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Galerie: Erster Test GLC Coupé

Erster Test: GLC Coupé

Der kleine, schräge Bruder

12.07.2016

Dass gerade SUV immer wichtiger für die Automobilhersteller werden, müssen selbst Skeptiker mittlerweile einsehen – wo man auch hinsieht, ein Pseudokraxler folgt dem Nächsten. Doch vielen Kunden ist ein reinrassiger Hochbeiner einfach zu bullig und irgendwie doch zu plump. Klar, rechtmachen kann man es nicht jedem, doch versuchen es die Hersteller: Für eine sportlichere Optik der SUV muss dann halt das Heck ein wenig abgeschrägt werden. Und da das beim Mercedes-Benz GLE Coupé schon wunderbar funktioniert hat, darf sich nun auch der kleine Bruder GLC mit dem Namenszusatz Coupé schmücken. Ab September steht der schräge Ableger beim Händler.

BMW beweist es mit X6 und X4 bereits seit längerem: SUV-Coupés gehen weg wie warme Leberkäs-Semmeln. Und auch das neue GLC Coupé soll die Kunden in den Schauraum locken, wie eine gratis Portion Maultäschle. Dass das funktioniert, davon ist Mercedes überzeugt – und das wahrscheinlich zu Recht. Mit der Schwerfälligkeit schwäbischer Hausmannskost allerdings hat der neue, 4,7 Meter lange Stuttgarter nichts zu tun: Bei dem hochbeinigen Schrägheck steht der Fahrspaß im Vordergrund und er will mit einer ordentlichen Portion sportlicher Agilität punkten.

Mehr Sportlichkeit

Galerie: Erster Test GLC CoupéDamit der Neue schnell die Richtungsbefehle des Fahrers umsetzen kann, hat man ihm eine Lenkung spendiert, die mit einer Übersetzung von 15:1 nicht direkter agieren könnte. Hinzu kommt eine Stahlfederung mit Dämpferverstellung, die zusammen mit Gaspedalkennlinie und Schaltprogramm über einen Knopf in der Mittelkonsole auf noch mehr Sportlichkeit getrimmt werden kann, als im Standard-GLC und so spürbar höhere Kurvengeschwindigkeiten erlaubt.

Apropos Mittelkonsole: Das tadellos verarbeitete Cockpit teilt sich das Coupé freilich mit seinem konventionellen SUV-Bruder, Fahrer und Beifahrer sitzen auf Wunsch auf Sportsitzen. Einen Unterschied im Innenraum merken vor allem die Passagiere im Fond: Ihnen kommt das Dach spürbar eher entgegen. Und auch das Kofferraumvolumen ist gegenüber dem normalen GLC um 80 auf 500 Liter geschrumpft.

Hoher Leichtfüßler

Zurück auf die Straße: Beide Features – die neue Lenkung und das verstellbare Fahrwerk – stehen dem GLC Coupé gut zu Gesicht. Bereits nach den ersten Metern sehen wir der kurvenreichen Teststrecke freudig entgegen, so verzaubert sind wir von dem kleinen, schrägen Stuttgarter. Und der freut sich kaum weniger auf ein bisschen Herausforderung: Schnell noch in den Sport-Plus-Modus gewechselt und rauf aufs Gaspedal. Leichtfüßig spurtet der ab Dezember erhältliche Mercedes-Benz GLC 300 4MATIC die bergigen Passagen hinauf, wirft sich in die Kurve und krallt sich dabei scheinbar so tief in den Boden fest, dass ein Abweichen von der Ideallinie als schier unmöglich erscheint. Mit kleinsten Lenkbewegungen kann er sogar durch scharfe Haarnadelkurven bequem dirigiert werden.

Galerie: Erster Test GLC CoupéAuch die Automatikschaltung arbeitet sich zuverlässig durch die Gänge und weiß gekonnt mit der Kraft umzugehen. Die kommt übrigens aus einem Zwei-Liter-Reihen-Sechszylinder mit 245 PS. Seine 370 Newtonmeter Drehmoment liegen satt zwischen 1.300 und 4.000 Umdrehungen an und treiben den rund 1,7 Tonnen schweren GLC in nur 6,5 Sekunden auf Landstraßentempo. Allerdings will das Coupé bei sportlicher Fahrweise schon ein wenig mehr, als die angegebenen 7,3 Liter Benzin.

250 PS zum Marktstart

Wer es ein wenig ruhiger angehen lassen will, für den gibt es schon ab September den GLC 250 Coupé mit 211 PS, der sich für den Hunderterspurt 7,3 Sekunden nimmt und ebenfalls mit Allrad kommt. Dieser Zwei-Liter-Benziner kann, für alle die ihr grünes Gewissen beruhigen möchten, ebenfalls ab Ende des Jahres auch noch mit einem Elektromotor als Unterstützung geordert werden. Mit einer Systemleistung von 320 PS und einem Gesamtdrehmoment von 560 Newtonmetern überrascht es kaum, dass diese Kombination noch schneller Tempo 100 hinter sich lässt – 5,9 Sekunden, länger braucht er nicht, und tritt dazu mit jeder Menge Wucht aus dem Stand weg an.

Rein elektrisch lässt sich der an der Steckdose aufladbare Plug-In-Hybrid bis zu 34 Kilometer fahren und ist mit einem rechnerischen durchschnittlichen Verbrauch von 2,6 Litern vorbildlich sparsam. Das funktioniert freilich nur auf den ersten 100 Kilometern – und nur, wenn die Akkus beim Start voll sind – ansonsten rauschen im Mittel auch sechs, sieben oder mehr Liter durch die Benzinleitung. Gerade für den Alltag aber reicht die elektrische Reichweite aus und man kann den GLC theoretisch über lange Zeit nur mit Strom bewegen.

  • Technische Daten – GLC Coupé

Länge: 4,73 Meter, Breite: 1,89 Meter, Höhe: 1,60 Meter, Radstand: 2,87 Meter, Kofferraumvolumen: 500 bis 1400 Liter:

GLC 250 4Matic: 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner, 155 kW/211 PS bei 5.500 U/min, maximales Drehmoment: 350 Nm bei 1.200-4.000 U/min, 9-Stufen-Wandlerautomatik, 0-100 km/h: 7,3 s, Vmax: 222 km/h, Durchschnittsverbrauch: 6,9 Liter, CO2-Ausstoß: 159 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: B, Preis: ab 49.444,50 Euro

GLC 220 d 4Matic: 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel, 125 kW/170 PS bei 3.000-4.200 U/min, maximales Drehmoment: 400 Nm bei 1.400-2.800 U/min, 9-Stufen-Wandlerautomatik, 0-100 km/h: 8,3 s, Vmax: 210 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,0 Liter, CO2-Ausstoß: 131 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: A, Preis: ab 49.980 Euro

GLC 250 d 4Matic: 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel, 150 kW/204 PS bei 3.800 U/min, maximales Drehmoment: 500 Nm bei 1.600-1.800 U/min, 9-Stufen-Wandlerautomatik, 0-100 km/h: 7,6 s, Vmax: 222 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,0 Liter, CO2-Ausstoß: 131 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: A, Preis: ab 51.289 Euro

Noch mehr Motoren

Was steht dieselseitig zu Wahl? Zu Beginn wird es bei den Selbstzündern zwei Modelle geben, den 220d sowie den 250d. Die beiden 2,2-Liter-Motoren können wahlweise mit 170 PS oder 204 PS geordert werden. Auch diese beiden werden mit Allradantrieb ausgestattet sein, später soll es noch einen Einstiges-GLC (200d) mit 136 PS und Heckantrieb geben. Und natürlich darf auch der Haus-Tuner AMG sein Können wieder unter Beweis stellen. Alle PS-Junkies dürfen aufhorchen: Der GLC 43 wird mit einem Sechszylinder-Biturbo ausgestattet der auf die Kraft von 367 Pferdchen zurück greifen kann. Zum Vergleich: Der BMW X4 M40i hat sieben Pferdestärken weniger.

Galerie: Erster Test GLC CoupéDass SUV-Coupés begehrt sind, wissen freilich nicht nur die Entwickler, sondern auch der Vertrieb. Und der hat durchaus selbstbewusste Preise festgelegt: Das GLC Coupé 250 4MATIC ist für 49.444,50 Euro erhältlich, den ab September vorerst kleinsten Selbstzünder bekommt man für 49.980 Euro. Keine Schnapper, und nach oben sind auch hier keine Grenzen gesetzt. Die Preisliste mit den Sonderausstattungen umfasst viele Seiten mit noch mehr Extras, mit denen man das Coupé zwar individualisieren kann, den Geldbeutel dafür aber schnell schmälert. Immerhin ist das Sportfahrwerk, ein Chrom-Paket, die schlüsselose Keyless-Go-Technik, Mischbereifung und eine Rückfahrkamera serienmäßig an Bord. Letztere braucht man allerdings auch zwingend, da die Rücksicht durch das abgeschrägte Heck enorm beeinträchtigt ist.

 
Fazit

Jan Menno Schmidt

Mercedes macht zurzeit fast alles richtig, und präsentiert den Kunden ein Haben-will-Auto nach dem nächsten. Und auch der Vorwurf, die Stuttgarter hätten den SUV-Coupé-Trend verpennt und hecheln BMW X6 und X4 jetzt nach, stimmt so nicht. Inzwischen ist die anfangs heftig gescholtene Fahrzeuggattung salonfähig und auch die etwas konservativere Mercedes-Kundschaft lässt sich nun davon überzeugen, doch vielleicht ein Schrägheck zu kaufen. Ob Mercedes deswegen mehr Einheiten der GLC-Baureihe verkauft, sei dahingestellt.

Zumindest müssen alle, die ein Coupé wollen, jetzt nicht zu den Münchnern wechseln. Und die Entscheidung beim Stern zu bleiben wird keiner bereuen: Sportlich, schick und mit jeder Menge serienmäßigem Fahrspaß ist der kleine GLE-Bruder auf jeden Fall eine adäquate Alternative. Und dass man durch das kleine, schräge Heckfenster kaum etwas sieht, kann man ja auch als Botschaft deuten: Der GLC will an die Spitze – und dafür muss man halt vorwärts fahren.
 
 

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