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Galerie: Erster Test Jeep Cherokee

Erster Test: Jeep Cherokee

Gewagtes Gewand

16.04.2014

Nur drei Jahre lang stand der Vorgänger-Cherokee hierzulande in den Schauräumen der Händler, 2011 hat ihn die damals neugewonnene Konzern-Mutter Fiat “mangels Wirtschaftlichkeit” eingestellt. Jetzt kommt der Ami, der 1984 als einer der Mitbegründer des SUV-Segments galt, in fünfter Auflage zurück - mit außergewöhnlichem Design.

Galerie: Erster Test Jeep CherokeeEntworfen hat den neuen Jeep Cherokee ein Asiate in Amerika unter italienischer Ägide; das könnte als Erklärung für die teils skurril  anmutende Optik des 4,62 Meter langen SUVs dienen, die der Hersteller als “Design für die Zukunft” verkauft. Die schlitzartigen Scheinwerfer versprühen italienische Grandezza, der bullige, horizontal geknickte Kühlergrill mit den typischen sieben Streben markiert den starken Ami und das Heck stünde auch einem Hyundai gut. Alles feine Details, die sich in der Gesamtschau aber ein wenig disharmonisch zusammenfügen.

Je nach Ausstattung bekommen Cherokee-Käufer zudem eine unterschiedliche Front geliefert: Die Basis Longitude sowie die bessere Ausstattung Limited (mit etwas mehr Chrom) kommen im eleganten Stadttrimm daher, der Trailhawk fürs Grobe fährt mit einer robusten Kunststoffschürze vor, die zudem einen größeren Böschungswinkel erlaubt und zusammen mit der Höherlegung um zweieinhalb Zentimeter auch etwas mehr Bodenfreiheit bietet.

Mit Chrom garnierte Plastewüste

Galerie: Erster Test Jeep CherokeeFrischer Wind weht auch im Innenraum: Zwar nimmt man immer noch in einer mit etwas Chrom garnierten Plastewüste Platz, doch wirken das Kombiinstrument mit dem 7 Zoll großen, farbigen Infodisplay (Limited und Trailhawk) und das aus dem Grand Cherokee bekannte Entertainmentsystem mit Online-Funktion in der aufgeräumten Mittelkonsole modern - wenn da nur die Übersetzungsschwächen nicht wären; oder vermuten Sie hinter der Taste “Strgn” die Einstellung für die Sitzheizung?

Grobschlächtig kommt auch der Automatikwählehebel daher, der dafür ein umso moderneres Neungang-Getriebe von ZF bedient. Beim stärkeren der zwei Diesel sowie dem einzigen verfügbaren Benziner ist es serienmäßig an Bord und überzeugt durch geschmeidige Schaltvorgänge und treffsichere Gangwahl. Wer sich dagegen für das Basismodell mit 140-PS-Vierzylinder-Diesel entscheidet, muss die sechs Gänge selber wechseln, nur er hat dafür die Wahl zwischen Allrad- und spritsparendem Frontantrieb.

Flott, komfortabel und laut

Galerie: Erster Test Jeep CherokeeDas Gros der Käufer wird die 170-PS-Variante des Selbstzünders wählen und damit eben auch in den Genuss der Wandlerautomatik und des Allradsystems “Active Drive I” kommen, dass die Hinterachse auch nur bei Bedarf mit Kraft versorgt und sich - neben dem Auto-Modus - per Drehregler auf sandigen, matschigen oder verschneiten Untergrund einstellen lässt. Obwohl ein größerer Turbolader für das Plus an Leistung sorgt, bleibt das Drehmoment gegenüber dem Basismotor bei 350 Newtonmeter konstant. Genug, um den Cherokee in 10,3 Sekunden auf Tempo 100 zu bringen und ihn immerhin 192 km/h schnell zu machen; zugegeben: Der Schwächere ist nur unwesentlich langsamer, mit 5,3 (2WD) zu 5,8 Liter aber immerhin einen halben Liter sparsamer - auf dem Papier zumindest.

Den Kompromiss zwischen dynamischem Fahrspaß und geländewagentypischer Gelassenheit hat Jeep gut gemeistert, der neue Cherokee - der übrigens auf der Alfa-Romeo-Giulietta-Plattform aufbaut  - nimmt Schlaglöcher und Unebenheiten gelassen hin; ganz so sportlich wie ein BMW X3 lässt er sich aber nicht in die Kurven werfen. Was den Fahrkomfort dagegen trübt, ist ein latentes Brummen, dass der Motor bei jeder Drehzahl, unter Last und im Schiebebetrieb von sich gibt - dabei hat Jeep extra betont, dass die Geräuschdämmung im Lastenheft dick unterstrichen wurde.

Trailhawk nur mit V6-Benziner

Galerie: Erster Test Jeep CherokeeWer es dagegen weniger auf geteerte Straßen denn auf grobes Gelände abgesehen hat, der sollte auf den Trailhawk zurückgreifen, der mit Getriebeuntersetzung und Sperrdifferenzial ein deutlich gesteigertes Offroad-Potential mitbringt. Der Nachteil: Der Hardcore-Cherokee ist nur mit dem Benziner bestellbar - einem 272 PS starken 3,2-Liter-V6. Trotz der Überlegenheit beim Hubraum kommt der Sauger allerdings nur auf 315 Newtonmeter Drehmoment; schneller als die Diesel ist er aber trotzdem (8,1 Sekunden, 206 km/h).

Allein der Verbrauch von - bereits nach EU-Messzyklus - zehn Liter Benzin je 100 Kilometer dürfte in unseren Breiten die meisten Käufer abschrecken; und wen der Durst nicht vertreibt, der macht wahrscheinlich beim Preis von mindestens 48.000 Euro einen Rückzieher. Den Basisdiesel gibt es nämlich schon ab 34.800 Euro, die 170-PS-Variante kostet 36.900 Euro - und diese 2.100 Euro Aufschlag für Allradantrieb, Neungang-Automatik und mehr Leistung sind ein mehr als faires Angebot.   

Gute Ausstattung, wenig Platz

Galerie: Erster Test Jeep CherokeeSchon der Longitude bringt 17-Zoll-Leichtmetallräder, Parksensoren hinten, elektrisch anklappbare Spiegel, Klimaautomatik, Digitalradio, Tempomat, einen umklappbaren Beifahrersitz, und eine in der Länge verschiebbare Rückbank mit. Letztere ist auch nötig, will man hinten kommod sitzen, denn anders als das üppige Platzangebot in der ersten Reihe ist es im Fond deutlich enger. Je nach Konfiguration schluckt der Kofferraum 412 bis 1.267 Liter - bei umgeklappter Rückbank. Was bleibt, ist die hohe Ladekante und eine relativ knapp bemessene Öffnung.

Wer sich für das Top-Modell Limited entscheidet, darf sich zum einen über 18-Zöller freuen, zum anderen aber auch über eine elektrisch betätigte Heckklappe, Bi-Xenon-Licht, Rückfahrkamera, schlüssellosen Zugang, Licht- und Regensensor, Nappaleder und Sitzheizung, einen elektrisch einstellbaren Fahrersitz, das bunte Display im Kombiinstrument und eine Induktionsladeschale für das Handy, in der der Akku entsprechend befähigter Modelle geladen wird, ohne dass ein Kabel angeschlossen werden muss. Zahlreiche Assistenzsysteme stehen zudem gegen Aufpreis bereit.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Die Zeit, in der Geländewagen noch grobe Kästen seien dürfen, ist vorbei - dass musste auch Jeep erkennen. Nachdem die Amerikaner schon den Grand Cherokee weichgespült haben, folgt nun mit dem Cherokee ein Kraxler im - zugegeben gewöhnungsbedürftigen - Designer-Gewand. Mit der Trailhawk-Version beweisen sie aber auch, dass moderne Kleidung und Geländetauglichkeit vereinbar sind.
 

Für die Großstadtindianer hat Jeep dagegen erstmals beim Cherokee auch eine Version mit Frontantrieb im Portfolio, in den meisten Füllen dürften aber die - sinnvolle - Entscheidung für den 170-PS-Diesel fallen. Der bietet ausreichende Fahrleistungen bei moderatem Verbrauch und für einen vergleichsweise geringen Aufpreis gegenüber der Basis den Komfort der Neungang-Automatik sowie den Allradantrieb.

Nachwievor aber verlangt Jeep seinen europäischen Käufern ein wenig Kompromissbereitschaft ab: Weder die zwischen “angenehm anzufassen” und “billig wirkend” schwankenden Materialien im Innenraum, die kruden Übersetzungen des Entertainment- und Infosystems noch der etwas brummige Motor dürfen einen abschrecken.

 

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