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Galerie: Erster Test Jaguar XJ

Erster Test: Jaguar XJ

Nur ein Katzensprung...

12.03.2010

...war es nicht, den Jaguar mit dem neuen XJ hingelegt hat. Radikal haben die Engländer mit nunmehr indischem Eigentümer das Design ihres Flaggschiffs geändert. Weg von angestaubten Formen, hin zu neuen Linien. Nach XK und XF  ist nun auch die Oberklasse-Limousine in der Neuzeit angekommen. Auch wenn dies für manchen Traditionalisten ein Katzenjammer sein wird.

Denn unumstritten ist das Design keineswegs und sicher spaltet es beim XJ noch mehr die Lager als beim sportlichen XK und dem kleineren XF. Schließlich stellt man sich den klassischen XJ-Fahrer als gut situierten Herrn vor, gerne im Tweet, der sich nur schwer an Neues gewöhnt. Denkt man.

Autos fürs Museum

Jaguar XJDoch den alten XJ hat dieser Prototyp des Kunden schließlich auch nicht mehr gekauft und es wurde Zeit, Abschied zu nehmen vom Design vergangener Tage. Mike O‘Driscoll bringt es auf den Punkt: „In den vergangenen Jahren haben wir Autos fürs Museum gebaut.“ Harte Worte, die der Geschäftsführer über seine Marke fällt, allerdings nicht ohne Seitenhiebe gegen die ehemalige Mutter Ford. Die sei es schließlich gewesen, die Jaguar lange Zeit im eigenen Saft habe schmoren lassen.

Dabei, so O‘Driscoll, sei es überhaupt nicht Jaguars Bestreben, alten Traditionen nachzuhängen. „Beautiful, fast cars,“ also schöne, schnelle Autor, will er wieder bauen, wie früher. Aber wie früher immer eben neu interpretiert - und nicht sich selbst kopierend. Und genau das ist dem Designer Ian Cullum mit dem XJ gelungen. Das neue Flaggschiff tritt deutlich jünger, sportlicher und dynamischer auf und hat das Potential, nicht nur die Tweet-Träger zurück zu erobern, sondern auch deren Kinder für die etwas ins Abseits geratene Kultmarke zu begeistern.

Bewegung im Stand

Jaguar XJSchon im Stand strotzt der Neue vor Kraft, scheint in Bewegung zu sein, obwohl er noch steht. Ohne nur einen Meter gefahren zu sein, wird klar, was O‘Driscoll mit „fast car“ meint. Und auch das „beautiful“ - erlauben Sie das subjektive Urteil - trifft ins Schwarze. Die lange Front mit scharf gezeichneten Scheinwerfern, der große, senkrecht stehende Maschen-Grill, das geschwungene Dach, das schlichte, elegante Heck und die muskulösen Schultern laden ein zum Schwärmen und Träumen. Ein Traum, der schon ab Mai wahr wird, dann rollt Jaguars neuester Wurf zum Händler.

Die nunmehr achte Generation des XJ misst stolze 5,12 Meter, mit langem Radstand sogar 5,25 Meter. Und wiegt - dank Aluminium-Kaorsserie - doch nur 1,9 Tonnen. Der Fahrer spürt die üppigen Dimensionen nicht, denn der Jag fährt sich handlich und agil wie eine Limousine der oberen Mittelklasse. Die Passagiere dürfen sich dagegen über ein wenig mehr Freiraum freuen, als bisher. Mit dem Raumangebot eines 7er BMW kann der XJ aber immer noch nicht mithalten, vor allem nach oben wird es des serienmäßigen Glasdachs wegen schnell eng.

In einer anderen Welt

Jaguar XJWer in den XJ einsteigt und auf den großen, vielfach verstellbaren Sesseln Platz nimmt, seine Hände über weiches Leder streifen und den Blick über feines Edelholz schweifen lässt, findet sich an einem Ort der Ruhe, des Wohlfühlens wieder und lässt die hektische Umwelt draußen. Dafür sorgen nicht zuletzt die perfekt gedämmten Scheiben, die kaum ein Geräusch in den Innenraum dringen lassen. Da stört es auch nicht, dass die ausladende, alles dominierende Mittelkonsole viel Platz einnimmt.

Mehr schon irritiert die Instrumententafel, die keine mehr ist. Stattdessen ist dort, wo früher hochwertige Rundinstrumente ihren Platz hatten, ein großer TFT-Bildschirm. Der beim Einsteigen zu sehende Jaguar verschwindet nach dem Druck auf den Startknopf und wie von Zauberhand erscheinen Tacho, Drehzahlmesser, Tankuhr und alle weiteren Instrumente - rein virtuell und eher an ein mittelmäßige Autorennspiel auf dem Computer erinnernd. Zwar lassen sich so unterschiedlichste Informationen darstellen, zum Beispiel die Navigationskarte, doch wäre ein bisschen Tradition schon schön gewesen.

Auch mit Wähl-Törtchen

Jaguar XJMusste schließlich, wie schon im kleineren XF, auch der klassische Automatik-Hebel mit L-förmiger Wählkulisse dem sich aus dem Mitteltunnel erhebenden, törtchenförmigen Drehschalter weichen, über den das von ZF beigesteuerte, perfekte Sechs-Gang-Automatikgetriebe bedient wird. Dreht man das Wähl-Törtchen auf D und gibt sachte Gas, setzt sich der XJ sanft und manierlich in Bewegung. Und das zumeist angetrieben von einem drei Liter großem Bi-Turbo-Dieselmotor.

Denn für den Sechs-Zylinder-Selbstzünder sieht Jaguar Deutschland-Chef Peter Modelhart einen Verkaufsanteil von fast 80 Prozent voraus. Und diese Käufer machen alles richtig. Harmonisch und nahezu lautlos entfaltet das 275 PS starke Aggregat seine Kraft, bei 2.000 Umdrehungen stehen satte 600 Newtonmeter zur Verfügung. Das befähigt den XJ D zu durchaus sportlichen Fahrmanövern - bei moderatem Verbrauch. Nur 7,0 Liter nimmt sich der Jaguar im Normzyklus auf 100 Kilometer.

Straff und straffer

Jaguar XJZur sportlichen Fahrweise animiert auch das serienmäßig adaptive Fahrwerk mit Luftfederung, das schon im Normalmodus deutlich straffer ausgelegt ist, als man es in Gedanken an die butterweich federnden Vorgänger vermuten möchte. Unkomfortabel ist der XJ aber nicht und je schneller der Jag unterwegs ist, umso weicher werden Unebenheiten wegneutralisiert. Selbst in der Standardabstimmung lassen sich Kurven aber so flott nehmen, dass der Beifahrer immer wieder zum leider nicht vorhandenen Haltegriff an der Decke greift.  

Per Tastendruck - eine sportliche Zielflagge ziert den Knopf unter dem Automatik-Drehregler - wird die Abstimmung noch ein wenig knackiger, das Gaspedal reagiert noch sensibler auf Befehle und die leichtgängige und ohnehin äußerst präzise Lenkung wird noch einen Tick schärfer. Zusätzlich wird der Instrumenten-Bildschirm in ein rötliches Licht getaucht; eine Spielerei mit fraglichem Sinn.

Kraftvoll und kultiviert

Wer meint, mit dem Diesel zu langsam zu sein und sich nicht mit einer Sprintzeit von 6,4 Sekunden zufrieden geben kann, dem steht ein Acht-Zylinder-Benziner zur Wahl - als 385 PS starker Sauger oder mit Kompressoraufladung im XJ Supercharged, der es auf 510 PS bringt. Wer dabei allerdings an brachiale Gewalt denkt, der irrt: Der aufgeladene V8 lässt sich genauso geschmeidig und kultiviert bewegen, wie der Diesel.

Galerie: Erster Test Jaguar XJNatürlich vorausgesetzt, der Fahrer will dies. Hegt er dagegen sportliche Ambitionen und tritt kräftig aufs Gaspedal, spurtet der Jaguar in nur 4,9 Sekunden auf Tempo 100. Begleitet von kraftvollem Blubbern aus den tiefen des fünf Liter großen Triebwerks beschleunigt der XJ S/C weiter auf bis zu 250 km/h. Dann wird leider elektronisch abgeregelt. Noch - denn die Aufhebung der Sperre, oder zumindest die Anhebung auf Tempo 280, ist nur eine Frage der Zeit; wie auch die Einführung eines kleineren Sechs-Zylinder-Benziners.

Diesel oder Supercharged

Wenngleich er mit 133.900 Euro fast 60.000 Euro teurer ist als der Diesel, dürfte der Supercharged der zweitmeist verkaufte XJ werden. Den 96.600 Euro teuren V8-Sauger wird man nur selten sehen. Denn entweder schaut der Kunde aufs Geld und greift zum Selbstzünder oder der schnöde Mammon spielt keine Rolle, und dann darf es bitte schön der Kompressor sein. Letzterer Klientel sind auch die 12,1 Liter Norm-Verbrauch - die zu realisieren kaum möglich sein wird - egal.

Verglichen mit den Wettbewerbern, ist der Jaguar augenscheinlich ein wenig teurer, der Diesel liegt rund 3.000 Euro über BMW 730d und Mercedes S 350 CDI. Aber: Der XJ bringt deutlich mehr Ausstattung mit, 18-Zoll-Räder, adaptives Fahrwerk, Navigationssystem, das Glasschiebedach und ein Multimediapaket sind Standard. Rechnet man diesen Mehrwert mit ein, wendet sich das Bild und der Jag ist günstiger. Ach ja: Technische Helfer, wie einen Abstandstempomat, Tot-Winkel-Assistent oder automatische Fernlichtsteuerung sind mittlerweile freilich auch bei Jaguar erhältlich.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Jaguar XJ 3.0L V6 Diesel   Jaguar XJ 5.0L V8
Karosserie        
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   5.122 / 1.894 / 1.448   5.122 / 1.894 / 1.448
Radstand (mm)   3.032   3.032
Wendekreis (m)   12,3   12,3
Leergewicht (kg)   1.796   1.755
Kofferraum (Liter)   520   520
Bereifung Testwagen   18 Zoll   18 Zoll
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   2.993 / V6   5.000 / V8
Leistung (kW / PS)   202 / 275   283 / 385
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   600 / 2.000   515 / 3.500
Antriebsart   Heckantrieb   Heckantrieb
Getriebeart   6-Gang-Automatik   6-Gang-Automatik
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   7   11,4
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   184 / Euro 5   264 / Euro 6
AS24-Verbrauch (l/100km)   k. A.   k. A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   6,4   5,7
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250   250
Preise        
ab (Euro)   76.900   96.900
Empfohlene Extras   Premium-Luxury-Ausstattung (inkl. Memory-Sitze, schlüssellosem Zugangssystem und Parksensoren, 4.500 Euro)   Portfolio- Ausstattung (inkl. 20-fach verstellbarer Sitze, Sitzkühlung, Vier-Zonen-Klimaautomatik, Sprachsteuerung, 19-Zoll-Räder, 7.500 Euro)
 
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Fazit

Galerie: Erster Test Jaguar XJEs scheint, als wäre Jaguar ein großer Wurf gelungen. Zwar mag der neue XJ optisch den ein oder anderen Anhänger der klassischen Karosserie vor den Kopf stoßen, doch wird er mindestens genau so viele potentielle Käufer begeistern, die vorher nie daran dachten, einen Jaguar zu fahren.

Mit dem neuen Flaggschiff hat sich die Marke nicht ein weiteres Mal selbst kopiert, sondern neu erfunden. Ian Cullum setzt neue Zeichen, und hat, das muss man neidlos anerkennen, ein „beautiful fast car“ auf die Beine gestellt. Hinzu gesellt sich perfekte Technik, allen voran der geschmeidige Diesel, der souveräne Fahrleistungen mit zeitgemäßem Verbrauch kombiniert.

Nur für die virtuellen Instrumente muss sich Jaguar schelten lassen.

 
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