas schwachbrüstige 90-PS-Benziner und zwei 1,9-Liter-Turbodiesel mit 120 beziehungsweise 150 PS (Partikelfilter serienmäßig). Im Juni folgen zwei komplett neu entwickelte 1,4-Liter-Turbobenziner mit ebenfalls 120 beziehungsweise 150 PS.

Galerie: Erster Test Fiat BravoFür unsere ersten Testfahrten wählten wir den völlig ausreichenden 120-PS-Selbstzünder. Der Motor arbeitet leise und gibt sich durchzugsstark (255 Nm Drehmoment bei 2.000 Touren). So muss man nicht all zu oft zum eng, aber wenig exakt geführten 5-Gang-Getriebe greifen. Wenn es doch mal schnell gehen muss, ist das auch kein Problem: In 10,5 Sekunden ist Tempo 100 erreicht und auf der Autobahn sind fast 200 Sachen drin. Den grundsätzlich praxisfernen Normverbrauch von 5,3 Litern Diesel auf 100 Kilometer (139 g CO2 / km) konnten wir nicht verifizieren. Doch auch die tatsächlich erfahrenen, knapp sechseinhalb Liter können sich sehen lassen.

Ebenso die Preis- und Ausstattungspolitik von Fiat: Los geht es bei 15.400 Euro für den Basisbenziner in der Active-Version. Sieben Airbags, ESP mit Berganfahrhilfe, ein höhenverstellbarer Vordersitz und elektrische Fensterheber vorn sind inklusive. Für die nächst höhere Motorisierung und Ausstattungslinie (Dynamic, Emotion, Sport) sind jeweils rund 1.500 Euro Aufpreis fällig. Der 120-PS-Diesel in der empfehlenswerten Dynamic-Version (u.a. Klimaanlage, Nebelscheinwerfer mit Kurvenlicht und CD-Radio serienmäßig) kommt damit auf vertretbare 20.500 Euro.

Fazit

Neu Schale, alter Kern. Unter der komplett neu entwickelten und hinreißend schönen Karosserie bietet der neue Fiat Bravo enorm viel Platz - und die alte Plattform des ungeliebten Vorgängers Stilo. Was im ersten Moment nach Nepp klingt, entpuppt sich nach der ersten Testfahrt als richtige Entscheidung. Anstatt das Rad komplett neu zu erfinden und unbekannte Risiken einzugehen, haben die Italiener das Vorhandene spürbar verbessert. Weitere Vorteile der Evolutionsstrategie: Der neue Bravo ist weder schwerer noch teurer geworden. Wer jetzt trotzdem „aber“ schreit: Toyota erlangte so seinen Zuverlässigkeits-Status. Und  Volkswagen wird es beim nächsten Golf nicht anders machen.

 
5
40

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.