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Galerie: Erster Test Jaguar XF

Erster Test: Jaguar XF

Punktlandung

15.02.2008

Jaguar baut Retro-Autos heißt es. Böse Zungen ergänzen gerne, dass die Autos genauso alt sind wie sie aussehen. Doch das ist spätestens seit dem XK Vergangenheit und der Nachfolger der Retro-Limousine S-Type unterstreicht das nicht nur optisch. Wenn der XK bezüglich Komfort und Sportlichkeit schon Maßstäbe setzte und die Erwartungen an künftige Jaguars sehr hoch schraubte, kann die Limousine XF als Punktlandung bezeichnet werden.

Geschmack ist so eine Sache. Autodesign auch. Die einen streiten darüber nächtelang, die anderen bilden sich eine Meinung und gehen weg. Oder bleiben, weil sie sich nicht mehr losreißen können. Nur wenn Design keine Emotion auslöst ist es in die Hose gegangen. Insofern hat das Design-Team um Ian Callum alles richtig gemacht, denn der XF spaltet nicht nur die Jaguar-Fankurve.

Rotlicht ade

Galerie: Erster Test Jaguar XFEine radikalere Abkehr vom Luden- und Altherren-Image kann man sich kaum vorstellen: Der XF ist auch im Vergleich zu seiner angepeilten und durchgestylten Konkurrenz (BMW 5er, Mercedes E-Klasse, Audi A6) geradezu ein UFO. Von der Seite betrachtet ist die viertürige Limousine einem Coupé verwandt, das traut sich Mercedes nur mit dem E-Ableger CLS. Von hinten ist der XF deutlich eleganter als die Konkurrenz und von vorne zumindest ebenso markant.

Galerie: Erster Test Jaguar XFAuch der Innenraum übt sich im radikalen Bruch: Kein Barock, sondern nüchtern-elegante Funktionalität umfängt die Insassen. Vor allem der Automatikwählhebel kann als gelungen gelten: Als zentraler Drehregler hebt er sich bei aktivierter Zündung aus der Mittelkonsole, ein Dreh auf „D“ und der Fahrmodus ist aktiviert. Noch einfacher der Abschluß einer Fahrt: Einfach Motor aus und gut, endlich hat die Elektronik sinnvolle Umsetzung erfahren, denn sie erwartet nicht vom Fahrer vorher noch „P“ oder „N“ zu wählen. Wozu auch? Klassische Automatiklösungen aus München, Stuttgart oder Ingolstadt sehen plötzlich sehr alt aus, auch wenn deren Wählhebel ganz innovativ von der Mittelkonsole verschwunden sind.

Länge läuft

Galerie: Erster Test Jaguar XFAuf knapp fünf Meter Außenlänge streckt sich der XF und überragt die Mitbewerber deutlich. Auch der Radstand ist mit gut 2,9 Metern fast eine Klasse höher angesiedelt. Für Fahrverhalten und Langstreckenkomfort ist letzteres ein gutes Vorzeichen.

Zum Marktstart im März 2008 werden vier Motorisierungen verfügbar sein, die zwischen 207 (V6-Diesel) und 416 PS (V8-Kompressor) leisten. Der 3-Liter-V6-Benziner mit 238 PS ist die einzige Version, die wir noch nicht fahren konnten, sie wird jedoch in der Zulassungsstatistik eine nur untergeordnete Rolle spielen.

Die weitaus meisten XF-Kunden werden zum bereits im S-Type überzeugenden Selbstzünder greifen, doch als Appetitanreger scheuchten wir zunächst die Kompressor-Variante namens SV8 durchs südfranzösische Hinterland.

No fuss, fast driving

Galerie: Erster Test Jaguar XFSchon auf den ersten Metern und erst recht nach den ersten Serpentinen wird Unglauben von einem zufriedenen Grinsen verdrängt. Kaum ein Auto bietet eine derart ausgewogene Balance zwischen Komfort und Sportlichkeit, was nicht zuletzt dem adaptiven Fahrwerk CATS des SV8 zuzuschreiben ist. Von über 400 PS befeuert, lässt sich eine sonst als Kurvenhatz bezeichnete sportliche Fahrweise nur noch als Herumsausen bezeichnen.

Denn im XF wird weder gerast, noch gezirkelt, der Wagen saust vielmehr über etliche Autobahnkilometer und um Kurven herum, saust über Berge und Täler. Unwillkürlich will man das Fahrverhalten unter Zuhilfenahme des unter Motorjournalisten eher verpönten Begriffs „Straßenlage“ beschreiben. Der ist treffender, als „Handling“ oder „Dynamik“: der XF hat eine tolle Straßenlage. Da ist keine Aufregung, da drängt sich kein schwieriger Charakter in den Vordergrund, der Wagen saust genau dorthin wo ihn der Fahrer haben will. Ohne großes Tamtam realisiert man überragende Geschwindigkeiten - das ist Understatement in Reinkultur. Wo andere zig Fahrwerkseinstellungen offerieren, liefert der XF einfach nur die denkbar beste Straßenlage.

CATS

Galerie: Erster Test Jaguar XFEin Manko des CATS wird jedoch beim Umstieg in den V8-Sauger mit 300 PS deutlich: es bleibt ausschließlich dem Super-V8 vorbehalten. Das ist schade und unverständlich zugleich, denn das normale Fahrwerk leistet sich gegenüber dem adaptiven eine deutliche Schwäche und einen spürbaren Unterschied: Bei langsamer Fahrt ist es unkommoder und beim Sauseschritt über Land bemerkt man eine Seitenneigung in flotten Kurven. Letzteres ist kein Nachteil, denn es passt durchaus zum komfortablen Charakter des XF. Doch das leise Stuckern über Querrillen wäre vermeidbar.

Ansonsten bietet der Saugmotor ebenso überzeugende Fahrleistungen wie sein gut 100 PS stärkerer Kompressor-Bruder, untermotorisiert sind andere. Jaguar gibt knapp sieben Sekunden für den Null-auf-hundert Sprint an (SV8 5,6), das ist glaubhaft, bei 250 km/h ist Schluß. Klar, dass der Verbrauch nicht so viel Spaß macht, zwischen 17 und 19 Litern (SV8) liegt die EU-Angabe für Stadtverkehr.

Bemerkenswerte Unauffälligkeit

Galerie: Erster Test Jaguar XFEtwas das kaum auffällt und daher umso bemerkenswerter ist: der Sitzkomfort. Pressen einen sonst übertriebene Sportsitze in die richtige Position oder lassen einen fehlende Seitenwangen hilflos der Fliehkraft weichen, sitzt man im neuesten Jaguar einfach nur bequem und gut. Eine ergonomische Sitzposition ist dank serienmäßiger elektrischer Sitzverstellung schnell zu finden. Auch sonst ist alles an seinem Platz, das Bluetooth Handy in Sekunden an das Bowers 6 Wilkins Soundsystem gekoppelt. Wieder so eine „no fuss“-Einstellung des XF, die den Umgang mit ihm zum Vergnügen macht.

Der Diesel ist in einem Jaguar mittlerweile ebenso Pflichtprogramm wie bei der deutschen Konkurrenz. Und so ein famoses Triebwerk wie der 2,7-Liter-V6 kann auch im unaufgeregten XF überzeugen: Leise und spurtstark saust der Diesel-Jag in achteinhalb Sekunden über die 100-km/h-Marke. Trotz deutlicher Minderleistung gegenüber den V8 kommt auch hier nie das Gefühl der Untermotorisierung auf. Behände und unaufgeregt befördert der XF in der Basismotorisierung seine Besatzung durch die Lande.

Alles an Bord

Galerie: Erster Test Jaguar XFDer XF ist ab Werk üppig ausgestattet. Das geht bei 17-Zoll-Alus für den Diesel los (die Benziner rollen mindestens auf 18-Zoll), und wird über elektrische Ledersitzeinstellung, Navisystem, umklappbaren Rücksitzen und Zwei-Zonen-Klimaautomatik abgerundet. Immer an Bord ist auch die gelungene Innenraumbeleuchtung mit türkisblauen Skalen und Leuchtknöpfen, sowie den berührungslos aktivierbaren Leseleuchten. Als empfehlenswerte, wenn auch teure Extras sind lediglich Bi-Xenon Licht (€ 1.400), üppige 19-Zöller (€ 1.440 für den Basis-Diesel, sonst € 720) und der Totwinkel-Assistent in den Außenspiegeln (€1.170) zu nennen. Wer die geringen Fahrgeräusche optimal ausnutzen will und eine iPod-Schnittstelle zum Glück braucht, möge zur 440-Watt-Surround-Anlage der Klangschmiede Bowers & Wilkins für 2.460 Euro greifen.

Fazit

Wenn das mal keine Empfehlung an den neuen Eigentümer der Edelmarke Jaguar ist: Der XF zeigt überzeugend wie es vorwärts gehen kann. Das werden auch die Konkurrenten zu spüren bekommen, denn die XF-Kundschaft wird zu einem großen Teil von den deutschen Premium-Marken abgeworben. Zwar werden die Zulassungszahlen trotz umfangreicher Basisausstattung und offensiver Preise 49.370 Euro in Deutschland im vierstelligen Bereich bleiben. Doch die Kunden werden bei Jaguar das finden, was sie sonst unter einem Markenhut nicht offeriert bekommen: Komfort und Tempo ohne Kompromiss.

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