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Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S Coupé

Erster Test: Jaguar XKR-S Coupé

Grenzverschiebung

29.05.2008

Jaguar – die Grosskatze Südamerikas wird wegen ihrer Kraft verehrt, nicht wegen ihrer Sprinterqualitäten. Auch in der Autowelt gilt das, denn die Modelle sind nicht immer die schnellsten. Doch nun haben die Engländer den XKR gedrillt und ihm das Zusatzkürzel S verpasst. Im Heimatrevier – den West Midlands – haben wir dem schnellsten Jaguar den vollen Auslauf gegönnt.

„200 Stück, das war’s.“ Mike Cross, Leiter der Fahrwerksentwicklung bei Jaguar und geistiger Vater des XKR-S, sagt dies ohne Bedauern. Seine Vision wurde schließlich umgesetzt: Auf Basis des XKR wurde eine Variante aufgelegt, die das sportliche Potenzial des Coupés stärker betont, ohne dabei den Komfort vor die Hunde gehen zu lassen. Vor allem deutsche Autokunden will man mit diesem Highend-XK ansprechen. Deshalb kommen 100 S nach Deutschland.

Seinen gehobenen sportlichen Anspruch demonstriert der farblich auf Panther getrimmte XKR-S bereits optisch. Ein Frontsplitter, breitere Schweller und das Heck mit Spoiler und Diffusor markieren seine Sonderstellung. Zudem wurde das Fahrwerk um zehn Millimeter abgesenkt und der Wagen auf 20-Zoll-Aluräder gestellt.

Starke Stopper

Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S CoupéKontakt zur Fahrbahn stellen Pirelli PZEROs im Format 255/35 vorne und 295/30 hinten her. Die Sportgummis sorgen für besten Grip und gute Verzögerung. Für Letzteres sind vordergründig die phänomenal zupackenden Alcon-Stopper (400 mm vorne, 350 mm hinten) mit rot lackierten Sechskolben-Zangen und sichelförmigen Ausfräsungen verantwortlich. Die Perforierung der Scheiben sorgt für eine bessere Wärme- als auch Wasserableitung. Mangels Regen konnten uns die Bremsen auf unserer Testfahrt zwar allein mit ihrer Trocken-Performance beeindrucken – dies allerdings nachhaltig.

Auch sonst bewegt sich der XKR-S auf höchst sportlichem Niveau. Das sensibel ansprechende, adaptive Fahrwerk begeistert mit hoher Federrate. Die exakte und vom Antrieb unbeeinflusste Lenkung verhärtet um die Mittellage perfekt und wird bei größerem Lenkeinschlag leichtgängig. Der Wagen fährt sich überaus präzise und agil. Dank einer geänderten Übersetzung wirkt die Lenkung im Vergleich zum XKR noch direkter. Der rund 1,7 Tonnen wiegende 2+2-Sitzer zeichnet sich zudem durch seine bemerkenswerte Leichtfüßigkeit und steife Karosserie aus.

Gib Gummi

Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S CoupéWer besonders flott durch Biegungen pfeilt, wird allerdings vom ESP gemaßregelt. Wem die Bremseingriffe zu früh einsetzen, kann in einen toleranteren Modus wechseln oder das ESP deaktivieren. Dann lässt sich der XKR-S sogar in einen Heckdrift zwingen. Dies demonstrierte uns Mike Cross auf dem Jaguar-Testgelände in Gaydon. Er manövrierte den Brit-Boliden in einer weit gezogenen Biegung in den Drift und parlierte gelassen über die Vorzüge seines Babys. Nebenbei erwähnte er noch, dass der XKR-S aufgrund seiner hohen Haftungsgrenze zwar schwer in einen Drift zu bekommen ist, dort aber gut kontrollierbar bleibt.

Unmöglich war es hingegen, den XKR-S auf der Teststrecke zur Höchstgeschwindigkeit zu treiben. Bis auf etwa 200 Sachen marschiert der Wagen zügig. Doch um die möglichen 280 km/h zu erreichen, braucht man viel Anlauf. Anlauf, den zumindest das Testgelände nicht hat. Dennoch lag der Wagen dort selbst bei deutlich über 200 sehr satt und sicher auf der Straße und eignet sich also vorzüglich für schnelle Autobahnfahrten. Gemütliches und entspanntes Cruisen beherrscht der XKR-S ebenfalls souverän, denn auch beim Komfort muss man nur leichte Einbußen in Kauf nehmen.

Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S CoupéJaguar-Modelle waren nicht immer auf 250 km/h beschränkt. Die Engländer hatten Anfang der 1990er Jahre gar den schnellsten Seriensportwagen seiner Zeit im Angebot: den XJ220. Die fast fünf Meter lange Mittelmotorflunder brachte es auf nahezu 350 km/h. Hinter der beengten Fahrgastkabine sorgt ein V6-Biturbo mit nur 3,5 Litern Hubraum für 542 PS. Der Schub des Motors ist auch heute noch beeindruckend. Und das nicht allein angesichts der nur 1.350 Kilo Gewicht. Ebenso wie das extreme Design des 1,14 Meter hohen Flachmanns. Lediglich die Innenraumgestaltung wirkt kaum mehr zeitgemäß und stellenweise improvisiert. Kein Wunder, wurde der XJ220 doch nur in Kleinstserie gebaut. In der Zeit von 1992 bis 1994 wurden lediglich 281 Fahrzeuge hergestellt. Der damalige Kaufpreis lag bei einer Million D-Mark. Elton John oder auch der Sultan von Brunei gehörten zum exklusiven Kundenkreis.
Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S CoupéÜber 250 km/h konnte man übrigens schon vor dem XJ220 mit einem Jaguar fahren. Der von 1976 bis 1996 gebaute XJ-S wurde ab 1989 auch in der 330 PS starken Version 6.0 angeboten. Unter der Haube werkelte ein überaus geschmeidiger V12, der eine Sprintzeit von 7,0 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 254 km/h ermöglichte. Im Vergleich zum heutigen XKR-S hatte der XJ-S 6.0 allerdings ein unpräzises und schwammiges Fahrwerk. Viel Freude dürfte man beim Erreichen der Maximalgeschwindigkeit also kaum gehabt haben. Der XJ-S war übrigens auch für Mechaniker ein Albtraum. Es gibt wohl nur wenige Motorräume mit einer derartig unübersichtlichen Anhäufung von Kabeln, Schläuchen und Leitungen. Drei Tage soll der Austausch eines Motors in Anspruch nehmen. Normalerweise dauert ein solcher Eingriff rund einen Tag.

280 km/h Top-Speed

Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S CoupéRichtig gelesen: Auf 280 km/h hat Jaguar die weiterhin elektronisch abgeregelte Höchstgeschwindigkeit raufgesetzt. Theoretisch sollen sogar mehr als 300 km/h möglich sein. In der Praxis braucht das natürlich kein Mensch. Trotz mehr Speed: Der 416 PS starke Motor im S blieb gegenüber dem XKR unverändert.

An der Antriebs-Hardware wurde also nichts verändert. Weiterhin verrichtet der Achtzylinder sein kraftvolles Kompressorwerk akustisch zunächst zurückhaltend. Erst bei höheren Drehzahlen beeindruckt der V8 mit einer sportlichen Tonlage. Beeindruckend ist auch sein Durchzug. Aus jeder Situation heraus ist der Wagen zum Sprung bereit. Überholmanöver lassen sich spontan, blitzschnell und sauber absolvieren. Die Gasannahme ist superb, die Sechsgang-Automatik schaltet fast ohne Verzögerung in die nächsthöhere Stufe.

Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S CoupéAuch der Innenraum meistert den Kompromiss aus Komfort und Dynamik in gelungener Weise. Eine Besonderheit des S sind die weißen Doppelnähte auf schwarzem Leder. Die Tierhaut wurde großzügig im Innenraum ausgelegt. Nur einige Kunststoffteile wollen nicht so ganz in das überaus edle Ambiente passen.

Die Höhepunkte der Serienausstattung sind die Surround-Anlage von Bowers & Wilkens, ein Alcantara-Dachhimmel, eine Klimaautomatik, eine DVD-Navigation mit 7-Zoll-Touchscreen, eine Sechsgang-Automatik und eine umfangreiche Sicherheitsausstattung. Neben der sportlichen Auslegung bietet der XKR-S also noch eine beachtliche Menge Luxus. Entsprechend hoch fällt der Preis aus: Rund 117.000 Euro verlangt Jaguar für seinen Superschlitten. Das sind immerhin 20.000 Euro mehr als für den bereits beeindruckenden XKR.

Fazit

Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S CoupéOhne fundamentale technische Modifikationen ist es den Jaguar-Technikern gelungen, aus dem XKR einen formidablen Flitzer zu machen, der neben Grand-Touring-Eigenschaften auch gehobenen Ansprüchen hinsichtlich Sportlichkeit gerecht wird. Die neue Fahrwerksabstimmung ist sehr gut gelungen. 200 XKR-S – mehr wird es nicht geben. Das Sondermodell ist ein teurer, exklusiver und zudem betont sportlicher Spaß. Wer sich einen S sichern will, sollte sich sputen: Die 100 für Deutschland vorgesehenen Fahrzeuge könnten schon bald ausverkauft sein.

Doch für Zuspätkommer gibt es Hoffnung: Mike Cross deutete zumindest vage Überlegungen von einer noch sportlicheren XK-Version an. Diese könnte sich vor allem durch eine Gewichtsreduzierung auszeichnen. Ob diese neue Cross-Vision ebenfalls Wirklichkeit wird, bleibt abzuwarten.

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