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Galerie: Erster Test Ford Fiesta

Erster Test: Ford Fiesta

Mit Spaßbremsen-Schlüssel

23.11.2012

Mit dem Facelift der bereits siebten Fiesta-Generation hat sich Ford etwas Zeit gelassen. Dafür ist es umso tiefgreifender ausgefallen und der kleine Kölner bietet zum Modelljahr 2013 neben einer prickelnden Optik-Auffrischung gleich noch neue Motoren, individuell programmierbare Zündschlüssel mit eingebauter Spaßbremse, einen Unfallverhinderer und ein Sprachsteuer-System mit eingebautem Notruf-Assistenten. Der Innovationsschub ist beträchtlich.

Mit dem Ende 2008 eingeführten Fiesta hat Ford eine im Vergleich zu den Vorgängern bemerkenswert expressive Designrichtung eingeschlagen, die dem Kleinwagen bereits im Stand eine Grunddynamik verleiht. Dank der optischen Auffrischung kommt diese noch stärker zur Geltung.

Auffälligstes Merkmal der Facelift-Maßnahmen ist der mächtige Kühlergrill im Aston-Martin-Stil mit fünf chromgeschmückten Querstreben. Modifizierte Scheinwerfer mit optionalem LED-Tagfahrlicht sowie eine Motorhaube mit stärker herausgearbeiteten Sicken verleihen dem Gesicht mehr Charakter. Neue Farben, modifizierte Heckleuchten und eine Chromleiste an der Kofferraumklappe sorgen für etwas Frische. Und egal ob Drei- oder praktischer Fünftürer: Beide sehen eindrucksvoll schnittig aus.

Innen leicht verfeinert

Galerie: Erster Test Ford FiestaEinige neue Akzente verleihen auch dem ebenfalls schick gestalteten Innerraum eine dezente Frische. Weiterhin schmeicheln die großflächig verbauten Softoberflächen auf dem Armaturenbrett Hand und Auge. Ansonsten kann der Fahrer ein paar neue, modern komponierte Interieur-Designs ordern. Eine Mittelarmlehne vorne gehört ab der Ausstattung Sport zum Serienumfang.- Geblieben ist dem Fiesta die in Kombination mit dem Top-Audio-System mit Schaltern und Knöpfen recht überfrachtete Mittelkonsole, die eine intuitive Bedienbarkeit erschwert.

Unverändert verfügt der Fiesta über ein ordentliches Platzangebot. Sowohl vorne als auch hinten können durchschnittliche Erwachsene mitreisen, ohne sich eingequetscht zu fühlen. Allerdings empfiehlt sich die Mehrinvestition von 750 Euro für die Version mit vier Einstiegstüren; der Zustieg beim Zweitürer ist nach hinten ziemlich umständlich.

Galerie: Erster Test Ford FiestaRespektable 295 Liter passen in den tiefen Kofferraum, der aufgrund seiner hohen Ladeschwelle das Ein- und Ausladen von gewichtigem Gepäck erschwert. Für Ernüchterung sorgen vor allem die wenigen Erweiterungsoptionen. Die Lehne der Rückbank ist geteilt umlegbar, mehr Variabilität gibt es nicht.

Schlüssel mit programmierbare Spaßbremse

Wesentlich mehr Möglichkeiten bietet der Fiesta bei der Wahl von Assistenzsystemen und Multimedia-Hilfen. Eine für Eltern besonders reizvolle und bislang nur bei Ford verfügbare Innovation ist das MyKey-Schlüsselsystem, welches ab der zweithöchsten Ausstattung Ambiente zur Serienausstattung gehört und es ermöglicht, bis zu acht Ersatzschlüssel individuell zu programmieren. Der Clou: Haben Sohn oder Tochter einen eigenen Schlüssel für den Fiesta, kann auf diesem eine Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit (z.B. 140 km/h) oder der maximalen Audio-Lautstärke einprogrammiert werden. Ebenso ist es möglich, ein Ausschalten von ESP zu unterbinden, was es den Eltern zumindest ansatzweise ermöglicht, den Führerschein-Nachwuchs mit einer gewissen Kontrolliertheit in den Verkehr zu entlassen.

Galerie: Erster Test Ford FiestaEine weitere Neuheit ist das SYNC genannte Kommunikations- und Entertainment-Feature, welches ab der Ausstattung Trend für das dann 1.500 Euro kostende Cool&Sound-Paket II mit an Bord ist. SYNC bietet neben einer kabellosen Freisprecheinrichtung via Bluetooth noch die Möglichkeit, einige Befehle per Spracheingabe mitzuteilen. SYNC versteht zum Beispiel Telefonnummern oder Namen aus dem Telefonbuch und wählt diese dann automatisch an. Ebenso kann man auf dem Smart-Phone gespeicherte Musiktitel abrufen, oder sich eingehende SMS-Nachrichten vorlesen lassen.

Notruf-Automatik und Unfallverhinderer

Ein weiterer Baustein von SYNC ist der sogenannte Notruf-Assistent. Sollte es zu einem Unfall kommen, kann das SYNC-System über ein verbundenes Handy in 27 verschiedenen Sprachen einen Notruf aussenden. Eine automatische Stimme teilt dann der Polizei mit, dass ein Ford-Fahrzeug verunfallt ist und nennt gleich noch die momentanen geographischen Koordinaten, wo sich das Fahrzeug befindet. Nach Eingang dieses Notrufs versucht die Polizei ihrerseits Kontakt mit dem Handy aufzunehmen, über das der Notruf ausgesendet wurde. Scheitert dieser Kontaktversuch, wird ein Rettungswagen zur Unfallstelle geschickt.

Galerie: Erster Test Ford FiestaDer eigentliche Clou: Für dieses Notruf-System braucht es keine zusätzliche SIM-Karte im Auto, sondern es reicht, ein Handy via Bluetooth mit dem SYNC-System verbunden zu haben und es entstehen für den Notruf-Service auch keine zusätzlichen Kosten. Anders als bei ähnlichen Systemen von BMW oder Citroën kommt das Pendant von Ford zudem noch ohne einen speziellen Notruf-Knopf aus, was fälschlich ausgelöste Notrufe verhindert.

Um Unfälle grundsätzlich zu verhindern, bietet Ford für den gelifteten Fiesta einen radarbasierten Unfallverhinderer an. Dieses Active City Stop genannte Extra bremst den Fiesta automatisch ab, sofern ein Crash unvermeidlich erscheint. Mit diesem Bremseingriff können Unfälle bis zu einer Geschwindigkeit von 15 km/h vollständig verhindert werden, zwischen 16 und 30 km/h wird die Unfallschwere zumindest gemindert, jenseits von 30 km/h ist das System inaktiv. Und es gibt noch eine Einschränkung: Angeboten wird das 350 Euro teure Active City Stop allein in Kombination mit Dieselantrieben oder dem neuen Dreizylinder.

Starkes Triple

Eben jener Dreizylinder ist die vielleicht spektakulärste Neuheit beim Fiesta. Das Ein-Liter-Aggregat gibt es in Saugvarianten in Kombination mit einer Benzindirekteinspritzung mit 65 oder 80 PS sowie in sogenannten EcoBoost-Varianten, die dank Turboaufladung sogar 100 beziehungsweise 125 PS leisten. Die Verbrauchswerte der kleinen Benziner liegen zwischen 4,3 und 4,6 Liter, wobei die stärkste Variante den niedrigsten Normverbrauch hat.

Galerie: Erster Test Ford FiestaEben jene 125-PS-Turboversion stand uns auf unserer Testfahrt zur Verfügung und der 1,1-Tonner zeigte sich damit bemerkenswert spritzig. Immerhin 170 Newtonmeter kann das leichte Motörchen seinen drei Zylindern entlocken, die zudem auf einem Plateau von 1.400 bis 4.000 Umdrehungen permanent zur Verfügung stehen. Bis der volle Ladedruck aufgebaut wird, kann gelegentlich ein kurzer Moment vergehen, doch ein lästiges Turboloch nervt beim Ecoboost nicht. Störend allerdings: Wird die volle Kraft abgerufen, kann es zu spürbaren Antriebseinflüssen in der Lenkung kommen.

Besonders beeindrucken kann der Motor mit seinen Fahrleistungen, denn der Sprint soll nur 9,4 Sekunden dauern, während die Höchstgeschwindigkeit, die der Wagen im fünften von fünf Gängen erstaunlich zügig erreicht, bei fast 200 km/h liegt. Das recht wilde Dröhnen eines Dreizylinders bekommt man beim kleinen Ecoboost weniger ausgeprägt zu spüren als bei klassischen Dreizylindern. Ebenfalls manierlich soll der Verbrauch von 4,3 Litern sein, doch ob dieser Wert ein halbwegs realistisches Szenario bietet, muss erst noch ein längerer Praxistest zeigen.

Diesel verbraucht nur 3,3 Liter

Ford hat einen noch deutlich sparsameren Diesel im neuen Fiesta-Programm: Den 95 PS starken 1,6-Liter-Turbodiesel in der Version Econetic, der es mit einigen konventionellen Spritsparmaßnahmen (lange Übersetzung, Leichtlaufreifen, Unterbodenverkleidung) auf erstaunliche 3,3 Liter Normverbrauch bringen soll. Die Fahrleistungen sind hingegen ordentlich: Die Höchstgeschwindigkeit soll bei 178 km/h liegen, der Sprint 12,9 Sekunden dauern.

Galerie: Erster Test Ford FiestaDoch trotz aller Effizienz-Bestrebungen ist der Fiesta eben auch eine erstaunlich spaßorientierte Fahrmaschine, was im Frühjahr 2013 die 184 PS starke ST-Version in besonderer Weise unterstreichen dürfte. Doch bereits beim 125 PS starken Ecoboost kommen neben den gehobenen Längs- auch noch reichlich Querdynamik-Freuden auf. Spielerisch, leichtfüßig, mit spontanem Einlenkverhalten und den Lenkvorgaben erfreulich präzise folgend, kann man den zudem recht leichtgewichtigen, 3,97 Meter langen Ford auf kurvenreichen Abschnitten erstaunlich lustbetont einsetzen.

Trotz seiner agilen Auslegung ist der Fiesta im Gegenzug zudem noch angenehm komfortabel ausgelegt und tasten die Räder den Untergrund erstaunlich feinfühlig ab. Letztlich unterstreicht auch die satte Straßenlage selbst bei Top-Speed das gelungene Fahrwerkssetup. Hut ab!

Günstig eingepreist

Den Hut ziehen kann man auch im Hinblick auf die Preisgestaltung, denn mit rund 11.000 Euro für die Basisversion liegt der Fiesta deutlich unterhalb von Polo (ab 12.450 Euro) und Corsa (ab 11.890 Euro).  Allerdings kommt auch beim Fiesta das Einstiegsmodell im Vergleich zu den vielen Ausstattungsoptionen recht nackt daher. Insofern muss man für einen gut motorisierten als auch ausgestatteten Fiesta locker 18.000 bis 20.000 Euro einkalkulieren.

 
Fazit

Mario Hommen

Zwar hat sich Ford mit dem Facelift etwas Zeit gelassen, dafür ist es umfassender ausgefallen als üblich. Dabei blieb die Optik im Kern erhalten, doch dank einiger größerer Maßnahmen bietet der kleine Kölner noch mehr Ausstrahlung.

Spannend ist auch die neue Auswahl an Assistenzsystemen und kleinen Helferlein: Active City Stop, SYNC, Notruf-Assistent oder MyKey sind bemerkenswerte und attraktive Innovationen, die sich Ford allerdings auch einiges kosten lässt.

Ebenfalls nicht billig ist der neue Ein-Liter-Dreizylinder Ecoboost mit 125 PS, der im Gegenzug aber reichlich Dynamik bieten kann, bei einem zumindest theoretisch sehr niedrigem Verbrauch.

Ansonsten darf sich der Fiesta alter Stärken weiter rühmen: Dazu gehören ein gutes Platzangebot, ein niedriger Einstiegspreis oder das ausgewogene und dem Fahrspaß sehr förderliche Fahrwerkssetup.
 
 

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