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Galerie: Erster Test Fiat Freemont

Erster Test: Fiat Freemont

Erster

29.06.2011

Es ist vollbracht: Als frisch gebackener Mehrheitseigner hat sich Fiat den Chrysler-Konzern endgültig einverleibt. Erstes Kind dieser Ehe ist der im September 2011 startende Freemont. Der Van, der auf dem Dodge Journey basiert, ist die Vorhut einer baldigen Neuheiten-Flut von Fiat, die auf einem intensiven Technik-Austausch beider Konzerne fußen wird. So hat Fiat der Journey alias Freemont eine umfassende Euro-Aufwertung verpasst. Ob dieses Fitnessprogramm den hiesigen Autogeschmack trifft, haben wir bereits getestet.

Allein schon der Name ist eine Zäsur. Freemont. Fiat war immer auch eine nationale Angelegenheit Italiens und gab es wohl deshalb in der langen Modellhistorie stets italienische, nie jedoch englische Namen. Und man hat mit einer weiteren Tradition gebrochen: Das Centro Stile hat sich stets durch kreative Designentwürfe hervorgetan, wovon beim Freemont nichts zu sehen ist, denn von Experimenten eines Multipla ist dieser gradlinige, beliebig wirkende, optisch leicht verdauliche Zeitgenosse meilenweit entfernt. Die von Fiat beigesteuerten LED-Rückleuchten und der neue Kühlergrill ändern daran wenig.

Innen haben die Italiener hingegen tiefgreifender für ein sogar ansehnliches Euro-Flair gesorgt. Chrom-Schmuck, Softoberflächen sowie farbige Displays in der Mittelkonsole und im stylischen Kombiinstrument – da kann man nicht meckern; beim genauen Hinsehen offenbart die Qualitätsanmutung aber noch Spielraum nach oben. Dafür ist der Arbeitsplatz sehr aufgeräumt, was aber auch daran liegt, dass viele technische Nettigkeiten und Helferlein gar nicht verfügbar sind. Was außerdem durch Abwesenheit auffällt: Der rechte Lenkstockhebel, dessen Platz beim US-Original durch den Schalthebel der Automatik belegt ist.

Für Familien

Galerie: Erster Test Fiat FreemontGedacht ist der gut 4,90 Meter lange Freemont für Familien, die sich ein geräumiges und flexibel nutzbares Fahrzeug wünschen. Das Platzangebot kann sich entsprechend sehen lassen, die Variabilität auch. Serienmäßig gibt es sieben Sitzplätze, bei denen sich die fünf Sitze im Fond umlegen lassen und dann eine fast ebene Ladefläche für großes Gepäck entstehen kann. Für den Transport besonders langer Gegenstände ist sogar die Lehne des Beifahrersitzes umklappbar. Nicht ganz 1.500 Liter passen fensterhoch ins Heck, was in seiner Klasse kein Bestwert ist. Doch die Sitze sind nur klapp-, jedoch nicht ausbaubar, was die maximale Stauraum-Ausbeute begrenzt.

Während vorne und auf der mittleren Sitzreihe das Platzangebot durchaus üppig ist, wird es hinten etwas eng. Auch der Zustieg verlangt trotz einer cleveren Easy-Entry-Funktion und der im 90-Grad-Winkel öffnenden Türen etwas Beweglichkeit; als durchschnittlich großer Erwachsener kann man dennoch ganz hinten mitreisen. Allerdings müssen dann die Gäste auf der mittleren Sitzreihe auf Beinfreiheit verzichten, was den Raum auf dem mittleren Platz angesichts von Kardantunnel und Mittelkonsole für Erwachsene unzumutbar stark einengt. Insofern sollte man im Fall des Freemont nicht von einem vollwertigen Siebensitzer sprechen, sondern vielmehr von einem 6+1- oder einem 4+3-Sitzer.

Ein Motor, zwei Leistungsniveaus

Galerie: Erster Test Fiat FreemontNicht nur hinsichtlich der Materialien und Gestaltung will der Freemont dem europäischen Autogaumen schmeicheln, auch beim Antrieb hat man sich für effiziente und kraftvolle Dieselmotoren entschieden, die in dieser Fahrzeugklasse von europäischen Autokunden vorrangig verlangt werden. So gibt es einen Zwei-Liter-Selbstzünder von Fiat in den Leistungsstufen 140 oder 170 PS. Einen Benziner, wie ihn Dodge für den Journey im Programm hat, wird es für Deutschland wohl nicht geben, denn hier wären wenig zeitgemäße Verbräuche angesagt. Die beiden Multijet-Diesel bescheiden sich hingegen mit 6,4 Liter, und dieser Wert ist nicht nur geschöntes Hersteller-Wunschdenken: Laut Bordcomputer haben wir auf unserer Testroute bei gemächlicher Fahrt lediglich einen Zehntelliter mehr verfeuert.

Gestartet wird per Knopfdruck, während der Signalgeber in der Tasche oder in einer der vielen Ablagen in der Mittelkonsole bleiben darf. Das Geräuschniveau des rau laufenden Vier-Zylinders bleibt erstaunlich niedrig, obwohl es sich eigentlich um einen Dodge handelt, bei dem traditionell mit Dämmmaterial gegeizt wird. Doch Fiat hat hier ordentlich nachgebessert und gibt sich auch sonst der Wagen akustisch keine Blöße. Selbst bis 150 km/h müssen wir die Stimme nicht anheben, bleiben Wind- und Abrollgeräusche erfreulich niedrig.

Kein Wirbelwind

Der Motor selbst bietet einen ordentlichen Dieselbumms, doch qualifiziert dieser Umstand den Freemont nicht zu den spritzigsten seiner Gattung. Glatt 11 Sekunden dauert der Sprint des 170 PS starken 1,9-Tonners, die Höchstgeschwindigkeit soll bei 195 km/h liegen. Etwas gemütlicher ist die schwächere Version unterwegs, die 12,3 Sekunden für den Sprint benötigt und maximal 180 km/h schnell wird. Zum Vergleich: Ein Chevrolet Orlando mit 163-PS-Diesel sprintet in zehn Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und wird bis zu 195 km/h schnell.

Galerie: Erster Test Fiat FreemontEtwas stramm lässt sich die Kupplung treten, während sich der Hebel der Sechs-Gang-Box etwas kratzig durch die Gassen bewegt und könnte ruhig noch eine Spur eleganter flutschen könnte. Zumal der Fahrer beim Wechsel in den zweiten Gang den rechten Arm nicht lässig auf der Armlehne ruhen lassen kann, sondern diesen dann leicht anheben muss. Eine Automatik, die hier mehr Komfort bieten kann, soll im November 2011 verfügbar sein. Ebenso will Fiat noch in diesem Jahr eine Allradversion anbieten.

Fiat hat das Journey-Fahrwerk auf europäische Kundenbedürfnisse hin angepasst. Dazu gehört eine angenehm leichte Lenkung, die allerdings etwas synthetisch wirkt und nicht ganz frei von Antriebseinflüssen ist, dem Fahrer eine dennoch ausreichend gute Rückmeldung bietet. Bei langgezogenen Kurven sind allerdings immer auch leichte Korrekturarbeiten nötig, lässt sich der Kurvenstrich selten perfekt und sauber ziehen. Ohnehin ist der Freemont keiner für die ganz schnelle Kurvensause, eignet sich dank seines straffen Unterbaus aber für flottes Dahingleiten auf der Autobahn. Obwohl kein superweicher Unterbau, ist Fiat ein dennoch angemessener Kompromiss beim Federungskomfort gelungen. Übertriebene Härte kann man dem Wagen nicht vorwerfen.

Günstig im Preis

Galerie: Erster Test Fiat FreemontDie vorläufige Preisliste des Freemont ist sehr übersichtlich. Die Basisversion mit 140 PS kostet 25.990 Euro, 1.300 Euro mehr muss man für das Ausstattungspaket Urban hinlegen. Das Urban-Paket bekommt man in Zwangskombination mit der 170-PS-Version, die dann 28.790 Euro kostet. Bereits die Basis verfügt über 17-Zoll-Räder, Drei-Zonen-Klima, Tempomat, das schlüssellose Zugangs- und Startsystem, sieben Sitze, ein zeitgemäßes Sicherheitspaket und ein CD-Radio mit Touchscreen. Richtig üppig ist die Ausstattung der Version Urban, die zusätzlich noch einen elektrisch einstellbaren Fahrersitz, einen automatisch abblendenden Rückspiegel, Parkpiepser oder eine Bluetooth-Freisprechfunktion bietet.

Angesichts der guten Ausstattung ist der Freemont im Vergleich zu einem Seat Alhambra ein Schnäppchen. Für den Spanier mit einer vergleichbaren Ausstattung müsste man viele tausend Euro mehr ausgeben. Dennoch ist der Freemont in seinem Segment nicht das günstigste Angebot. Hier kann der Chevrolet Orlando das eigentlich niedrige Preisniveau des Freemont sogar noch unterbieten.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Fiat Freemont
    2.0 16V Multijet
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   1.956 / R4
Leistung (kW / PS)   103 / 140
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   350
Antriebsart   Frontantrieb
Getriebeart   manuelles Sechs-Gang-Getriebe
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.880 / 1.878 / 1.691
Radstand (mm)   2.890
Wendekreis (m)   11,6
Leergewicht (kg)   1.874
Kofferraum (Liter)   136 - 1.461
Bereifung Testwagen   225/65 R 17
Verbrauch    
Krafstoffart   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6,4
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   169 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k .A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   12,3
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k .A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   180
Preise    
ab (Euro)   25.990,00
Empfohlene Extras   Ausstattungspaket Urban für 1.300 Euro
 
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Fazit

Fiats Hochzeit mit Chrysler beschert uns in Deutschland mit dem Freemont ein erstes Gemeinschaftsmodell. Trotz der zum Teil deutlichen Überarbeitungen ist der Freemont dennoch kein Vollblut-Europäer. Sei’s drum. Immerhin bekommt man einen großen, vielseitig nutzbaren und dank Dieselantrieb auch noch effizienten Siebensitzer-Van für bemerkenswert wenig Geld. Allerdings bietet der in Mexiko produzierte Italo-Ami in vielen Punkten eben nur Mittelmaß.

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