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Galerie: Erster Test Jaguar XKR

Erster Test: Jaguar XKR

Jaguarrr

21.09.2006

Rund 300 PS im Jaguar XK sind genug, um sich sehr schnell und sehr elegant fort zu bewegen. Laut Jaguar ist das aber nicht genug, weshalb traditionellerweise dem Standardmodell eine noch sportlichere R-Variante folgt. Weit über 400 PS leistet diese im vorliegenden Falle. Vorurteilsfrei haben wir das Kompressorkätzchen einem ersten Test unterzogen.

Knapp 420 PS, das sei “doch nur eine Zahl” spielt man den XKR bei Jaguar herunter - typisch britisch. Andererseits auch verständlich, denn der sportlichste XK ist zwar sehr potent, doch serviert man in München und Stuttgart bereits über 500 PS.

Keine Zahlen, bitte…

Galerie: Erster Test Jaguar XKRDamit konfrontiert ziehen die Leute von Jaguar doch noch ein paar Zahlen hervor. Schließlich sei der XKR fast so leicht wie ein Porsche 911 Turbo und als Cabrio ganze 200 Kilogramm (oder 30 Kisten Wein) leichter, als ein offener BMW M6, vom SL 500 ganz zu schweigen. Vergleichstabellen mit Kilogramm pro PS oder auch pro Newtonmeter werden hervorgefischt, Funktionsgrafen in denen ein Sternchen für den XKR eingezeichnet ist gezeigt, dann die Formel „XK+30%=XKR“ aufgemalt, die um einen Millimeter verstärkte Stabis erwähnt, das Drehmoment von 560 Newtonmetern nicht vergessen und in Verbindung mit nur 2,5 Sekunden von 100-0 km/h gebracht.

Ich habe aber keinen der Konkurrenten zum Vergleich mitgebracht, keine Stoppuhren und Computerprogramme, weshalb ich den Motor auch ohne jegliche Zahlen im Kopf starte. Ich möchte eigentlich nur wissen, wie viel Sportlichkeit einem XK beigebracht werden kann, ohne seinen Charakter zu verwässern.

Enttäuschender Start

Schon auf den ersten Metern bin ich enttäuscht. Der britische Supersportler gibt sich innen genau so wie sein schwächerer Bruder. Keine Extra-Sportlichkeit im Innenraum, wenn man das R-Emblem auf Lenkrad, Schaltknauf und Drehzahlmesser mal nicht dazu zählt. Was mir jedoch bald nachhaltig auffällt, ist die Sitzbelüftung, die einem ein betont luftiges Sitzgefühl vermittelt.

Galerie: Erster Test Jaguar XKRAusgesprochen gut belüftet fahre ich also die Hotelausfahrt hinab und biege um die ersten Kurven. Zwar sind monströse 20-Zoll-Räder montiert, hinten im Format 285/30 - die lassen einen normalerweise jeden Kiesel auf der Fahrbahn fühlen. Doch entweder haben die Spanier ihre Gässchen blankpoliert oder Jaguar hat dem XKR das Sportfahrwerk vorenthalten.

Alle da?

Galerie: Erster Test Jaguar XKRAm Ortsausgang überzeuge ich mich erst einmal, ob auch alle Pferdchen anwesend sind. Und richtig: Unerbittlich schieben sie den Gran-Turismo an. Da kann ich also einen Haken dran machen: Power hat der XKR!

Das Kompressorpfeifen des Vorgängers hat man dem neuen dagegen weitestgehend abgewöhnt. Bei knapp 3.000 Touren nimmt man das metallische Summen nur sehr zurückhaltend wahr, gleich darauf entwickelt der Achtzylinder sein ganzes Drehmoment. Sehr zügig nähert sich die Drehzahlmessernadel der 6.000er Marke, kurz darüber wählt die Automatik den nächsten Gang.

Nachlegen

Galerie: Erster Test Jaguar XKR„Das wird wohl ein ziemlich unspektakulärer Test“ denke ich noch, als sich vor mir die ersten Serpentinen zu erkennen geben. Die aus dem XK bekannten Schaltwippen hinter dem Lenkrad werden also gleich zum Einsatz kommen - flink lassen sich die 6-Gänge der Automatik damit sortieren.

Die Schaltverzögerungen sind fast nicht vorhanden, der Automatikwandler stellt einen direkten Draht zwischen Motor und Straße her. Der rote Bereich des Drehzahlmessers beginnt bereits bei 6.000 Umdrehungen (der Begrenzer wird bei 6.500 aktiv) ich muss also früh schalten. Doch bereits ab 2.000 Touren zieht der Motor gewaltig an, das Motorspektakel vollzieht sich ein- bis zweitausend Umdrehungen niedriger als in einem Porsche oder BMW.

Unaufgeregte Präzision

Galerie: Erster Test Jaguar XKRObwohl weder Fahrwerk noch Lenkung irgendwelche übertriebene Härte an den Tag legen, kann ich den XKR erstaunlich präzise und in atemberaubendem Tempo um die Kurven zirkeln. Dabei regelt mir das ESP immer wieder das Gas weg, obwohl der Grenzbereich noch weit entfernt scheint.

Ohne ESP geht es denn auch nochmals zügiger um die Kurven. Lastwechsel können den Jaguar dabei nicht aus der Ruhe bringen: Stoisch zerrt er mich durch die Serpentinen der spanischen Rioja. Der sportlichste Jaguar bleibt bis in den Grenzbereich neutral bis leicht untersteuernd und gibt sich dabei nur wenig kopflastig. Provoziertes Übersteuern setzt einen äußerst rüden Gasfuß voraus.

Jaguar legt nach

Die Bremsen des XKR lassen sich hervorragend dosieren und verzögern den Wagen nachdrücklich. Die innenbelüfteten und ungelochten Bremsscheiben fallen gegenüber dem normalen XK deutlich größer und dicker aus. Dennoch stellte sich bei unserem Testwagen nach ausserordentlich berherzter Serpentinenfahrt ein deutliches Fading ein. Laut Jaguar eine Folge der überaus starken Beanspruchung unseres Exemplars im Testzyklus und dadurch stark minimierter Bremsbeläge. Wir werden das bei einem folgenden Test nochmals untersuchen.

…und erotischer Lärm

Galerie: Erster Test Jaguar XKRAn den Felswänden vorbei sausend öffne ich die Seitenfenster. Und tatsächlich konnten die Jaguar-Ingenieure gegenüber dem XK soundtechnisch noch einen drauflegen: Ab 4.000 Touren gesellt sich zum typischen V8-Sound ein geradezu schamloses Ballern, das sich vor allem im Dunkel schmaler Tunnels so richtig gehen lässt…

Noch ein wenig benommen ob solcher Nebeneffekte blicke ich kurz auf den Bordcomputer, der mich rasch wieder ins Hier-und-Jetzt befördert: Entsetzliche 25 Liter Sprit werden auf 100 Kilometern beherzter Landstrassenfahrt verbraucht. Doch auch das lässt sich noch steigern, wenn man ausschließlich das Serpentinenräubern betrachtet: Dort genehmigt sich Bruder Leichtfuss völlig außerterrestrische 40 Liter…

Hochleistungsbremse als Option

Solche Maximalverbäuche sind natürlich unfair, weil der Verbrauch eines Autos im alltäglichen Streckenmix gemessen werden sollte. Jaguar beharrt denn auch darauf, dass der neue Kompressormotor im EU-Mix mit 12,3 Litern deutlich genügsamer sein soll als der alte. Eine Überlandfahrt mit 8,6 Litern (EU) dagegen scheint genau so praxisfern wie unsere 40 Liter - ein Stadtverkehrsverbrauch von 19,1 Liter (EU) dagegen nicht. Ein Test wird es zeigen.

Fazit

Zwei Dinge sind es - neben dem Preis von 95.000 Euro für das Coupé - die einem die Freude am XKR ein wenig trüben können: Das nicht so sportlich eingestellte ESP, das noch ein bisschen mehr Wildheit zulassen sollte. Und der Verbrauch, der sich zwar gegenüber dem Vorgängermotor trotz deutlichem Leistungszuwachs gebessert haben soll, aber immer noch auf zu hohem Niveau liegt.

Galerie: Erster Test Jaguar XKRAbgesehen davon kann der XKR eine Menge besser als der XK. Zunächst bietet der Motor diesen lässigen Leistungsüberschuss und ein Drehmoment, das in jedem Drehzahlbereich sofort zum Abruf bereit steht.
Doch es ist vor allem die Unaufgeregtheit, die der XKR nochmals glaubwürdiger vermittelt. Mit dem „R“ ist der XK jetzt ein sehr sportliches und agiles Auto geworden, mit dem man gleichzeitig und sehr gediegen umher cruisen kann. In dieser Kombination bietet die Konkurrenz nichts Vergleichbares.

Wenn Sie Fragen zur Bremsperformance des Jaguar XKR haben, schreiben Sie uns: redaktion@autoscout24.de

 
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