Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Erster Test Ford Focus RS

Erster Test: Ford Focus RS

RStaunlich

14.05.2009

Einen 2,5-Liter-Benziner auf über 300 PS hochzüchten und die gewaltige Turbokraft allein auf die Vorderachse zu schicken – das hat noch kein Serien-Hersteller gewagt. Mit ausgeklügelter Vorderachs-Konstruktion und mechanischem Sperrdifferenzial kann Ford unerwünschte Antriebs-Einflüsse auf die Lenkung deutlich senken. Das Resultat ist beeindruckend, allerdings nicht voll überzeugend. Eindrücke einer Regenfahrt.

Dass der RS ein Krawalltyp ist, bringt er optisch klar zum Ausdruck. Macho-Beulen im Blechkleid, Kiemen in der Motorhaube, riesige Lufteinlässe in der Front, Spoiler und Diffusor im Heck, große 19-Zöller und dicke Auspuffendrohre versprühen gehobenes Überholprestige, jedoch wenig Understatement.

Auch das bereits etwas altbacken wirkende Interieur wurde sportlich akzentuiert. Farbliche Nähte, Karbon-Applikationen, Recaro-Sitze mit hervorragender Seitenführung und drei Zusatzinstrumente mittig im Armaturenbrett unterstreichen innen seine Sonderstellung. Wirklich von Nutzen ist die Ladedruckanzeige zwar nicht, doch begleitet sie optisch den deutlich spürbaren Turbobumms.

Fulminante Fünf

Galerie: Erster Test Ford Focus RSDas Fünf-Zylinder-Kraftwerk begeistert mit einem grandiosen Punch. Die turbotypische Anfahrschwäche ist vernachlässigbar und ab etwa 2.000 Touren geht so richtig die Post ab. Begleitet wird der imposante Leistungsaufbau von einem Überdruck-Ventilzischen, einem charaktervoll rauem Fünf-Zylinder-Sound, sattem Röhren und Grummeln sowie gelegentlichen Fehlzündungen – eine Kakophonie sportlicher Klänge, die berauscht und fortwährend zum Gas geben provoziert.

Berauschend ist dabei auch das spontane Ansprechverhalten und der gewaltige Durchzug. Rund sechs Sekunden dauert der 100-km/h-Sprint. Vor allem zwischen 3.000 und 5.000 Touren ist der Durchzug sehr füllig und satt. Noch bis in den Drehzahlbegrenzer, knapp jenseits der 7.000 Umdrehungen macht der Motor mächtig Druck. Der Drehzahlorgie wird überraschend sanft ein Ende gesetzt und klingt der Motor selbst bei Höchstdrehzahl keineswegs angestrengt.

Über 260

Galerie: Erster Test Ford Focus RSIm dritten kann man bis 150 beschleunigen, Gang wechseln, Gas geben und die 200 sind geknackt. Im sechsten Gang des leichtgängigen jedoch leicht labberigen Sechs-Gang-Getriebes lässt sich der RS auf über 260 treiben. Ruhig und gelassen liegt der Dreitürer selbst dann auf der Straße. Allein die Windgeräusche erreichen ein gehobenes Niveau. Ein hohes Niveau erreicht auch der Spritkonsum: Aus den etwas über neun Litern Normverbrauch wurden laut Bordcomputer auf unserer Testtour knapp 14 Liter.

Auch auf kurvigen Landstraßen darf man mit den ganz Großen spielen. Das straffe Fahrwerk lässt nur wenig Seitenneigung zu. Dank der sehr direkte Lenkung, dem vorbildlichen Einlenkverhalten und den kräftig zupackenden Bremsen werden selbst anspruchsvolle Sportnaturen Momente des Glücks verspüren.

Galerie: Erster Test Ford Focus RSGut, doch nicht perfekt

Und auch das Zerren an der Lenkung kann beim Beschleunigen aus der Kurve angesichts der enormen Kraft durchaus befriedigen. Doch trotz einer aufwendigen Lösung der Radaufhängung mit den sogenannten Revo-Knuckles und einem mechanischen Sperrdifferenzial: Auf regennasser Fahrbahn haben die Antriebsräder bei Volllast mit spürbaren Problemen zu kämpfen. Wenn man auf feuchter Fahrbahn mit voller Macht im zweiten Gang vorwärts stürmt, scharren die Vorderräder wie wild und blinkt das ESP-Lämpchen. Hinzu gesellt sich unschöne Bewegung ins Lenkrad und neigt der Wagen im schnellen Wechsel nach links und rechts zu ziehen. Beim Gangwechsel sollte man das Lenkrad mit fester Hand führen.

eVote

 

Unter den gegebenen Straßenverhältnissen war dieses Verhalten für einen Fronttriebler dennoch höchst respektabel. Doch kann man es niemandem verdenken, wenn er angesichts dieser Kraft dennoch einen Allrad- oder Heckantrieb bevorzugt. Ford macht mit technischer Raffinesse den RS zum fahrbaren Charakterdarsteller, bringt den Frontantrieb gar auf das derzeit höchste Sportniveau. Doch vermag der RS im Vergleich zu anderen Antriebsvarianten weiterhin nicht jeden überzeugen.

Teure Alternativen

Galerie: Erster Test Ford Focus RSSo bietet ein um gut 40 PS schwächerer BMW 130i bei etwa gleichen Fahrleistungen letztlich doch das agilere Antriebskonzept. Für den ambitionierten Kurvenspaß wird weiterhin der Heckantrieb die bessere, allerdings auch teurere Alternative sein.

Beim Einstiegspreis rangiert besagter 130i gut 1.000 Euro über den 34.000 Euro teuren und zudem noch gut ausgestatteten Focus RS. Will man den BMW auf ein etwa gleiches Ausstattungsniveau bringen, wird der kompakte Bayer gar um rund 5.000 Euro teurer. Immerhin bietet der BMW dabei einen hubraumstärkeren Sechszylinder, der zudem weniger verbraucht. Dennoch ist beim Ford das Preis-Leistungs-Verhältnis hervorragend.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Ford Focus RS
Ausstattungsvariante    
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.357/ 1.839 / 1.447
Radstand (mm)   2.640
Wendekreis (m)   12,2
Leergewicht (kg)   1.468
Kofferraum (Liter)   385
Bereifung Testwagen   235/35 R 19
Motor    
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   2.522 / 4, Reihe
Leistung (PS)   305
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   440 / 6.500
Antriebsart   Frontantrieb
Getriebeart   6-Gang-Schaltgetriebe
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   9,4
CO2-Emissionen (g/km)   225
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   5,9
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   263
Preise    
ab (Euro)   33.900
Empfohlene Extras   Damit der Focus RS richtig auffällt, empfiehlt sich die Sonderlackierung Ultimate-Green Metallic für 1.230 Euro.
 
Vergrößern
Verkleinern
 

Fazit

Ford beweist mit dem Focus RS, dass die Kombination aus extremer Kraft und Frontantrieb funktioniert. Nicht perfekt, aber doch erstaunlich gut. Es bleibt allerdings dabei: Ein Allrad- oder Heckantrieb wird bei gleicher Motorleistung in der Regel mehr Fahrspaß bieten. Dafür bekommt man beim RS herausragende Fahrleistungen für erstaunlich wenig Geld, zumal sich auch die Ausstattung sehen lassen kann. Ob sich allerdings der RS sehen lassen kann, ist wohl eine Frage des Geschmacks. Man sollte schon auf krachlederne Halbstarken-Optik stehen, um den RS zu mögen.

Galerie: Erster Test Ford Focus RS

 
4
80

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

AutoWelten

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.