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Galerie: Erster Test Jaguar XF Facelift

Erster Test: Jaguar XF Facelift

Ohne Entsetzen

06.07.2011

Jaguar gilt als Inbegriff von Luxus und Verschwendung. Doch mit dem zum Modelljahr 2012 optisch aufgefrischtem XF haben die Briten eine Knauser-Version mit Vier-Zylinder-Diesel ins Rennen geschickt. Mit knapp über fünf Liter Verbrauch ist äußerste Sparsamkeit angesagt und Reichweiten von deutlich über 1.000 Kilometer möglich. Doch bleibt bei einem derartigen Effizienzniveau das echte Jaguar-Feeling auf der Strecke?

Mit dem 2008 eingeführten XF hat Jaguar eine sehr neue Designrichtung eingeschlagen. Auf die elegante, moderne Optik haben vielleicht einige Retro-Fans zunächst noch etwas verschnupft reagiert, doch mittlerweile hat man sich an den frischen Anblick gewöhnt. Mehr noch: Dank diverser optischer Verfeinerungen hat der XF für das Modelljahr 2012 deutlich gewonnen, ist eine eigenständige Erscheinung repräsentativer Vertreter der Wertewelt von Jaguar.

Erst bei genauem Hinsehen wird man erkennen, dass der Vorderwagen fast vollständig erneuert wurde. Sowohl die Motorhaube als auch die vorderen Kotflügel wurden modifiziert, nehmen die neu gestaltete Scheinwerfer auf, aus denen der XF etwas grimmiger und in der Art des XJ schaut. Besonders markant ist dabei das J-förmige LED-Tagfahrlicht.

Ein Rohr weniger

Galerie: Erster Test Jaguar XF FaceliftLED-Technik kommt auch bei den Rückleuchten nunmehr zum Einsatz, die etwas dezentere Chromleiste wird nun vollständig von diesen Rückleuchten eingerahmt. Schließlich hat Jaguar beim neuen Basisdiesel auf die sonst üblichen zwei Auspuffendrohre verzichtet und entlässt die Abgase aus einem volumigen Rohr auf der rechten Seite.

An dem wohnlich und modern gestalteten Innenraum wurde nur marginal gefeilt. Der Luxus und das Ambiente stimmen weiterhin und muss man hier keinen schwülstig-britischen Retro-Luxus mehr über sich ergehen lassen. Doch einer Tradition bleibt sich die Marke treu: Die Verarbeitung kann an der ein oder anderen Stelle nicht ganz mit dem feinen Niveau deutscher Premiumhersteller mithalten, eklatante Schwächen fallen aber nicht auf.

Acht Gänge

Galerie: Erster Test Jaguar XF FaceliftDrückt man den Start-Knopf in der aufgeräumten Mittelkonsole, wird der Vierzylinder-Diesel zum Leben erweckt. Gleichzeitig fährt der Drehknopf für das Automatik-Getriebe heraus und kann man mit einem kurzen Dreh auf D sodann losfahren. Und hier legt das immerhin 190 PS starke und kultiviert arbeitende und nur unter Last etwas brummige Aggregat ordentlich los, bietet der Turbo nach einer kurzen Gedenksekunde kräftigen Durchzug. Immerhin 450 Newtonmeter Drehmoment wuchtet der längs eingebaute Motor an die Hinterräder, die diese Kraft sehr sauber in Vortrieb umsetzen.

Gekoppelt ist der Selbstzünder an eine vorzüglich schaltende Acht-Gang-Automatik von ZF, die stets eine passende Übersetzung parat hat. Sogar mehrere Gänge auf einmal kann die Automatik zurückschalten. Achteinhalb Sekunden soll der 100-km/h-Sprint dauern, angenehm mühelos treiben wir die Tachonadel jenseits der 200er-Marke, ist erst bei 225 km/h endgültig Schluss. Selbst bei Top-Speed bleibt das Geräuschniveau auf akzeptablem Komfortniveau. Einen emotionalen Klang, der bei einem Jaguar durchaus dazu gehören darf, bietet das Dieseltriebwerk allerdings nicht.

Hightech-Start-Stopp

So richtig leise wird es allerdings erst an der Ampel, denn die serienmäßige Start-Stopp-Automatik schaltet hier den Motor in recht unspektakulär Weise ab. Dank einer zweiten BatterieGalerie: Erster Test Jaguar XF Facelift funktioniert dies auch bei sommerliche Hitze und aktivierter Klimaanlage, da der Strom dieser Energiespeicher zum Bordnetzbetrieb ausrecht. Dank eines neuartigen Doppel-Relais-Anlassers startet der Motor verzögerungsfrei, sobald wir mit dem rechten Fuß vom Brems- aufs Gaspedal wechseln. Ein besonderer Clou: Das neue Anlasser-System ermöglicht einen Neustart sogar während des Abschaltens.

Eine weitere Besonderheit ist das Easy off, denn wenn man den Wagen anhält, den Fuß von der Bremse nimmt und den Gurt löst, schaltet sich das Fahrzeug selber aus und zieht zudem die elektrische Parkbremse automatisch an. Der Fahrer kann also einfach ohne weitere Handgriffe den Wagen verlassen.

Kein Ausnahmeathlet

Galerie: Erster Test Jaguar XF FaceliftEine konzeptbedingte Schwäche des Dieselmotors offenbart sich allerdings als wir kurvige Bergstraßen durcheilen wollen, denn dann fehlte uns gelegentlich die optimale Übersetzung, zeigte sich das etwas kurze nutzbare Drehzahlband des Diesels etwas nachteilig. Hier kann sich der XF-Pilot allerdings über die Schaltwippen hinterm Lenkrad behelfen und manuell die für das Beschleunigen aus Kurven optimale Gangstufe anwählen.

Dann fühlt sich der mit 1.745 Kilogramm etwas mopsige Wagen angenehm leichtfüßig an, kann zudem mit einem für anspruchsvolle Querdynamik gut angepassten Fahrwerk überzeugen. Ein paar Kilo weniger an der Vorderachse könnten es schon sein, etwas mehr könnte die Lenkung verhärten, doch für die Kurvengaudi bietet die Limousine mehr als ausreichend Potenzial. Auch der Fahrkomfort ist gehoben, werden nur gröbere Unebenheiten bisweilen etwas unfein an die Insassen weitergereicht.

1.312 Kilometer ohne Nachtanken

Galerie: Erster Test Jaguar XF FaceliftWenig wunderlich, dass nach unserer Testfahrt der Bordcomputer etwas über sieben Liter Verbrauch anzeigte, was angesichts unserer Fahrweise ein aber dennoch respektabler Wert ist. Es geht aber wohl noch deutlich effizienter, denn Werksangehörige von Jaguar sollen 1.312 Kilometer mit einer Tankfüllung (69,5 Liter) vom englischen Gaydon bis zum Münchener Flughafen gefahren sein. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 km/h soll der Verbrauch bei knapp unter fünf Liter gelegen haben.

Nicht ganz so knauserig ist der XF 2.2 D allerdings beim Kaufpreis. Mindestens 44.900 Euro werden fällig. Die recht umfangreiche Serienausstattung kann immerhin schon mit einem gewissen Luxus aufwarten. So sind neben der Acht-Gang-Automatik bereits eine Klimaautomatik, das Start-Stopp-System, Xenonlicht und Tempomat sowie eine vollständige Sicherheitsausstattung grundsätzlich mit dabei. Allerdings sind in der Basisversion auch sehr viele attraktive Extras noch nicht an Bord. Entsprechend wird also der Wunsch-XF mit Spardiesel wohl zwischen 50.000 und 60.000 Euro kosten. Ein im Vergleich zur deutschen Premium-Konkurrenz (BMW 5er, Audi A6) immer noch sehr fairer Preis.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Jaguar XF
Version / Ausstattung   2.2 D
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   2.179 / R4-Turbodiesel
Leistung (kW / PS)   140 / 190
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   450 / 2.000
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   Acht-Gang-Automatik
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.961 / 1.877 / 1.460
Radstand (mm)   2.909
Wendekreis (m)   11,5
Leergewicht (kg)   1.745
Kofferraum (Liter)   540
Bereifung Testwagen   245/45 R 17
Verbrauch    
Krafstoffart   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   5,4
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   149 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k .A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   8,5
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k .A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   225
Preise    
ab (Euro)   44.900,00
Empfohlene Extras   Lederausstattung für 3.100 Euro
 
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Fazit

Der Jaguar mit Spardiesel ist eine gute Wahl. Das Dieseltriebwerk harmoniert in überzeugender Weise mit der zum Modelljahr 2012 nobler und ansehnlicher gewordenen Katze, bietet einen durchaus souveränen Vortrieb, bleibt aber beim Durst und akustisch angenehm zurückhaltend. Jaguar und Vierzylinder – das eigentlich erwartbare Entsetzen dieser Kombination bleibt also aus. Wer allerdings besonders hohe Sportlichkeit erwartet, könnte von dem Basisdiesel etwas enttäuscht sein. Doch für die anspruchsvollere Dynamiker hat Jaguar ja weiterhin die formidable R-Version des XF im Portfolio, die diesbezüglich über jeden Zweifel erhaben ist.  

 
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