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Galerie: Erster Test Honda Civic

Erster Test: Honda Civic

Vernunftgetriebener

01.12.2011

Wacker, wacker: Seit fast 40 Jahren und in der bereits neunten Generationen gibt es Hondas Civic in Deutschland. Zum Paukenschlag setzte der Dauerbrenner 2006 in der achten Auflage an. Futuristische Optik traf hier auf hohes Fahrdynamik-Niveau. Sein jetzt startender Nachfolger knüpft an diese Erfolgsformel allerdings nicht nahtlos an. Der weiterhin eigenwillig auftretende Japaner will stärker mit Vernunft und Komfort punkten. Da kommt beim Abschied vom Vorgänger auch etwas Wehmut auf.

Als Honda seinen achten Civic 2005 vorstellte, ging ein Raunen durch die Autowelt. Mit dieser von Wagemut getriebenen, radikalen Kehrtwende preschte ein Auto mit unerhört viel Aufreger-Potenzial in das von Sachlichkeit geprägte Kompaktsegment. Zugegeben: Der spacige Civic polarisierte und musste gemocht werden. Doch das Experiment glückte: Hondas Courage wurde mit ordentlichen Verkaufszahlen belohnt.

Mit der nun startenden neunten Generation hätte man erwarten wollen, dass die Japaner um ein weiteres Mal besonderen Wagemut an den Tag legen, doch dem Neuen ist ein Teil seiner exzentrischen Natur abhanden gekommen. Zwar ist der neue Civic seinem Vorgänger recht ähnlich, andererseits orientiert sich das abgeflachtere und strömungsoptimierte Fahrzeug deutlicher an allgemeinen Autobautrends. So werden die breiteren Radhäuser mit feinen Lichtkanten stärker betont, während die Front mit Luftöffnungen und zeitgemäßem LED-Tagfahrlicht aufgepeppt wurde. Und dann haben sich die vormals so coolen Dreiecks-Auspuffendrohre in Rauch aufgelöst.

Feinere Materialien

Galerie: Erster Test Honda CivicBeim Innenraum hat Honda wieder einen futuristisch anmutenden, fahrerzentrierten Informations-Overkill eindrucksvoll inszeniert. Wer auf bunte Displays steht, sich an Zahlen und Skalen nicht satt sehen kann, kommt hier voll auf seine Kosten. Andererseits könnte man monieren, dass die Anzeigen-Orgie etwas übertrieben und zudem zerklüftet ist. Entsprechend bleibt dem Beifahrer einiges von dieser Darstellungspracht verborgen.

Dafür können sich alle Insassen an deutlich aufgewerteten Materialien erfreuen. Hier sind im Vergleich zum Vorgänger Fortschritte klar wahrnehmbar, ist der Materialmix abwechslungsreicher, moderner und hinterlassen die Oberflächen einen höherwertigen Eindruck. Mit der optional sehr reichhaltigen Komfortausstattung ist hier ein formidables Wohlfühlambiente möglich.

Neue Spritsparfunktionen

Der beim Vorgänger noch links vom Lenkrad positionierte Motor-Startknopf wanderte nach rechts und wurde durch eine neue Eco-Taste ersetzt. Der mit dieser Taste aktivierbare Sparmodus beschert dem Fahrer weniger Leistung und damit weniger Verbrauch. Den Fahrer versorgt zudem eine zwischen Grün und Blau changierende Cockpitbeleuchtung unterschwellig mit der Information, ob man jetzt besonders effizient oder nicht unterwegs ist. Und beim Ampelstopp verhilft eine bei allen Motoren serienmäßige Start-Stopp-Automatik dem neuen Civic zu einem insgesamt vorbildlichen Ökoverhalten.

Galerie: Erster Test Honda CivicBesonders vorzeigbar ist der Kofferraum des Civic, der dank seiner platzsparenden Verbundlenkerhinterachse mit 477 Liter eine im Segment einzigartige Bestmarke setzt. Legt man die Rückbanklehne nach vorne, wächst die Ladekapazität dank der automatisch sich absenkenden Sitzfläche auf stolze 1.378 Liter. Nachteil der gigantischen Raumausbeute: Der Gepäckschacht ist ziemlich tief und da es keinen Zwischenboden auf Höhe der Ladeschwelle gibt, muss man hier schwere Gegenstände recht umständlich hinaus wuchten.

Eine Besonderheit des variablen Gepäckabteils: Die Fondsitzfläche lässt sich nach oben klappen, was zwischen Rückbank und Vordersitzen einen praktischen Platz für hohes Ladegut wie Fahrräder schafft. Im Kompaktsegment bleibt der Civic mit seinem Clever-Konzept weiterhin Kofferraum-König. Wenn auch das Motto des Civic "große Klappe und viel dahinter" lautet, muss man auch Abstriche hinnehmen: So ist die Sicht nach hinten trotz der weniger prägnanten Abrisskante immer noch dürftig und die Raumfreiheit für die Köpfe und Beine der Fondspassagiere angesichts von 4,30 Meter Länge bescheiden.

Mehr PS, weniger Durst

Galerie: Erster Test Honda CivicSo gar nicht bescheiden ist der vorläufig einzig verfügbare Diesel. Wie beim Vorgänger gibt es den 2.2 CDTi, der allerdings technisch deutlich überarbeitet wurde und trotz einer Leistungssteigerung von 140 auf 150 PS mit einem deutlich besseren Normverbrauchswert brilliert. Während beim alten Civic der Verbrauch bei 5,3 Liter lag, bescheidet sich der neue Selbstzünder laut Honda mit 4,2 Liter.

Trotz dieser niedrigen Marke bewegt sich der Kompaktneuling fast auf dem Niveau des Golf GTD: Der neue Civic sprintet in 8,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und wird maximal stolze 217 km/h schnell. Zum Vergleich: Der seinerzeit flotte Vorgänger fährt mit 8,7 beim Sprint und 205 km/h Topspeed klar hinterher.

Lücken im Motorenmix

Wie schon beim Vorgänger harmoniert der Antrieb mit dem manuellen Getriebe bestens, lässt sich der 2.2 CTDi schaltfaul in der Stadt bewegen und läuft souverän auf langer Strecke. Das bestens abgestufte Getriebe verwöhnt zudem mit einem angenehmen knackigen Schaltgefühl.

Galerie: Erster Test Honda CivicSo herrlich der große und einzig verfügbare Diesel auch sein mag: Dem Civic fehlt mittlerweile ein kleiner, besonders effizienter Spardiesel, wie Honda selbstkritisch eingesteht. Daran wird sich aber erst mittelfristig etwas ändern: Wohl erst Ende 2012 kommt ein 120 PS starkes und 1,6 Liter großes Downsizing-Aggregat, mit dem dann ein Verbrauch von unter vier Liter realisiert werden soll.

Ebenfalls nicht mehr ganz zeitgemäß erscheinen die drehzahlhungrigen Benziner. Hier gibt es die vom Vorgänger bekannten Sauger mit 100 und 142 PS. Der stärkere der beiden Ottomotoren mit 1,8 Liter muss vom Gasfuß gefordert werden, wenn man sein volles Leistungspotenzial abrufen will. Immerhin sind jenseits der 4.000 Umdrehungen sogar sportliche Fahrfreuden angesagt, soll der obenrum quirlige Vierzylinder einen Standardsprint in 8,7 Sekunden ermöglichen und sich theoretisch mit 5,8 Liter Benzin auf 100 Kilometer begnügen. Gefühlt machen aber die derzeit angesagten, aufgeladenen Downsizing-Motoren mehr her, denn diese können mit sattem Schub von unten raus begeistern bei teilweise niedrigeren Normverbräuchen. Doch Hondas Drehorgel hat immer noch einen gewissen Reiz.

Der Alte hat es weiterhin voll drauf

Galerie: Erster Test Honda CivicBegeistern konnte uns auf unserer Testfahrt übrigens auch die achte Civic-Generation mit dem alten 2.2 CDTi, die Honda im Rahmen der Pressevorstellung der Neuauflage außerdem zu Testfahrten bereitstellte. Dabei wirkte der alte Diesel trotz seiner nominell schlechteren Fahrleistungen sogar eine Idee spritziger, setzte den Gasbefehl gefühlt spontaner um und sorgte beim Beschleunigen zudem sein starkes Pfeifen für eine gewisse emotionale Note. Diese wurde dem neuen, kultivierteren Selbstzünder abgewöhnt und vermittelt dieser nur ganz dezent noch sein Dieselnaturell akustisch an die Insassen.

Ebenfalls besondere Freuden bereitet das dynamisch abgestimmte Fahrwerk des alten Civic, der in schnellen Kurven präzise auf der Straße liegt und dessen Lenkung mit superber Rückmeldung fasziniert. Der Neuauflage hat Honda eine vergleichsweise vernünftigere Abstimmung verpasst, bei der statt einer hydraulischen Servolenkung nun eine verbrauchsgünstigere elektromechanische Variante zum Einsatz kommt. Diese ist zwar grundsätzlich angenehm und bietet die gleiche Lenkübersetzung, wirkt dabei aber dennoch eine Idee synthetischer als beim alten Civic.

Deutlich komfortabler hat Honda zudem das Fahrwerk abgestimmt. Selbst über grobe Unebenheiten rollt der kompakte Honda recht gelassen hinweg, vermittelt dabei aber kein schwammiges Gefühl. Allerdings versetzte die Hinterachse bei besonders fiesen Querfugen leicht. Wer mit dem neuen Civic besonders flott unterwegs sein will, wird dennoch ganz sicher auf seine Kosten kommen. Der Alte mag etwas schneller in Kurven reinfahren, mit dem Neuen kommt man dafür etwas flotter raus.

Starke Extras, attraktive Preise

Galerie: Erster Test Honda CivicZu den herausragenden Errungenschaften des neuen Civic gehören eine Reihe neuer Helferlein. Neben den üblichen Regelsystemen gibt es einen im Kompaktsegment noch äußerst seltenen und gut arbeitenden Abstandstempomaten und sogar einen radarbasierten Kollisionsverhinderer. Beide Zubehör-Schmankerl bekommt man übrigens im Paket für zusammen rund 2.000 Euro.

Und damit sind diese Extras im Wettbewerbsumfeld wie auch der grundsätzlich als Fünftürer angebotene Civic insgesamt bemerkenswert günstig positioniert. Die bereits ordentlich ausgestattete, aber etwas behäbige 100-PS-Basis kostet 17.000 Euro. Für den starken 1.8er in der mit vielen Extras gesegneten Version Sport werden 23.000 Euro abgerufen. Für den Diesel sind es dann mit ebenfalls vielen serienmäßigen Extras mindestens 25.800 Euro. Viel Geld zwar, doch VW verlangt für einen viertürigen Golf GTD fast viertausend Euro mehr.

 
Fazit

Mario Hommen

Hondas neuer Civic kommt konventioneller als sein Vorgänger daher, ist aber weiterhin eine eigenwillige Erscheinung. Trotz gewisser Extravaganz bietet das Kompaktmodell einige handfeste Vorteile. Zu den neuen Stärken gehören ein besonders komfortables Fahrwerk und ein höherwertiger Materialmix im Innenraum. Zu den alten Stärken gehören sein großer und ein vielseitig nutzbarer Kofferraum, der im Vergleich zum Vorgänger sogar gewachsen ist.
 

Außerdem bietet Hondas C-Segment-Dauerbrenner einen besonders starken und dennoch genügsamen Dieselmotor, der trotz eindrucksvoller Fahrleistungen auch eindrucksvoll effizient ist. Insgesamt fehlt es der noch recht kleinen Motorenpalette aber an zeitgemäßeren Down-Sizing-Aggregaten.

Besonders fortschrittlich zeigt sich der dafür Civic mit seinen optionalen Assistenzsystemen. In seiner Klasse noch eine absolute Ausnahme sind ein Abstandstempomat und ein Kollisionsverhinderer.

Wer einen gut ausgestatteten und starken Civic will, muss zwar einen ordentlichen Batzen Geld hinblättern, doch im Vergleich zu den meisten Mitbewerber ist er ausstattungsbereinigt eine interessante Alternative.

 

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