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Galerie: Erster Test Jeep Grand Cherokee SRT

Erster Test: Jeep Grand Cherokee SRT

Disziplin-Wechsel

02.08.2012

Robert Harting ist das, was man gemeinhin einen echten Brocken nennt: 2,01 Meter hoch, 126 Kilogramm Wettkampfgewicht. Genug Muskeln, um den zwei Kilogramm schweren Diskus an die 70 Meter weit zu werfen; in die Nähe des olympischen Golds. Auf die Idee, Harting die Disziplin wechseln zu lassen, ihn in einen Laufanzug zu stecken und gegen Usain Bolt und Yohan Blake antreten zu lassen, käme wohl niemand. Die Fiat-Tocher Jeep aber hat sich von der Vorstellung des wie eine Dampfwalze den Sprintern hinterherstapfenden Diskuswerfers nicht abschrecken lassen.

Galerie: Erster Test Jeep Grand Cherokee SRTÜber 2.400 Kilogramm Leergewicht, verteilt auf einen aerodynamischen Klotz von 2,15 Meter Breite und 1,75 Meter Höhe sollen nach dem Willen der Ingenieure nach nur fünf Sekunden Tempo 100 erreichen. Knapp 69 Meter legt der Grand Cherokee SRT bei dieser Disziplin zurück; eine Strecke, für die Weltrekordhalter Bolt gut anderthalb Sekunden mehr Zeit braucht. Ist es Jeep also tatsächlich gelungen, dem Schwergewicht Beine zu machen?

Auf der Geraden allemal! Mit 630 Newtonmeter Drehmoment aus geräumigen 6,4 Litern Hubraum tritt der konventionelle Achtzylinder-Sauger im SRT den Downsizing-Trend mit Füßen und an, seine Passagiere unbarmherzig in die großen Sessel zu drücken. Sehr gefühlvoll hat der Umgang mit dem Gaspedal zu erfolgen, damit die 468 PS nicht schon beim Ausparken größere Schäden an umher parkenden Autos verursachen. Das traditionsreiche Dickschiff reagiert auf den Abmarsch-Befehl so direkt, wie die Olympioniken auf den Startschuss und bringt dank Allrad die Leistung stante pede auf den Asphalt.  

Dezenter Sportdress

Galerie: Erster Test Jeep Grand Cherokee SRTDabei sieht der SRT gar nicht so wild aus: Der schwarz hinterlegte Sieben-Streben-Kühlergrill, geschmiedete 20-Zoll-Räder, Heckspoiler und -diffusor sowie eine Doppelrohr-Auspuffanlage sind schmucke Zeugnisse der Kraft und keine übertriebenen Tuning-Insignien. Die beiden großen Luftauslässe auf der Motorhaube sind gar erst bei genauem Hinsehen zu erkennen – oder vom Cockpit aus, wo sonst nur ein paar SRT-Logos, das Sportlenkrad und Alupedale auf den großvolumigen Achtender hinweisen.

Nun braucht es keinen Propheten um herauszufinden, dass abgesehen von der 100-Meter-Aschebahn im Stadion wohl fast jede Gerade früher oder später in einer Kurve endet – schnell schnurstracks fahren zu können - mit dem SRT bis zu 257 km/h schnell – ist nur die halbe Miete. Um das Schwergewicht adäquat um die Ecke scheuchen zu können, hat man seiner ursprünglichen Bestimmung, im Gelände eine gute Figur zu machen, abgeschworen und es 30 Millimeter näher an den Erdbogen gerückt; auch der herkömmliche Fünfgang-Automat anstelle eines Verteilergetriebes mit Untersetzung könnte übrigens als Verrat am Offroader gelten.    

Kein ESP-Geblinke

Galerie: Erster Test Jeep Grand Cherokee SRTDie Tieferlegung, am besten zusammen mit den im Sportmodus strafferen Dämpfern, erlaubt einen für ein derartiges Ungetüm erstaunlich exakten Kurvenstrich, vermeidet übertriebene Seitenneigung und ermöglicht forciertes Herausbeschleunigen – ohne wildes Flackern der ESP-Warnleuchte. Daran hat auch das aktive Allradsystem großen Anteil: Steht der Schalter in der Mittelkonsole auf Sport, ändert sich die Drehmomentverteilung von paritätisch zu hecklastig, und sollte einmal ein Rad durchdrehen, kann das System das volle Moment an eines der Hinterräder leiten. Um die Kraft dagegen wieder abzubauen, gibt es eine Brembo-Anlage, die den Zweieinhalbtonner bei Bedarf nach 35 Metern von Tempo 100 zum Stillstand bringt.

Stoppen kann den Jeep auch der Mangel an Sprit, wenngleich sich der SRT laut Norm "nur" 14,1 Liter nehmen soll und damit genau so viel wie die nur 352 PS starke Version. Vor allem die Zylinderabschaltung und der daraus resultierende Vierzylinder-Betrieb zeichnen für eine Einsparung von bis zu 13 Prozent verantwortlich. Dass man mit den 93 Liter Superbenzin im Tank aber tatsächlich die rechnerisch möglichen 680 Kilometer schafft, bleibt leider eine Wunschvorstellung, auch 20 Liter je 100 Kilometer verbrennt der SRT spielend. Im Alltag wird sich der Durchschnitt wohl knapp um die 17 Liter einpendeln.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Jeep Grand Cherokee
Motor / Ausstattung   SRT
Motor    
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   6.417 / V8
Leistung (kW (PS) / U/min)   344 (468) / 6.250
Drehmoment (Nm / U/min)   624 / 4.100
Antriebsart   Allradantrieb
Getriebeart   5-Gang-Automatik
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.846 / 2.154 / 1.749
Radstand (mm)   2.914
Wendekreis (m)   11,6
Leergewicht  (kg)   2.418
Kofferraum (Liter, nach DIN)   782 - 1.554
Serienbereifung   295/45 ZR 20
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
EU-Zyklus (l/100km)   14,1
CO2-Emission(g/km) / Abgasnorm /Effizienzkl.   328 / Euro 5 / G
AS24-Verbrauch (l/100km)   k. A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   5
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   257
Preise    
ab (Euro)   74.200,00
Ausgewählte Extras (Euro)   kommt komplett ausgestattet
 
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Vollausgestattetes Schnäppchen

Galerie: Erster Test Jeep Grand Cherokee SRTDafür lässt sich bei der Anschaffung einiges an Geld sparen, wenn man zum SRT-Jeep greift anstatt zu deutschen Mitbewerbern. Mit 74.200 Euro liegt der Grand Cherokee knapp unter dem Tarif, den Mercedes-Benz und BMW für ihre deutlich schwächeren 400-PS-Modelle X5 50i und ML 500 nehmen; der 420-PS-Porsche-Cayenne-GTS steht sogar mit 15.000 Euro mehr auf der Rechnung – jeweils mit viel Luft nach oben für Sonderausstattung. Und: Alle drei sind mindestens eine halbe Sekunde langsamer als der Jeep.

Wer mit Porsche, Benz oder BMW dem SRT davon fahren will, muss schon zur Speerspitze in Form von Cayenne Turbo, ML 63 AMG oder BMW X5 M greifen. Dann stehen zwar 30 bis 90 PS mehr zur Verfügung und sie unterbieten den Jeep beim Standardsprint um bis zu 0,3 Sekunden, doch werden dafür mindestens 110.000 Euro veranschlagt. Dass die drei deutschen Super-SUVs dafür ein paar Liter weniger verbrauchen, macht die Bilanz nicht viel besser.  

 
Fazit

Michael Gebhardt

Ob sich Robert Harting bei Olympia im Laufen versuchen sollte, sei dahin gestellt. Jeep aber beweißt, dass auch in Schwergewichte hochdynamisches Potential steckt - nicht nur auf der Geraden, sondern auch, wenn es ums Eck geht. Sicher vermag der Grand Cherokee SRT einem Porsche 911 nicht das Wasser zu reichen, in Anbetracht von 1,75 Metern Höhe und zweieinhalb Tonnen Leergewicht hinterlässt der Allradler aber eine beeindruckende Figur und muss sein Stabilitätsprogramm nur selten bemühen.

Erfreulich ist auch, dass der Jeep zwar im Sportdress, nicht aber übertrieben protzig auftritt – und dass er im Vergleich zu seinen Mitbewerbern ein Schnäppchen ist, das zudem noch vollausgestattet zum Kunden rollt. Da kann man die paar Liter Mehrverbrauch getrost in Kauf nehmen.
 
 

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