Cabrio-Special 2013
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Galerie: Erster Test Jaguar F-Type

Erster Test: Jaguar F-Type

Schmidts Katze

19.04.2013

"Endlich ein Sportwagen von Jaguar" sagen die Leute von Jaguar. Sie meinen den F-Type, ein Zweisitzer der gegen Audi, Porsche und Aston Martin in Stellung gebracht wird. Nach ersten Tests rund um Pamplona stehen für uns zwei Dinge fest: Es wurde höchste Zeit. Sie haben die Zeit gut genutzt.

Die schlechte Nachricht zuerst: Billig ist er nicht, in keiner Variante, von denen es zunächst drei geben wird. Für 340 PS im F-Type V6 werden 73.000 Euro fällig, mit einem zusätzlichen S kostet er 85.000 und beschert 380 PS. Den V8 S mit rund 500 PS gibt es für ebenso runde 100.000 Euro. Geht es nach „bang for the buck“ wie der Amerikaner sagen würde, ist das Topmodell die erste Wahl: 200 Euro pro PS.

Schlimm, schlimm…

Es muss schlimm gewesen sein für die Briten, dass sie seit dem E-Type bis heute keinen echten Sportwagen im Programm hatten. Sie vergleichen das mit Pamplona ohne Stierlauf. Man könnte auch sagen, Dry Martini ohne Gin. James ohne Bond. Film ohne Held. Und die XK-Kunden die sich bisher als Sportwagenfahrer verorteten werden sich natürlich beschweren, doch sie lägen falsch: Denn der F-Type ist vom Layout die reinere Fahrmaschine: kürzerer Radstand und breitere Spur, tieferer Schwerpunkt und leichtere Motoren. Besseres Leistungsgewicht.

Und eine Seitenansicht, die einen schwach werden lässt.

Draußen

Galerie: Erster Test Jaguar F-TypeDer F-Type hat die typische Linie, die Frontmotor-Sportwagen so elegant wirken lässt: Lange Motorhaube, kleine Fahrgastzelle, knackiges Heck. Vorne wagt sich Jaguar mit dem neuesten Streich weiter als mit dem mittlerweile etablierten Gesicht der XF, XJ und XK Modelle, Der Grill des F ist leicht nach vorne geneigt und harmoniert besser mit den Scheinwerfern.

Nur wenige Linien ziehen sich über die Seiten um ein betont ausmodelliertes Heck zu umschmeicheln, das selbst erst durch Reduktion voll zur Geltung kommt: Die hoch ausgeformten Kotflügel fallen nach innen auf einen betont flachen Kofferraumdeckel hinab, der aerodynamisch erst durch den elektrisch ausfahrbaren Heckflügel möglich wurde. Die breiten Rückleuchten sind unverändert vom Concept C-X16 übernommen.

Drinnen

Galerie: Erster Test Jaguar F-TypeIm Innenraum freut sich der F-Pilot über die moderne Gestaltung von Anzeigen und Bedienelementen, das Cockpit wirkt aufgeräumt. Das liegt allerdings auch daran, dass einige Funktionen in den Touch-Screen gewandert sind und beispielsweise die Luftverteilung nur dort geregelt werden kann. Dafür entschädigen jedoch die nur bei Bedarf ausfahrenden zentralen Lüftungsdüsen und das dadurch mögliche niedrige Dahboard.

Die wohl deutlichste Hommage an das Vorbild E-Type findet sich in der leichten, aus einem Stück Alu geformten Motorhaube: Sie öffnet nach vorne um den Blick auf eine schwarze Abdeckblende über dem mittig auf der Vorderachse platzierten Motor frei zu geben – da hätte man sich mehr Optik erwartet.  

Nicht zu verzeihen ist den Jaguarians, dass sie zuerst das Cabrio präsentieren, bevor das vor eineinhalb Jahren auf der IAA als Studie gezeigte Coupé kommt. Weil das noch dauert, muss eben die Mädchenvariante zeigen wie viel Sportsgeist in ihr steckt.

Basis

Alle F-Type haben einen Kompressormotor unter der langen Haube. Und auch der Einstiegs-F (73.400 Euro) ist mit 340 PS ordentlich motorisiert, es langt für 260 Spitze und der Standardsprint ist in 5,3 Sekunden Geschichte. Die Leistungsentfaltung ist dank Kompressor linear und das direkte Ansprechverhalten hat bei sportlicher Gangart deutliche Vorteile gegenüber einem Turbo. Allein ab etwa 5.000 Touren geht dem bis über 6.500 drehenden 3-Liter V6-Motor etwas die Puste aus, ein Manko, das er mit dem V6 S teilt. Doch dank der, in allen Varianten serienmäßigen, ZF-8-Gang Automatik fällt dieses Manko kaum ins Gewicht, der Pilot legt gerne manuell per Knüppel oder Paddel den nächsten Gang etwas früher ein und schaltet nach Gefühl und nicht nach Drehzahlmesser.

Mitte

Galerie: Erster Test Jaguar F-TypeDer V6 S bietet für 85.000 Euro nicht nur mehr Leistung und bessere Fahrwerte (275 km/h, 4,9 Sekunden) sondern auch eine bei Bedarf sprotzende und angenehm laute Auspuffanlage. Diese kann auch im Basismodell optional geordert werden, doch weder gegen Geld noch gute Worte ist dort das im V6 S serienmäßige Sperrdifferenzial (LSD, Limited Slip Differential) zu haben, das die Kurvengierigkeit des Zweisitzers nochmals spürbar erhöht. In beiden Modellen lässt sich bei Bedarf eine von zwei Hochleistungs-Bremsanlagen ordern, die jedoch mindestens 19-Zoll-Räder erfordern. Ab der S-Version sind diese Standard.

Top

Galerie: Erster Test Jaguar F-Type20 Zoll ist beim F-Type V8 S der Standard auf dem beschleunigt und verzögert wird, das Topmodell mit 500 PS hat auch die größte Bremsanlage  (380 Durchmesser mm vorne, 376 mm hinten). Außerdem ist bei ihm ein elektronisch gesteuertes Sperrdifferenzial verbaut, das wie beim großen XKR S mit ESP und ABS vernetzt ist und so nochmals mehr Agilität, Querbeschleunigung und Längsdynamik ermöglicht.

Die derzeitige Top-Version des F-Type kann aber nicht nur mit den größten Rädern, der besten Bremse und dem ausgefeiltesten LSD punkten, sondern vor allem mit einer Topspeed von 300 km/h, einer Spurtzeit von schmalen 4,3 Sekunden und dem saftigsten Sound seit Stiere durch Pamplona rennen.

Performance

Galerie: Erster Test Jaguar F-TypeDer Jaguar F-Type ist jedoch auch in allen Motorisierungen ein gelungener Sportwagen. Der kurze Radstand spendiert ihm eine bisher bei Jaguar unbekannte Agilität. Die Lenkung ist hydraulisch und nimmt bewusst Gewichts- und Verbrauchsnachteile in Kauf um dafür den Fahrer mit einem außerordentlich präzisen Lenkgefühl zu belohnen. Die Gewichtsverteilung von 50:50 zwischen den Achsen bezeichnet man bei Jaguar als ideal und tatsächlich kann die Ausgewogenheit von Lenkpräzision und Grip an der Hinterachse in allen Motorisierungen überzeugen.

Das Fahrwerk lässt den Piloten nie im Unklaren über die Gripverhältnisse und es stellt sich auch im Grenzbereich sehr schnell eine Vertrautheit ein, die einer sauber gezogenen Ideallinie entgegen kommt. Das ESP ist in zwei Stufen deaktivierbar, im Track-Modus hält es sich angenehm zurück um bei zu wilden Giermomenten einzuschreiten. Der etwas geübtere Fahrer wird es gerne ganz deaktivieren um sich mit jederzeit kontrollierbaren Heckschwenks zu belohnen.

Konkurrenz

Jaguar kann mit dem F-Type der erklärten Konkurrenz auf Augenhöhe begegnen. Audi R8 und Porsche 911 haben das hecklastigere Antriebskonzept, der Aston Martin bietet das gleiche Layout wie der Jaguar.

Auf dem Datenblatt kann der Porsche Carrera mit einem einen deutlichen Gewichtsvorteil punkten, wiegt doch der F-Type zwischen 1.597 und 1.665 Kilogramm (911 mit PDK: 1.475 kg). Allerdings kosten 350 Cabrio-PS in Zuffenhausen schon über 100.000 Euro. Der R8 Spyder wiederum wiegt heftige 1.760 Kilo, die zudem ab 130.000 Euro teuer erkauft werden. Der V8 Vantage von Aston Martin bietet 420 PS für 120.000 Euro und vergleichbar verführerische Linien, doch fordert er den Sportfahrer mit dem sequenziellen Getriebe mehr als der Jaguar.

 
Fazit
 

Thomas Weiss

Jaguar ist wieder da, in der Sportwagenliga. Mit Preisen ab 73.400 Euro deutlich oberhalb von BMW Z4 (340 PS ab 58.000 Euro) und Porsche Boxster (315 PS ab 60.000 Euro) angesiedelt, liefert der F-Type eine Performance auf Augenhöhe mit dem Segment darüber und kann in den stärkeren Motorisierungen im Vergleich zu Elfer, R8 und Vantage als Schnäppchen gelten.

So ist der F-Type V8 S mit seinen 500 Kompressor-PS ist derzeit das Optimum unter den Sportcabrios: Derart schöne Linien gepaart mit überzeugendem Handling gibt es sonst nicht zu einem Preis von 200 Euro pro PS. Weniger Kofferraum allerdings auch nicht, womit das einzige echte Manko genannt ist.

Weitere Motorisierungen werden folgen. Gemunkelt wird von aufgeladenen Vierzylindermotoren die jedoch unwahrscheinlicher sind als der sicher folgende R mit nochmals leistungsgesteigertem V8-Kompressor; 550 PS sollten in seinem Pflichtenheft stehen. Die Nomenklatur sieht theoretisch noch eine abermals aufgebohrte R-S Variante vor. Doch wir würden uns eher einen F-Leightweight wünschen. Und die wird frühestens mit dem folgenden Coupé denkbar mit dem Jaguar dann auch einen echten Sportwagen für die Jungs im Programm hat.
 
 

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