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Galerie: Erster Test Hyundai Veloster 1.6

Erster Test: Hyundai Veloster 1.6

Mit USP-Marotte

12.08.2011

Dreitürer? Na und?! Was zunächst recht alltäglich klingt, umschreibt im Fall des Veloster ein Türenkonzept mit einer derzeit einzigartigen Asymmetrie. Rational betrachtet ist diese Lösung allerdings nur ein netter Marketing-Gag, ein schrulliges Alleinstellungsmerkmal. Und sieht man einmal von dieser Türen-Tollheit ab, ist der Veloster nur ein weiterer Kompakt-Sportler mit einigen Detailschwächen und einem günstigen Preis.   

Das Besondere am Türen-Konzept des Veloster sind seine drei seitlichen Einstiegsportale. Während sich auf der Fahrerseite coupétypisch nur eine große Tür befindet, hält der Hyundai auf der Beifahrerseite zusätzlich noch eine in Fahrtrichtung öffnende, separate Tür für die Fondgäste bereit. In ähnlicher Form findet sich eine solche Lösung zwar schon beim Mini Clubman, doch öffnet sich bei dem BMW-Modell das zusätzliche Fondportal entgegengesetzt zur Fahrtrichtung.

Der Veloster wurde grundsätzlich als Zwei- und als Viertürer konstruiert, doch das tatsächlich produzierte Modell ist eine Mischung aus beiden Türversionen. Diese fraglos eigenwillige Lösung ist allerdings keine technische Innovation als vielmehr ein Marketing-Gag. Hyundais Strategen hoffen, mit einem solchen USP (Unique Selling Point =  Alleinstellungsmerkmal) die Absatzchancen zu steigern. Neben der Einzigartigkeit preist Hyundai diese Lösung aber vor allem als praktischen Gewinn an, denn als Coupé mit zusätzlicher Fondtür gestaltet sich der Einstieg nach hinten ja etwas leichter.

Glas halb voll oder halb leer?

Galerie: Erster Test Hyundai Veloster 1.6Streng genommen handelt es sich beim Veloster jedoch um eine Steilheck-Karosserie mit zugegebenermaßen knackigen Proportionen, doch echte Coupés sehen anders aus. Und solche Steilheck-Modelle werden bei vielen anderen Herstellern sogar grundsätzlich mit vier Türen angeboten. Insofern könnte man auch die Meinung vertreten, dass dem Möchtegern-Coupé in Wahrheit eine zusätzliche Tür auf der Beifahrerseite fehlt. Ein klassisches Glas-halbvoll-halbleer-Dilemma also.

Doch Hyundai setzt nicht allein auf das eigenwillige Türenkonzept, um den Veloster als Charakterkopf zu inszenieren. Da wäre zum Beispiel auch seine bullige Front, die mit großen und scharf dreinblickenden Schweinwerfern und seitlichen Vertikal-Schlitzen zwar ein wenig an Citroëns DS3 erinnert, ansonsten jedoch die bei Hyundai derzeit frisch eingeführte, durchaus eigenständige und mutige Design-Handschrift selbstbewusst zur Schau stellt.

Das Gegenteil von langweilig

Galerie: Erster Test Hyundai Veloster 1.6Auch sonst strahlt das mit Sicken reich gesegnete Blechkleid mitsamt dem ausdrucksstark proportionierten Heck auffällig viel Dynamik aus. Unter anderem das zentrale Doppel-Auspuffendrohr in einer diffusorartig gestalteten Schürze verhilft dem hinteren Ende zu ansehnlicher Power-Optik. Die große Heckklappe mit zweigeteilter Scheibe oder die tiefen Einbuchtungen im Anschluss an die großen Rückleuchten setzen weitere Akzente. LED-Tagfahrlichter und grelle Außenfarben, die sich gegen Aufpreis sogar auf den Felgen wiederfinden können, runden den Fashion-Auftritt ab.

Doch wie immer man die vielen extrovertierten Details auch finden mag, der Veloster kann nicht kaschieren, dass seine Karosserie letztlich auch nutzwertoptimiert ist und das praktische Steilheck-Layout die Linie irgendwie leicht versaut. Wer zum Beispiel seitlich auf das Hinterteil schaut, könnte am hohen Blechanteil überm Hinterrad Anstoß nehmen. Das wirkt weder elegant noch irgendwie coupéhaft. Doch befindet sich der Veloster damit in guter Gesellschaft, denn auch ein VW Scirocco leidet unter einem ganz ähnlichen Proportions-Dilemma.

Über Form und Funktion

Galerie: Erster Test Hyundai Veloster 1.6Und wie der Scirocco, so bietet auch der Veloster damit andererseits einige handfeste Vorteile für den Autoalltag. Für immerhin vier Personen bietet der 4,22 Meter lange Pocket-Racer vollwertige Sitzplätze und können dank der zusätzlichen Fondtür auf der Beifahrerseite selbst Erwachsene nach hinten halbwegs bequem einsteigen. Während die Kniefreiheit hinten  überraschend gut ist, kommen über 1,70 Meter große Personen mit ihrem Haupt der Dachkante schon bedächtig nahe. Großzügig dimensioniert ist dafür der tiefschachtige Kofferraum, der sich dank umklappbarer Sitzbanklehne von 320 auf 1.015 Liter erweitern lässt.

Vorne sind die Platzverhältnisse tadellos, fühlt man sich wie in einem erwachsenen und vor allem auch sportlichen Auto, das trotz des Verzichts auf Softoberflächen und Echtchrom-Zierrat eine gewisse Wertigkeit versprüht. Von den Sitzen wird man verbindlich umklammert und auch die moderne und schicke Arbeitsplatz-Architektur hinterlässt beim Fahrer das Gefühl, in einem sportlichen Fahrzeug zu sitzen. Tacho und Drehzahlmesser stecken in tiefen Röhren, das Lederlenkrad liegt gut zur Hand und in der V-förmig skulpturierten Mittelkonsole befindet sich am unteren spitzen Ende der Start-Stopp-Knopf, mit dem der 1,6-Vier-Zylinder-Benziner zum Leben erweckt wird.

Vorerst nur ein Motor

Der 140 PS mobilisierende Direkteinspritzer ist die vorläufig einzig verfügbare Motorisierung für den Veloster, der Kunde hat dabei immerhin noch die Wahl zwischen einer manuellen Sechs-Gang-Box oder einem 1.700 Euro teuren Doppelkupplungs-Getriebe mit ebenfalls sechs Übersetzungsstufen. 2012 will Hyundai das Motorenangebot noch um eine mindestens 200 PS starke Turboversion ergänzen. Doch beim ersten Antesten mussten wir mit dem bereits anständig kraftvollen Basisaggregat in Kombination mit dem manuellen Getriebe Vorlieb nehmen.

Galerie: Erster Test Hyundai Veloster 1.6Dieser Motor ist eigentlich schon ausreichend kräftig, wirkt von unten raus sogar recht lebendig und ermöglicht eine Sprintzeit von immerhin 9,7 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 201 km/h. Im Wettbewerbsumfeld sind das allerdings keine Traumwerte, und will man das Leistungspotenzial voll ausschöpfen, gibt sich der eigentlich recht leise Motor brummiger und zugeschnürter als zunächst erwartet.

Insgesamt legt der Veloster 1.6 GDI nicht ganz die Vehemenz an den Tag, die man bei 140 PS und 167 Newtonmeter und recht bescheidenen 1,3 Tonnen Gewicht erwarten sollte. Ebenfalls gut, aber nicht auf Top-Niveau ist er hinsichtlich seiner Effizienz. Die Sparversion Blue soll dank eines serienmäßigen Start-Stopp-Systems nur 5,9 Liter verbrauchen, während sich die von uns getestete Normalvariante laut Hyundai gut einen halben Liter mehr genehmigt.

Scharf, aber nicht extrascharf

Galerie: Erster Test Hyundai Veloster 1.6Fahrwerksseitig vermag der Veloster ebenfalls nicht ganz das dynamische Versprechen seiner Außenhaut einlösen. Zwar ist sein sportliches Ansinnen durchaus spürbar, doch die Bremsen könnten ruhig etwas feiner dosierbar sein, die recht spitz ausgelegte Lenkung noch etwas mehr Präzision vermitteln und trotz der straffen Grundauslegung dürfte die Hinterachse ruhig weniger polternd von groben Querfugen künden. Doch unterm Strich ist mehr Dynamik geboten als für den Alltag nötig und dürfte dieses Setup vielen Fahrern schon ein ausreichend sportlich-sattes Fahrgefühl vermitteln.

Wenn auch fahrdynamisch keine Offenbarung, so kann der Veloster immerhin bei Preis und Ausstattung ein kleines Ausrufezeichen setzen, denn 21.600 Euro für die bereits gut bestückte Basis Style ist ein vergleichsweise günstiger Tarif. Hier bekommt man neben dem lückenlosen Sicherheitspaket noch 17-Zoll-Alus, ein CD-Radio, einen Bordcomputer, elektrische Fensterheber, eine Klimaanlage sowie ein Leder-Lenkrad und -schaltknauf. Eine besonders attraktive Ergänzung ist das 2.250 Euro teure Technik-Paket mit Bluetooth-Freisprech-Einrichtung, Navisystem mit Rückfahrkamera, Lichtsensor, Premium-Sound und dem Smart-Key-System mit Start-Stopp-Knopf.

Günstig, aber kein Schnäppchen mehr

Galerie: Erster Test Hyundai Veloster 1.6Wem das nicht reicht, der kann die Version Premium für 26.200 Euro ordern, die unter anderem mit Tempomat, Klimaautomatik, 18-Zöllern und beheizten Ledersitzen verwöhnt. Wer dann noch die wenigen verfügbaren Extras ordert (Navi, Panorama-Schiebedach, Metallic-Lack), bekommt den vollausgestatten Veloster für knapp unter 30.000 Euro. Teuer ist der kompakte Sport-Hyundai damit nicht, zum Vorzeige-Schnäppchen reicht es allerdings auch nicht mehr, denn mit ähnlich guter Ausstattung und dem 122 PS starken 1.4 TSI kostet ein VW Scirocco nur rund 3.000 Euro mehr.

Gewaltig ist der Preisvorsprung des Veloster demnach also nicht. Was seinem Wolfsburger Mitbewerber allerdings grundsätzlich abgeht, ist eine dritte Einstiegstür. Und dieser im Vergleich zum Scirocco klare Vorteil könnte dann möglicherweise doch ausschlaggebend dafür sein, dass sich einige Autokunden für den eigenwilligen Koreaner entscheiden.

Fazit

Wenn bereits ein Alleinstellungsmerkmal ein Erfolgs-Garant wäre, hätte der Veloster in Deutschland eine große Zukunft vor sich. Doch muss sich das als Pseudo-Coupé getarnte Kompaktmodell auch weniger schrulligen Mitbewerbern stellen und da entlarvt sich das dreitürige Konzept letztlich nur als netter Marketing-Gag, der lediglich im Vergleich zu reinen Zwei-Türern einen praktischen Vorteil bietet.

Doch abgesehen vom recht günstigen Preis fehlt dem Veloster letztlich das gewisse Quäntchen, um als ganz großer Wurf im Segment der Kompakt-Sportler einzuschlagen. Doch vielleicht kann hier die für 2012 angekündigte Turboversion mehr Überzeugungsarbeit leisten.

 
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