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Galerie: Erster Test Hyundai i30

Erster Test: Hyundai i30

Gefährlich gut

16.03.2012

Seinen Respekt zollte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn dem Hyundai i30 – vielleicht unfreiwillig – schon 2011 bei einer Sitzprobe auf der IAA. Bei unserer ersten Ausfahrt musste der koreanische Kompakte jetzt unter Beweis stellen, ob er dem Klassenprimus VW Golf tatsächlich gefährlich werden könnte.

Die Koreaner haben schnell gelernt: Vor zwanzig Jahren, als Hyundai mit dem Pony erstmals in Europa in der Kompaktklasse startete, entlockte dies VW nur ein müdes Lächeln. Doch von Generation zu Generation wurde die Qualität immer weiter verbessert und mit der neuesten Ausgabe des i30 kommt auch noch ein frisches Design hinzu.

Die Optik war einer der häufigsten Kritikpunkte am Vorgänger: Zu bieder sei er gewesen, zu schlicht, zu unauffällig. Das hat man sich in Hyundais Designzentrum in Rüsselsheim zu Herzen genommen und dem neuen i30 ein markantes Blechkleid mit ausgestellten Radhäusern, einem großen Kühlergrill und effektvoll platzierten Kanten und Falzen geschneidert. Vorne sind die serienmäßigen, gebogenen LED-Tagfahrleuchten ein Blickfang, am Heck fallen die nun quer statt aufrecht stehenden Heckleuchten sowie ein Dachkantenspoiler auf.

Schlechte Sicht

Galerie: Erster Test Hyundai i30Die coupéartige Dachlinie sorgt zwar für einen schnittigen Auftritt, verschlechtert zusammen mit relativ breiten C-Säulen und einer schmalen, hohen Heckscheibe die Sicht nach hinten; die optionalen Parksensoren sollten bei der Bestellung also nicht fehlen. Je nach Sitzposition, die auf den bequemen, aber etwas zu weich geratenen Stühlen auch große Fahrer schnell finden, stört die langgezogene A-Säule die Sicht; vor allem in der Kurve kann dies Verrenkungen notwendig machen.

Mit 4,30 Meter Länge ist der Hyundai ein leicht gewachsen, der Radstand beträgt dagegen unverändert 2,65 Meter. Obwohl der Platz zwischen den Achsen nicht größer wurde, haben die Passagiere, dank eines optimierten Packaging, etwas mehr Freiraum. Vor allem die Beinfreiheit ist im Fond üppig, am Kopf wird es des abfallenden Dachs wegen etwas enger. Der Kofferraum ist auf 378 bis 1.316 Liter gewachsen. Altmodisch: Für einen ebenen Ladeboden muss die Sitzfläche der Rückbank extra hochgeklappt werden.  

Fast perfekte Verarbeitung

Das Cockpit ist trotz leicht futuristisch anmutender Erscheinung vorbildlich übersichtlich; die großen Tasten sind da, wo man sie vermutet und auch das Touchscreen-Navigationssystem stellt den Bediener nicht vor große Hürden. Verarbeitung und Materialauswahl sind vorbildlich – von zwei Schwachstellen abgesehen. Zum einen wirken die aus schwarzem Hartplastik gefertigten Lenkstockhebel auch bei Neuwagen bereits speckig.

Zum anderen ist das Sonnenrollo des Panoramaglasdach ein recht windiger Lappen und offenbart sich beim Öffnen des Segels ein Träger aus blankem Metall zwischen den C-Säulen; das hätte man auch verkleiden können. Davon abgesehen aber gibt es keinen Grund zu Kritik und fährt der Hyundai trotz der kleinen Schönheitsfehler eine 1- ein.

Üppige Serienausstattung

Galerie: Erster Test Hyundai i30Pluspunkte sammelt der i30 auch mit seiner üppigen Serienausstattung. Neben elektrischen Fensterhebern vorn, einem Bordcomputer, Berganfahrassistent und Nebelscheinwerfern gehören auch eine Klimaanlage, ein CD-Radio inklusive USB- und Aux-Eingang und die dreifach verstellbare Servolenkung zum Standard - für einen Preis von 15.850 Euro.

Um in den Genuss der praktischen längsverschiebbaren Mittelarmlehne zu kommen, muss man allerdings mindestens zur mittleren Ausstattungslinie Trend greifen, für die Basis Classic gibt es nur eine feste Armstütze. Dafür können ab Trend auch hochauflösende, blau beleuchtete Displays für den sonst monochrom gehaltenen Bordcomputer geordert werden.

Stopp-Start nur für den Stark-Diesel

Die Motoren für den i30 haben entweder 1,4 oder 1,6 Liter Hubraum. Bei den Benzinern entwickelt der kleinere 99, der größere 135 PS. Mit letzterem ist der i30 auf jeden Fall ausreichend stark motorisiert und hält das leise Aggregat auch noch Reserven zum Überholen bereit. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei autobahntauglichen 195 km/h, der Verbrauch bei rund sechs Litern; mehr benötigt auch der stärkere nicht.

Galerie: Erster Test Hyundai i30Bei den Dieseln erzeugt der 1.6er wahlweise 110 oder 128 PS; der 1.4 kommt auf 90 Pferdestärken. Alle drei Versionen konsumieren gut vier Liter Diesel auf 100 Kilometer; der stärkste Diesel kann auch in einer Blue-Ausführung mit Leichtlaufreifen und Stopp-Start-Automatik geordert werden, damit sinkt der Verbrauch auf 3,7 Liter. Bei unserer ersten Testfahrt vermochte der schwächste Selbstzünder als klassischer Brot-und-Butter-Motor vollends überzeugen, er läuft schon ab 1.500 Umdrehungen sehr ruhig und tritt knapp unter 2.000 Touren kraftvoll an. Allerdings geht ihm im höheren Drehzahlbereich recht schnell die Puste aus und ist der Geschwindigkeitszuwachs jenseits der 120 km/h eher zäh.  

Trotz der ordentlichen Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h sollte, wer häufiger längere Strecken auf der Autobahn fährt, zu einer der stärkeren Varianten greifen. Alle Motoren kommen ab Werk mit einer leichtgängigen Sechsgang-Schaltung, für die 1.6er-Motoren hält Hyundai eine sechsstufige Wandlerautomatik vor, die den Verbrauch aber deutlich in die Höhe treibt.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Hyundai i30   Hyundai i30
Motor / Ausstattung   1.4 Classic   1.6 Trend
Motor        
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   1.396 / R4   1.591 / R4
Leistung (kW (PS) / U/min)   73 (99) / 5.500   99 (135) / 6.300
Drehmoment (Nm / U/min)   137 / 4.200   164 / 4.850
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   6-Gang-Schaltgetriebe   6-Gang-Schaltgetriebe
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.300 / 1.780 / 1.470   4.300 / 1.780 / 1.470
Radstand (mm)   2.650   2.650
Wendekreis (m)   10,6   10,6
Leergewicht  (kg)   1.260   1.268
Kofferraum (Liter, nach DIN)   378 - 1.316   378 - 1.316
Serienbereifung   195/65 R 15   195/65 R 15
Verbrauch        
Krafstoffart   Benzin   Benzin
EU-Zyklus (l/100km)   6,0   5,7
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   139 / Euro 5   134 / Euro 5
Effizienzklasse   C   C
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   13,2   9,9
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   182   195
Preise        
ab (Euro)   15.850,00   19.370,00
Ausgewählte Extras (Euro)   Funktionspaket inkl. Mittelarmlehne, Freisprecheinrichtung und Parksensoren ( 650)   Automatik (1.400), Navigationssstem (1.120), Panoramadach (1.200), Klimaautomatik (560), Xenonlicht (1.300), Pluspaket inkl. Parksensoren, Regensensor, Freisprecheinrichtung (1.290), Lederausstattung (1.600)
 
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Gelungenes Fahrwerk

Galerie: Erster Test Hyundai i30Das Hyundai für die Präsentation des i30 Dresden gewählt hat und die Teststrecken rund um die sächsische Landeshauptstadt über zum Teil äußerst marode LPG-Straßen führten, zeigt, dass die Koreaner vom Fahrwerk ihres Volumenmodells überzeugt sind - und das zu Recht. Der Kompromiss aus Komfort und Fahrdynamik kann schlichtweg als gelungen bezeichnet werden, auch grobe Schlaglöcher oder lückenhaftes Kopfsteinpflaster werfen den i30 nicht aus der Bahn.

Hinzu kommt die eingangs erwähnte, justierbare Servolenkung. Per Tastendruck am Volant lässt sich die Lenkraftunterstützung in drei Stufen regulieren, so dass das Rangieren im Komfortmodus leichter von der Hand gehen soll und im strafferen Sportmodus der Fahrer hingegen mehr Rückmeldung bekommt. Die Unterschiede sind allerdings nicht übermäßig groß und hat man seinen Lieblingsmodus gefunden, wird man die Lenkung nicht mehr oft verstellen.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Um seine Stellung als Klassenprimus braucht sich der VW Golf ob seines Namens allein keine Sorgen machen, doch hat der Hyundai i30 das Zeug dazu, ihm einige Kunden wegzuschnappen. Der koreanische Kompakte fährt auf dem Qualitätsniveau des Wolfsburgers vor, bietet ordentlich Platz und ein hervorragend austariertes Fahrwerk.

Was ihm noch fehlt, ist ein Spaßmotor, doch ist es wahrscheinlich, dass der für den dreitürigen Veloster angekündigte Turbo-Benziner auch im i30 zum Einsatz kommt; der dürfte dann knapp 190 PS haben. Außerdem stehen noch die zweitürige Variante sowie der Kombi CW in den Startlöchern.
 
 

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